Vornrrrtag den 25. Zunl

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Das schlafende Heer.

Roman von Clara Biebig.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

kiio seine Gattin mit ihrer Vorliebe für

btr» F°r,ter netI^ und Jadwiga schlechter Stimmung war. Pflegte fte von einer Wüste zu svrechen, in der man emen grünen Fleck schon einen Garten nennt Dam! 'Sie* r1^ mc^r' TT 'Gegenteil, er pflichtete ihr bei.

iinfioF rei^V ^re anders war es früher hier gewesen!

»län/enA^m> Ton, heiterer die Geselligkeit, gradezu EsU^ud. Man hatte amüsiert auf den Bällen in hp? ^stolnC-r? bte,et Bälle hatte er die schöne Tochter

^,1^,^uhen Warschauer Bankiers kennen gelernt, dessen Reichtum weder noch dessen Katholizismus ererbt war

uuch dre Kasino feste in der Kreisstadt waren sehr angenehm gewesen. Man war eben unter sich. Aber Lnfirrw«'« bem ^ande wenigstens, eingekeilt zwischen UnY fmünS t-rrn' ed möglich, exklusiv Ul bleiben. £ nuher ruckte einem Plebs auf den Hals. Wer »ebn Ä%crktne Seute gekannt? Leute, die kaum zeyn Hektar ihr eigen nannten oft nicht einmal so viel erhoben letzt den Anspruch, wie Besitzer gegrüßt zu werden Schmarotzend, wie Milben auf der kranken Rose, hockten die Ansiedler im Land. Unerträgliche Zustande!

»»«r' ufrt Garczynski vergaß ganz, daß in seiner Jugendzeit Przhborowo, und vor allem Nieinczyce, längst schon in deutschen Händen gewesen waren: aber er hatte Dav damals nicht so unliebsam empfunden. Woran lag das?!

diun, woran es auch liegen mochte, jedenfalls jetzt so schnell tote möglich verkaufen! Und so hoch wie möglich! Wenn Garczynski an die Ansiedlungskommission dachte, suhlte er sich sehr erleichtert. Ueberdies waren ihm die letzten Jahre nicht günstig gewesen, und die Bank Ziemski*) wurde nicht in oer Lage sein, ihn so mit einem Ruck sicher hinzustellen. ' ,

,;i . Noch an diesem späten Abend beschäftigteil ihn solche Gedanken. E beschäftigten ihn so lebhaft, daß er, trotz oer Teure an seinen Fingern und, ohne den Rock zu wechseln, der von der Nähe des Schreibers unliebsamen Duft an- gezogen hatte, seine Gattin aufsuchte.

Stasia konnte einen kleinen Freudenschrei kaum unter- drucken, ms der gnädige Herr so unvermutet eintrat.

Soll ich jetzt gehen und die Nepomucena wegschicken?" sagte sie geschwind.Sie wartet schon zwei Stunden'"

Aber fte kam so leicht nicht fort, wie sie gehofft hatte.

Laß fte warten," war die Antwort.Und dtt wartest auch!"

,, "Es _ist nur Stasia," sagte Jadwiga zu ihrem Gatten, als sie seinen unwilligen Blick bemerkte.

*) Polnische Landbank,

Ich Möchte etwas allein mit dir besprechen!" Nun, so sprich doch!. Wir sind ja allein. Null? Mas' willst du?!"

Sich auf die Seitenlehne ihres Sessels setzend, nahm! er spielend ihre .Hand. Und dann sagte er ihr, daß er eben vom Schreiber habe ausrechnen lassen, daß Chwa* ltborczyce im Verkauf so und so viel bringen müsse, wenn der Verkauf lohnen sollte.

,,, "Du bist eine kluge Frau, Jagusia," murmelte er zärb> lrch und küßte ihre Hand.Und" er hielt an und ließ fernen Blick über sie hingleiten mit einem leichten lächelnd den Nickendu bist eine sehr schöne Frau! Was würdest du davon halten, mein Täubchen, wenn wir die Herren von der Kommission zum Diner einlüden? Doleschal mochte ich auch dazu bitten. Er ist mir wichtig. Er ist Mit.der Regierung liiert: ich habe gehört, daß er erst neuliü) in Posen war, beim Oberpräsidenten. Ist dir's recht? Mach's echt national, mein Seelchen: Barschtsch*) und Eiltenpotravcka und ach, du wirst schon wissen! Und viel alten Ungar! Ich sage dir, sie trinken beim Dessert aus deinem Schuh. Sag, was hältst du davon?"

Sehr viel," sagte sie lächelnd und lehnte den Kopf an seine Schulter.Und dann ziehst du auch mit mir hin, iw nnr's gefällt, nicht ivahr, Olek?"

Er .strich ihr sacht über die gelöste Frisur:

Dein schönes Haar!"

Laß doch!" Aergerlich bog sie den Kopf zur Seite: es fing an in ihrem Gesicht zu zucken, als wollte sie weinen.Verkaufe doch endlich! Was habe ich davon, wenn's zu spät ist! Sieh, hier" - sie ließ die Strähneit durch die Finger gleitenich werde grau! Schon lange Faden! Aus Kummer, aus lauter Kummer! O, unser armes Polen! Täglich gelobe ich bei der heiligen Mutter: tem Kleid aus Berlin keinen Hut aus Wietl nicht Wiesbaden, nicht Homburg im künftigen Jahr nicht einmal in die deutsche Kvnditorei zu Posen! Ach, hätte ich dich doch nicht geheiratet! Wäre ich in Warschau ge­blieben! Lieber unter Russen leben als in dieser lang­weiligen Oedenei!"

Er wollte etwas sagen, aber sie ließ ihren Mann gar Nicht zu Worte kommen, heftig schrie sie ihn an:Gedenke demer Pflichten gegen Boleslaw! Wenn Gorka von hier fortkvmmt, was doch gewiß bald der Fall sein ivird, was dann? Dann ist alles aus! Diese Hauslehrer mit den schwarzen Nägeln, die mit allen Mägden herumliebelu : pfui, widerlich! Wir haben das doch vorher, denke ich, zur Genüge durchgemacht. Gorka sagt:die Zukunft Polens ist in der Mütter Hand gegeben" nun wohlan, ich bin eine Mutter! Und ich sage dir, wenn du nicht bald ver­kaufst, so ziehe ich allein mit Boloslaw in die Stadt. Ich bin es meinem einzigen Sohu und meinem Vaterland schuldig!"

*) Rote Rübensuppe.