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nur Mi nähernd däS zu bewältigen, was hier ein Bienenfleiß zusammengetragen hat. T«ß man die neueste Er- rungenschast unserer Schulpolitik, die praktische Ne.berleitung unserer Mädchen zu ihrem Berufe als Mutter und Hausfrau nicht außer Acht gelassen hat, ist außerordentliche lobenswert. Als letzter Stein krönt das gesamte Werk eine Betrachtung über die allgemeine Hygiene, als deren Musterland 'Deutschland angeseheu- werden muß. Mau führt uns hier den Schularzt als Lehrer der Gesundheitspflege vor und weift uns nach, das; die Forderung der Reinlichkeit bei unseren Schulkindern als ein .Grundelement unserer Volksgesundheit anzusehen ist.
■ Von allen Abteilungen Weint Mrs die für das N n t e r r ich t s-, wesen die bedeutendste M sein, weil sie den Beweis liefern soll und muß, !vie in Miseren Brlduug'sanstalten gearbeitet wird. Die Schulausstcllung wurde von dem preußischen Kultusministerium in Gemeinschaft mit dem sächsischen Kultusmmisterium und der Ober- schnlbehörde von Hamburg ^usammengestellt. Sie umfaßt nicht, wie bei den Weltausstellungen in Chicago und St. Louis, das Gesamt- g'ebiet unserer Unterrichtseinrichtungen, sondern beschränkt sich auf die Volks- und höhere Schule, läßt also unsere Universitäten und Akademien vollständig außer Betracht, w. mußte natürlich den Veranstaltern der Ausstellung in der Hauptsache darunt zu tun sein, den inneren Betrieb unserer Schulen anschaulich zu machen, da lebendige Wirkungen sich bekanntlich nicht ausstellen lassen. Erst später soll Probeunterricht gehalten werden. Es war auch notwendig, die gegenwärtige Richtung der öffentlichen Erziehung zu kennzeichnen, denn das Unterrichts wesen hat sich zeitgemäß entwickelt und ist von beut Gebiet der rein geistigen Uebungen übergegangen zur Berücksichtigung des praktischen Lebens unserer Kulturvölker. Man erkennt dies am besten, wenn man sieht, luie jetzt Hand und Auge des Kindes zur Fertigkeit auf dem Gebiete des. Schönen unb zur Ausübung von Arbeiten künstlerischen Gepräges angeleitet und ausgebildet werden. Man erkennt ferner, welche Sorgfalt der körperlichen. Erziehung gewidmet wird, und wie man sich bemüht, sie mit den humanistischen in Einklang zu bringen. Daß unter diesen Uniständen auch der Unterricht für geistig zurückgebliebene Kinder nicht außer acht gelassen werden durste, versteht sich von selbst.
Wer mit offenen Augen gerade diese Abteilung betrachtet, wird erkennen müssen, daß sich unser deutsches Schulwesen doch in einem beachtenswerten Zustand der Entwickelung befindet. Es erweist sich, daß der Unterricht sich jetzt schon von Anfang an auf dcnr Gedankenkreis des Kindes vom zartesten Alter an aufbaut. Unter diesen Umständen durften auch die Waldschulen nicht fehlen, und es war außerordentlich notwendig, zu beweisen, daß mau jetzt auch das biologische Gebiet beut Schulkinde nach und nach zil eröffnen sucht. ' Nach dieser Richtung scheint das, was hie Stadt Zwickau in. Sachsen metht, gerademustyrgDig!, zu sein.
Auf dieser Grundlage baut, sich nun die deutsche Unterricht^ abkeilung auf. Wir finden im ersten Raum den Zweck der amtlichen akademischen Auskunstsstelle an der Berliner Universität erläutert, die es uns begreiflich macht, warum man jetzt in Deutschland emsig darauf bedacht ist, Schule und Haus in steter Verbindung zu halten. Hieran schließen sich = an Musterbüchereieu für höhere Schulen und ihre Lehrer. Tann erläutert man uns, wie jetzt Erdkunde gelehrt wird, uub es ist nur natürlich, daß man beweist, daß Heimatkenntnis, Heimatliebe und Heimatpflege Zielpunkte einer jeten gründlichen Ausbildung fein müssen. Hieran anr schließend beschäftigt sich die Ausstellung mit dem mathematischen Unterricht. Sodann zeigt man uns Mustereurrichtimgen von Klassenzimmern, ein. Physikzimmer, in beut den Schülern Gelegenheit geboten, wirb, Versuche zu machen, und außerdem, in anschaulicher Weise, wie der naturgeschichtliche Unterricht der Gegenwart von dem Bestreben geleitet wird, die Gestalten der belebten Welt in ihrer Abhängigkeit von den Einflüßen der Umwelt zu besprechen. Ein besonderer Raum beschäftigt sich mit dem Zeichenunterricht, und ein letzter ist dem Turnen, dem Lptel und dem Sport gewidmet. . , ■
Tas. sind die einzelnen Musterräume, auf Leuen die getarnte! Unterricht sausstellung aufgebaut ist, beim was sie sonst an Material, an Lehrmitteln und Monographien bietet, ist sp umpang- reich und so erschöpfend gehalten, baß selbst ent Studium von acht- Tagest nicht genügen würde, um - MM
prirpurseidenen Wandbespannungen ab, Weniger als dieser Raum lagt uns das Treppenhaus zu, in dem drei Brouzefignren des Berliner Bildhauers Karl Ebbinghaus Aufstellung gefunden haben, die zu massig sind, als daß man sie in diesem Raum gerne sehen möchte. Hildebrands Brunnen dagegen, der den Vorrauin ziert, fügt sich dem ganzen vortrefflich ein. Es ist ferner noch ein Vortragsraum 511 erwähnen, in dem die Urania aus Berlin Vorträge halten lassen will, zweifelsohne zur Förderung des Deutsch- tnms int Ausland, beim die gleichnamige Gesellschaft hat hier eine kleine statistische Uebersicht untergebracht, die auf derartiges schließen läßt. An das deutsche Haus' schließt sich eine stilvolle Weinstube und ein Münchener Bierhaus an, das mit Erlerschen. Figuren geschmückt ist, an die sich das Auge, erst allmählich gewöhnen muß. ..., ;
Die Einteilung der deutschen Abteilung ist eine ganz vortreffliche. Man hat an der entferntesten Nordseite mit der Raumkunst und dem Kunstgewerbe begonnen, ist. dann zum sUnterrichts- wesen übergegangen, mit dem man sinngemäß das Buchgewerbe mit seinen weitverzweigten Nebenberufen verbunden hat. Hieran schließt sich die Optik und Feinmechanik, dann folgt sdas Kraft-; wagen- und Luftschifswesen, hierauf der Wasserbäu und das Jn- genieurfach. Alsdann kommt man in die großen Maschinenhallen, die dadurch eine unterrichtende Bedeutung erlangen, daß sie fortgesetzt durch eigene Kraftanlagen im Betrieb gehalten werden. Besondere Aufmerksamkeit schenkte man auch dem landwirtschaftlichen Maschinenwesen rind- dem rollenden Eisenbahnmaterial ,das Von dein preußischen Eisenbahnministerium zusammengestellt wurde.
Von dieser Abteilung, die schon heute sich als eine Zugkraft der deutschen Ausstellung erweist, wollen wir kurz noch übergehen zum deutschen Buchgewerbe, das ja in der deutschen Welthandelsstatistik eine ganz hervorragende Rolle spielt. So hat Deutschland allein im Jahre 1908 an Druckwerken, einschließlich an bunten Papieren und Lithographien, fast annähernd für 110 Mill. Mark ausgeführt. Dazu kommt noch, daß wir für fast die gesamte Welt Druckmaschinen liefern, sowie auch fast sämtliche Maschinen für das Buchbindergewerbe, nicht zu vergessen unsere Ausfuhr an Drucklettern, die ganz besonders seit jener Zeit, seitdem unsere Schriften nach künstlerischen Grundsätzen her- S~ lt werden, eine wesentliche Ausdehnung erfahren hat. Tie lellung ftir das Buchgewerbe hat der deutsche Buchgewerbe- Verein in Leipzig veranstaltet. Sie ist außerordentlich reichhaltig und beweist namentlich auf dem Gebiete des Buntdrucks, daß Wir iu der Vielfarbentheorie in den letzten Jahren ungeheure Fortschritte gemacht haben.
Der reichhaltigen Ausstellung für das Buchgewerbe gliedert sich! eine Abteilung für Photographie an. Die deutschen Erzeugnisse für Photographie und Reproduktionstechnik stehen natürlich seit der Entwicklung, die das Zeitungs- und Zeitschriftenwesen genommen hat, jn innigster Fühlung miteinander. Beide gehörest also zusammen, und man hat gut daran getan, sowohl die Berufs-' photographie als auch die Liebhaberphotographie in das Bereich der Betrachtungen zu ziehen. Deutschland hat hier und dort auf dem Weltmarkt erhebliche Interessen zu vertreten, beträgt doch dta Ausfuhr an photographischen Gerätschaften rund 50 Mill. Mark im Jahr. 'Sie technische Vollkommenheit der photographischen Industrie wird durch die Ausstellung glänzend bewiesen.
Vervollständigend hat man natürlich auch der eletrotechnllchest Industrie gedacht, die Meßinstrumente, Registrierapparate herstellt, deren Gebrauch für den moderenen Betrieb im Buchgewerbe! nicht mehr entbehrt werden kann. Auch an Atlanten und Mim sikalien hat man gedacht und deren Ausstellung so reichhaltig wie möglich gestaltet. S- W.
Line neue vorgeschichtliche Menschenrasse.
Das Gebiet der Dordogue in Südwestfraitkreich, das an Ueberresten aus der ältesten nachweisbaren Geschichte des Menschengeschlechts so überaus reich ist, hat uns in der setzten Zeit wiederum einige hochwichtige Dokumente aus der Eiszeft geschenkt, über die eine Zuschrift der Internationalen Wochenschrift aus Bordeaux berichtet. Der nichtigste Fund ilt em tadellos erhaltenes ganzes Skelett, das am 12. September 1909 durch den Breslauer Prof. Magisch uub den L-Kveizer Archäologen O. Hauser auf dem Berge von Combe Capelle unwett des Städtchens Montferrand ausgehoben wurde. Die Fundstelle befindet sich 40 Km. südli'chl ton Le Mvustier im Vezsretal, wo vorher das vielbesprochene Skelett aus dem Ende der vorletztest Zwischeneiszeit, der Achculeeuzeit, gefunden worden war. Das! neue Skelett gehört der sogenannten Aurignacicnpertode an, die der Mitte der letzten Zwischeneiszeit entspricht. In ihr war an Stelle der ausgedehnten Movssteppeit mit einer kältcliebendest Tierwelt, tme sie vorher geherrscl. ein wärmeres Klima mit Grassteppen und weiten Wüstensttccken getreten. Damals wurde der die fruchtbarsten Gegenden Mitteleuropas bedingende Löß abgelagert, in dem wir die unter freiem Himmel, gelegenen! Lagerplätze des „Lößmenschen", von kalkreichem Flugsande über- weht und so erhalten, vorfinden. Der Lößmcnsch, der ein eifriger Jäger war, verfertigte sich mit großem Geschick ans Feuerstein Werkzeuge und Waffen und wußte auch zum erstenmal in der Menschheitsgeschichte neben dem Stein den Küochen in ausgedehntem Maße als Werkzeugsmaterial zu verwenden. Unter einem vorspringenden Felsen des Berges! vostl Combe Capelle fanden sich nun vier verschiedene, durch sterile Zwischenichtchteu von 30- 50 Cm. Dicke getrennte Milturschichten von ebenfalls 30—50 Cm. Mächtigkeit. Während die unterste Schicht dem vor der Anriguaeienperiode gelegenen Zeitalter des Mmtstoricii, an- gehörte, wurde die zweite SchiM, in der sich das Skelett raub/ nach den in ihr eingeschlossenen Kulturresten als zu der älteren, Zeit des Aürignaeieu gehörig erkannt. Die dritte und vierte Schicht gehören dann der mittleren und jüngsten Epoche des Aurignaeien an, wie sich ans der immer größeren Verfeinerung! in der Bearbeitung der Fenersteingeräte und aus dem Auftreteu gut gearbeiteter KUocheugeräte erkennen läßt. Das «leletr, befand sich in einer völlig unberührten, aus zahlreichen, mit «and und Kalk zusammengekitteten Feuersteingeräten und Knocheurelten bestehenden Schicht, die zweifellos dem ältesten Aurignaeien art-


