mo
AL 8
Jl\ w 14
1® ki
UM UW
MW^^W «WÄ VW^^VK?MZ8W»A
JTfte
WM
Droesigl.
Roman von Georg F r e i h e r r n von OmPtedck.
(Nachdruck verboten.)
kFortjetzUiig.)
Trotz der Größe der Räume ivar bas Gedränge fast zu arg. Ludwig sann auf ein Mittel, Luft zu schaffen. Drei Punkte enthielt das Programm: das Konzert, den ^auz und schließlich das Souper.
Auf den Tanz freute sich die Jugend, auf das Konzert die gereiften Leute, auf das Souper alle.
Ludwig sah nach der Uhr; es ivar noch eine gute Viertelstunde Zeit, bis die Veranstaltung beginnen soitie. Er lugte in den blauen Saal hinein, dann in den roten. Niemand achtete auf ihn. Es war, als könne er unter seinen Gästen hingehen, ohne daß jemand wußte, ioer er sei. Die einzelnen Menschen hatten sich gefunden, sie betrachteten die schönen, alten Sachen nnb Kostbarkeiten. Irgend jemand erklärte, ob er es nun verstand oder nicht. Ludwig war wirklich unnütz. Er fragte feinen Schwager Mguier:
-- Hast du das Gefühl, daß mau sich langweilt?
Der Graf, mager, ernst, das Haupthaar gelichtet, schüttelte den Kopf, indem er sich umblickte, ob er Patsch nicht sehe Im Nebensaal, von jungen Offizieren umringt, denen sie ausgelassene Geschichten erzählte, stand sie gerade neben den Möbeln der Marie Antoinette. Sie lind die Herren merkten nichts davon. Sie sprachen von ihrer kleinen Garnison, ihren Bekannten, ihren Pferden, für sie war die Geschichte umsonst dagewesen.
Ludwig ging weiter. Der Prinz zeigte eben ein paar älteren Damen in einem Glasschrank Bronzen der Renaissance. Einen Augenblick nahm ihn Ludwig beiseite:
— Unterhält man sich?
— Wie kannst du daran zweifeln?
Aber Ludwig trieb es förmlich, alle' ~ente zu fragen.
Er hatte eine Wendung gefunden:
-Man kann es als Hausherr nicht beurteilen.... Sagen Sie mal, aber ganz ehrlich, Sie kranken mich nicht, ist es sehr langweilig?
Dann befant er wohl die Antwort:
— Sie wollen wohl etwas Angenehmes horeu/
-— Keine Spur . . . ich finde es schrecklich bet nur!
Mit einem blasierten Gesicht ging er weiter und mußte doch innerlich lachen. Da sah er wieder den Minister, von älteren Herren umringt. Sie legten die Gesichter ut er uste Falten, vielleicht besprachen sie etwas, das morgen nn Reichstag zur Debatte kam. Daneben staiiden siiuge Leu e, und da die Musik gerade einen Straußscheu Walter spielte, fingen sie an, sich zu iviegen, als dächten sie: wird denni nicht bald getanzt?
Ludwig steuerte weiter durch die Menge, überall sah er neugierige Gesichter, Augen, die sich umblickteii zu entdecken, was hier Kunstsinn ititb Geld an den Wanden gehäuft. Geld, vor allen Dingen Geld. Denn das war es doch, was sie am Ende aller Ende Herzog. Da blickten sie zu den Plafonds auf mit ihren tiefen Kassettendecken, mit ihrem leichten Stuck, in dem nur dünne Goldfaden hinzogen, starrten in das Geblinker und Geblitzer der elektrischen Lichter auf den Kristall-Lüstern oder ben, Bronzeleuchter der Renaissance. Sie strichen im Kircheniaal über die gotischen Gewebe, sie betasteten im Oeuil-de-boeus- Zimmer die feinen Tapisserien der Manufaeture des Gobelins, sie betrachteten romanischer Heiligen dunkle, mystische Weihrauch- und Alterspatina. Sie hoben goldene gotische Kelche, als meinten sie, das Gewicht täte es dabei, sie betrachteten in den Vitrinen die Schätze an Käiidlerschem Porzellan. Die Damen drängten sich vor den wunderbaren Fächern aus sechs Jahrhunderten, die in Agathens Zimmer unter Glas in zierlichen Gehäusen die Wände schmückten; Sie saßen im gotischen Vorraitm, dessen paar frühe Sessel ein Vermögen gekostet. Sie machten sich breit auf den italienischen Stühlen mit ihren Goldknäufen und blitzenden Nägeln, auf altem, abgewetztem, rotem Sammet — Sammet, der einst einen Dogen getragen, den papa terridle, einen Gonzaga, Medici, Doria oder gar einen der Scaliger. Sie sahen die Büsten an auf beit Gudridons in ber „falle de Louis XIV." und ruhten in reichgeschnitzten, goldenen Stüh- len, die schönen, alten Uhren und Leuchter auf den bahuts in Rosenholz mit ihren herrlichen Bronzebeschlägen betrachtend.
Da Umreit welche, die wie die Bauern in den Museen umherzogen, die Wände betastend, wo alter Damast gespannt war, Seide oder spanisch-maurisches Leder. Dann blickten sie sich um, ob auch niemand ihre naive Neugierde bemerkt hätte.
Andere wieder standen mitten in den Herrlichkeiteit, wie dis jungen Offiziere und Gräfin Patsch, nicht ahnend, daß dieses Bild dort Tiziano Vecelli in seinen besten Jahren gemalt. Sie .wußten nichts davon, daß hier drei Rembrandts hingen, um die sich Ludwig einst mit dem Haag, Berlin und dem Louvre gestritten. Was kümmerte sie dort die Florentiner cassapanca, wie das Kensington-Mu- seum keine herrlichere aufzuweisen hatte. Was ging es sie an, daß hier ein Holbein thronte, gegen den in Darmstadt und Basel nichts auftäm; ein van der Meer, den Rotterdam nicht überbot, daß Franzosen des XVIII. Jahrhunderts vertreten waren, die gewiß die Eremitage Herrn Ludwig Droe- sial geneidet hätte? Sie sprachen von den Leuten, die sie gekannt, die sie kannten, die sie kennen würden, von dem, was sie gegessen und heute noch essen würden. Vor allen Dingen aber von dem Konzert, von dem alles erwartungsvoll redete. , ,,,
Im Rubenssaal war keine Bühne aufgeschlagen, nur ein leichter Auftritt, über den schöne Teppiche gebreitet lagen. Neben dem Flügel reihten sich Sessel um den Kamin.


