Ausgabe 
23.2.1910
 
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und der alte Bergschusters Friedrich fügte:So aut erlew' ich doch !blos mnol." , . ,,, t

" Ein schwerer Tag stand noch bevor, der darf nicht ver­gessen werden, das Kuchenbacken. Und das war.nicht so einfach. Ueber 100 Kuchen wurden gebacken, große und kleine, runde und lange. Denn die Gaste sollten Mich noch ein ordentlich Stück mit nach Hause nehmen. Die Weiber aus der Freundschaft mußten alle helfen und wre gern taten die's. Das war ein Geschäft und ein Treiben. Sämtliche Kuchenbleche des Dorfes wurden aufgetrieben, bis sie endlich schickten.

Und so kam denn der große Tag für unsre Zwei., ;yni Kästchen hingen sie die richtige Zeit. Marichs Ireundmnen hatten das Aufgebot mit künstlichen Blumen itnd Zwerge,r geschmückt. '

Heiter lachte die Sonne vom stahlblauen FruhlingS- himmel, und wo sie noch hier und da ein altes Schnee- restchen entdeckte, da küßte sie es und es verging. Um 2 Uhr sollten sie gekopuliert werrn, wie man gehört hatte. Hier und da sammelten sich Neugierige; besonders die alten Weiber, manche sogar mn ihren Brillen bewaffnet, um ja nichts Kn versäumen.

(Schluß folgt.)

Tyll Ulenspiegel.

Einer von den Propheten rnrserer Tage spricht zu uns: Der Belgier Charles de Coster.

Sein RomanTyll Ulenspiegel" ist in prachtvoller deutscher Uebersetzung im Verlage Diederichs-Jena erschienen.

Man muß Zolas Roinan kennen; man muß Tolstois Roman kennen, um zu wissen, daß ein Romanschriftsteller ein Prophet fein kann, ja, eigentlich sein soll. Einer, der seinem Volke große ernste Gedanken zu künden hat.

Und so muß >nan Costers Roman lesen!

Den gesunden fröhlichen deutschen Spaßmacher Till Eiilenspiegel verseht Coster in die Niederlande. Und aus dem 13. Jahrhundert verseht er ihn in die Zeit des großen Glaubenskainpses der Nieder­länder gegen die Spanier. Und so betommt Jein Roman einen großen tapferen Zug. In das Leden des luftigen Landstreichers tritt die ungeheuere Macht der Geschichte, tritt das iurchtbare eigne Schicksal. Und so ivird es zu>n Sinnbild eines gaiuen, lebens­froh angelegten, aber in der Schule des schrecklichen Leibens zum zähen Kämpf erzogenen Volkes; ja, zu mehr: zu einem Sinnbild des freien fröhlichen tapferen Menschen, der sich feius Freiheit zu erringen hat gegen die feindliche Zwangsgewäli des mittelalterlichen Klerikalismus.

Tyll Ulenspiegels Vater ivird als Keher verbrannt, ivie tausend andere. Ebenso schuldig-unschuldig ivie sie. Und der finstere ftönig Philipp II., Eulenspiegels Gegenbild, mit seiner gräßlichen, kalten Freude an anderer Qual, erbt das Vermögen des Kehers, wie das der tausend andern. Und die Angeber verdienen ihren Judaslohn.

Tyll Ulenspiegels Mutter aber nimmt von ihres Mannes Scheiterhaufen ein wenig Asche, hängt es in einem Beutelchen dem Sohn nm den Hals, und von da anbrannte Klasens Asche auf Ulenspiegels Brust".

Und er ward zum unerschrockensten Botengänger, Werber, Soldaten Wilhelms von Oranien. Er ivird zum Sinnbild de? Volkes, das sich aus leichter Lebensfreude, aus dumpfer Gedrücktheit empor rafft zum furchtbar ernsten Kamps um die Freiheit deS Ge- rvissens.

Und daS ist das Prophetische dieses Ron,ans! In einer herr­lichen, dichterischen Gestaltung, in kräftiger, markiger Sprache, in einer Fülle wechselnder Bilder, in einer großzügigen Charakteristik so stehen hier die tämpfenben Gewalten vor uns in ihrem Ringen um die Seele der Menschheit: Licht und Diinkel, Freiheit und Uiiterdrückung, Lebenskraft und Verderbeii.

Einebelgische Bibel" schreibt ein Rezensent. Eine belgische Ilias" ein anderer. Ja, eine Volksdichtung im tiefsten, umfaffenoften Sinne des Wortes. Wir fühlen SchillersDon Carlos" im Hin­tergründe bei den großen Ideen dieses Romans; wir werden an Goethes Reinecke Fuchs" gemahnt bei der natürlich-kräftigen Ge­staltung der einzelnen Züge. Wir werden hingerissen von diesen Menschen, erschüttert von diesen Ereignissen, empört gegen diese Grausamkeiten, gehoben von dieser unverwüstlichen Tapferkeit. Wir vergessen uns selbst, um diese Gestalten zeitlebens nicht mehr zu vergessen.

Es ist ein Prophet, der hier zu uns spricht. Ein Märtyrer, wie alle Propheten! Verkannt von denen, die wohl alle Propheten, stumpfsinnig nachbetend ehren, aber deren Geist in bett Propheten der eignen Zeit nicht wiedererkennen können! Die Arbeit eine® lan­gen einsamen Lebens steckt in diesem gewaltigen Epos. Eines Le- vens, das voller Geduld war, tveil es sich seiner göttlicheit Mission bewußt ivar. Denn es rechnete nicht auf Ruhm und Anerkennung, cs rechnete noch weniger auf materiellen Erfolg. Coster fühlte, daß er nut diesem Werke nicht nur für feine Zeit lebe, sondern ein Bür­

ger derer» die erst nach ihm konnneit solltett. Und so spricht es nun zu uns, ein Menschenalter nach dem stillen Tode seines Ur­hebers.

Und es spricht mit Prophetenstimmen, Wer Ohren hat ju hören, der höre!

O ihr gesegneten Scheiterhaufen!" so spricht man auch heu­tigen Tages noch in Rom.

Wir aber haben Costers große Dichttlng gelesen und fühlen: Klasens Asche brennt auch noch auf unserer Brttst!

------------- Dr. Strecker.

vermischter.

Alte Schiffe. Wie alt sind die ältesten noch ins Gc-, brauch befindlichen Schiffe? Tie Antwort auf diese Frage ist recht unerwartet, denn lvir sind ja gewöhnt, daß infolge der sich gegenseitig überholenden Erfindungen die großen Kriegs- und Handelsschiffe schon nach zwanzigjähriger Tätigkeit zum alten Eisen gehören. Es gibt aber tatsächlich eine Reihe von Schissen, die weit über ein Jahrhundert im Gebrauch sind. Das älteste davon ist ein dänisches Segelschiff, das zurzeit 186 Lenze zählt und seit 1723 ununterbrochen seinen Dienst tut. Kein so hohes Alter wie dieser Methusalem der Schiffe, aber immer noch eist achtunggebietendes, haben zehn kleine Segler der dänischen Handels­marine. Das älteste wurde 1735, das jüngste 1810 gebaut, sechs davon gehören noch dem 18. Jahrhundert an. Der Tonnen­gehalt dieser Schiffe schwankt zwischen 14 und 68. Alle diese Segler sind noch im Baltischen Meer und in der Nordsee zu sehen; sie werden zum Verfrachten von Granit mW sonstigen schweren Lasten verwendet und sind aus Holz verfertigt.

D i e m a g n e t i s ch e Erforschung b e § b ü n t (e it Erdteils. Die erste erbrnagnelische Erforschung Afrikas, bie nn Auftrage der Carnegie-Institution von Washington im vergangenen Jahre begonnen würbe, ist jetzt zum größten Teil vollendet; unter der Leitung von Dr. L. A. Bauer, dem Direktor der Abteilung für Erdmagnetismus am Carnegie-Institut, hat der Leiter des physt- kalischen Bureaus am südafrikanischen College von Kapstadt, Seattle, gemeinsam mit seinem Kollegen vom Viktoria-College, Professor I. F. Morrison, bie Reise von Südafrika durch das Herz des dunklen Erdteils bis zum Viktoria Nianzasee und den Nilguellen vollendet. Die Forscher brachen im November 1906 von Kapstadt auf; mit einem Ochsenwagen, der die Instrumente trug, und einer Schar Eingeborener als Begleiter und Träger wurde Deuisch- südwestafrika durchguert und nach Wochen großer Aiistrengunaest und mannigfacher Entbehrungen Windhuk epxsich» Wähkrnv Prof. Seattle in Deittschostafrikg seins Beobachtungen machte, landete Prof, MorUsüN in Swakopmimd, traf in Windhuk seinen Gefährten und von nun ab arbeiteten sich die beiden Gelehrten gemeinsam durch bie Urwälder und Sümpfe Mittelafrikas. Am 29. November 1909 waren sie bis zu den Nilguellen durchgebrungen. Der genaue Bericht über bie gewonnenen erdmagnetischen Beobachtungen wirb in ben nächsten Wochen erwartet.

Literatur.

Rehtwisch, Theodor, Von der Etsch bis an den Best. Geschichtsbilder aus den Jähren 1806 und 1809. Mit 8 Voll­bildern Turm-Verlag, Leipzig. 303 Seiten. 4 Mark. Mir! nähern uns der Erinnerungszeit an die großen Jahre vor 100 Jahren: groß durch den Willen zur Wiederaufrichtung des Staates Und groß durch die Zähigkeit, durch die Energie, mit der' mast den Willen zur Tat werden liest. Rehtwisch ist ein Mann, der fein Vaterland liebt und es hoch hält diese Gesinnung spricht aus dem ganzen Buch, das der Turm-Verlag uns vorlegt. Es ist ein sehr annehmbares und gutes Lesebuch aus jenen Tagen der inneren und äußeren Wiederaufrichtung und solche Lesebücher sind für uns und für unsere Jugend schließlich die besten. Sie fesselst und stillen mehr mit Begeisterung als trockene Darstellungen,

Kvnigspromenade.

Man darf bie einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise miteinander verbinden, baß man wie der König aus dem Schach­brett stets von einem Feld aus auf ein benachbartes übergeht.

Auflösung in nächster Nummer;

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Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Bundesrat, Uhr, Narses, Drau, Erde, Sand, Reseda, Athen, Therese, Hand.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universttäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießen-