Mittwoch den 25. ßebruar
MJ M
IH iwse
r VWirrm-THt«: ftlFnK'lIMRHWi -----—-
Droesigl.
SRoman von Georg Freiherrn von Ompted«.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Gegen Weihnachten fdifng Lu^Ag vor, die Schwestern ‘intb Sch»sLgrr Tilxit Fest' einzuladen. Ihr kam die Erinnerung an Rodins Marmorfigur, und fie, machte Ausflüchte, sie fühle sich in ihrem Zustande nicht aufgelegt. Er schien enttäuscht, doch als ihm Agathe einen Brief der Gräfin Lindenbach zeigte, glitt ein befriedigtes Lächeln über sein Gesicht, denn dort las er die Stelle:
„Ihr zieht Euch ja sehr zurück. Aber ich finde es sehr richtig, wegen Deines Zustandes, der doch einige Schonung nötig macht. Ich habe auch iiber Eure Zurückgezogenheit gerade in letzter Zeit von verschiedenen Seiten Angenehmes gehört. Ihr drängtet Euch nicht auf, hieß es, Ihr wäret so taktvoll. Siehst Du, Kind, man soll sich suchen lassen und nicht immer der sein, der auf dem Präsentierteller Kommt."
Einen Tag darauf fragte Ludwig unvermittelt:
— Dränge ich mich eigentlich auf?
Agathe lachte:
— Wie koinmst du darauf?
— Es ist immer gut, wenn man über sich selbst klar ist. Man weiß manchmal nicht, Ivie die Menschen es aus-- fassen. lind die.Aristo... — er verbesserte sich — alle find so.
Seine Frau sagte einfach:
— Slber du hast doch gehört, was Tante schrieb? Und lauf die kann man sich verlassen.
Ein paar Tage vor Weihnachten brachte Agathe ihrem Manu einen Brief, in dem sie Ludwigs Vater zum Weihnachtsabend einlud. Als seine Stirn sich runzelte, meinte sie, fast seinen Gedanken zuvorkommend:
— Es sieht ihn ja niemand hier!
Er blickte sie mißtrauisch an:
— Warum soll ihn denn niemand . .
— Er kann doch Gesellschaft nicht leiden.
Da klärte sich seine Miene auf:
— Ach so, das hast du dir gut ausgodacht.! Du weißt ja, daß er dich sehr gern hat, ich glaube lieber als mich.
An diesem Tage sprach er ihr zum erstenmal von seiner freudlosen, zwischen Mutter und Vater, die sich haßten, hin- und herpendelnden Jugend. Sein Vater hatte ihn zwingen wollen, bei ihm einzutreten. Das wäre nie ge- >gangen, denn der Selbstherrscher litt keinen anderen neben sich.' So war Ludwig gar nichts geworden und thytte Schulden gemacht. Der Alte raste. Aber er zahlte. Und nach einer großen Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn setzte er Ludwig eine hohe Rente aus. Dann war Ludwigs Mutter gestor-ben und hatte dem Sohn unter Uebergehung
des Vaters Millionen vererbt. Allmählich war nun das .Verhältnis zwischen Vater und Sohn besser geworden. MU besten imnrer dann, wenn sie sich ans dem Wege gingen.. Droesigl senior hatte einen Abscheu vor Titeln, Orden, äußerlicher Stellung in der Welt, in der.
gelte nur das, was 'pststssch sewst erworben haha Darunter verstand er aber Geld. Doch als er nun das Kohlensyndikat zusammengebracht, in dem allerlei besternte und betitelte. Herren saßen, und er vermöge seiner rücksichtslosen Intelligenz und der erdrückenden Anzahl von Aktien, die der Name Droesigl darstellte, an dessen Spitze stand, hatte man ihn zu überreden gewußt, gewissermaßen als Dekorationsstück nach außen einen Titel anzunehmen. Bei dem altert Herrn, in dessen Innerstem doch eine Art Eitelkeit steckte, klopfte eines Tages der Königlich Preußische Kommerzienrat an und ward nicht abgewiesen. „Ich mache mir aus dem Unsinn nichts", hatte er genau so gesagt, wie er es für nötig gehalten, den beiden Damen im Askanischen Hof unter die Nase zu reiben, die „Gräfin" wäre ihm „wurschtI Allmählich entwickelte sich der Kommerzienrat, nun bei hundert Gelegenheiten genannt, zum Geheimen. Endlich war auch der fleckenlose schwarze Frack des alten Herrn, den er freilich nur trug, wenn es gar nicht anders ging, mit mehreren von den Dingern behängt worden, die dK Geheimrat bei der Hochzeit als „Dreck" bezeichnet hatte.
Als nun Ludwig längst die Dreißig überschritten hatte, erwachte in seinem Vater, Auffichtsrat-Borsitzendem, Geheimem Kommerzienrat, Ritter und Komtur, allmählich das „politische Tier". Wegen mit aller Tatkraft bekämpfter Ausstände, Wohltätigkeit, Arbeiterfürsorge in großartigstem Umfange, wegen eines Machtwortes Ausbeutern gegenüber, war die Berufung in das Herrenhaus erfolgt. Und auK dem Widerstrebenden entwickelte sich allmählich der heutigß Geheimrat Droesigl, formenloser Kohlenbaron und Gewaltmensch, der dennoch mit der Gesellschaft und ihren Anforderungen so lange Frieden geschlossen, als sie ihn persönlich in Ruhe ließ. Ja, für seinen Sohn wollte er sie sogar, haben. Wenn er ihm auch in vielem immer fremd blieb',, so freute er sich doch an dem Emporkommen seines Privatunternehmens, der Plauener Spitzenfabrik, freute sich, ohne es zuzugeben, auch an Ludwigs gesellschaftlichem Aufstieg, lieber Duldung kam es zur Zufriedenheit, ja in einzelnen Momenten zum Stolz über den Sohn, der die Droesigr erhalten und aus rauhen Anfängen zum Aufstieg führen sollte in die herrschenden Klassen des Landes.
Agathe hatte Ludwig andächtig gelauscht. Sie war schon derartig in die Interessen ihres Mannes einaedrungen. daß sie sich beinahe stolz fühlte auf die Art, wie die Droesigl Geld gemacht. Die Tochter dessen, der alten, ererbten Besitz durch ungezügelten Lebensdrang verschleudert, .empfand Bs- wnnderuna für diesen rauhen Alten, der den umgekehrten Weg wie ihr Vater gemacht.
Als von ihm die Antwort kam, in der gewohnten kurzen


