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„So, selbst geschn hast sie, unb jämnierlich sah fte aus ?" Murmelte sie schwach. „Na, da geh' nur, geh', Lammwirt! Wenn dir red’ Mädel nit mehr gut genug ist — ausdrängen werd' ich $ m
Das Wort hatte ihr ans Herz gegriffen.
Ihr Rosel, ihr schönes, blühendes Rosel, lind — „jämmerlich sah sie aus!" sagte der alte Liebhaber, der das Mädel sonst ttt den Himmel erhoben hatte. ~ ,
Der Ignaz murmelte noch allerlei: Gute Freunde konnten sie ja darum doch bleiben, und was er der Hüblern versprochen, das hielte er ihr auch. Aber sie schüttelte zu allem nur den Kopf, und sagte müde: „Nein, Lammwirt, nein! Wenn dir mein Mädel nit gut genug is, sind mir deine Fuhren schon lang' nit gut* Geh' deiner Wege, ich Helf' mir schon alleine!"
Lieber hätt' er gewollt, sie >vär' ihm grob und hitzig,ge-i kommen. Ganz elend war ihtn zu Mute, als er von dannen ging.-
Bielleichjt ävctr die Nacht, die nun kam, die bitterste im Leben des schwergeprüften Weibes. Nahm ihr der zürnende Herrgott droben denn alles, woran ihr Herz gehangen? Schlug, er ihr jede Hoffnung zu Nichte? Wars nicht genug, daß er ihr den Mann nahm, den Ernährer, und daß sie allein zurnckblieh mit den unversorgten Kindern? Nahm er nicht auch das Seppele, ihren Herzenstrost, den sie bis Heut nicht vergessen konnte! Und das Häusel mußte abbreimen, daß sie nicht hatte, wohin sre ihr Halupt niederlegen sollte, und die Rosel war elend geworden, daß nun keiner sie mehr mochte und kein Glück mehr für sie tarn,- so jung sie nock) war! Tenn den Toni hatte die Mutter ja selber weggejagt in ihrer Blindheit; der kam nimmer wieder, der trotzige Bursche! — Ach,- all ihr eigenes Herzeleid hatte sie standhaft ertragen, aber der Rosel ihr Unglück brach der Mutter fast das Herz. Das war ja ihr letztes geivesen, daran )te sich geklammert in ihrer Not: die Rosel war doch wenigstens gut versorgt! Wenn ihr das Aufbauen, das Wieder-vou-voru-anfangenl auch noch so unmöglich geschienen, die Hoffnung auf eine besieg Zukunft hatte sie aufrecht erhalten. Nun war ihr auch das, genommen, und für sie gabs keine Hilfe und Rettung mehr, keine! — In stummer Verzweiflung durchwachte sie die Nacht, sah die Sterne Heraufziehen und wieder erblassen und fand kernest Ausweg aus diesem Uebermaß des Kummers.
Mit dem ersten Tagesgrauen war sie auf den Fußen. Arbeiten mußte sie! Was sollte anö den Kindern werden, wenn sie verzagte? Und so schaffte sie, um ihres Kummers Herr zu werden, wie sie jeden Tag ihres harten Lebens geschafft hatte. Keiichend schleppte sie die schweren, halbverkohlten Balken von der Brandstelle; die war nun bald gesäubert, auf die neue Woche sollte das Aufbanen beginnen. Aber wie? Mer wovon? —■
„'s wird schon gehen," sprach die Hüblern nach alter Gewohnheit vor sich hin, „sei ruhig, Franzt, ich schaff's Mfr!" Ach, sie glaubte ja selber nicht an das tröstliche Wort, regt nicht
In der sechsten Stunde kam jemand auf dem schmalen Fnß^ Pfad stber die Wiesen gegangen. „Behüt' mich Gott, der Grenzer! murmelte die Hüblern, die ihn von ioeitem kommen sah. „Was will der nun? Is das auch wieder ein Unglücksbot'?"
Nein, es war kein Unglücksbote. Er brachte das Glück.
„Mutterle," sprach er in seiner treuherzigen Art nach dest ersten ungeschickt einleitenden Worten. „Ihr habt mich zwar bös fortgeschickt neulich, aber da bin ich halt wieder, und das Mal laß ich mich nit wegschicken! Ich bitt' Euch, gebt mir die Ro>el; einig sein wir zwei schon lang', und sobald ich an Wachtmeisterposten krieg', können wir heiraten. Ob sie a rotes Gesichtcl hat oder a weißes, mir is' egal. Das Herze macht's aus, rind 's Herze, das sitzt bei der Rosel am richtigen Fleck."
Nichts hat die Mutter darauf sagen können, das Herz in der Brust Hat ihr gezittert, und die hellen Tränen sind ihr nur immer so runtergelaufen über das braune, vergrämte Gesicht.
Denselben Tag hat sie sich ihre Rosel heimgeholt, .und aks.abmidS der Toni von seinem Reviergang znrückgekommen ist, hat die arme Rosel das verbrannte Gesicht au seine Schulter gelegt und leise gesagt: „Gut bin ickj dir ja schon lang', Toni, schon seitdem — weißt halt, seit jener Nacht bei die Heidst-einen" . . .
„Scht!" spricht der Toni und hebt den Finger und lachtj „davon reden wir nit mehr, Roserle!" —
Erst recht haben die Nachbarii alle zum Baudenbau mitge- Holfen, als sie gehört haben, wie's der Lammwirt mit der Hübler- Rosel gemacht. Ter Förster hat die Fuhren gestellt, und der Herr Graf in Warmbrnnn, dem all die unendlichen Wälder gehören, hat das ganze Bauholz geschenkt, und längst, ehe dep Winter kam, hat die neue Hüblerbcmde stattlich und winducher dagestanden auf den grünen Wiesen.
Als dann die Rosel gesund geworden, hat sie sich ein Hevzj gefaßt 'und ist mit dem Feuernkal auf ihrer Wange in die Kreisstadt zum Landrat gegangen, ganz allein, und hat den Herrst Landrat gar schön gebeten, er soll doch nach all dem Unglück, was über die Hüblerbaude gekommen ist, der Mutter nun endlich die Konzession geben! Der Landrat war ein gutherziger Herr, die armen Leute haben ihn gedauert, und' von der Hüblern, di« sich nach des Mannes Tode jahrelang so tapfer durchgeschlagen, hat er schon früher gehört. Er versprach also der Rosel, fein bestes zu tun. Und kurz und gut, eines Tages war halt die Konzession richtig da, Und mit dem nächsten Sommer kamen auch die Fremden« Ter Landrat und seine Familie waren die ersten, die der Hüblern die Ehre taten und die Hüblerbaude in die Mode brachten, und jhnen folgten andere, und immer neue Scharen ziehen nun hin zu
keins Von ihnen und doch deni Mut nicht verlor. Tie Lubler- baude war nicht versichert gewesen, ganz wieder von vorn anfangerv mußte die Frau; aber sie klagte und zagte nicht. Nwc den Richter-Ignaz schaute sie manchmal mit unruhig sorgenden Blicken an, und es war, als wenn sie ihn was fragen wollte; aber ihr Mund blieb stumm. Er kam öfter herauf; nur bei der Rosel war er noch nicht gewesen, die immer noch von der Försterin gepflegt wurde. Tie Hüblern redete ihm , auch nicht zu; ihr. hängte ja selber vor dem Augenblick, wo er sie zuerst sehen würde.
Endlich aber kam der Ignaz doch in die Försterei.
Rosel saß, nock, sehr schwach und Müde, auf der Bank neben der Haustür. Tie Sonne schien hell auf ihr blondes Haar, das malt ihr um die Stirn herum ganz kurz verschnitten hätte, lieber der linken Gesichtshälfte lag ein breites, schwarzes Tuch, an Armen und Händen waren noch die roten Brandmale zu sehen. Verlegen griff der Ignaz an seine Mitze; seine Dreistigkeit ließ ihn ganz im Stich, als er das arme Mädel sah. ,,^ch wollt doch mal! f-ebnt, wie dir's ergangen ist, seit dem Unglück, ftntfpytp fJV
Die Rosel tat, als sähe sie seine hingehaltene Hand nicht; Me blickte zur Seite und sagte kurz: „Wenn du all die vierzehn Lag' nit kommen bist, wär's auch heut' nit nötig gewest.
„Hast noch arge Schmerzen, Rosel?"
Sie zuckte die Achseln. „Man nmß's halt aushalten.
Der Lammwirt, der doch sonst so selbstbewußt auftrat, war ganz eingeschüchtert durch ihre frostige Art. Er stand neben ihr |mt> strich ein paarmal unbeholfen mit feinen dicken Fingern über die häßliche!», roten Flecke auf Rosels Händen. „Bleibt das Miner so?" fragte er ungeschickt.
Rosel nickte. „Ja, das bleibt immer jo," sagte sie bitter. Ein schöner Liebhaber, der nichts anderes zu sagen weiß, wenn fein Mädel schier zu Tode verbrannt ist! Mit einer schnellen Bewegung zog sie das schwarze Tuch vorn Gesicht, imd der Ignaz fuhr zuriick vor dem Anblick des breiten, narbigen Brandstreftens, der schräg über Sttrn und Wange lief. „Und das bleibt auch jo, immer!" sagte das Mädchen hart.
„Jemersch ne! — O du gütiger Gott! — O du arm's Rosel, wie schaust du denn aus!" stammelte der Ignaz erschreckt. Er hatte sich auf die Bank neben Rosel setzen wollen, aber es litt ihn hricht in ihrer Nähe. Er trat ein paar Schritte zurück und bat: r,Leg' das Tüchel wieder um, Rosel, ich kann's nit sehen."
„Ja, denkst etwa, man wird schöner, wenn ma halb verbrennt?" spottete Rosel. „Bist ja mächtig weichherzig geworden, Lammwirt, daß du nit amol a verbrannt's Gesichte sehn kannst!" Es steckte ihr was in der Kehle, daß sie die spöttischen Worbs kaum herausbrachte. Wie eine Eingebung war's vorhin über sie gekommen, daß sie dem Richter-Ignaz einmal zeigen wollte. Wie entstellt sie war, ihm, der ihr immer so schöne Reden über ihr hübsches Gesicht gesagt — und nun, wo sie den Schreck und das Grauen aus seinen Augen las, krampste es ihr doch das Herz zusammen, daß sie die Ursache solchen Entsetzens war. ,
Der Lammwirt redete nicht mehr viele Worte; er lanb bald ettte Entschuldigung und machte sich davon. Heiliger Nepomuk, ‘ ' tzioch viel schlimmer mit der Rosel, als er gefürchtet Hatte! Eine solche konnte er doch unmöglich als Wirtin ins .Goldene Lamm" bringen, da liefen ihm ja die Gäste davon! Obendrein, wo die Rosel dock nichts hatte, und ihr bissel Schon- heit noch die einzige Mitgift gewesen war. Via, jetzt war's «uS mit der Liebschaft; kuriert war er gründlich von der Siojet! Es half aber nichts, der Hüblern mußte er's sagen und in gutem jnit ihr auseinander kommen. Das rabiate Weib war sonst im Stande und brockte feiner Mutter eine schöne Suppe ein!
Er nahm also seinen Weg über die Hüblertviesen. Die Frau War beim Vieh und die Kinder schafften weit drübeii au der Brandstelle. Das traf sich gut.
„Hüblern," sagte er nach ein paar Redensarten halb verlegen, halb von oben herab, „Euer Mädel hat all’roeil so apart getan, als wenn ich ihr nit gut g’nug wär'."
Die Frau horchte auf und stellte ihren Milchkübel hastig beiseite. „Soll das ctroan heißen, daß sie dir jetzt nimmer gut genug is?" fragte sie scharf. . ,
Er zuckte die Achseln. „Gut g’nug, das will ich nit lagen. Uber eine Schönere könnt' ich schon brauchen als Lammwirtin," tagte er und kam sich dabei ganz diplomatisch vor.
„So herum, du schlechter Mensch?" rief die Hüblern heftig ßrnt „In guten Tagen hast mit dein Mädel getan, wer $ wie sehr, und jetzt, wo sie ins Unglück gekommen is, läßt Ke sitzen? Da wird nix draus, das sag' ich dir!" ,
„Aber, Frau, so schreit doch nit so!" lenkte Ser Ignaz ein. Ihr könnt' mir's doch nit verdenken, wo die Rosel selber tagt, daß es immer so bleiben wird mit ihr."
„Hat sie das gefaßt? Warst du hei ihr?" forschte die Hüblern erschreckt.
,»Ja, ich hab' alles gesehen," sagte trotzig der Ignaz. „Jämmerlich sah sie ans!"
Da sank die Fraü wie gebrochen auf ihren medern Welk-


