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Vermischter.
* Chinesische Bäume in Europa. Eine höchst bemerkenswerte Ausstellung fand dieser Tage in der königlichen Gartenbaugesellschaft in London statt. Es wurde dabei u. a. eine Sammlung von Bäumen und Sträuchern gezeigt, die während der letzten 32 Monate aus Samen gezogen waren, den E. H. Wilson in West-China gesammelt hatte. Es waren Hunderte von solchen Pflanzen vorhanden. Und einige der jungen Bäume hatten bereits eine Höhe von sechs oder sieben Fuß. Obgleich nur wenige Blüten zeigten, war doch das Laub bei manchen sehr dekorativ, und vom botanischen Standpunkt ist die Sammlung, die verschiedene seltene Varietäten aufweist, die man niemals früher in England gezogen hat, von außerordentlicher Bedeutung.
* Ueber das Kartenspiel hat kürzlich ein englischer Journalist namens Ralph Revill ein interessantes Buch veröffentlicht; es ist reich an historischen Notizen und an anekdotischen Geschichten. Unter anderem wird in dem Buch bewiesen, daß Hroße Manner Mar oft leidenschaftliche, aber nur selten gute Spieler sind. Napoleon I. und Wellington schwärmten für allerlei Kartenspiele, spielten aber beide bejammernswert schlecht. Ein enragierter Spieler war auch Wellingtons Kampfgenosse, der Marschall Blücher. Er spielte um hohe Summen und wurde, wenn er verlor — was gewöhnlich der Fall war —, fuchsteufelswild ; er begann dann furchtbar zu fluchen und aus die Mitspieler zu schimpfen, daß ihnen angst und bange wurde. Einer der größten Spieler aller Zeiten war der englische Staatsmann und Redner Fox; als junger Mann von 23 Jahren hatte er bereits am grünen Tisch und auf den Rennplätzen drei Millionen verloren; bei einer einzigen Kartenpartie verlor er einmal 225 000 Mark. Der Schauspieler Rowlandson saß einmal 36 Stunden hintereinander am Kartentisch. Uebertroffen wurde er jedoch von hem berühmten Abenteurer Casanova, der sich rühmt, einmal 42 Stunden hintereinander Karten gespielt zu haben. Ein gewisser Elwes, der durch seinen Geiz berühmt war, soll gar lohne Unterbrechung zwei Tage und eine Nacht gespielt haben, irm die 60 000 Mark, die er verspielt hatte, zurückzugewinnen-
„Wird's bald?" schrie Veit Mensch sie Ast itnö reckte abermals die Hand nach ihr aus. .
„Nix gibt's mehr," fuhr sie ihn Ast, „seid m'rr schon wuscht genug —"
Mit großen, ruhigen Schritte» ging sie in dis Küche, kehrte mit zehn Tellern aufs Mahl zurück und stellte sie auf. Gemächlich nahm sie Messer und Gabeln aus der Lade. Holte auch den! irdenen Weinkrug herbei. 1 1
„Schon Essenszeit?" fragte einer der Männer. ' >
„Wolle bei Zeit'» zum Schneeschauseln gehe", gab sie zur Antwort. ,
In der Küche rang sie einen Augenblick die Hände. Si« weiß, vor einer Stunde darf sie die Ihren nicht erwarten.. Dann biß sie die Zähne zusammen, goß heißes Wasser in di« größte der Suppenschüsseln ustd trug sie hinein. Sie warf einen Blick auf die Uhr, naihm das Kind aus der.Wiege und ging! ruhig und stet an den Männern vorbei, zur Tür, ließ diese halb vfsen und rief nach dem Stall:
„Du, Karl, Male, Christian, zum Esse —" ,
Da wurde es lebendig hinter ihr. Sie denkt: jetzt bist tch verloren — und es wurde ihr schwarz vor den Augen,
Aber die Kerle stolperten an ihr vorbei, über Hals und Kopf zum Haus hinaus.
„Zechpreller", schrie sie hinter ihnen drein, ganz sicher jetzt, die Faust ballend, „Zechpreller!"
Und sie liefen, als stünden sechs Mann hinter, ihr.
Damals war sie zwanzig. Jetzt ist sie sechzig. Und All die Zeit her hat sie's ähnlich getrieben. Ging stet ihren Weg, war keine Minute müßig. Kam eine Schwierigkeit, biß sie die Zähne zusammen und machte sich ans Werk. Auch den Zechprellern war sie gleich scharf hinterher. So wurde unter ihrer Hand aus der kleinen Schankwirtschaft ein stattlicher Gasthof. Und aus diesem wiederum ein großartiges Anwesen auf lustiger Schwarzwaldhöhe. Herrliche Wege führen herauf, die Menschen kommen in Scharen.
Einmal zur Essenszeit kamen die Holzfäller aus dem nahen Wald, um im „Wirtschaftle" neben dem großen Hotel ihren Imbiß zu nehmen. Zwei von ihnen, übel anssehende Männer, alt Und grau, mit vom Trunk geröteten Nasen, schlossen sich de» andern nicht an, sondern beschrieben eine» weiten Bogen um ben stattlichen Feldbergerhof.
„Hm," meinte der eine, indem er einen schielenden Blick nach dem Hotel warf, „'s hat's doch verdammt weit gebracht, ■'S Fanny, und isch doch bigot nur ein Weibsbild."
Der andere seufzte: „Das isch all eins — da bin ich halt jetzt doch dahinterkomme — 's muß im Holz stecke — man kann Mache, was man will, wenn's nit im Holz steckt, bringt man's zu nix, und wenn man ein Mannsbild isch."
was ihm schließlich auch gelang. In dest letzten Jahre» des 18. Jahrhunderts forderte in England die Spielleidenschaft zahlreich« Opfer. Der berühmte Brummet, der König der Londoner Stutzer- gewann bei einer einzigen Partie von dem Bankier Drummond 200000 Mark; Drummond mußte sich nach diesem Riejenverlust von den Geschäften zurückziehen. Noch unglücklicher war Siv John Bland, der in einer Nacht 650 000 Mark verlor. Ein Pferdezüchter, der Oberst Mellich', spielte einmal eine Partie, die er mit 800 000 Mark bezahlen mußte. Angesichts solcher Zahlen wird man sich nicht mehr wundern, wenn man em fährt, daß eine ungeheuer reiche englische Herzogin im Anfang des 19. Jahrhunderts im Spiel mehr als 3 Millionen Mark verlor, und daß Lord Sefton mehr als 4 Millionen Mark als Gewinst einstecken konnte. Ebensoviel gewann einmal in einer einzigen Nacht der General Scott in einem Londoner Klub.
* Willem Maris. Mit Willem Maris ist der letzte Aus jener großen Epoche der Haager Malerschule dahingegangen, die mit so wundervoller Kraft und Klarheit die Herrlichkeiten der holländischen Landschaft geschildert. Er war der jüngste des einzigartigen Ärüdertriumvirats der Maris, mit deren Namen di« Hochblüte einer Kunst verknüpft ist. Während Jakob, der ältest« und Begründer ihres Ruhmes, bereits vor 11 Jahren gestorben ist, lebt und arbeitet der zweite der Brüder, Matthijs, der wunderliche Phantast und Träumer, noch in stiller Abgeschlossenheit in London. Willem war unter den Dreien wenn auch nicht das stärkste, so doch das harmonischste, sich am freiesten und zarteste» entfaltende Talent. Die gewaltige künstlerische Schöpferkraft, die in den drei Söhnen des aus Oesterreich stammenden Druckers, Maresg fo früh sich entfaltete, ließ den jüngsten, Willem, ganz Notwendig in die Spuren des ältesten Bruders treten, der ihm dest ersten Unterricht erteilte. Aber schon der neunzehnjährige Jüngling ging seine eigenen Wege, wandte sich von dem schwerer und gewaltiger mit dem Stoff ringenden Bruder ab und errang 1863 einen ersten Erfolg, als seine beiden Bilder „Vieh am Wassertümpel" und „Junge Kälber am Milchnapf" auf einer Haarest Ausstellung für 150 Gulden verkauft wurden. Seine mehr lyrisch und weich angelegte Natur, die vor allem nach Erfassung den Lichtprobleme strebte, fühlte sich am meisten zu Mauve hingezogen, und so ging er dann nach Oosterbeek, nm hier die Bekanntschaft des damals schon-angesehenen Malers zu machen. Mauve halt« erzählt, wie eines Tages ein kleiner, magerer Jüngling zu ihr» gekommen sei mit der bescheidenen Bitte, sich ihm anschließen z» dürfen und mit ihm gemeinsam zu arbeiten. „Anfangs verspürt« ich wenig Lust dazu," fährt Mauve in seiner Schilderung dep ersten Begegnung mit Willem Maris fort, „aber ich wollte das! Kerlchen doch nicht grob abweisen, und so machten wir uns zn- fammen auf den Weg. Ein Vielversprecher schien mein Gefährte nicht hu sein, und als wir an eine Weide mit Kühen kamen, setzt« ich.mich, um an meiner Zeichnung, die ich morgens angesanga» hatte, weiter zu arbeiten. Der junge Mann lief noch eine Weil« hin und her und machte sich dann auch an die.Arbeit. So säße» wir mehrere Stunden unter den Weiden, bis ich neugierig wurde zu sehen, was mein Kerlchen trieb. Mit kinenr stumpfen Stückche» Kreide machte er eine Skizze, aber wie! ich war verblüfft. Ich ergriff ihn bei der Hand und stammelte: „Mensch, was bist du . , ein Künstler . . . ich bin erstaunt, so herrlich !" In einer folgerichtigen und prachtvollen Entwicklung hat sich dann Willei» Maris zum besten modernen Schilderer der holländischen Landschaft entwickelt, Au einem echten Nachfahren jener großen Meister/ eines Cuyp, van Goyen und van de Velde, die im 17. Jahrhundert den silbrigen Luftstimmungen und dem sanften Riesel» des Lichts nachgegangen waren. Ein Lyriker war er, der sein« Naturgedichte schuf aus dem Spielen der Sonnenstrahlen int blasfen Dunst der Luft, aus der Fülle des Lichts, wie es durch Wolken, vom hohen Himmel strahlt und im ruhigen Wasser sich wiederspiegelt.
* U w g e k ehr t. Achtzehnjährige (zu ihrem Verehrer): „Spazieren gehen? Nein, das kann ich jetzt nicht; ich muß auf mein« kleine Schwester achtgeben." — Die kleine Schwester: „JA ja nicht wahr! Ich auf sie!"
* Gute Ausrede. Sie: „Du Müßt sehr zerstreut seist/ wenn du Liebesbriefe schreibst; du hast gestern ein leeres Blatt ins Kuvert gesteckt!" — Er: „Das geschah absichtlich, denn mein« Liebe zu Dir ist unbeschreiblich!"
* Fatales Zugeständnis. Herr: „Verzeihen gnädiges Fräulein, daß ich Sie anspreche . . ." — Fräulein: „O ich verzeihe gern — Sie wirken nämlich gar nicht ansprechend!"
Ergänrungsrätsel.
K. p. . hn . . er. m . ch . . ö . es B.. t;
H . r. . hn . K.p. . u . .. ch n.ch. . u t;
. o . I. d .n. S .. en . ol. g . d .. h'n, . ß K.p. u .. . er. . ei.. mm . n .. in l
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer r Tod, Tops.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brtthl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


