668
lockeren Muse aüs Rohseide, deren Mustseite gleichfalls' das Fechtplastron deckte. Auch sie trug ein Fleuret in der Hand und auf dem blonden Kopfe ein Mützchen aus bern- peinfarbenem Leder.
Fritz hatte nicht erwartet, Diane im Garten zu treffen; sonst hätte er schon vor der Pforte kehrt gemacht. Er wollte nichts anderes, als seine Schuldigkeit tun: die kranke Frau der Hettdorfschen Dienerschaft übergeben. Damit sah er seine Mission erfüllt.
Run aber schritt Diane ihm bereits entgegen — Und da konnte er nicht anders: er mußte den Hut ziehen und sich vorstellen.
„Wir bringen Ihnen eine — hoffentlich nicht schwer Verwundete, gnädige Frau," sagte er mit kurzer Vernergung. „Frau Spannuth ist aus ihrem Automobil geschleudert worden. Ich war zufällig Zeuge des Unglücks und wurde von ihr gebeten, sie zu Ihnen transportiereir zu lassen. Auch der Arzt ist bereits benachrichtigt worden — Sanitätsrat Daniel."
Er hatte dies schnell hintereinander gesprochen, um Nicht unterbrochen zu werden, und da er nun die Augen Dianes auf sich gerichtet sah, deren flirrender Blick ihn Umkreiste, fügte er mit einer letzter Verbeugung hinzu: >,Darf ich mich empfehlen, gnädige Frau."
Er wandte sich zum Gehen, aber er mußte nochmals stehen bleiben. Zu seinem Erstaunen hatten die Träger die Bahre mitten auf dem mit rötlichem Kiessande bestreuten Wege niedergesetzt. Maud stand daneben, Hoch ausgerichtet, noch immer sehr bleich, doch mit hellen Augen, und streckte Fritz die Hand entgegen.
„Ich habe Ihnen für Ihre Hilfsbereitschaft herzlich tot danken, Herr Friedel," sagte sie. Aber der Ton, in vem sie dies sprach, harmonierte nicht mit dem Inhalt der Phrase. Er klang nicht einmal konventionell liebenswürdig. Er klang hochmütig und herrisch. Fritz kannte diesen Ton. Deine starke Anziehungskraft lag in dem Reiz der wundervollen Altstimme.
Maud bot ihm die Hand. Düs war wiederum seltsam von einer Frau, deren Gatte im Duell mit ihm gefallen war. Er berührte ihre Hand mit den Lippen. Sie war klein Und nervig, aber eiseskalt.
Und nun flog Trane Helld'orf der Freundin um' den Hails.
„Meine arme, arme, liebe Maud !" rief sie klagend, in dem minaudierenden Timbre einer sprachgewandten Schauspielerin, „das ist ja ein gräßliches Unglück! Aus dem Wagen geschleudert--aber wie denn nur, wie denn?!
Ihr Chauffeur ist ja doch dep beste Fahrer im ganzen Gau! Mein Gott, mein Gott, Sie bluten ja, Herzchen!"
„Ich verstehe nicht, wo der Doktor bleibt," fiel Fritz Hastig ein. „Ich will selber zu ihm —"
„Nein," rief Maud, „bitte nicht — ich danke bestens, Herr Friedel! Mir ist wieder ganz wohl — es kann sich Kur um eine Abschürfung handeln, eine unbedeutende Kopfwunde. Es hat nichts auf sich."
, „Gott sei Dank," sagte Diane und faßte Maud um' die Taille. Sie lachte. „Uebrigens muß ich mich noch meines Figarokostüms halber entschuldigen. Wie auf, der Wihne >— nicht wahr? Ich nehme jetzt Fechtstunde. . . ." Sie löste das Plastron von ihrer Must und warf es auf den Rasen. . . . ,Monsieur Duvinage," rief sie dem jungen Herrn mit dem zierlichen Henry-quatre zu, der sich bescheiden Mirückgehalten hatte, ich danke Ihnen. Genug für heute. Stuf Wiedersehen am Donnerstag."
Die Leute standen noch zögernd inmitten des Weges. ^Können Mr wieder gehen?" fragte der Zimmerer, der veim Tragen der Bahre geholfen hatte.
Maud griff in die Tasche, holte ein kleines Portemonnaie hervor und gab ihm ein Goldstück. Dann reichte sie auch jedem der anderen die Hand. Plötzlich stand sie Meder vor Fritz.
„Ich muß Sie Wiedersehn," sagte sie ganz leise, „es gilt uns beiden. . . ." Ihre Lippen bewegten sich dabei kaum, aber ihr Blick senkte sich blitzschnell in sein Auge ünd viel tiefer hinein, als suche er fein klopfendes Herz.
Dann wandte sie sich lächelnd an Diane. „Dürfen Mr hineingehen?" fragte sie. „Ist auch die Gefahr vorüber fei mein Kopf bedarf einer kräftigen Dvuche."
„Ah bah H Touche! Ich nehme Sie mir selber vor, liebste Maud, sonst fallen Sie mir Meder in Ohnmacht."
„Ich war gar nicht ohnmächtig," entgegnete Maud Mhig- „Anfangs ja — da dunkelte es mir vor den Augen.
Schrecken Und Blutverlust — vas war natürlich. Aber aus der Bahre habe ich nur ganz still gelegen und war bei voller Besinnung."
Sie stäubte mit ihren zerfetzten Glacös über ihr Kleid und neigte den.Kopf kühl vor Fritz.
.„Also nochmals Dank, Herr Friedel."
„Wollen' ©ie nicht meinem Mann Guten Dag sagen?" fragte Diane plötzlich. Sie schaute dabei mtt forschender Aufmerksamkeit in das Gesicht Fritzens. „Hoffentlich schläft er nicht mehr. Vor zwei Uhr mittags pflegt er selten sichtbar zu werden."
„Ich bedaure aufrichtig, gnädigste Frau," erwiderte Fritz in prononziert höflichem Tone, „aber ich habe mich schon versäumt — ich werde daheim erwartet."
Er lüftete den Hut und ging. Zu seinem Erstaunen sah er draußen unweit des Parktors die Fürstin Steinkirch mit der jungen Gräfin Hoche auf und abschreiten, während die Eguipage der alten Dame in der Nußbaumallee hielt.
Die Fürstin winkte ihm schon von weitem mit ihren beiden, in feuerfarbenem Leder steckenden Mumienhänden.
„Wie ist's abgelaufen, lieber Herr Friedel?" fragte sie. „Meine kleine Freundin hat es mit der Unruhe gekriegt. Ihr ganzes Herzchen schwimmt in Mitgefühl."
„Spotten Sie nicht, Durchlaucht," sagte das Mädchen und verzog niedlich die Unterlippe. „Sre wollten ja selber hören, was der Arzt gesagt hätte."
„Er war noch nicht da, gnädigste Gräfin," erwiderte! Fritz, „aber ich kann Ihnen trotzdem die Versicherung geben, daß die Verunglückte sich wieder vollkommen erholt hat. Sie ist anscheinend mit dem Schrecken dapongekommen,"'
„Aber sie blutete doch!"
„Eine Unbedeutende Hautwunde."
„Dien merci,“ fagte die kleine Gräfin. „Bor Automobilunfällen habe ich immer besonderen Respekt, weil ich selbst eine passionierte Automobilistin bin. Das Wort klingt unschön, aber der Sport macht Freude."
„Wer ist die Dame, der das Malheur passiert ist?" fragte die Fürstin.
„Eine Frau Spannuth, Durchlaucht."
„Ah! . , ." Dre Steinkirch hob ein wenig den Kopf und wiegte ihn hin und her. Sie hatte zuweilen sonderbare Bewegungen. „Spannuth — von der — der großen Sektsirma?"
„Jawohl, Durchlaucht."
Die Fürstin war stehen geblieben. In das' Schwarz ihrer, das ganze gelbe, zerknitterte Gesicht beherrschenden Augen trat ein neugieriges Licht. „Ja, tote ist mir denn," fuhr sie fort, „— da habe ich doch irgend eine Geschichte! gelesen — eine Duellaffäre. . . herrjeses, ist dabei nicht auch 'Ihr Name genannt worden, lieber Herr Friedel?!"
Fritz zögerte nicht mit der Antwort, um die Peinlichkeit des Augenblicks abzukürzen. „Es ist richtig, Durchlaucht," entgegnete er ruhig, „ich hatte ein Duell mit Herrn Spannuth, das leider unglücklich verlief."
„Verzeihung," sagte die Fürstin rasch und schritt weiter, „ich hatte nicht die Absicht- unangenehme Erinnerungen in: Ihnen zu wecken." ;
„Untertänigst, Durchlaucht."
(Fortsetzung folgt.)
Im Faltboot auf -er Isar.
Von Carl I. Luther, München.
^Machen Sie mit, Doktor!?"
-,Hm."
„Sie werdens nicht bereuen, Also morgen 8 Uhr bei bett Pionieren. Abgemacht!"
Der Morgen traf uns rechtzeitig Und vollzählig am' Landungsplatz der Pioniere. Uns Flußratten konnte die hochgehende! Isar den Mut nicht kühlen, im Gegenteil; die Neulinge jedoch sahen sich bedenklich den Pegel an.
„Zwei Meter Hochwasser! Und gestern Hais g'regnet!
Da ging das Aufstellen der Boote merklich langsamer als' bei den Uebüngsfahrten im ruhigen Ammersee, wo wir die neuen Tourengenossen einzudrillen pflegen. Denn Paddeln will gelernt sein, wenns auch nicht allzu viele Mühe macht, und das Sicherheitsgefühl im Kajak, darin den Fahrer eine dünne Segeltuchwand nur von dem Element trennt, das bekanntlich keine Balken hat, muß anerzogen werden.
_ Der patroullierende Posten gab gute Ratschläge über dis Strömungen und die Flußschnellen und stellte Vergleiche an mit unseren Booten und dem Ponton-Material seiner Truppe, Hit nicht zu Gunsten unserer „Delphine" ausfielen.


