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Samstag den 22. Oktober
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(Fortsetzung.)
(Nachdruck verboten.)
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Friedel halb-süß.
Sloman vonFedorvonZobeltitz.
Wer vergessene Erinnerungen wurden dabei wach, und sie verbitterten sich durch den Umstand, daß er durch daS unglückselige Duell -noch einmal tief in ihr Leben ein-, gegriffen hatte.
Als er hilfreich um sie beschäftigt gewesen war, hatte er auf einen Blick des Hasses oder kühler Verachtung ge- rechnet. Er war darauf vorbereitet gewesen und hätte sich in seinem Pflichtgefühl nicht beirren lassen. Wer ht ihrem dunklen Auge hatte nichts von Haß gesprochen. Das verwunderte ihn anfänglich, nun beunruhigte es ihn. Ein! Gefühl der Unsicherheit beschlich ihn. War es nicht seltsam gewesen, daß sie ihn gebeten hatte, sie zur Villa Helldorf! Vl begleiten? Und warum seltsam? fragte Fritz sich wieder., Schließlich war es nur die Bitte einer verängstigten Frau, die sich nach Schutz sehnte.
Er schritt jetzt dicht an der Seite der Bahre. Maud lag mit geschlossenen Augen auf der Matratze. Den Trauer-, Hut mit der Witwenschnebbe hatte sie beim Sturz verloren, Ihr reiches schwarzes Haar, vom Rot des Bluts durchsickert, umfloß regellos das blasse Gesicht. Fritz sah eZ nur im Profil: es war noch wunderschön, war tu seiner starren Schönheit wie aus Marmor gemeißelt. Es war auch mehr weiß als blaß, fast völlig blutlos, bis auf einen; zartbläulichen Dämmerschatten unter den Augen.
Maud lag auf der linken Seite. Die rechte Hüfte trat in kräftiger Rundung hervor; die Linien der Büste zeich- neten sich in der engen dunklen Duchjacke in feinem! Schwünge ab.
Won der Nußbaumallee führte ein breiter Seitenpfaö nach der Helldorfschen Villa. Man mußte wieder ein wenig ansteigen und sah dann das seltsame Haus hinter einer schnurgraden Linie schwarzgrüner hoher Lebensbäume liegen. Links die Reste des alten Klosters: nichts als ein# dicke, graue Mauer, an die sich westwärts ein schmaler Weinbergsstrich schloß; rechts ein hohes Gebäude mit Zinnen, Türmen, Kupferhauben, 'Erkern Und Vergitterungen halb Wtei, halb Kastell; angeklebt an die behäbige Wölbung eines Rundturms das blitzende Glas- und Eisenwerk eines! Wintergartens, und gerade gegenüber ein oktogonaler Ausbau in maurischem Stil mit regenverwittertem .Filigranstuck und Haremsfenstern.
Als der Zug mit der Verunglückten das Gärtentor passierte, trat, gelockt von dem Geräusch der schreitenden! Männer, ein junges Paar in nicht alltäglichem Anzüge neugierig hinter den Lebensbäumen hervor: zunächst ein Herr mit sorgfältig gekräuseltem kleinem Henry-quatre, getolltem! Haar und sehr blühenden Wangen, in hellen Tennishosen, die durch einen breiten Gürtel gehalten wurden, den Oberkörper nur mit einem farbigen Seidenhemd bekleidet, über die Brust ein gestepptes Plastron geschnallt. Die in einem Stulphandschuh steckende Rechte wippte mit einem geschmeidigen Flenret. Hinter ihm, der erstaunt auf den nahenden Zug starrte, wurde Diane sichtbar: in weiten Kniehosen, gelbseidenen Strümpfen, gelben Stiefelchen und einer
s^belen berührte mit der Hand die Schulter Fritzens. ieifenneit ÄtC ^ie Fürstin schon persönlich?" fragte er
„Ich habe nicht die Ehre."
Fritz^Friede^"^ ^"te^e t>or‘ „Gestatten Durchlaucht — Herr • r. mich," sagte die Fürstin kurz und nickte. „Hab iä) recht gehört — Friedel? Von K. A. Friedel?"
„Sehr wohl, Durchlaucht."
„Freut mich," sagte die alte Dame noch einmal, und nun reichte sie Fritz die Hand. War es eine Hand? Fritz kam es vor, als berühre er fünf ganz dünne, in Leder gezwängte Stöckchen.
Das junge Mädchen war aufmerksam geworden. Ein überraschter Ausdruck trat in ihr hübsches, nußbraunes Auge. „Friedel?" wiederholte sie Und fuhr dann in naiver Freude fort, während ein sonniges Lächeln über ihr Ge- srcht ging: „Ach, das ist aber nett!"
Der Herzog hatte den Kopf verbindlich zu der Fürstin genügt. „Darf ich gehorsamst bitten, Durchlaucht —"
„Herrsch ja!" rief die Steinkirch, „nehmens net weiter übel, Heber Herzog — das Malheur mit dem Auto ist mir ein bissel in die Glieder gefahren . . ." Sie umschlang das junge Mädchen. . . . „Eine kleine Pariser Freundin — wir haben uns mal bei dem Due de Rivoli kennen gelernt — Gräfin Hoche. . . . Aber nun, bester Herr Friedel, tun Sie Ihre Menschenpflicht und achten Sie darauf, daß die Verwundete in sicheren Port kommt!"
„Soll ich Sie begleiten, Friedel?" fragte der Herzog.
„Nicht nötig, Durchlaucht.' Ich bringe Frau Spannuth brs zur Villa Helldorf."
Bei Nennung des Namens Spannuth' wurde Abeelen aufmerksam.
„Das ist —"
„Ja," fiel Fritz ein. Seine Schultern zuckten.
Abeelen drückte ihm die Hand. „Schicksalsfügung. Wer vielleicht nicht die schlimmste. Wjö, Friedelchen — und Nochmals bien merci für den interessanten Vormittag. Ich dampfe mit dem nächsten Zug wieder heim. Wenn ich in .Uttenhooven bin, lasse ich von mir hören. Meinen Gruß Ihrem Herrn Vater."
Fritz zog den Hut vor den Damen Und eilte der Bahre nach. , Der helle Ausruf des jungen Mädchens klang ihm noch in den Ohren — auch der Name Hoche. Waren die Besitzer von Mignelon sils nicht Grafen von Hoche? — Näherliegendes drängte sich in seinen Gedankengang. Das Zusammentreffen mit Maud erregte ihn. Gewiß: eine Zufälligkeit, wie sie hundertmal hätte vorkommen können.


