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vor vkrzig Jahren.

Non Marr er Werner, in Nidda«

11. Samariter dienst.

Me Zeit von Anfang November an bis Weihnachten Ivar für die, die in der Heimat den fernen Lauf der Er­eignisse verfolgten, teils aufregend, teils langweilig. Auf­regend deshalb, weil nun ein Kriegsschauplatz vorhanden war, der weit ausgedehnt, an unsere Truppen ganz andere Anforderungen stellte, als in den Tagen vor Metz. Lang­weilig, weil man es nicht begreiflich finden konnte, daß das nun belagerte Paris nicht genommen, wenigstens nicht beschossen wurde. Man dachte sich das so leicht, überlegte aber nicht, daß schweres Belagerungsgeschütz nicht so rasch herbeizuschaffen war und daß Paris doch einen ganz anderen Umfang hatte als Metz.Bor Paris nichts Neues",, das war die stereotype Meldung Podbiekskis bis endlich in der Weihnachtswoche der Mont Apxon zum Schießobjekt »genommen wurde. <

! Wer an Arbeit und Abwechslung fehlte es für manche Leute doch nicht, das waren unsere Turner und Tur­nerinnen. Sie haben sich unbezahlbare Verdienste er­worben. .Alsbald nach den ersten Gefechten war Tag und Nacht eine Kolonne auf Bahnhof Birkenfeld wohlgemerkt 1 Stunde von der Stadt in Tätigkeit zur Erquickung der durchfahrenden Soldaten, der Verwundeten und auch der Gefangenen. Wenn mast in Betracht zieht, daß Birken­feld wenig größer ist. als Nidda, so kann man sich denken, wie oft bei solchem Betriebe die einzelnen Leute an die Reihe kamen. Im Sominer war das nicht so schlimm, aber wie im Winter und Has in einem Hunsrücker Winter. Mer die braven Jünglinge und Jungfrauen ermüdeten nicht in ihrem! edlen Tun, was auch später öffentlich anerkannt wurde.

Auch die zu Hause Bleibeuden bekamen Arbeit. Was wurde an Scharpie und Verbandzeug zusamUlengebracht! was an Lebensinitteln in'der nicht sehr gesegneten Gegend! Schon gleich im! Anfang des Krieges nach der Schjlacht bei Spichern, als in Saarbrücken alles mit Verwundeten über- fiillt war, kamen Notrufe von dort nach Lebensinitteln. Ganze Wagenladungen wurden trotz der Knappheit des Vor­rats dorthin gesandt; ebenso wurden fortwährend Geld- sammlungen veranstaltet. Aber man gab es gern; war doch oer Feind abgewehrt, galt es doch den Kindern des großen Vaterlandes. Man mußte immer an jenen alten katholischen Geistlichen in der Nähe von Mrmäsens denken, der den dort einquartierten Deutschen zurief:Laßt mir den Franzosen nicht herein, ich weiß noch aus meiner frühesten Jugend, wie der gehaust hat. Ihr sollt all' meinen guten Wein haben." Nun, was auch die Badenser damals aussprachen: »Sie derfe net in's Ländle" das sollte sich auch erfüllen. 12. Der deutsche Kaiser auf Bahnhof Birken­feld.,

Es war in den ersten Tagen des neuen Jahres, jals her von Sedan her bekannte Schneider, der gerufen hatte: -Sie haben ihn", wir wieder auf der Straße entgegen­rannte und rief:Jetzt kriegen wir auch einen Kaise r." Offen gestanden, so weit hätte man noch gar Nicht gedacht; Aller Augen schauten nach Paris, das nicht fallen wollte und doch mit aller Gewalt fallen sollte und wußte. Ja, wenn das gefallen wär, hätte man auch an weiteres gedacht. Mär richtig', es war so. Wir sollten den Kaiser haben und wir bekamen ihn. Noch werden er­bitterte Kämpfe gekämpft mit den ausfallenden Franzosen, noch war Paris nicht gefallen, da wurde der deutsche Kaiser in Versailles in demselben Saal proklamiert, in dem einst Ludwig XIV. seine stolzen Dekrete gegen Deutsch­land in die Welt gesandt hätte. Darob! Jubel allent­halben, Illumination die ganze Nacht hindurch Endlich siel Paris. Nun waren Aller Augen auf den heimkehren­den Kaiser und seine herrlichen Paladine gerichtet.

Der Weg nach der Heimat führte über Metz, Saar­brücken, über Station Birkenfeld- nach Bingerbrück und Mainz. Zuerst kehrte Bismarck heim. Leider war ich diesen Tag dienstlich verhindert, auf Bahnhof Birkenfeld, änwesend zu sein. Alle aber die Vielen, welche unten wären, konnten nicht genug von dem Eindruck erzählen, den sie än dew Empfang gehabt hatten. Fast eine Viertelstunde hatte er sich mit dem Samariterkowitee unterhalten. Auch auf Bahnhof Obärstein wurde er gefeiert. So eilt alter

48 er überreichte ihm einen Briefbeschwerer aus Achätstelst) )er die Gestalt eines Hobels hätte und meinte, Bismarck olle ihn noch tüchtig gebrauchen. Seinem' Sinn nach öllte das heißen, er,solle noch Manches und Manche, welche ich! idem Einheitswerk des Reiches widersetzten, weg- jobeln Und glatte Bahn machen. Wenige Tage! >arauf kam die Kunde, Kaiser Wilhelm werde den Bahn­hof passieren. Daraus begab' sich der Bürgermeister Eißel (dort Staatsbeamter) zum Regierungspräsidenten vost Finkh Und bat ihn, feinen Einfluß geltend zu wachen) daß Se. Majestät in Birkenfeld anhielte. Der aber sagte, die Dispositionen feiert getroffen, Anpfang finde bloß auf der preußischen Station Dürkismühle und der oldenbür- gischen Oberstein statt. Hierauf telegraphierte der Bürger­meister nach Metz, wo der Kaiser noch weilte und begrüßte» ihn namens der Stadt als deutschen Kaiser und bat, feines Majestät möge in Birkenfeld anhalten lassen. Diese Be­grüßung war die erste, die eine altdeutsche» Stadt dem Kaiser auf das neudeutsche Ge­biet sandte. Und der Erfolg? Ms der Kaiser in die» Nähe von Birkenseld kam, gab er Befehl, dort anzuhälten) Man wachte ihn auf die getroffenen Dispositionen auf­merksam r-i er aber sprach kategorisch:In Birken­feld anhalten I" Und so geschah es. Eine große Ver­sammlung hätte sich eingefunden. Die Samariterkolonne» stand in Parade. Meine Frau und ich holten uns jedes ein leeres Bierfaß und faßten darauf Pofto. Da hielt der; Zug, Und nun erschien das bekannte, liebe freundliche Ge­sicht des Kaisers aw Wagenfenster; er hätte den Militär­mantel an und die Feldmütze auf. Im Hintergrund be­merkte man den Kronprinzen, Moltke und Ändere, die aber! nicht vortraten. Da gab es ein Jubeln, in Aller Augen» standen Tränen der Freude und Rührung, Der Kaiser» ließ sich von dem Regierungspräsidenten, der ihn an der! Landesgrenze empfangen hatte, den Bürgermeister und die» Führer der Samariterkolonne vorstellen. Da ergriff der Bürgermeister das Wort und sprach:Majestät, wir habest bis jetzt feit Anfang des Krieges Tausende verpflegt, dürftest wir unserem Werk die Krone aussetzen und auch den obersten Kriegsherrn und sein Gefolge verpflegen? Wir bieten eine! Tasse Kaffee."Gewiß, gewiß", sprach der Kaiser, und nun wurde unter dem fortwährenden Jubel der Anwesen­den der bereit gehaltene Kaffee serviert. Nach einer Viertel­stunde fuhr unter fortwährenden>Hochrufen der Zug weiter. Aber wir alle konnten lange unserer freudigen Bewegung nicht Herr werden. Als ich am andern Morgen zu meinest Sextanern in die Klasse kam (ich unterrichtete stellvertretend für einen einberufenen Lehrer) fragte ich:Nun, habt ihr den Kaiser gesehen?"Ja" erschallt es aus allen Kehlen, und er hat auch Kaffee getrunken", rief der eine.Und was für einen, ein Lot auf die Tasse" (damals wären 32 Lot ein Pfimd) rief ein anderer.Und was hat er sich Zucker genommen, eine ganze Hand voll", rief der dritte. Diei Tasse, woraus der Kaiser damals trank, wird heute noch ist der Familie des Bürgermeisters »Eißel aufbewahrt.

Tafelfreuden in alten Zeiten.

Marx Rum polt von Mainz, der im 16, Jahrhundert das Amt eines kurfürstlichen Mundkochs auf hervorragende Weift versah, war nicht nur ein Meister der -Praxis, sondern auch der! Theorie, denn er verfaßte 1587 einegründliche Beschreibung, wie man recht und wohl nicht allein von vierfüßigen, heimisches und wilden Tieren, sondern auch von mancherlei Vögel- und Federwildpret, dazu von allem grünen und dürren Fischwerk allerlei Speise, als gesotten, gebraten, gebacken, Presolen, Car»- bonnaden, mancherlei Pasteten und Füllwerk, Gallrat. . . . « auf deutsche, ungarische, hispanische, italienische und französische Weise kochen und zubereiten solle". In diesem Kochbuch findet sich auch die Speisefolge eines gutbürgerlichen Festmahls, so wie es Meister Rumpolt sich denkt. Der erste Gang dieses Mahls soll mit gesottenem Rindfleisch mit Meerrettich beginnen, hierauf kommt eine mit geräuchertem Fleisch gewürzte Kapaunensuppe., Darauf sollen folgen ein Lungenbraten, ein gestilltes Spanferkel, Sauerkraut mit geräuchertem Speck und alten Hühnern. Diese Speisen bilden den ersten Gang. Der zweite wird eingeleitet! durch Schweinefleisch in Pfeffer, fortgesetzt durch Kalbsbraten) Hammelkeule, Schweinebraten, einen Kapaun, eine Gans, Feld­hühner, ein gebratenes Lamm! oder Kitz, und beendigt durch Rindfleisch mit Wachholderbeeren, Milchreis und Kälbcrgallert« Der dritte Gang, das sogenannte Obst, bringt allerlei Bamver? Und Früchte; auch verschiedene Käsesorten, Daß es sich bei solchen! Festmählern nicht immer nur um ein oder einige Tiere handelte, geht aus der Rechnung hervor, die dem Augsburger Bäcker Beck