Montag den 22. August
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Das schlafende Heer.
Rowan von Clarq Biebig.
kFortseßüng.) (Nachdruck bcrbolett.)
Es war, als sei der polnische Inspektor immer in Przyborowo gewesen; dort war jetzt ein Regiment, wie Urteilt es sich nur wünschen konnte. Pan Szulc verstand das Volk Zu nehmen: ordentlich mit der Ledergeknoteten Lins übergezogen ।—: wv's trifft, trifft's, — aber hernach auch einen Schnaps. !
Alle Tage freute sich Kestner des Tausches. Auch Frau Kestner nannte den neuen Inspektor einen tüchtigen und dazu artigen und wohlerzogenen Menschen. Es war ja geradezu entsetzlich gewesen, dieses stete Knausern des alten Hoppe mit den Pferden —, als wenn sie ihm selber gehört hätten! Und hatte man eine Kiste an die Jungen schicken wollen, war's immer der gleiche Aerger wegen .eines Boten gewesen! Jetzt waren stets Pferde zu haben und auch Boten vorhanden. Alle Welt in Przyborowo war zufrieden Wit dem neuen Inspektor.
Wahrhaftig, der war doch was andres als der „alte Knopp"! Die junge Tochter des Hauses hatte das gleich am ersten Sonntag, an dem' der Inspektor mit bei Tische aß, konstatiert. Als sie dann nach dew Kaffee einen Spazierritt unternommen — sie hatte an ihrem fünfzehnten Geburtstag Wit Unterstützung des Paters bei der Mutter durchgesetzt, von nun ab in Reitkleid und Herrenhütchen den kleinen Schecken reiten Zu dürfen — hatte ihr der neue Inspektor so elegant in den Sattel geholfen wie ein Kavallerieoffizier. Und was für ein allerliebstes Schnurrbär tch en hatte er!
Wenn Cornelia nun in der Studierstube des Paters, in der Fräulein Wollenberg ihr den Unterricht erteilte, verdrossen an der Feder kaute, sah sie, reckte sie den langgeschossenen Hals noch ein wenig länger, über die Scheiben- gardiuchen weg, oft den neuen Inspektor auf den Hof retten. Wie gewandt er ab sprang, dem Pferd einen Klaps lauf den Bug gab und der kleinen Marynka, die statt des Pferdeknechts dienstbeflissen herbeieilte, die Zügel an den Kopf warf!
„Psia krew!" Was hatte er für famose Beine in den enganliegenden gelben Reithosen!
Die junge Cornelia träumte in wäncher Nächt von dew neuen Inspektor, und als sie in der deutschen Literatur- sstunde Goethes „Torquato Tasso" durchnahmen, fragte sie Fräulein Wollenberg, ob es denn unpassend sei, einen Untergebenen zu lieben?
Fräulein Wollenberg wär ziemlich verblüfft über diese Frage: natürlich wär es unpassend! Aber als die Stunde Zu Ende war und sie dem Postboten eutgegeneilte, ünk einen Brief in Empfang zu nehmen, dessen Adresse, ftne Cornelia ganz genau wußte, von Bruder Rittmeisters Hand
geschrieben war, lachte die Schülerin hinter der ErzieherrH drein: haha, unpassend?! Was die sagte! Dann wäre es ja auch unpassend, daß Pawel die Wollenberg poussierte!
Eine schläfrige Eintönigkeit lag winters über dem verschneiten Gut, eine große Langeweile, deren sich selbst der junge.Backfisch, der doch zeitlebens nichts andres gewohnt gewesen war, nicht erwehren konnte. An den Vormittagen ging es noch an, da hätte Wan die Stunden und Klavier zu üben, aber dann — hu, die Abende waren gräßlich! Schon die Nachmittage waren wie die Abende. Fräulein! Wollenberg korrespondierte, Papa und Mama schliefen int Winter nach Tisch ausgiebig, Besuch konnte man nicht ere warten, denn die Wege waren zu Wägen ganz unpassierbar ।—; junge Mädchen, mit denen man hätte befreundet feilt können, gab's überdies nicht in der Nachbarschaft -r-1, wir was sollte man sich nun unterhalten?
Es blieb nur das einzige Amüsement, durch den laugen dunklen Gang nach der Küche zu schleichen und die Mägde und die Knechte Zu überraschen. Die junge Cornelia hätte Ohren wie ein Luchs; was auch in der .Gesindestube ge-| sprochen wurde, hörte sie.
Und wenn sie das Gesinde also belauschte, mit ange- haltenem Atem, den Rock dicht an den schlanken Körpev ziehend, im Winkel des Flurs hinter der Küchentür stanv, hörte sie oben Pan Szulc hin und her trappeln; er wohnte gerade über die Küche. Ob der sich wohl auch so langweilte ?! i
Seine weifte freie Zeit, deren der tüchtige Inspektor, trotz der allmählich beginnenden Frühjahrsbestellung, doch noch übrig hätte, verbrachte er im neuen Ansiedlungskrug. Es war angenehm, während der Ehemann draußen herum- wirtsch astete, gemütlich drinnen bei der jungen Frau All sitzen. I ।
Valentin Zog sich jedesmal zurück, sobald Pan Szulc erschien. Wenn er auch schon manche Redensart gelernt hatte — Stasi« hatte sich alle Mühe mit ihw gegeben, und er auch aufgepäßt, als gelte es sein Leben —. das Polnisch war doch so schwer, zu schwer, er würde es nie ganz begreifen. Er würde es nicht sprechen können, weil seine Zunge zu ungelenk war, nicht verstehen können, weil er nicht polnisch dachte. Und wenn gar die zwei Landsleute sich mitsammen unterhielten, so rasch, so fließend, so alert, dann summten ihm Kopf und Ohren. . Er verstand nichts, gar nichts, und er fühlte sich wie beleidigt.
Pan Szulc lachte über den nichtsverstehenden Ehemann. Stasia lächelte: ja, der gute Waler war wirklich dumm, sehr langsam iw Begreifen!
Und ungeniert rückten sie näher zueinander: Vor wew sollten sie sich denn Zwang auferlegen? —
Am Tage von Mariä Verkündigung plante Stasia, zuw Ablaß zu gehen. _ ,
Cs stand eine kleine Kapelle, keine Meile wett voll Pociecha-Dorf, mitten im Ackerfeld, die Schnitter suchten iw Sowwer Schutz darin vor Ungewittern. Die stand schon


