Ausgabe 
22.6.1910
 
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beschaffen. Aber <tn solchem fehlt es draußen nicht, sind doch $mn Glück die Mücken schon da.

So sind doch wieder sie gekommen Und bauten sich aufs neu' ein Rest: Das galt, als wir es wahrgenommen, UnS als ein Glücksfall und ein Fest, Wie lange weilten in der Ferne, Wie sehn wir gern sie wieder hier. Es dankend unserm guten Sterne, Daß noch am Leben sind auch Ivir. Bald schauen aus dem neuen Reste Der Köpflein niedlichste heraus. Behüte Gott euch, liebe Gäste, Und das durch euch beglückte Haus.

Warnemünde. I. Troja ns

* Wie di« Berliner G eschü hg ie s; erei eine Lvkvmotive baute. Eine lustige Geschichte von der erstens deutschen Lokomotive erzählt Dr. -A. Neuburger in derWelt der Technik": Bereits 1815 kamen die ersten Nachrichten von Schienenbahnen und Lokomotiven für Güterbeförderung (Loko­motiven für Personenbeförderung entstanden erst später) aus Eng- land nach Deutschland herüber, und da man die Saarkohlen mühsam und langsam auf der Landstraße befördern mußte, beschloß der Staat, als Besitzer der Kohlenwerke, eine 2Vä Kilometer lange Bahn zu bauen rmd sie mit Dampf-vagen, wie mau die Lokomotiven damals nannte, zu treiben. Man beschloß nun, keinen der eng­lischen teuren Dampfwagen zu kaufen, sondern lieber selbst einen zu bauen. Den ehrenvollen Auftrag hierzu erhielt die Geschütz­gießerei in Berlin, die auch ein Ungetüm fertigstellte, das auf dem Hof hin und her fuhr und, wie man mit Stolz berichtete, Wagens mit 8000 Pfund hinter sich Herzog. 'Dieses mußte nun nach Geis­lautern int Saargebiete, also auf eine Entfernung, die in der Luft­linie 750 Kilometer betrug, fortgeschafst werden, und so nahm man es auseinander, verpackte es in Kisten, und ein französischer Schiffer wurde mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, die Kisten auf dem Wasserwegen nach der Saar zu bringen. Er fuhr von der Spree nach der Havel und Elbe, nach Hamburg, über die Nordsee nach Amsterdam, den Rhein, die Mosel und die Saar hinauf einen Keinen Umweg von 1700 Kilometer, der viereinhalb Monate in Anspruch nahm und für den der Schiffer 500 Mark bekam. Im Mai des Jahres 1819 kam die Maschine in Geislautern an, wurde ausgepackt, und nun ging es an ein Zusammenleben, Schrauben, Passen rind Probieren, das kein Ende nehmen wollte. Den Er­bauer hatte man nämlich aus Sparsamkeitsrücksichten nicht mit­geschickt, und so ivareit es mm die Geislanterner Grubeningenieure, denen die ehrenvolle Aufgabe zufiel, die Maschine wieder zusammen^ zusetzen. Besonders der Dampfzylinder wollte nicht gut tun. Die Zahl der Löcher, aus betten hier unbefugter Dampf ausströmte, überstieg schon alles, was recht und billig war, und trotzdem man sie mit den schöitsteu Mischungen aus Oel und Mehl, Essig und Stärke, ja sogar mit Rindsblut und Käse verschmierte es totrebd unt> wurde nicht besser. Die Schreiberei zwifchen Geislautern und Berlin nahnt eine wahrhaft beängstigende Ausdehnung an; die Leute int Gieshause beriefen sich auf ihre Zeugen, die beweisen konnten, daß die Maschine800ö Pfund Bomben" gezogen hatte, hüteten sich aber Wohl, in Geislautern das Anerbieten zu machen, selbst eingreifen zu wollen. Dort aber wurden mit Herttmprobieren im Laufe der Zeit nicht weniger als 1965 Taler ausgegeben, einen Wagen aber hat diese erste deutsche Lokomotive niemals ge­zogen. 'Alles in allem hat sie 3167 Taler einen Silbergroschen und 9 Pfennige Kosten verursacht, und eingebracht hat sie 335 Taler 6 Silbergroschen und 7 'Pfennige als sie nämlich im Jahre 1835 «in Trödler als altes Eisen kaufte. So kant die Saarbahn um den Ruhm, das erste Frachtstück in Deutschland mit Dampfwagen be­fördert zu haben, und diesen Ruhm heintste die Mirnberg-Fürther Bahn ein. Wie es sich für eine Bayerische Bahn ziemt, bestattdi diese Fracht aus zwei Fässern Bier, die der Eisenbahnwirt in Fürth bei dem Nürnberger Brauer Lederer bestellt hatte und die am 11. Juli 1836 mit der Bahn dorthin gefahren wurden, nach­dem die Verwaltung auf Grund laiiger Unterhandlungen und Schreibereien die Beförderung gegen Erlag von 12 Kreuzern und unter der Bedingung gestattet hatte, daß der Wirt in Fürth zur Stelle zu sein habe, um sein Mer in Empfang zu nehmen!

* Wie di e Schirm griffewachsen". Wenn in heißen Sommertagen die Frau im Schatten ihres Sottnenschirmes Schutz vor den glühenden Strahlen sucht oder tvenn bei strömendem Regen der sorgsame Bürger zu seinem Schirm Zuflucht nimmt, dann wird nur selten dabei daran gedacht, durch welche Mittek das Holz der Schirmstöcke zu den Bogen und Kreisen geformt wird, die man Naturgriff nennt und die sich so bequem in den Arm einhäugen lassen. Mancher hat sich schon darüber gewundert, daß das oft kräftige Holz so starke Biegungen erträgt, ohne zu brechen, aber nur wenige wissen, daß es regelrechte Forste gibt, sozusagenSchirmgriffwälder", in denen ausschließlich junge Bäume gezogen werden, die der Schirmindustrie dienen oder

zu Spazierstöcketi verarbeitet werden. Eines der größten dieser Schirmgriffgüter" liegt zwischen Versailles und Montes bei dem Keinen Städtchen Maule int Departement Seine-et-Oise, eilt anderes in Oesterreich in der Nähe von Wien. Ein Mitarbeiter einer französischen Wochenschrift gibt eine interessante Schilderung dieser eigenartigen Industrie. Die schöngeschwungenen Schirm- griffe waren anfangs zarte, junge, Keine Bäume, Ahorn, Kasta­nien, Eschen, Ebereschen, Kornelkirschenbäume oder Eichen, die) mit der größten Sorgfalt von sachkundigen Waldarbeitern rin-, gepflanzt werden. Wenn das erste Jahr des Wachstums ver-i strichen ist, dann werden die Keinen Bäume an ihrem Stamme beschnitten. Die Srotte entwickelt sich so üppiger, immer wieder werden die Triebe entfernt, um das ganze Wachs tum aus die oberen Aeste zu leiten. Im Frühjahr erfahren die Bäume dann eine Art Operation, am Fuße des Stammes werden sie mit besonderen Zangen behandelt und dabei pflegt man auch auf der Rinde durch flüchtige Pressung mit zangenartigen Geräten allerlei Muster anzubringen, die später, wenn die Rinde abgeschält wird, auf dem Holze sichtbar sind. Es gi6t keinen seltsameren Anblick, als so einen Forst von jungen Bäunien mit ihren geraden, schlanken Stämmen, die kahl sind und über denen sich dann unvermittelt eine üppige Laubkrone wölbt. Oft sind die Stämme über uudi über mit wunderlichen Musterungen bedeckt, die einem naiven Naturfreunde manches Rätsel aufgeben mögen. Nach drei Jahren fällt der junge Wald, aus dem Schirmgriffe werden sollen, unter der Axt der Holzschläger. Die Zweige werden vom Laub befreit und daun zum Trocknen in die Sonne gelegt. Nun folgt ein Dampfbad aller Hölzer und dann kommen sie in die geschickten Hände kundiger Arbeiter, die durch einen besonderen Handgriff die Zweige mit einem einzigen Ruck von ihrer Rinde befreien« Das Dampfbad hat die Elastizität des Holzes erhöht, nun wird es gekrümmt, mit Drähten umsponnen, von neuem zum Trocknen, gelegt und dann sind die Krücken bereit, in die Schirm- und Stockfabriken geschickt zu werden, wo sie poliert werden und vielleicht Metallbeschläge erhalten. Aber manche Schirmgriffö werden auch in der Natur gezogen: während der Lebzeit der Bäume! werden bestimmte Aeste ring- oder kreuzförmig übereinander ge­bunden und bald schlingen sie sich im Wachstum so eng an-, einander, daß nach kurzer Zeit derNaturgriff" fertig ist. Dies Verfahren ist natürlich viel umständlicher, aber die Naturgriffe werden auch höher bezahlt und die Zahl der Liebhaber ist groß, die für besonders schön verschlungene Griffe ansehnliche Preise anlegen.

* Das Land der Revolver. Honduras muß ein angenehmes Land fein. Wie ein amerikanischer Kon- fulatsbericht sagt, ist das Tragen von Revolvern dort fast allgemein üblich und etwa drei Viertel aller männlichen Personen in dieser Republik sind im Besitze eines solchen Schießeisens. Die wohlhabenden Leute bevorzugen natür­lich die modernsten Fabrikate, wie Browningpistolen, die übrigen aber sagen sich sehr richtig, daß man auch mit weniger kostspieligen Waffen seinen Nebenmenschen tot­schießen kann und begnügen sich mit Revolvern für vier und fünf Dollars.Kein Mann ohne Revolver", hat der be­rühmte Hippolyt Mehles einst proklamiert, in Honduras ist sein Ideal erfüllt.

Rätsel.

Die erste meiner Silven spürst bu

Alt überall, wo du auch gehst.

9(n jedem Ort, in Haus und Garten Du unter ihrem Einfluß stehst.

Du brauchst sie absolut zum Leben, Würd' sie entzogen dir, o weh, Gar mancher würd' Millionen gebe», Hütt' er nur wieder ihre Näh.

Tie zweite müssen viele haben, Jedoch nicht alle, merke dies; Doch wäre es auch diesen Schaden, Wenn es nun mancherorts wohl hieß: Hinweg damit, wir wollen lasten Beisammen, was mit ihr versandt. Es fäme wohl in großen Massen Not und Elend in manches Land.

Ich wüßte zwar wohl eine Hille Mit dem, was nun das Ganze ist. Doch ist die Sache noch zu schwierig, Noch manches dran zu bessern ist. Nun bitte ich dich, rat und deute, Was damit ich dir sagen will. Man sprach davon schon viel bis heute, 's war eines großen Mannes Ziel. E, J, Auslösung in nächster Nummer i

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer? Rührei mit Schinken.

Rebaftion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, ®ieße»