Ausgabe 
22.1.1910
 
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Samstag den 22. Januar

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Droejigl.

Roman von Georg Freiherrn von Ompted«.

(Nachdruck verboten.)

lForlietzung.»

Gräfin Patsch hatte ihrem Vater einen Weiten Schnaps gebracht. Die Gelegenheit benützte sie, um sich selbst vom alten Elßmann einen Kognak geben zu lassen. Während der Haushosmeister das Brett hielt, sah er das junge Mäd­chen an, das er einst ans den Knieen gewiegt hatte, und drohte mit dem Finger. Aber sie flüsterte ihm zu:

Elßmann, nicht so streng!

Dann steckte sic eine Zigarette an: die Asche schnippte sie einfach auf den Teppich. Der Tabak war schnell auf- geraucht. Nun öffneten sich so und soviele silberne Ziga­rettenetuis zu ihrer Wahl. Sie sah der Reihe nach die Herren an, griff hin, zog die Hand aber wieder zurück:

Nein, die ist schlecht! Die ist zu stark!

Endlich hatte sie aus der Dose des Herrn Droesigl eine Zigarette genommen. Der machte ein befriedig es Ge.icht. Sie entdeckte ein kleines, goldenes Wappen ans dem Papier. Er sagte so nebenbei:

Unser Wappen. Meine Familie stammt aus Basel. Ein Droestgl war vor der Reformation Bürgermeister.

Man sprach von der Jagd, von Pferden, und das junge Mädchen redete mit, ettva rote ein Stallmeister. Sie wußte, welchen Gaul jeder der Herren heute geritten hatte, und kannte Gebäudefehler Ivie Vorzüge. Wenn einer anderer Ansicht war, fuhr sie auf ihn los, und falls er nicht sofort eine Antwort fand, so machte sie ihn derartig lächerlich, daß sich allmählich die ganze Gesellschaft um das junge Mädchen sammelte, das nun von den Herren zu allerlei Toll­heiten herausge ordert wurde. G.af Regniers A gen hingen an dem übermütigen Ding, und er freute sich jedesmal, wenn es recht behtelt oder die Artigkeit der Herren doch so tat.

Er sagte zu seinem Freunde Lindenbach:

Das ist doch ein famoses Frauenzimmer!

i Ja, sie ist bei den Herren sehr beliebt.

1 Bei oeu Damen nicht?

J.h weiß nicht.

Dann ist es Neid . . . übrigens du scheinst dir aus der Patsch nichts zu machen.

Vielleicht kennen wir uns zu gut, wir sind ja sozu­sagen verwandt.

Ter airdere meinte:

Das gäbe eine Kavalleristenfrau!

Und Graf Röguier begann zu schwärmen von Gräfin Putschs Natürlichkeit und wundervollem Reiten. Graf Lindenbach ließ seinen Freund reden. Des kaum zweiund­zwanzigjährigen Offiziers Gesicht blieb ernst. Er blickte sich um: man sah eben ein paar Herren in den Salon

nebenan verschwinden, und die beiden jungen Offiziere |ice6i* ten Arm in Arm ihnen nach.

In der Mitte eines Zimmers, das etwa die Zeit um achtzeyuhundert festhielt, stand ein großer T sch, über dem eine Lampe mit weit ausladendem Schirme hing.

Dort saß der größte Teil der Jagdgesellschaft, Herren und Damen in bunter Reihe. Kein Diener war zu erblicken, nur der Haushosmeister mit seinem stummen Gesicht, mit den Augen, die nichts sahen, den Ohren, die nichts hörten, dem Gang, den man nicht vernäht». Er füllte die Sekt­gläser.

In der Mitte stand ein Roulette. Langsam kreiste dte Scheibe, die Graf Kölln in Bewegung gesetzt hatte. Rechts und links auf dem Tisch lag je eine Wachsleinwand mit den sechsunddreißig Nummern und dem Zsro. Vor, dem alten Grasen häuften sich Banknoten, Gold- und Silber­stücke. Er klatschte in die Hände:

Messieurs, faites votre jeu

Doch das Spiel kam nicht recht iu Gang: man unter­hielt sich zu sehr mit den Damen.

Graf Kölln nahm das metallene Kreuz in der Mitte des nicht allzugroßen Rouletteszwischen zwei Finger, ließ es herumschnellen und warf die Kugel hinein.

Im letzten Augenblick ward noch auf irgend eine Zahl oder auf die rote" oder schwarze Seite gesetzt. Als das Rien ne va plus" erklang, blickte alles gesvannt auf die Kugel. Sie summte, schnitrrte, klapperte. Innrer träger drehte sich der Zylinder. Die Kugel glitt arrf sechzehn, sprang wieder heraus und lief, während alle Köpfe sich vorbeugten, auf die sieben. Dann kreiste die Maschine lang­sam weiter mit dem ruhenden Glücksgeschoß.

Ein allerer Herr, der mit Graf Kölln die Ban? hielt, zahlte Gewinne aus und zog Einsätze ein. Wieder schnurrte die Kugel, und der alte Graf ries, indemj er seinen weißen Schnurrbart wirbelte!:

Messieurs, saites votre jeu!

Die Damen unterhielten sich köstlich. Je weniger sie gesetzt hatten, desto größer war ihre Freude über einen Ge­winn, desto lauter ihr Jammer über einen Verlust.

Und immer lies der Haushosmeister umher und schenkte ein. Graf Kölln hatte die Blicke überall: wenn er irgendwo ein leeres Glas sah, so zwinkerte er mit den scharfen Augen.

Mer keiner machte einen höheren Satz.

Der junge Graf Lindenbach stand neben dem Trsch und sah mit ruhigen Augen auf das Roulette. Der alte Kölln rief: ,

Na, Graf Franz, wenn Sie mal mithin würden, käme vielleicht Leben in die Bude!

Pardon, ich spiele nicht.

Na nu, sind Sie so moralisch?

Es ist Grundsatz bei mir.

i Ach was, Grundsätze gibt's nicht,

i Ich habe aber Grundsätze.