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Unt 200 Jahre tzürW ffffiten UnS die Denkwürdigkeiten btt Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, der Schwester Friedrichs des Großen, die in einer guten, die französische Abschrift treu inib doch gutem Deutsch wiedergebenden iiebersetzung von Annette Kolb im Jnselverlag.511 Leipzig erschienen ist. Niedergeschrieben in der Verstimmung einer zum Teil selbstverschuldeten Zurück- vezogenhett, sind diese Erinnerungen an den £>of ihres Vaters, bcv«owateukontgS", ost ungerecht bis zum Uebermaß, und bte Insel-Aus gäbe erfüllte eine historische Pflicht, indem sie ihnen durch die b eigegebene Darstellung der gleichen Vorgänge aus der Feder Friedrichs des Großen aus die beste Art das richtige Licht gab. Es ist erfreulich, daß die letzte bisher bekannte französische Fassung neu ins Deutsche übertragen wurde, während die bis­herigen deutschen Ausgaben einen älteren, von der Verfasserin foätpr selbst umgearbeiteten, tm Jahre 1810 dem sch veröffentlichten Text, zugrunde legten.

Jit guter Verdeutschung erscheint der noch bedeutend ältere Lazarillo de Tormes (Spanischer Schelmenroman), lieber» setzt und eiugeleitet von Hubert Rausse. (Bibliothek des 17. und 18. Jahrhunderts.) Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart. Wer Murillos Bettelbubenbilder kennt, kennt auch den Helden dieses Romans. Wie dort die kleinen Schlingel gemalt sind, sorglos imb heiter, zerfetzt in der Kleidung, verschlagen im Blick so geht auch Lazarillo, das erste literarische Produkt dieser Art, durch die Welt: bald Herr, bald Diener, immer aber Gauner Und stets guter Dinge, weil er mit der Dummheit seiner Mit­menschen nie pergebens rechnet. Die vorliegende Ausgabe ent­hält zum ersten Male auch die Fortsetzung H. de Ludas, Grim- melshmisensSimplizissimus", die in manchen Punkten als Quelle gedient hat.

Von Fontane, dem unvergleichlichen Briefschreiber, waren bisher nur wenige Briefe ans der Jugend bekannt. Umso will­kommener ist die Veröffentlichung seines Brieftoechsels mit dem intimsten seiner Jugendfreunde, mit Wolfsohn. TheodorFon- tanes Briefwechsel mitWilhelmWolssohn. Heraus- Seben von Wilhelm Wolters. (Berlin, Georg Bondi.) Es finden

in diesen Briefen des immer noch so wenig gelesenen Dichters Stellen, die jedem für die breiteste Oefsentlichkeit bestimmten Werke zu Ehren gereichen würde. Hier offenbart sich Fontanes reine, starke Freundesseele stu ihrer ganzen unverfälschten Schönheit.

Ludwig von Beethovens sämtliche Briese (1450 Stück) hat Emerich Kastner bei Max Hesse in Leipzil herausgegeben. Die Briefe Beethovens ergänzen aufs Trefflichste die seit Jahren zum Allgemeingut gewordene Volksausgabe der musikalischen Werke dieses Meisters. Für die Kenntnis des Lebens Beethovens sind sie außerordentlich wertvoll unb geben uns einen Maßstab, unter welchen widerwärtigen Verhältnissen er feine unsterblichen Werke schuf. Die eingestreuten Briese von Zeitgenossen an Beethoven werdeit auch denen willkommen sein, die etwas über den Verkehr verschiedener Menschenklassen mit dem Unsterblichen wissen wollen.

Eine Auswahl aus den Dichtungen des Prinzen Emil von Schoenaich-Carolath bringt die Göschensche Verlagshandluna unter dem Titel Fern ragt ein Land, in zweiter Auslage heraus. Außer der packenden Novelle Die Kiesgrube, ein Stück aus dem deutsch-französischen Krieg, Sonnenuntergang, ein Romankapitel, Des Bettlers Weihnachtsgabe, eine Anzahl der schönsten Gedicht:, darunter Auszüge aus den größeren DichtungenFotthüme, Don Inans Tod, Judas in Gethsemane, Hans Habenichts u. a. Freunde der Muse des fürstlichen Poeten werden an dem lebenswarmen Werkchen ihre Freude haben.

Von dem kürzlich verstorbenen Grafen Leo Tolstoi kommt Noch rechtzeitig vor deut Fest im Verlag von Carl Reißner, (Dresden, ein Buch heraus, das sich gewissermaßen als eine Art von Bibel darstellt und den Titel FüralleTage führt. Es gibt für alle Tage des Jahres eine Anzahl von Sprüchen und Auszügen aus Werken der verschiedensten Schriftsteller wieder, ist also eine groß angelegte Sammlung von Lesefrüchten. 'Das Buch, das wohl diele Freunde finden ivird, ist von A. Skarvan und dem bekannten Tolstoibiographen E. H. Schmitt herausgegebeit.

Eine sehr empfehlenswerte Jugendschrift, die aber auch von Erwachsenen gern gelesen werden wird, istDie Geschichte des Stabstrompeters Ko st mann". Nach seinen Auf­zeichnungen dargestellt von Wilhelm Kotzde. Mit Bildern von Arthur Lehmann-Ajax. (Mainzer Volks- und Jugend­bücher Buch 11.) Verlag von Joseph Scholz in Mainz. Es ist die Geschichte eines Mannes, der aus einer ländlijck)en Musikerfamilie stammt und sich aus eigener Kraft zum Stabs­trompeter der berühmten Zietenhusaren heraiifarbeitet. Er tritt bei beit Blücherhusaren in der pommerschen Stadt Stolp ein und Macht den Feldzug 1870 und 71 mit. Ungeschminkt werden seine Kriegserlebnisse dargestellt. Alle die unsäglichen Mühen und Entbehrungen der Sommermärsche bis Sedan und hernach der aufreibenden Kämpfe um Orleans in dem ungewöhnlich falten* Winter lernen wir kennen. Wie die Einigung Deutschlands, wie ßiuc Siege möglich wurden durch die Pflichttreue und Aufopferung s einzelnen, sehen wir in diesem Buch. Nach wechselvollen- Schicksalen wird Ferdinand Kostmann schließlich Stabstrompeter unter Rosenberg, dem besten Reiterführer, welchen das deutsch« Herr in den letzten Jahrzehnten sah. N.

Vermischter.

* Ein 98jähr i ger Greis alsDaNergänFert, Frank Schrom, ein Mann von 98 Jahren, hat eben, toifl dieNewyork Times" berichtet, einen Marsch von 2800 engst Meilen zurückgelegt. Frank Schrom war ein sehr bemitteltes Mann gewesen, hatte aber durch verfehlte Spekulationen sein gesamtes Vermögen eingebüßt. Da er aber auch zu stolz war, irgend jemand um Unterstützung anzugehen, sank es immer tiefer ins Elend, um nun tm Wer von 98 Jahren vollständig mittellos zu werden. In seiner höchsten Not wandte er sich an seine m Sau Franzisko lebende verheiratete Tochter, die ihn aufforderte, zu ihr zu kommen, ohne ihm aber die Reisekosten einzusenden. Kurz entschlossen ging der alte Mann daran, die ungeheure Strecke von New Orleans, wo er wohnte, bis nach San Franzisko zu Fuß zurückzulegen. Nach entsetzlichen Strapazen dort angelangst mußte er erfahren, daß seine Tochter verzogen und un« bekannten Aufenthalts fei. Bitter enttäuscht machte er sich ous den Rückmarsch. In New Orleans wurde er in tödlich erschöpftem Zustand in ein Heim für alte Männer auf« genommen.

* Wie amerikanische Politiker sich vergnügen. Der berühmte Klub der Spötter von Washington, der Gridiron- Klub, der sich alljährlich em Vergnügen daraus macht, einen öer führenden Politiker Amerikas zu einem Festessen zu laben, bei dem der Galt dann erbarmungslos verulkt tvtrd, hatte am letzten Samstag William Takt, den Präsidenten, zu Tisch gebeten. Mehr als 300 Senatoren, Kongreßmitglieder, (Gouverneure, Minister und Diplomaten nahmen als Gäste an dem Festmahl teil. Kaum hatte Tast seinen Sitz an der Tatet eingenommen, als seine Aufmerk­samkeit auf einen wunderlichen Zug gelenkt wurde, eine moderne amertkanische Variation des Ruckzuges der Franzosen aus Moskau. Da sah man die republikanische Partei traurig einherstolpern, tautet geschlagene, kummervolle Männer. An der Spitze ritt auf einer abgetriebenen bürten Mähte ein Mann in zerrissener Kakiuniform, sein Schnurrbart hing melancholisch herab, nur bie Brillengläser funkelten und auch ohne die an der Satteldecke angebrachten Initialen T. R. erkannte jeder in biejem Führet der Invaliden und Krüppel Teddy Roosevelt, dem die legten Wahlen zu einem napoleonischen Moskau geworden sind. Emen Augenblick später trat mit LärmFräulein Demokratie" auf, die Siegerin. In der Kleidung eines weidlichen Preisboxers fuhr sie in einem wunder­lichen Vehikel daher, ein Gefährt, das die demokratische Partei sym­bolisierte und Fräulein Demokratie zum Weißen Hause führen sollte. Roosevelt, der auffallend korpulent vernarben ist, bewarb sich um eine Probefahrt, aber sofort protestierten allerlei bemokratische Parteiführer, bereit Masken trefflich nachgeahmt waten. In bunter Folge wurden nun alle führenden Politiker Amerikas gehänselt, meist Gäste, die mit gutem Humor das heitere Matyrinm übe»» standen. Taft amüsierte sich köstlich und lachte herzlich, ais ein ftngierter Briefwechsel zwischen ihm und Roosevelt verlesen wurde, der mit den vertraulichsten Freundschaitsworten begann, um immer fühlet zu werden imb schließlich in feindseliger Kälte zu ver­klingen. Das ausgelassene Bankett endigte nut einer Reihe von Telegrammen aus Oyster Bay, bie die Leiden-eines eifrigen Re­porters schildern, der vergeblich Roosevelt aus seinem überraschen­den jüngsten Schweigen hervorlocken wollte. Roosevelt selbst aber, der wirkliche Roosevelt, war dem Diner fern geblieben.

* Entrüstet. Fräulein (reckst angejahrt):Mein Herr, wo führt denn dieser verbotene Weg hin?" Spaßvogel:Zant Standesamt!" Fräulein:Na, aber so eine Gemeinheit!"

* Die lose Zunge. Schusterjunge (zu zwei lebhaft schwatzenden Frauen):Sie, Heern Sie! Sie roer'n wat ver­lieren !" Frau (sich unttvendend):So! Was denn?"- Schusterjunge (grinsend):Ihre Zunge sitzt so lose./'

Bil&erratfel.

Auflösung der Charade in voriger Nummer k Bockbier.

Austoinng in nächster Rümmer.

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Redaktion; K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Dieb«»