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Professor Oltens lveihnachkferlen.

Erzählung von Betty Rittwege r.

(Fortsetzung.)

Der Professor ließ den Löffel niederfinken; die Kinder -falteten die Hände, und der Bub betete mit heller, klarer stimme:Komm, Herr Jesus, sei unser Gast und segne, Kurs du bescheret hast." Dem Professor wurde es ganz eigen zu Mute. Dieses Gebet hatte sein Bater stets vor dem Essen gesprochen, und später, als seine Mutter, ver­witwet, bei ihm lebte, hatte sie dieses Amt übernommen. So fragte er seine kleinen Gäste freundlich nach ihren Namen. Was er sonst mit ihnen reden sollte, wußte er !nicht recht.

Ich heiße Bernd," gab der Junge zur Antwortund wein Schwesterchen heißt Christa." Und sein und des Schwesterchens Alter wußte er genau anzugeben. Damit war der Unterhaltungsstoff vorläufig erschöpft. Die Kinder löffelten manierlich ihre Suppe, aßen etwas Braten, den der Professor auf Kathrines Geheiß ihnen ganz klein schneiden mußte; und als die süße Speise erschien, da leuchteten die traurigen Augen auf, und Christa rter froh erstaunt:Ach, so 'was Schönes! Wo doch das Christ­lind erst morgen kommt!"

Der Bruder setzte erklärend hinzu:Wir essen nur KM Festtag süße Speise, das meint sie. Sie ist noch ein bißchen klein und dumm." ,

Der Professor mußte lachen, und bald gab etn Wort das andere. Es war wirklich ein ganz vergnüglicher Mittag. Aber deshalb würde er doch der Kathrine noch ordentlich die Meinung sagen und ihr zeigen, wer Herr im Hause war

Ms er sie nach Tisch in sein Arbeitszimmer rief und seine Strafpredigt beginnen wollte, meinte sie:Der Herr Professor hat recht, es is noch allerlei zu besprechen. Ein Glück, daß der Herr Professor Zeit hat, jetzt in die Ferien. Bor allen Dingen müssen Sie mal im Krankenhaus nach­fragen, wie's mit der armen Frau steht. Und nachher muß Man auch an morgen Abend denken. Eine Bescherung für zwei Kinderchens will schon beschafft sein. Gerade, als das Malheur passierte, wollt' dre Frau Doktor einkaufen geh'n, für jedes was zum Spielen und den Christbaum Sie konnte nich eher, bis sie das Weihnachtsgeld von ihren Eltern bekommen hatte. Die haben aber selbst nicht viel, sagte die Aufwartfrau. Na, wir haben's ja, gottlob. Und ich freu' mich, daß man nun endlich mal wieder 'n Christ- baum zu seh'n kriegt, wie zu Zeiten der seligen Frau Pastor." Die Kathrine wischte sich die Augen und fuhr gleich fort:Also, Sie geh'n zuerst in's Krankenhaus, und heimwärts besorgen Sie 'n schönen Christbaum. Nach­her passen Sie auf die Kinderchens auf, und ich geh' ein» kaufen. Später schaff' ich mit der Aufwartfrau die Bettchen rauf und was sonst noch nötig is. Wenn die Kinderchens schlafen, dann putzen wir den Baum an. Es is noch 'n ganzer Kasten voll Glaszeug da von früher, wie der Herr Professor noch 'n kleiner Junge war. Immer hab' ich das Zeug mal wegschenken wollen, aber denn dacht' ich allemal: wer weiß, wie's mal kommt! Nun will ich meine Küche in Ordnung bringen. Die Kinderchens können dabei zugucken. Und wie's ihnen geschmeckt hat! Ja, auf süße Speisen versteht sich die Kathrine." Ueberzeugt, daß hier jeder Widerspruch vergebens, zog der Professor den Ueber- zieher an. Im Krankenhaus wurde ihm die Auskunft, daß die Verunglückte eine Gehirnerschütterung und eine Ver­letzung am Unterschenkel erlitten habe und noch nicht zum Bewußtsein gekommen sei. Aber der Zustand sei nicht hoffnungslos. Er gab der Schwester seine Karte und bat sie, der Patientin später zu sagen, daß ihre Kinder Aufnahme in seiner Häuslichkeit gefunden hätten. Dann suchte er den nächsten Verkaufsplatz für Christbäume auf, fand auch noch ein wohlgewachsenes Exemplar. Der Professor kam sich sehr lächerlich vor, als er dann neben dem Dienstmann Mit dem Tannenbaum weiterschritt.Das ist die Strafe dafür, daß du so erhaben auf all' die eiligen Menschen herabgesehen hast, alter Knabe," sagte er sich. Und als er einem seiner Schüler begegnete, der respektvoll, aber doch Mit einem versteckten Grinsen die Mütze zog, bekam er einen ganz roten Kopf.

Kathrine war vollauf beschäftigt und ordnete an, daß er nun mit den Kinderchen spielen müsse. Er suchte denn auch wirklich ein altes Schachspiel hervor, und die weihen lUtb roten Figuren entzückten die kleinen Mste. Bald stellten

die Figuren Menschen vor, bald Bäume und Tiere aller­dings nicht ohne den ,,Onkel Professor" fortwährend in Mitleidenschaft zu ziehen. Und als es zu dämmern be­gann, da kletterte Klein-Christa ganz zutraulich auf seine Knie und bettelte:Onkel Professor, Märchen erzählen." Die blauen Augen baten gar so dringend. Das Rotkäppchen würde er ja wohl noch zusammenbringen. Er kam aber immer in die Geschichte von dem Wolf und den sieben Geis­lein und mußte sich gefallen lassen, daß Bernd ihn ver­schiedentlich korrigierte. Als die Kinder ihre Abendmilch getrunken hatten, wurden sie zur Ruhe gebracht.

Gott sei Dank! Der Professor war wie gerädert von der ungewohnten Anstrengung. Nun wurde endlich Ruhe. Er steckte sich eine Zigarre an und wanderte im Zimmer hin und her. Da kam die Kathrine:

Herr Professor, die Kinderchens wollen dem Onkel partuh im Bett nochmal Gute Nacht sagen." .

Seufzend legte der Geplagte seine Zigarre weg. MA er dann an den Bettchen stand und die kleine Christa ihre Aermchen um seinen Nacken schlang und flüsterte: /Bu, Onkel Professor, ich will jetzt bei dich beten, weil Mütterchen nich da is," da wurde es ihm ganz seltsam ums Herz, und er sagte freundlich:Schön, Christa." Und die Kleine betete mit ihrem süßen, hellen Stimmchen:Lieber Gott, laß' mein Mütterchen bald gesund werden und zeig' morgen auch ja dem Christkindchen den Weg, weil wir doch nu 'ne Treppe höher wohnen, und daß es mir auch 'ne Wickel­puppe mitbringt." Nun rief ihn auch Bernd zu sich un8 vertraute ihm an:Ich bete auch, Onkel Professor, aber leise für mich, weil ich doch schon groß bin. Laut, das tun nur ganz kleine Kinder. Und wenn ich tüchtig bete, krieg' ich sicher 'ne Eisenbahn."

(Schluß folgt.)

vücher für den Weihnachtstisch, in.

Bon neueren Schriftstellern findet namentlich Bernhard Kelker- manns Roman, das Meer, (S. Fischer, Verlag, Berlin), de« schon bei seinem Abdruck in der Frauenzukunst viel Beifall ge­funden bat, besondere Beachtung. Hier sind Jugend und Aben­teuerlust, die sich nicht am Ofen halten lass«:, und die vornehmlich immer wieder den Trieb haben, für etn paar Monate sich ab eits von der Kultur der Städte und der Straßen zu fühlen Keller­manns Held läßt sich auf einer der bretmtischen Inseln m der Nähe von Brest nieder, mitten unter den Fischern, ihr Leben als Gast, Zuschauer und Kamerad teilend, bis ihn dre prächtige Rosse- herre, die er gern wieder los sein möchte, wieder in die Kultur zurücktreibt. Und um ,diese volkstümliche Novelle rauscht das Meer, das Meer mit allen seinen Chören, das Meer als Freuntz und Feind.

Ganz besonderer Beachtung wert ist der mit dem 30 000 Mark- Preis des Universums gekrönte Roman Bruno Willes Dies Abendburg (Dietrichs, Jena), das bei seinem Erscheinen, großes Aufsehen erregt hat. In prächtiger, altertümlicher Sprache führt es uns in die Zeit des 30jährigen Kriegs und mit außer­ordentlich plastischer Gestaltungskraft Jcerben uns die Schicksal«, des Helden erzählt, der den Frieden seines Herzens schließlich m seiner Ab«ldburg findet. Ein »weites erfreuliches Buch bietet Bruno W i l l e in seinem Hausbuch für das Deutsche Volk U ns er«, großen Dichter und Schätze aus ihren Werken, Hausbuch für das Deutsche Volk (Mär­kische Verlagsanstalt Berlin). Keine gelehrte Literaturgeschichte ist dies Buch, sonderri ein Mittler zwischen den Lesern und unseren! großm Dichtern, ein Führer durch die lebendigen Schätze unserer Dichtung. Unsere großen Dichter von Klopswck bis Fontang werden in ihrer Bedeutung wie in ihrem Leben geschildert, in volks­tümlicher Sprache und unter modernen Gesichtspunkten.

Sven Hedi ns neuestes Werk, Z u Sa ndnach Jndiett durch Persien, Seistan, Belutschistan (Leipzig, F. A. Brockhaus)/ aus dem wir bereits zwei größere Stücke abgedruckt hab«-, hat großes Aussehen erregt. Das bekannte Reisewerk Trans hlm a -s l a j a hat darin, wie wir schon früher sagten, eine interessante, wertvolle Vermehrung erfahren, da dieses neue Werk gewissermaf-«t den Anfang der groß«- Reise nach Tibet schildert. Von der Kustü des schwarz«! Meeres .führt uns Hedin durch das türkische und russische Armenien nach Teheran. Wir folgen ihm dann durch die Kevir, die persische Salz- und Sumpfwuste, nach Tebbes, wo, er den blutigen religiösen Schauspielen beiwvhMN darf und von da durch das verseuchte Seistan und die Wilsten Belutschistans nach Nuschki, von wo ihn die Bahn nach Simla brachte, der Sommer­residenz des Vizekönigs von Indien, von wo er dann seine weite, nach Tibet angetreten hat. Daß Hedin feine, Repe nicht nur mit wissenschaftlicher Gründlichkeit, sondern auch -n formgewandter, spannender Art darstellt, ist bekannt, und es bedarf deshalb kemer befotldexs nachdrücklichen Empfehlung dieses MrW BK