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oder dicken Rekruten erklettert wurde. Das war ein guter Gedanke. Wer diese Weinranke sah nut ihren lebendigen Früchten, sagte sich sofort:Aha Spannuth Schwarz? Etikett!" Die erkletterte Weinranke prägte sich dein Ge­dächtnis ein. So muß eine wirksame Reklame beschaffen fein.Spannuth Schwarz-Etikett" kam rasch in die Mode.

Merkwürdige Tatsache. Beim Rheinwein hat nimmer eine törichte Mode mitgesprochen da kommen nur die Trauben in Betracht und die guten Jahre. Aber beim jüngsten Kinde des grünen Gaus, bei dem. schäumenden Wein, sollte es anders sein. Die großen Weinbergbesitzer, deren Schlösser uni) Villen zwischen den Rebenhängen mit erlauchten Namen auftauchen, empfanden es wie eine Ent­würdigung, daß die moderne Reklame ein wildes Bacchanal an den Ufern des deutschen Stroms entfesselte, und auch der Senior von K. A. Friedel, der gleichfalls Karl August hieß und schon im achten Jahrzehnt seines gesegneten Lebens stand, empörte sich gegen ein Geschäftsverfahren, das der Vornehmheit der Tradition Abbruch tat. Aber es half alles nichts! Hier handelte es sich um die Existenz, um Kämpfen und Siegen, und die Reklame lag einmal im Zuge der Zeit.

Es half alles nichts. Zwar Fritz Friedel, der Leut­nant, der hübscheDoppel-Friedel", stellte sich mit ge­zücktem Husarenschwert auf die Seite des Großvaters'., Auch er saud die Reklame abscheulich. Aber der, Kommerzienrat lachte ihn aus. Ahnungsloser Junge, bleib du in deiner Schwadron und in deinem Kasino und trage deine silber­verschnürte Attila mit Schick weiter durch das Leben, mir kümmere dich nicht um das Geschäft!Geschäft" i ja, das ist ein Begriff, der sich nicht mit dem Standesgemäßen verträgt. Darauf hielt der Kommerzienrat. Fran und Sohn waren Luxusartikel, die in seinen Büchern nur auf der Ausgabenseite geführt wurden.

Der Kommerzienrat war sich ganz klar darüber: die mächtig anwachfende Konkurrenz, die mit allen Mitteln arbeitete und die Welt mit ihrem dröhnenden Tamtam erfüllte, verlangte ein resolutes Gegenspiel. Die Vornehm­heit wurde in den Winkel gedrückt, Reklame war Trumpf; wenn der Tropfen begehrt werden sollte, mußte das Inserat sprechen.

Das Inserat gut! Es gehört mit zum Schaufenster des Kaufmanns. Aber es darf nicht aufdringlich wirken. Und wenn es seine Stimme erhebt, darf es nicht schreien wie der Anpreiser im Warenhause, sondern seine Sprache muß künstlerische Bindung haben. Feßler war damals nach Wiesbaden gekommen, ein harmloses Leiden, das ihn nervös machte, am Kochbrunnen auszukurieren. Er hatte durch einen Zufall den Prokuristen der Firma Friedel, Herrn Kesselholz, kennen gelernt; man war vertrauter mitein­ander geworden und hatte gelegentlich auch über die Wein- ranken-Reklame für Spannuth Schwarz-Etikett gesprochen, die Feßler sehr wirksam fand. Und da setzte er sich eines Tages aus eigenem Antriebe hin und zeichnete ein hübsches Plakat für die neue MarkeFriedel halb-süß", die K. A. Friedel auf den Markt gebracht hatte, und schenkte es Herrn Kesselholz.

Der nahm die Schenkung nicht an. Kommerzienrat Friedel kaufte den Entwurf. Er tat noch mehr. Er wollte seine neue Marke zur Weltberühmtheit erheben, die alle Konkurrenz rechts und links schlagen sollte. Er wollte zu­gleich der künstlerischen Reklame eine Höhe geben, die auf- falleu mußte.Friedel halb-süß" sollte nicht nur den ver- wöhntesten Gaumen letzen und die Krone des dentschen Schaumweins werden,Friedel halb-süß" sollte auch einen Merkpunkt in der Entwicklungsgeschichte der Kleinkunst, der angewandten Graphik bilden. So engagierte er denn den jungen Künstler auf drei Jahre für seine Firma als Zeichner.

Feßler sagte Ja. Eigentlich ohne rechte Ueberlegnng. Er folgte der Eingebung des Augenblicks, weil ihm die Sache Spaß machte.

...Friedel halb-süß" . . . Feßler sprach das, wäh­rend sein Blick auf der Loge des Kommerzienrats haftete, leise aus, und es war ihm dabei, als spüre er den Schaum auf den Lippen. Aber er schmeckte ihm nicht. Die halbe Süße schien bitter geworden zu sein. Er hatte genug davon:

Die 'Silberschnüre auf der Attila des hübscheu Leut­nants blitzten im Glas seines Stechers. Und ihm fiel ein:Friedel halb-süß" war ja auch der Spitzname Fritzens. Eine gute Charakteristik: der hübsche Leutnant hatte in seinem ganzen Gehaben etwas ausgesprochen Halbsüßes',

Nichts Ganzes, nichts Halbes, so wie die Welt es wollte. Liebenswürdiges Schöntun im Verein mit dem unvermeid­lichen Schneid. Ein Löwe der Salons, viel umschwärmt und immer lächelnd abwehrend, als sei et noch lange nicht reif für das Glück der Ehe und dahinter der große Geldbeutel des Kommerzienrats, und darüber das englisch glatte Gesicht des Kommerzienrats, das in stillen Stunden zuweilen einen recht sorgenvollen Ausdruck aunehmen konnte...

Ein letzter rauschender Akkord. Der Zuschauer raunt verfinsterte sich, der Vorhang stieg auf.

Fritz hatte sich neben seinen Vater gesetzt. Er sah ernst! aus. Er hatte daheim in seiner Garnison ein kleines Lieb­chen. Die Mieze machte ihm Kopfschmerzein Sie war zwei Jahre die seine gewesen; nun hielt er cs für an der Zeit, mit ihr zu brechen. Sie hatte seinen Haushalt vervoll­ständigt; sie hatte Messerbänkchen angeschafft, «einen neu- silbernen Elefanten für die Zahnstocher und zwei Kogncik- gläser. Das waren bedenkliche Anzeichen. Sie rüstete für längere gemeinsame Fahrt. Aber daran dachte Fritz nicht. Nimmermehr!

Nun es dunkel geworden war, hatte auch das Gesicht des Kommerzienrats den Ausdruck verändert. Der vor­nehme englische Typus, auf den er sehr stolz, war, verlor sich. Aus den Ecken des starken, genußsüchtigen Mundes flüchteten alle Geister des Hochmuts, der stählerne Glanz des Auges nahni eine bleierne Farbe an. Das Aeußere des Eroberers wurde sehr klein und fiel zusammen. Die Brust schien einzusinken, so daß das Plastron knitterte; auch Lider und Mundwinkel senkten sich.

Wenn der Kommerzienrat, gern im Frack mit dem blauen Bändchen des Ordens der Zuversicht im Knopfloch, aufrecht durch die Gesellschaft ging, im Gefühl seines Kon- dottiereturns und ganz Seine Lvrdschaft, fest aus tretend, immer freundlich, doch mit, der Reserviertheit des Vielge- pflagten: nannte man ihn nicht zu unrecht einen sehr stattlichen Mann. Jetzt aber war er plötzlich alt geworden. Mit der Schlaffheit seiner Züge verband sich eine sorgende Unruhe im Blick; der Blick tupfte umher, hierhin und dort­hin, und wer schärfer zugeschaut, hätte sehen können, daß das Email seines Auges rosig wurde, als fülle es sich mit Blut.

In der Logeureihe gegenüber öffnete sich eine Tür. Ein gelber Lichtstreif fiel über den Sammet der Brüstung, bann wurde es wieder dunkel.

Der junge Spannuth!" raunte Fritz seinem Vater zu.

Der Kommerzienrat fuhr zusammen und rückte sich zurecht.

(Fortsetzung folgt.)

Der Reichshund.

Ein Reiseabenteuer von Peter Rosegger.: Unsrer Väter heißes Sehnen, Deutschlands Einheit ist erstritten.. Unsre Brüder haben freudig Für das Reich den Tod erlitten. Enkel mögen kraftvoll walten. Schwer Errungnes zu erhalten."

Auf dem alten Marktplatz zu Leipzig, dessen Häuser-« giebel die Völkerschlacht von 1813 gesehen haben, steht aus Erz geformt das stolze Siegesdenkmal für das, was vor vier­zig Jahren geschehen ist. An drei Seiten des Sockels, aus dem die Germania steht, ist die obige Inschrift ein? gegraben. Hier, im Herzen Deutschlands, auf heiligem! Boden der Befreiung von Fremdherrschaft, im Angesichtj der Heldengestalten, die das Reich neu und groß aufgerichtet! haben, wird mir, so oft ich davor stehe, warm hiuterm! Brustfleck. Wenn ein großes altes Volk so sehr erniedrigt war, wie es das deutsche gewesen, und es rafft sich endlich heldenhaft aus fremdem' Banne und macht sich frei und einig, da kann keiner, in dessen Adern ein deutscher Bluts-« tropfen kreist, gleichgültig bleiben. Tie Einigkeit eines Volkes ist ja doch sonst selbstverständlich. Bei den Deuw schen nicht durchaus nicht! Bei den Deutschen ist es ein ungeheures Wunder, wenn sie eins'sind! Aufschreien! möchte man, in heißer Wonne jauchzen darüber, daß unser Volk herrlich geworden ist vor aller Welt. Weil aber biet löbliche Leipziger Polizei wahrscheinlich dagegen ernst? liche Verwahrung eingelegt haben würbe, wenn ein Steirer dort auf Dem alten Platz anfingeazn fabeln und zu jauchzen-