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totebenflett Gegensätze zur Wahrheit der Forschung behauptet.. Wie Gewinnung der Milch von Tieren für den menschlichen Ge- nuß gehört einer verhältnismäßig sehr späten Zeit cm, und selbst bis jetzt ist nur eiic Teil der Menschheit dahin gelangt.
Es ntag ja naturgemäß erscheinen, die Fortsetzung des Nähr- geschäftes von der Mutter auf das Tier zu übertragen; aber dem widersetzt sich sehr ernstlich das noch ungezähmte Tier. Die Mythe von der säugenden Wölfin in der Urgeschichte Roms ist aus einem Kulturgedcjnken entsprungen und gibt uns keinen Anhalt für das Leben der Urzeit. Selbst mit der Zähmung des Tieres ist die Kunst des Melkens, wie der Gewinnung und Aufbewahrung der Milch noch nicht erfunden. Der Zulu, der zu bett, tüchtigsten Viehzüchtern der schwarzen Rasse gehört, hatte es in der Kunst des Melkens bis ans unsere Zeit nicht weit gebracht, denn er sog die Milch mit den Lippen ans und ließ sie danic aus dem Munde in das Sammelgefäß laufen. Der Kaffer verschmäht den Milchgenuß ganz und verwendet nur das säuerliche Molkenwasser als Genußmittel. Bei anderen Stämmen der Negerrasse mit blühender Viehzucht verbietet die Sitte aufs strengste den Genuß der süßen Milch, sobald der Mensch aufhört, als Kind betrachtet zn werden. Nur der Hottentotte, der über-, Haupt nichts verschmäht, trinkt auch als Erwachsener süße Milch. Der Häuptling von Muazi in Kasungu, westlich vom Nyassasee, hatte, als ihn Livingstone besuchte, prächtige Herden von Buckelrindern, die. aber nicht gemolken wurden. Weit verbreitet in ganz Afrika ist aus alter Zeit ein Aberglaube, nach welchem der Gebrauch der Milch durch den Menschen dem Vieh großen Schaden bringe; Milch zn kochen gilt als sündhaft, denn es^schadet der Kuh. Weiß der Karagwahneger von jemand, daß er Salz zu den Speisen. genießt, so gibt er ihm gewiß keine Milch von seiner Kuh. Diese im Aberglauben begründeten Gebräuche lassen darauf schließen, daß in ganz Afrika die Gewinnung der Milch als Nahrungsmittel niemals eine Rolle gespielt hat. Auch die altenl Megypter machten davon keine Ausnahme, denn ihre Züchtungs-, versuche haben nicht einmal bei jenen Tiergattungcn begonnen, bei denen cs auf die Milchgcwinnung hätte ankommen können. Der Milchgenuß war im Altertum nur in Vorderindien bekannt, wo der Brahmane, der die Arbeit des Ackerbaues scheut und nur von den Gaben und Stiftungen der Frommen lebt, die süße Milch zu jeder Tageszeit genießt. Aber erst im Laufe der Zeit hat der Brahmane gelernt, die Milch zu verwerten, denn die Arier, die von den Hochsteppen Asiens nach Indien kamen, waren Mferdenomaden, denen der Genuß der Stutenmilch kein volkstümliches Nahrungsmittel, sondern das säuerliche Molkenwasser nur ein Genußmittel der reichen Leute war. Diese Sitte reichte bis nach Litauen, und die Esten tranken nicht die frische Milch, sondern ebenfalls nur den durch Gärung aus ihr gewordenes Molkensaft.
Auch die zahlreichen Volksstämme in Amerika, Australien Und Nuf den Südseeinseln haben vor ihrer Bekanntschaft mit den Europäern den Milchgenuß nicht gekannt und dann den Gebrauch der Milch nur zögernd nachgeahmt oder znm Teil bis heute noch übgelehnt. Die Amerikaner besaßen als eigentliches Haustier nur den Hund, und die Südseeinsulaner betrachteten nur Hunde, Schweine und Ratten als Nahrungstiere, von Milchgenuß wußten sie nichts. Obwohl sie von den Engländern in der Milchgewinnung unterwiesen wurden, wiesen sie die Milch als ein ekelhaftes Getränk zurück und spotteten der Europäer ob ihres unsauberen' Gebrauches, indem sie auf ihr Borstentier als Nahrungstier hin- wicsen. — Wenn wir so aus der Geschichte der Kultur in des Menschen Sorge .um seine Nahrung gesehen haben, daß die schwarze Bevölkerung Afrikas, bei der die Viehzucht auf einer hohen Stufe steht, eine bessere Methode der Milchgewinnuug bis an die Neuzeit nicht kannte, daß die den Negerstänmien über- lMencn Aeghptcr kein Milchvieh züchteten, so muß es als sehr wahrscheinlich gelten, daß die Heranziehung gewisser Säugetiere zur Gewinnung der Milch ein Mittel war, zu dem die Not die nördlichen Völker im Kanipf ums Dasein gedrängt hat. Aber auch hier kann der Mensch nicht früher zu dieser Erfindung ge- langt sein, als bis der Strom der braunen Rasse sich bereits nach Afrika ergossen hatte, das damals noch mit größeren Brücken mit Asien verbunden gewesen sein mußte.
den alten Traditionen' hangen, Und iir erster Linie alte slawische Märchen nnb Legenden, alte Volkslieder und Volksdichtungen lesen, in denen sich das russische Leben und die Geschichte des Zarenreiches spiegeln. In den größeren Städten dagegen werden die Uebersetzungen aus fremden Literaturen bevorzugt, hauptsächlich Abenteuer- und Detektiv-Romane vom Genre der , Sherlock-Holmes-Erzählungen. Unter den Volksschriften stehen die Werke religiösen Inhalts oder religiöser Tendenz a'N zweiter Stelle; es wccrden 1150 Bücher und Broschüren dieser Richtung ausgegeben. Sie übertreffe« aber bei weitem! die Verbreitung der russischen Romane und der einheimischen Theaterstücke, denn die Zahl der erschienenen russischen Romane betrug 931 Werke und die Theaterliteratur 487 Bücher. Nationale Gedenktage wie das Gogol-Jubiläum und der Jahrestag der Schlacht von Pultawa gaben Anlaß zu zahlreichen Publikationen., Auch das Zeitungs- und Zeitschriftenwesen läßt eine kraftvoll aufwärts steigende Entwicklung beobachten. Insgesamt erscheinen m Rußland heute 2173 Zeitschriften; 1643 davon werden in russischer Sprache redigiert, 218 in polnischer und 69 in deutscher Sprache. Die französische Presse in Rußland hat Schritt Mt Schritt an Boden verloren. Es erscheinen nur noch 4 Zeitschriften^ und. eine Zeitung, das Journal;be St. Petersbourg, in französischer Sprache; und selbst diese Tageszeitung hat nur 250 Abonnenten. Dem Rückgang der französischen Zeitschriftenliteratur steht der Aufschwung der deutschen Presse ist Rußland, gegenüber; nicht nur in den polnischen Gegenden besitzest die deutschen Gemeinden besondere Presseorgane, auch in allen größeren Städten, in Petersburg, Moskau, Odessa, Tiflis usw. erscheinen deutsche Blätter, von beit baltischen Provinzen ganz abgesehen.. Unter beit russischen Zeitungen hat bas Kopekenblatt, bte „Kopsika", mit einer Auflage von 160 000 Exemplaren, die größte Verbreitung. Ihr folgen die „Börsenzeitung" mit 142 600, die Moskauer „Rußkoje Slowo" mit 131030. Das bedeutendste; jüdische Blatt, „Unser Leben", erscheint in einer Auflage von 53 000 Exemplaren. Der Warschauer Kurier verzeichnet 33 000, die „Nowoje Vremja" 66 500, der „Retsch", das Organ der Oppositionspartei, 38 000, und die „Rußkoje Znamya" 4900 Exemplare. Der Dorfboote, der als offizielles Organ ausgegeben wird, erscheint mit einer Auflage von 65 000 Nummern, von denen 17 000 gratis ausgegeben werden.
viichertisch.
1— Tempel-Klassiker. Die ausgezeichneten Klassiker- Ausgaben des Tempel-Verlags (Leipzig), die an dieser Stelle bereits charakterisiert wurden, sind um folgende Bände vermehrt worden: In der G o e t h e - A n s g a b' e sind-. 3 neste Bände C,©turnt und Drang", „Die Leiden des jungen Werther" und „Wilhelm Meisters Lehrjahre"), in der Heine-Ausgabe „Shakespeares Mädchen und Frauen, Pantomimen und Memoiren" neu herausgekommen. Die Kleist-Ausgabe liegt mit dem fünften Bande, der eine Abhandlung von Dr. Artur Tloener über das Leben und die Werke von Heinrich v. Kleist enthält, abgeschlossen vor. Dieser Band bringt in biographischer Folge alle Erklärungen und Erläuterungen zu den Werken Kleists.
— I) r. m e ä. F. D tt in st r e y. Die Körperpflege des Kulturmenschen in gesunden und kranken Tagen. Leipzig,' Helios-Verlag Franz A. Wolfson. Dumstrey gibt in seinem Buche auf Grund einer langjährigen ärztlichen Praxis mit warmem Herzen die Leitlinien, nach denen der Kulturmensch seine Körperorgane behandeln muß, wenn er seinen Körper gesund erhalten will. Seine Verhaltungsmaßregeln für Herzkranke und Arteriosklerotiker sind sehr- lesenswert, ist doch die Arteriosklerose, die Verkalkung der Blutgefäße, das Gespenst der überernährten und überreizten Kulturmenschen. Den Magen- und Tarmkrauken ist ein besonderes Kapitel gewidmet, sie erhalten Aufklärung darüber, welche Diät sie einzuhalten haben, um die Verdammgsorg-ane zu schonen und wie sie die Möglichkeit finden, ohne scharfe Arzneimittel ihrem Blagen und Darm Widerstandskraft zurückzugeben. Besonders reizvofl liest 'ich das Kapitel über das Geschlechtsleben des Kulturmenschen, in dem der Verfasser frei von falscher Prüderie, aber überaus dezent, dieses Gebiet ber Körperpflege mit dem warmen Herzen eines menschenfreundlichen Arztes erörtert. Der Nervenschwäche und der Schlaflosigkeit ist ein anderes Kapitel gewidmet. Die Pflege des Haares, der Haut und der Zähne findet eingehende Erörterung. Ten 8 Kapiteln des Werkes folgen 19 Merkblätter, die schnell und gewissenhaft für viele Fälle plötzlicher Erkrankung ärztlichen Rat erteilen.
Antlmsgriph.
12 13 wirst du als Lasttier kennen,
13 2 1 sich manche Mädchen nennen. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Königspromeuade in voriger Nummer: Wo stets die Sonne brennend scheint, Dort wird auch reiches Land zur Wüste, Kein Mensch wird tragen stetes Glück, Der's nicht durch Herzverscmdung büßte.
Vermachtes.
, * Rus si s ch e Kul t ursta tistik. Im Auftrag und unter
ber Aufsicht des russischen Ministeriums des Innern findet gegenwärtig in Petersburg eine Bücherausstellnng statt, bte einen interessanten Ueberblick über bas Bücher- und Zeitungswesen; Rußlands gibt nnb zugleich zeigt, wie in bett breiteren Volks-, schichten geistige Interessen sich entwickeln uitb stetig wachsen Im vergangenen Jahre sinb von russischen Verlegern 2783 Werke Mehr als im Jahre 1908 veröffentlicht worben; insgesamt würben 26638 Werke ausgegeben in einer Auflage von zusammen 101 4o6 908 Exemplaren, ber Verkauf hat nahezu 30 Millionen Rubel eingetragen. Unter bett Werken, die in russischer Sprache erschienen, nehmen bte billigen Volksausgaben durchaus die erste Stelle ein. Das sind Bücher, bte sich vor allem! an die bvestü Masse ber Landbevölkerung wenden, an bte Bauern, bte treu aN
Redaktion: I. V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch, und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,


