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Georg, ja!'

12. Dezember.

Nur

in mir zu werden.

Er sah mich alt, mit einem raschem, warmem Blick.

Eine Fremde? Mr uns nicht, Agnes. Und ich hoffte, Ihnen wäre es hier auch etwas HeiMat geworden.

Da hab! ich ihm beide Hände hingestreckt:ya

Erziehungsresorm.

Vvn Tr. Otto Lipm'ann.

IM itntotlä: toleiteveii Kreisen bricht sich die Neberzeugung! BaM daß an unserem Erziehmigs-- und Unterrichtswesem vieles verbcsse- rungsbedürftig ist. Während Man aber bisher Meist von außen! her zu reformieren suchte, indem man die eine oder ibie andern Teilfrage, z. B. di« Berech.tigtmgssr.agc, herausgriff, scheint mM doch die Zeit gekommen fein, die Reform von innen heraus systematisch in Angriff zu nehmen, d. 61 das Schuh- und Erziehuugs^ Wesen auf eine solche Masis zu fttiten, HM sie Aas Prädikat zeitgemäß" rerbienen.

Fragen wir uns zunächst, was dies« Forderung^ der Zett-' geMÄßheit 'bedeutet, uw daun zu untersuchen, wie weit die hegem wörtige Pädagogik ihr gerecht wird und wie jene Kulturausgabe zu erftillen ist. Zeitgemäß ist eine Pädagogik, die den AnspriichM der Wissenschaft, der Jugendkunde und der Fachivissenschasten, den Ansprüchen des praktischen Lebens und denen bet kulturellen, der ethischen und AWetiWen JdeM gerqht wird- Bet reder

Ich sah sie ganz starr an, das Gesicht wurde mir Herst

Wenn rch dir unbequem bin, Dill«"

Georg hatte im Augenblick heftig den Stuhl geruckt.

Seit wann ist es bei ums Sitte, das; dem Gäste« derartige Unhöflichkeiten gesagt werden?" Alla warf ge­reizt den Kopf hoch ., . ,

Seit wann ist es Sitte, daß, mein Mann mich uni Beisein der Gäste anfährt wie einen Dienstboten?"

Wer sich unerzogen benimmt, wird eben danach be­handelt. Es ist einfach unerhört. Wenn du nicht sofort Agnes um Entschuldigung bittest"

Ich legte ihm hastig die Hand auf den Arm, fern ntafc loses Aufbrausen machte mir angst

Georg, nicht meinetwegen Streit, bitte."

(Fortsevung folgt.)

Nein, ich kann den Kdpf hochtragen. Mas kümmert mich eine taktlose Redensart, die ein Kind wie Lotte Gelsa! gedankenlos heraussagt? Lachen kann ich darüber, weiter nichts; nicht einmal böse sein: es ist ja, ihr eigener Schade, wenn sie nichts von denk Höchsten und Besten kennt, was; die. Menschen verbindet. .

16. Dezember.

Beide Fenster habe ich! weit aufgemacht, daß die Nacht­lust mir kalt nm den heißen Dopf geht- Die weihen! Chrysanthemen bewegen sich wie lebendig in dem Luftzug. Georg hat sie mir gebracht, weil ich gestern sagte, daß ich sie so liebte. Mir die weißen und seiner Mau eine Handvoll orangegelber. Alla machte ein gleichgültiges Ge­ich t, als er sie ihr gstbsBitte, gib sifi lieber auch Aga, ch frage nicht viel danach!" ,

Ich. springe immer vom Schreiben! auf und' gehe auf dem Teppich ruhelos hin und her. Draußen kein Laut und kein Licht, wenigstens kein irdisches. Schwarz,bmuer, Himmel und stille, weiße Sterne. Eine große, kalte Ruhe. Und in Mir alles aufgestört. , ,,

Ein paar schöne, .glückliche Wochen habe ich gelebt/ n denen es an fing, wieder hell in mir zu werden. Nur erst zaghafte Dämmerung; aber ich glaubte doch wieder, daß der Tag kommen könnte. , z~.

Und nun plötzlich alles anders in em paar stunden'.

Wie konnte ich mir nur einbildeu, hier ein Zuhause, einen Hafen gefunden zu haben? Ich bin ihnen ja doch die Fremde. Wenn die einem lästig wird, setzt man ihr einfach den Stuhl vor die Tür.

Nein, Georg ist nicht so, ich will ihm nicht unrecht tun. Es ist Alla allein.

Ich weiß jetzt, was sie gegen mich hat ES ist nicht Eifersucht, wie Lotte meinte, sondern einfacher Egoismus, Bergnü gun g s g i er.!

Heute mittag kam die Geschichte.

Das gewohnte Thema: Regimentsklatsch', Gesellschaf­ten. Und dann aus einmal:Georg, nächstens musseiil wir nun auch an unsere Verpflichtungen denken. Das beste ist, wir lassen tanzen, es läßt sich in unseren Raumen sehr gut machen." , . ,

Georg dehnte sich unwillkürlich etwas in der Litewka, big ihm viel besser steht, als der steiffeierliche Waffenrock.

Wir haben uns gerade so behaglich eingewintert, Alla.

Es hat ja noch Zeit." . v

Beit? Natürlich, so lange Aga hier ist in ihrer Trauer, können wir nicht daran denken. Wer schließlich hat man doch nicht nur gegen einen einzigen Menschen Verpflich-

Es tüt mir leid, weil Georg Wert daraus legt, aber Mein Einfluß auf Tilla, der mir immer problematisch schien, ist jetzt gleich Null. v . .,

Sie hat es mir doch! wohl übelgenommen,, daß! ich ihr neulich so offen die Wahrheit sagte. Das ist sie nicht gewohnt. Sie war immer enfant gäte, zu Haus und tn der Gesellschaft.

Nicht daß sie mir jetzt unliebenswurdig begegnete. Mer es ist eine Scheidewand zwischen uns. Frostige Meund- ikichkmtz e e{n ^aarmat versucht, eine Aussprache herbei­zuführe n, aber sie versteht mich nicht. Vielleicht will sw auch nicht verstehen.

Baby ist diese Tage kaum bei mir oben gewesen. Wenn ich nm ihn bitte, bekomme ich eine höflich auswei­chende Antwort. Der kleine Kerl fehlt mir; die Sonne von hellen Härchen und das Lachen machten meine Stube hell, wenn er hereinkam.

14. Dezember.

Ich bin ernstlich böse auf Lotte Gelsa. Solch eine Taktlosigkeit hatte ich nicht von ihr erwartet.

Wir haben uns in den paar Wochen sehr angefreundet. Gestern fragte sie mich in ihrer abrupten Art:Wie ist es eigentlich möglich, daß Sie mit Frau von Bierg be- freunbet find? Feuer und Waffer!"

Ich zuckte die Schultern.

Es ist mehr Gewohnheitsfreundschaft. J-ch begreife es selbst nicht, besonders in letzter Zeit" .

Lotte hockte in ihrer Malschürze vor der Staffelei und hörte zu, wie ich von Allas Wesen in den letzten Tagen, sprach. Ich hätte es ja für mich behalten können, aber Lotte Gelsa ist ein Mensch, bei dem man sonst nicht immer vorsichtig zu sein braucht.

Diesmal sah sie mich! aber plötzlich nut Pfiffigen Augen an.

Vielleicht ein bißchen Eifersucht!"

Eifersucht? Auf was?"

Sie sagte nichts, sie pfiff nur mit gespitzten roten Lippen vor sich hin- Und auf einmal begriff ich, was sie meinte.

Pfui, Lotts! Ich verbitte mir solche Scherze!"

Weinen hätte ich mögen vor Zorn. Ich wollte keinen Augenblick länger bleiben. Lotte versuchte erst, nur zum guten zu reden, aber daun half sie mir den Mantel an­ziehen. Ganz seelenruhig war sie dabei, gar nicht, als ob sie mich schwer verletzt hätte. Drehte mich sogar mit einem Ruck zum Fenster und sah mich wunderlich forschend an.

Merkwürdig weltfremde Augen haben Sie, Prinzeß! Aus Wiedersehen."'

Ich antwortete nicht, ich' war zu empört. Im Sturm­schritt bin ich durch! den Park nach Haus gelaufen.

Eifersucht! Wie mich das anwidert!

Natürlich ist es nicht wahr. Tilla kann gar nicht auf so etwas kommen. Sie sieht ja jeden Dag sonnenllar vor Augen, daß wir miteinander verkehren wie Bruder und Schwester.

Mer daß überhaupt solch ein Gedanke in eines Men­schen Sinn kommen kann!

Es ist mir, als ob schmutzige! Hände das Zarteste!, Kostbarste, was ich besitze, angetäft1et hätten!

Ich gehe fürs erste nicht wieder zu Lotte Gelsa. Wenn sie kein Gefühl dafür hat, wie tief sie mich verletzt hat, so mag fie's merken.

Ich will nicht mehr daran denken, es ist zu häßlich. Es darf mich nicht berühren weder mich noch ihn!

Aber ich kann es doch nicht hindern, daß der Gedanke mir wie eine widerwärtige graue Fledermaus um den Kopf flattert.

Ist die Welt denn ivirklich so? Nimmt sie immer gleich das eine, das Niedrigste an in den Beziehungen zwischen Mann und Weib?

Was geht mich Georg als Mann an? Da! gehört er seiner Mau. Ich will in ihm nur den Freund, weiter nichts. Und auf den habe ich ein Recht!