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19J0 — Nr. 29
Montag den 2\. ßebruar
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Droesigl.
Moman von Georg Freiherrn von Ompted«.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
An der Ecke -er Behrenstraße traf er tvieder einen Bekannten: einen großen Herrn im Zylinder mit weißem, spitzgeschnittenem Vollbart, das hinter den Ohren lang gehaltene weiße £aar nach vorn über die Ohrmuschel gebürstet.
— Na, Regnier, wieder mal mobil ?
— O, ich habe höllisch git tun !
Der Große ging langsam und klopfte Graf Regnier auf die Schulter:
— Anders kenne ich dich ja gar nicht. Das hattest du in Tokio auch.: Und in Rio warst du ja immer in der Luft.- Was ist denn wieder los?
— Ich muß doch meinen Sohn verheiraten.
Der alte Herr meckerte:
।— Na, das macht er doch und nicht du.
— Leider, ich heiratete gern noch mal.
Graf Regnier erzählte von der anstrengenden Tätigkeit, die er jetzt wegen des Hochzeitsdiners zu entfalten hätte. Den Pastor zu besorgen überlasse er seiner Fran..
Graf Ehrburg, bis vor kurzem Botschafter, aber nach einem Schlaganfall zurückgetreten, blieb abermals stehen. Seit der Erkrankung versagte sein Gedächtnis. Obgleich er die Verlobung des jungen Regnier mit Gräfin Pauline Kölln gelesen, erinnerte er sich dessen nicht mehr. Er verwechselte sie mit Agathe:
— Aber die ist doch längst verheiratet!
i-— Na, wenn sie in acht Tagen heiraten soll!
Der Botschafter, den es quälte, daß er den Zusammenhang nicht fand, wurde immer röter:
— Sie hat doch einen Menschen geheiratet, wie heißt er denn, der Kerl?
Graf Regnier unterbrach ihn:
— Die andere, Aga. Die hat einen Herrn Ludwig Droesigl geheiratet, hervorragender Mann, brillanter Reiter, ieuorm reich, Kulinarier!
Der Botschafter schüttelte den Kopf:
.— Wie hieß er?
— Droesigl.
■— Habe ich in meinem Leben nicht gehört. Son Namen gibt's ja gar nicht!
Graf Regnier ereiferte sich:
— Na, von dem werden wir noch hören! Das ist der 'einzige Kerl, der zu leben versteht in Berlin. Ich meine nicht kleinen Mädchen nachlaufen, nein, großes Leben. Ich freue mich schon auf die Gesichter bei meiner Hochzeit.
Run wurde der alte Herr ganiz- konfus, er dachte: sollte Regnier Witwer geworden sein? und fragte:
— Du heiratest doch nicht?
— Droesigl ist doch der Schwager.
— Dein Schwager?
Es ging wirklich nicht mehr. Graf Regnier dachte an seinen Koch und drückte dem alten Freunde die Hand. Er müsse in die Taubenstraße. Der kleine Graf blickte kopfschüttelnd diesem Mann nach, der wie ein großer Herr des 16. Jahrhunderts aus sah, diese auffallend prachtvolle Erscheinung, in der nur noch ein halber Verstand weilte.
Einen Augenblick darauf begegnete Graf Regnier Ludwig und Agajhe, und der alte Bummler, der mit jedem Bekannten ein Stück ging, schloß sich ihnen an und sagte Agathe gewohnheitsmäßig allerlei Artigkeiten, die er in seinem langen Leben in den Salons ausgespeichert hatte. Agathe war nicht hübsch, aber wenig Frauen in Berlin zogen sich so gut an. Das sah der stlte Schwerenöter. Mu solch elegantem Paar zeigte er sich gern. Und er erzählte die letzten Witze, die an der Börse zur Ablenkung der Gemüter hin und her gingen, au der Grenze dessen, was man einer Dame mitteilen konnte. Agathe verstand ihn gar nicht. Ludwig aber fiel mit irgend etwas anderem ein. Auf der Tiergarteustraße blieb der Gesandte bei ein paar Damen stehen, die ihn fragten, wer das Paar sei. Sie erfuhren es mit einer Miene, wie: „Ja, die kennt eben nicht jeder." Endlich verabschiedete sich der schwatzende kleine Herr, denn nun fiel ihm doch das Hochzeitsmahl auf die Seele.
Das Gerücht über Ludwig Droesigls Schick, Geld und Person kam aber nicht mehr zum Schweigen. Der General, früher ein tüchtiger Soldat, seitdem er den 'Abschied genommen aus Mangel an Beschäftigung jedoch Klatschbase, trug weiter, was Graf Regnier ihm erzählt hatte. Ruder Botschafter half zu Ludwig Droesigls Bekaiiniwerden nicht mit. Er erzählte zwar alles, was ihm sein früherer Kollege und Freund mitgeteilt, aber unter anderem Namen und aus Petersburg.
Da nun Graf Regnier vor der Hochzeit noch zwei Mal im Hotel Bristol gefrühstückt hätte, so war er so begeistert von dem jungen Paar, daß er während der Hochzeitstafel beinahe eine Rede auf Ludwig gehalten hätte.
Agatha kam sich schon als würdige Frau vor, !vie sie das junge Paar, er in Paradeuniform, Patsch mit dem Myrtenkranz, dasitzen sah. Sie konnte sich kaum in ihre Mädchenzeit zurückdenken. Weit am Tisch von ihrem Mann entfernt, beugte sie sich immer vor, um zu sehen, was für ein Gesicht er mache. Dann erblickte sie ihn, wie er, den Kopf gleichsam bescheiden geneigt, jemandem zuhörte oder, artig mit seiner Nachbarin sprach.
Agathe lernte an diesem Tage eine Menge Leute kennen, deren Namen si e nie zuvor vernommen. Alle aber schienen von ihr zu wissen, der Tochter des alten Grafen Kölln, die den bürgerlichen Kohlensohn geheiratet, von dessen Reichtum übertriebene Gerüchte schwirrten.
Agathe wollte ihrer Schwester ein Kort sagen. Als sie


