Ausgabe 
21.1.1910
 
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ott 75 Millionen Geviertkilometern) 271000 Postämter. Die Vereinigten Staaten haben daran den größten Anteil, nämlich 63 663; hieran! folgt sogteich D e u t s ch l a n b mit 49 838, eine Zahl, die ungelädr den Bevölkerungsverhälnnsfen der beiden Länder ent­spricht. Erst nach Teulichland fotnint England mit 23 738 Aemtern; es folgen Rußland mit 18 000, Frankreich mit 13 000, Jtalten mit 9500 und Oesterreich mit der gleichen Zahl. Jeden Tag werben 110 Milliarden Briefschaften zur Post gegeben. Diese täglichen 110 Milliarden Br-e'e uh», haben, da viele Wertbriefe dabei sind, einen Wert voit durchschnittlich 343 Millionen Franks. In Deutschland allein bringt jeder Tag 21 Millionen Brief- sendntigeti Deutschland marschiert sogar an der Spitze tu bezug auf die Anzahl der angestellten Beantieti. Es sind 314 251, während die Zahl sätnllieher Postbeanitett der gattzen Welt 1 894 247 beträgt, Temschland hat auch die meisten Briefkästen, nämlich 144 860; im ganzen, d. h in der ganzen Welt, gibt es 767 898. Bezelchnenber Weise fommt Tetilichlanb nicht an erster, sondern an der zweiten Siede in bezug am die Zahl der Julairdsbrieie; es verschickt mehr Briese ins Ausland als bte anberen Länder. Die französische Zeitungllosmos" nimmt diese Feststellungen zum Anlatz einer Klage über den Unterschied zwischen deutschen und sranzöstschen Postverhältnisjen und vor allein Postämtern. Die ältesten Berliner Postämter sitid moderner als die mobernfteti sranzöstschen, imb bte Behanblung der Briefe lägt sich überhaupt tticht vergleichen. In Parts geht sie mnstäiiblich vor sich unb ttiirb oft von mürrischen Beanlten besorgt, bei betien Gnade zu finden der Au!gebende sich ztt besonberem Glück anrechnen bars; in Berlin hat man einen eingeschrtebeuen Brief ober ein Wert­paket in einigen Augenblicken erledigt, wobei alle Tetle genau wiffen, wa<$ sie zu tun Haven unb "daher auch mit militärischer Knappheit handeln.

* Ein Mißtrauischer. Kürzlich -erschien abends auf der Wachtslinbe des ersten Pvlizeibezirks in Mainz ein Mann, der den Wackftnreister bat, ihm doch auszttrecchten, ivieviel Zinsen 500 Mark zu 3Ve Prozent im Jahr tragen. Ms der Wachtmeister die Mifaave gelöst hatte, frug er den Belressenden, ivarum er dies wissen ivolle.Ich habe 500 Mark auf der städtischen Spar­kasse stehen und weil ich jetzt die Jahreszinsen auf mein Buch eintragen bassen will", sv erzählt das M. I.,nmß ich dies wissens damit ich auf der Kasse nicht bemogelt werde!", sagte der Mann und ging.

* Einen netten Brief erhielt der Schachmeisirr Dr. Tarrasch in Sachen seiner Auseinandersetzung mit dem böhm. Schachbund bzgl. des Plagiats an dem Morphyschen Endziel aus Böhmen. Das bemerkenswerte Schriftstück lautet:Herrn Dr. Tarrasch, prackt Artzt, Nürnberg. Si haben den Meister Oarguläk vidr nicht in Ru klassen. Vas tun Si das? Hat Inen der Meiste Oarguläk eimal Leid getan ? Varum tun Si Im Leid? Vas haben Si fir einen Fordertheil daraus! Und der Meiste Oarguläk hat doch auch nur Hintertheil daraus. Es ist blos die Ergernis, weil der Meiste Oarguläk ject son besser spilt und senere Kombinationen macht als Si. Abr das vird Inen tiichc nicen. Daher ist es besser, Si rufen Ire Besoldungen zurick und vir bringen Si nicht ins Gericht. Di gance Gesichte ist vil cu stet nicht dafir. Abr das Simpfen auf die böhmicen Sachspiler missen Si abgewohnen. Verden Si noch fro sein, venn Si verden selbs machen so sene Kombinationen. Die Partie ist nicht von Morfi, sondern der Meister Oarguläk hat alles selber gefunden und es auch gespilt. Kennen Si es beweisen ? Also vas reden Si da lange? Lasen Sie Im in Ru. Er lest Si auch in Ru. Man mus nicht gleich alles beneidigen, was die böhmisen Sachspiler kennen. Fir böhmisen Sachfremde. Pra- coslav Hlavsa.

* Die Liste der Mär ihrer. Die katholischen Missionen Veröffentlichen soeben, wie jedes Jahr um diese Zeit, die Listck ihrer im abgelaufenen Jahr als Märtyrer gefallenen Angehörigen. Es sind im ganzen 178 Missionare, die in fernen Ländern den Tod erlitten. Di« .Hälfte allein stellt Frankreich mit 86 Mfallenen; zu diesen kommen noch sieben aus der Straßburger und einer ans der Metzer Diözese, die französischen Kongregationen angehörten. Ans Frankreich folgt Spanien mit 19, auf dieses Italien mit 18 Toten. Irland hat 9, Holland und Belgien haben je 7 Ver­luste zu beklagen. Ans Preußen stammen 4, aus dem übrigen Deutschland ebensoviel. Bon amerikanischen Missionaren fielen 2, ebensoviel« ans der Schweiz und Englarch. Die chinesischen Mis­sionen trauern um 3 ihrer Mitglieder. Die ganze Liste umfasst 5 Bischöfe (unter ihnen ein Franzose und ein Elsässer) und 173

* Eook im Guckkasten. Im Guckkaste>r, der rasch beliebt gewordenen Familien-Zeitschrist, lesen wir nachstehenden hübschen Ulk:

lieber das geheimnisvolle Verschwinden des Mister Cook, der bekanntlich beinahe den Nordpol entdeckt hat, liefen allerhand böswillige Gerüchte um.Der Cookkasten" ist nun in der Lage, einige drahtlose Depeschen zu veröffentlichen, die in der Universitäts- Sternwarte zu Kopenhagen eingegangen sind und Licht in das dunkle Geheimnis bringen.

1. Eben Sternenbanner auf Mars gehisst. Reiter Empfang. 81. 12. 09. Cook.

8. Stellte fest: Mars ist Planet, gehört zum Sonnensvstetu. Aequator 6735, Dichte 0,7 der Erde. Zwei Monde (Phobos und Dennosf entdeckt. Weiteres stehe Konversationslexikon, Morgen Rückfahrt. 1. 1. 10. Cook.

3. Mein Aeroplau in der Dunkelheit mit demGrotzen Wagen" karamboliert. Kleine Aeropanue.Grober Wagen" kamst. Meine Papiere und Jnstrtlutente leider von Mondkälbern mckgefressen. 2. 1. 10, Cook.

4. Aeroplan imBär"ingSmeer versunken. Komme 10« mit Schnellzug. Cook,

NB Die Begeisterung über diese neueste Cookerei ist in Kopenhagen grenzenlos."

* Schneller Wechsel.N-o, Ncmdl, jetzt bringst beit Hut zur Frau Baronin, läufst aber schnell, daß er urt ans der Bl-od' iiomint bis buhl hinbringst."

* lieber führt Er:Ich soll gestern nacht beim Mchh hausekommen betrunken gewesen sein? Nicht die Spur!" Sier Mir hast du einen Kus; gegeben!" Er:Soov.

Literatur.

Ludwig R e l Ist a b, 1812. Ein historischer RontE (12. illnstr. Auflage.) Mit 10 Szenenbildern und 6 Porträts, nebst einer Uebersichtskarte. Leipzig, F. A. Brockhons. Eine« der mrgesehensten Vertreter der beutfdjen Presse, Ludwig Rcllstcib, der als Musikiritiker und Nedaktenr in Berlin Von 1828 bis zn seinem Tode 1860 eine ungewöhrstiche Popularität besäst, hat außer ferner journalistischen Tätigkeit noch ein überaus umfangreiches und vielseitiges literarisches Wirken entfaltet. Sein Meisterwerk ist der historische Stemmt ,,1812", der den Feldzug NapoleonÄ und den schreckcnsvolleit Rückzug der französischen Armee cuiS dem brennenden Aivskan zum Hintergrund hat. Tas Werk ist im Jahre 1834 zum erstenmal erschienen. Zum 75. Geburtstag veranstaltete der Verlag F. A. Brockhans eine völlig neue illustrierte Ausgabe, die mit Reproduktionen hervorragender Ori-» ginalgernälde der damaligen Zeit geschmückt ist. Voran geht dieser Ausgabe eine Biographie Rellstabs von ,Tr. H o u b e n. Rellstabs Roman ist ent Denkmal feiner Zeit, er zeigt das damalige Eitvopa, wie es fast hilflos im Barm des Korsen lag, utn erhöht dadurch nur unsere Mwnndernng Vor der Kraft, die sckstiestlich jene Fesseln zu brechen vernwchte. Diese dteuausgabe verdient! aber. noch aus einem anderen Gesichtspunkt Beachtung.! Entwicklung der neueren Literatur selbst," sagt der Herausgeber, hat dafür gesorgt, da st die ältere so leicht nickst auSftirbt: sie hat zeitwch'e die Kunst spannenden Erzählens in MiWredik gebracht und doch durch alle Künste der Stimmnngsuurlerei und Psychologie das eigentliche Volk der Leser nickst zu ftsseln ver­mocht. Sie trägt deshalb selbst einen Teil ber Schuld, dast heute der Lesepöbel sich mit erschreckende- Leidenschaft den Machwerken der üppig aufschie-s st e n d e n S ch u n d l i t e r a t n r zmvendet unb letztere immer: inehr an Boden getohrnt. Diese Zeükrcmkheit ist .durch kein besseres Mittel zu heilen als durch die Berschreibung der starken Erzähler­talente, dir die deutsche Literatur, tosten auch vorwiegend in eine« älteren Periode, sv gut anfznweisen hat, wie die englische und französische. Eines von biefett deutschen Erzählertalenten war Lud­wig Reklstab. Alt dem gerechten Feldzuge gegen die Schundliteratur soll daher auch diese Menausgabe von Rellstabs1812" teil-- nehmen, und es ist zu hoffen, dast der altgedietrte Krieger auch jetzt noch seinen Posten aussüllen wird. Tie Gegenwart selbst tritt ihm ja wie eine schützende und initkäinpfende Göttin zur Seite. Bald nmbet sich ein volles Jahrhtmdert nach den Ereignisfest jener mächtigen Zeit; Tag für Tag richten sich unsere Blicks hundert Jahre zurück in eine Vergangenheit, die ans Mut und Zerstörung, aus dem langjährigen erbitterten Ringen der Völker eine neue, unsere jetzige Welt erfteben liest. Als bescheidener Herold der glorreichen Jahrhundertfeier, die Deutschland erwartet, wünscht deshalb auch diese neue Ausgabe von Rellstabs1812" empfangen zu werden."

Kapselrätsel.

Schwemmt Zunge Kaspar Wohltäter Blmnenkorb- Hammel Thürjchild Rattenfänger Danzig Bosnien Dachshund Wagendeichsel Mehlspeise Fenster.

Aus dem ersten der vorstehenden Wörter sind drei, aus jedem er übrigen Wörter zwei zusammeiMngende Buchstaben zu ent* ehmen, so daß sich daraus ein Sprichwort ergiebi,

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Gittervätsels in voriger Nummerst S B B

Semiramis man ihn

Brahmanen a a n

m n s

Binnensee s n e

Redaktion: R. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stelndruckerei, R. Lange, Gießett.