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Andere, darunter Theophrast, meinten, das Kraut sei benannt nach der Stadt Akonai in Lithynien, in bereit Uingegenb es häufig sott zu finden gewesen sein. „Napelitts“, der lateinische Artname, der auch als vollständiger Name der Pflanze in Gebrauch war, bedeutet so viel wie „Rübchen". Eine Rübchensorm hat nämlich die Wurzel der Pflanze.
Alles das läßt ja die Mönchskappe oder den Eisenhut als ein hübsches Gewächs erscheinen, nun aber kommt das dicke Ende nach. Der Eisenhut, sagt der gelehrte Doktor Matthioli in seinem Kräuterbuch, ist giftig,' und zwar so giftig, dass weder Theriak noch Mithridat etwas gegen ihn ausrichten kann. Dazu,erzählt er eine Geschichte, die er im Jahre 1561 erlebt hat. Seine Fürstliche Durch- lauchtigkeit Erzherzog Ferdinand, der zu Prag Hos hielt, besaß ein Mittel gegen allerlei Gift. Um dies zu probieren, ließ er einem llebeltäler, der zum Tode verurteilt war, eine starke Dosis Arsenik geben, alsdann aber sein Mittel verabreichen. Als letzteres geschehen war, wurde der Verurteilte, der schon mit dem Tode rang, wieder gesund, und aus Freude über diesen Erfolg begnadigte ihn der Fürst. Doch hatte dieser noch nicht genug davon. Tins seinen Befehl bekam ein anderer Verbrecher, der auch gehenkt luerbe» sollte, Eisenhut und daraus das Gegengift. Das hals in diesem Falle nichts, und der arme Schächer starb an Vergiftung.
So erzählt Matthioli, fügt aber hinzu, es solle doch ein Mittel gegen Eisenhut geben. Tas sei eine Feldmaus, die — was sie ohne Gefahr für ihr Leben Um kamt — von der Wurzel dieser Pflanze gegessen hat. Eine solche Maus habe er einmal aus deut hohen Gebirge bei Trient gesehen, aber noohl nicht jeder, der sie sticht, tverde sie finden.
Alan findet mehrfach in Schriften vermerkt, daß die bloße Berührung einer Eisenhutpflanze Hautentzündung Hervorrufe. A. Ritter v. Perger erzählt in seinem Büchlein „Deutsche Pflanzensagen" : „Als ich 1854 ans der Raxalpe botanisierte, begleitete mich ein Tourist, der von den herrlichen Blüten des Sturmhutes so ent- zückt war, daß er einen Strauß davon in der linken Hand trug, den er aber nach beiläufig einer Stunde entsetzt von sich tunrf, als er gewahrte, daß ihm diese Hand zu schwellen anfing." Liegt da kein Irrtum vor, so muß es ratsam erscheinen, beit Sturmhut ober die Mönchskappe nur mit Handschuhen anzufassen.
Es gibt auch sonst noch Pflanzen, bie zu berühren gefährlich ist. Dazu gehört der in Amerika heimische Gtstsnmach (Uhus Toxi- codeiadron), den bie Englänber Poison ivy (Giftefeu) nennen. Diese Pflanze fand ich auf einer Wanderung nm Sturgeon Lake int Seengebiet von Kawartha in Kanada, und beschloß sie mitzunehmen. Da ich aber um sie Bescheid wußte, zog ich mir Handschuhe an, bevor ich sie für mein Herbarium einheimste. Es ist doch gut, dachte ich bei mir, selbst ans eine Reise in bie wilden Wälder Handschuhe mitzunehnten. Man kann nie wissen, wo man sie vielleicht nötig hat.
Warnern ü n d e. I o h a n n e s T r o j a n.
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* Lehrerbesoldung im 18. Jahrhundert. In einem mir vorliegenden hessischen Steuerkataster vom Jahre 1779 ist auch das Einkommen des „zeitigen Schulmeisters" eingehend spezifiziert. Das Dorf, in welchem der Lehrer seines Amtes waltete, zählte damals 403 Einwohner. Schulpflichtige Kinder waren in der Regel ßO Vorhänden. Das Einkommen des Lehrers setzte sich aus allen möglichen Posten zusammen und wird es von Interesse sein, diese einzeln kennen zu lernen. Außer dem Schulhause, welches gleichzeitig als Wohnung und Schule diente, stand dem Lehrer der Nutzen von den der Schule gehörenden Ländereien zu, welche zusammen 513/M Acker 35/8 Ruthen (nach heutigen Maße = 14000 qm) groß waren. Da bei der Schule keine Scheune vorhanden war, erhielt der Lehrer zur Erpachtung einer solchen eine Barvergütung von 3 Gulden. Won dem „Kastengut" wurden zur Lehrerbesoldung jährlich 3 Mött Korn und 3 Mött Hafer abgegeben. Ferner bestand die Einrichtung, daß von jedem .Haus oder jedem „Gemeindsmann" jährlich y4 Meste Korn abgegeben wurden, und erhielt der Lehrer dadurch jährlich "noch 3 Mött 31/2 Meste Brotfrucht. Ein Distrikt in der Feldmark war dem Lehrer mit der 11. Garbe zehntpflichtig und brachte dieser „Zehnten" jährlich 2 Mött Frucht. Dies waren die Naturalbezüge, hierzu kam die Barbesoldung. Auch diese floß aus verschiedenett Quellen. Aus dem „Gotteskasten" wurden gezahlt 10 Gulden als feste Besoldung, dazu kamen noch 21/2 Gulden „von der Orgel zu spielen". Aus der Gemeindekässe wurden gezahlt „von der Uhr zu stellen und solche zu unterhalten" jährlich 5 Gulden. Jedes der 60 Schulkinder mußte jährlich 2 Kopfstück für bett Unterricht zahlen und bildete diese Abgabe mit jährlich 40 Gulden die größte Einnahme. Die Gemeinde erhielt das Schulhaus „in Bau und Besserung", lieferte freien Brand ftir
die Schule und hätte die Verpflichtung, die Kur Schule gehörenden Ländereien zu bestellen. Dieses waren die „festen Bezüge", doch hatte der Lehrer noch einige Neben- einnählnen. Diese erwuchsen bei Hochzeiten, Taufen und Begräbnissen. Bei einer Hochzeit hatte der Lehrer nur für sich und seine Frau während der Dauer des Festes freie Mahlzeit, war dafür aber verpflichtet, die Gäste an das Hochzeitsgeschenk zu erinnern; hätte er auch das Einladen der Gäste zur Hochzeit besorgt, so hat er dafür „extra 1 Strauß und 1 Schnupftuch" zu erwarten. Von einer Kindtaufe stand dem Lehrer nur eine Vergütung von 1 Albus, oagegen erhielt er „von einer Leiche, groß oder klein wegen dem Singen 3 Albus, und vom Läuten 2 Laibe Brot, wird aber' die Orgel unter dem Gesang mit eingespielt, so werden aparte bezahlt 3 Albus 4 Heller". Aehn- lich wie diese waren die Zehrerbesoldungen zu Ende des 18. Jahrhunderts in den meisten Dörfern und auch nicht viel höher in kleinen Landstädtchen. H. G., K.
* Wenn eine Frau als Mann lebt. Aus Newhork wird berichtet: Eine nicht geringe Uebermschung bereitete am letzten Montag ein „Mr. Martinez", den alle Welt bis dahin für einen jungen Spanier gehalten hatte, der recht erfolgreich ein Kommissionsgeschäft betrieb, seiner ganzen Umgebung, als er sich plötzlich in eine hübsche junge Frau verwandelte, die lachend erklärte, sie wäre die verwitwete Mrs. Lena B. Smith und gäbe nun ihr gutgehendes Geschäft auf. Fünf Jahre lang hat die unter- nehmeude Dame ihre Maskerade erfolgreich durchgeführt, und zwar infolge einer Wette: sie hatte nämlich behauptet, _bafj jede Frau mit nur einigem schauspielerischen Talent ohne Schwierigkeiten die Rolle eines Mannes durchführen tonnte. Ein Arzt in Boston hatte ihr 10 000 Mark pro Jahr für die ganze Zeit, in der sie die Täuschung durchführen könnte, geboten. So kam Mrs. Smith, die früher in Südamerika gelebt hatte, als junger Bursch mit kurzgeschnittenem braunen Haar nach Newhork und nahm eilte Stellung als Schreiber in einem Tabak-Engros-Geschast an. Niemand vermutete in dem „jungen Spanier" eine Frau, und sie nahm nacheinander unerkannt in einem halben Dutzend großer Geschäftshäuser Vertrauensstellungen an, bis sie sich schließlich selbständig machte. Zusammen mit einer jungen Dante aus Boston, die als Ehefrau des Mr. Martinez galt, mietete sie eine Wohnung, und das vermeintliche Ehepaar sah häufig zahlreiche Gäste bei sich. Ja sogar eine stattliche Reihe von Liebesabenteuern rühmt sich Mrs. Smith erlebt zu haben, und eine junge Dame hatte sich dermaßen in den hübschen Spanier verliebt, daß sie ihn bestürmte, sie zu entführen. „Natürlich lehnte ich ab," meinte Mrs. Smith; „überhaupt macht es mir keine große Mühe, bei den vielen Festen, an denen ich teilnahm, meine Rolle als Musterehemann durchzuführen, wobei ich indessen manche Neckerei deswegen zu erdulden hatte, aber doch die Achtung meiner Bekannten erwarb . . .0 Sobald die Nachricht bekannt wurde, suchten die Interviewer; natürlich auch alle die Geschäftshäuser auf, in denen Mrs. Smith Stellungen eingenommen hatte. Die meisten, die sie sprachen, waren im höchsten Maße überrascht, als sie hörten, daß der hübsche Spanier in Wahrheit eine Frau gewesen wäre, und nur wenige meinten, daß sie .schon lange einen gewissen Verdacht gehabt hätten. Mrs. Smith aber triumphiert, da sie glänzend bewiesen zu haben glaubt, daß eine Frau sehr wohl die Stellung eines Mannes ausfüllen könne, wie sie denn auch betont, daß ihre reichen Erfahrungen in den langen 5 Jahren nicht gerade den Erfolg gehabt hätten, ihr eine besondere Ächtung vor dem starken Geschlecht einzuflößen.
* Der Schalk im Fremdenbuch. Aus dem Kranzberge bei Mittenwald im bayerischen Hochwald befindet sich aus jüngerer Zeit die folgende Eintragung:
„Wem Gott will rechte Gunst erweisen.
Den läßt er ohne Gatten reisen." Frl. Dr. A. . .
Darunter ist der folgende Vers von einem Besucher des. Kranzberges geschrieben:
„Das ist ja nicht dein Ernst, du Kleine, Du reist nur, weil du mußt, alleine!"
Anagramm.
Es ist ein Drang, den tief mir fühlen, Wenn uns und unfern Lieben Schmach Ward angetan, die Glut zu kühlen;
Der Edle dürstet nicht danach.
Vermisch die Zeichen meines Wortes: Nun zeigt ein mächt'ger Ban sich dir.
Inmitten dieses Zufluchtsortes
War Rettung einst für Mensch und Tier. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: A l st e r, Laster, Aster, Alter.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiiidrnckerei, R. Lange, Gießern


