Ausgabe 
20.7.1910
 
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vergeblichen Königin, ein Denkmal von Sandstein in antikem Stils setzen lassen. Ans der Vorderseite befindet sich das marmorne Re- ltetbrnstbild Luisens von dein Gothaer Bildhauer Schulz, aus der Rückseite die nachstehend wiedergegebene Antichrist und eine Reihe von Distichen, deren Versasser der Gymnasialdirektor Sickler war. Die Aufschrift lautet:

Unserer unvergeßlichen

Luise

Königin von Preußen

Friedrich R. Hzg. z. Sachsen Charlotte R. Hzgn. z. Sachsen M. D. CCC. XV.

Von den Distichen lauten die letzten:

Lebend erblickte sie nicht Teutoniens siegende Fahnen, Sah nicht Borussiens Aar sühren der Heere Triumph.

Ach, sie ruhte, die Hand, im Dunkel der Trauercypressen, Welche die Fahne des Siegs, Freiheit sür's Vaterland hob.

Doch aus der Sphäre des Lichts, wohin sie voran unS gestiegen, Aus der Gestirne Kreis thront sie nun freudig herab.

Dort empfing sie die Helden, gefallen im heiligen Kampfe, Dort vertheilet sie nun ihnen die Kränze des Siegs.

Und ivie die Blüthen des Lenzes entführt noch Düfte entsenden So noch spendet sie uns segnend den himmlischen Dust.

* Soinrnerkonkurrenzen in den Seebädern. Das Automobil hat sich auch das Meer erobert; zwar nicht das ganze Automobil, aber doch die Pneumatiks, die großen luftgefüllten Gummireifen der Kraftwagen, Ein erfinderischer Chauffeur, so erzählt eine englische Wochenschrift, hat die neue Mode entdeckt. In Ostende tarn er auf den Einfall, einen luftgefüllten Pneuinatik- resien mit ins Wasser zu nehmen, er tummelte sich damit wie ein Kind mit einem Reiien, setzte sich in den Ring und ruderte mit den Händen und amüsierte sich nach Kräften. Die Strandgäste sahen zu und lachten, ein paar Damen baten, ihnen den Reifen zu leihen: die neue Bademethode war fertig; heute kann man in vielen großen Seebädern die wasserfreudigen Damen sehen, die sich nicht anders als mit ihren Automobilreifen den Wellen anvertrauen. Pneumatikregatten iverden abgehalten und tailsend Kurzweile ge­trieben. In den berühmten amerikanischen Seebädern beschäftigen andere Unterhaltungen die sommerlich heiteren Geister. Vor allein die Fußkonkurrenz. Hinter einer Schranke, die die Wettbewerberinnen den Blicken der Preisrichter entzieht, nehnren die Damen Platz und durch einen schmalen Spalt werden die nackten Füße herantzgestreckt. Mit gewichtigen Mienen prüfen die Preisrichter diese Fragmente weiblicher Schönheit, beurteilen mit Kennerblick die Schmalheit der Knöchel, die Form des Spannes und erteilen dann nach laugen Beratungen ihre Preise, die oft recht kostbar sind, juwelenbesetzte Schnallen, die am Schuh getragen werden sollen. Aber auch die Hände, die Augen und der Mund werden in solchen Sonder- konkurrenzen begutachtet nnb prämiiert. Die Mundkonkurrenz endete kürzlich freilich mit einem Zwischenfall, weil eine Dame einen Preis für den größten Mund erhalten sollte, dieseAuszeichnung" aber entrüstet ablehnte und empört den Strand verließ.

* Berlioz einzige Liebe. Der Komponist der phan­tastischen Symphonie und vonFausts Verdammnis" ist nicht nur in seiner Kunst, sondern auch in seinem Leben Romantiker gewesen. Berlioz hatte in seinem ganzen Leben nur eine einzige Liebe mnd ihr ist er auch bis zum Tode treu geblieben. In seiner Heimatstadt Grenoble verliebte er sich in den Schulserien als 12 jähriger Knabe in eine reizende junge Dame, Estella Gautier, die damals 18 Jahre zählte. Diese kirchliche Verliebtheit war für den Knaben eine glühende Leidenschaft, über die alle lächelten: die Königin seines Herzens selbst behandelte ihn als kleines Kind, Wenn auch nicht ohne eine gewisse freundliche Nachsicht. Der kleine Berlioz war furchtbar eifersüchtig; seine Lechen erreichten ihren Höhepunkt, als er eines Tages mit ansehen mußte, wie die Herzensgeliebte mit seinem Onkel tanzte. Die Erregung, die sich bei diesem Anblick seiner bemächtigte, war so heftig, daß er davon­stürzte; hinter einer Maishecke im freien Felde warf er sich auf die Erde und ließ seinem Kummer freien Lauf. Erst ein halbes Jahrhundert später, so erzählen dieAnnales", sah der Kom­ponist die Geliebte wieder: sie war inzwischen eine ehrwürdige alte Dame geworden, der die Liebe zu ihren kleinen Neffen und Nichten Lebensinhalt war. Ihre Verblüffung mag nicht gering gewesen sein, als Berlioz ihr erklärte, daß er sie immer noch wahnsinnig liebe und daß er die Reise unternommen habe, nur zu hem Zwecke, um ihr dies zn sagen. Sie glaubte erst, daß Berlioz scherze, iaber bald' mußte sie sehen, daß es ihm mit seinen Worten bitterer Ernst gewesen war. Er überschüttete sie mit glühenden Liebesbriefen, aber alle Versuche, die Grausame zu bekehren/ blieben fruchtlos. Wie vor 50 Jahren, so behandelte sie ihn auch jetzt noch als ein Kind. In einem Briefe schrieb sie ihm:Sie wissen, daß für Kinder Bilder die größte Freude sind: ich schicke Ihnen eines, um Sie zur Wirklichkeit zurückzurufen Md nm Ihnen zu helfen, die Illusionen der Vergangenheit zu überwinden." Bei dem Briefe lag eine Photographie, auf der man das ehrwürdige Gesicht der alten Dame mit weißen Haaren umrahmt geivahrte/

Redaktion:

sorglich beschützt Volk einem friedlichen weißest Häubchen Wik dunkler Schleife,

* Nai v. Zuchthausdirektor:Na, wie gefällt es Ihnen denn nun hier?" Sträfling:Ausgezeichnet! Wemr ich mal entlassen bin, müssen der Herr Direktor mich auch wat be­such« n."

Büchertlsch.

Ludwig Speidels Schrillen beginnen in dem neu­begründeten Verlage von Meyer & Jessen, Berlin SW 11 so­eben zu erscheinen. Allen Wissenden wird diese Nachricht eine srohe Kunde sein und ein literarisches Ereignis ersten Ranges be­deuten. In weiteren Kreisen ist Speidel, der am 11. Avril 1830 in Ulm geboren und am 3. Februar 1906 in Wien gestorben ist, allerdings iast noch gar nicht bekannt, da er zu Lebzeiten nie zu bewegen war, eine Sammlung seiner Feuilletons zu veranstalten. So existierten Ludwig Speidels Werke, die zu den köstlichsten Kleinodien der deutschen Sprache und Literatur gehören, bislang eigentlich nur für eine Anzahl Zeitimgsleser und die Abonnenten der WienerNeuen Freien Presse", und es ist aufs freudigste zu begrüßen, daß diese verborgenen Schätze mm endlich gehoben werden.Persönlichkeiten" ist der erste Band betitelt, der eben zur Ausgabe gelangt. Er enthält eine Reihe von Charakterbildern, von denen jedes in geschliffener Form die Essenz eines ganzen Buches darbietet. Jedes dieser Stücke spricht von einem anderen Mcmne und schildert ihn, wie Ludwig Speidel, dieser Meister des deutschen Wortes, zu schildern verstand. Uno es ist eine Gesellschaft von erlauchten Geistern, die sich da zusammenfindet, Luther, Zwingli, Spinoza, Voltaire, Rousseau, Jakob Grimm, llhland, Heinrich Heine, Döllinger, Börne, Gustav Freytag, um nur diese zu nennen. Michael Stiemte, Nestroy, Daniel Spitzer vertreten Wien, Laube und Dingelstedt das Theater, Kaulbach, Leibl, Böcklin, Feuerbach, Natter, Meunier die bildende Kunst, Franz Schubert die Tonkunst, und auch Gustav Nottebohm läßt bescheiden ein paar Töne Musik dazwischenklingen, so daß man aus diesem ersten Baude immerhin ein Bild von Speidels viel­seitiger Gesamttätigkell gewinnen kann, die alle Gebiete des Lite­ratur- und Kunstgebietes umspannte. Als weitere Sammlung kündigte die Verlagshandlung die BändeWiener Frauen" Kunst"Literatur"Das Wiener Burgtheater" u. a. an; sie bemerkt aber gleichzeitig, daß jeder Band ein in sich abge­schlossenes Ganzes darstellt und einzeln käuflich ist, so daß also die Abnahme eines Bandes durchaus nicht zur Abnahme des Ganzen verpflichtet. Sie kann getrost seit«: wer einmal einen Band Ludwig Speidel gekostet hat, wird nur den einen Wunsch nach mehr noch habe»!

Zn Land nach Indien heißt ein neues Buch, mit deut Hedin seine Freunde in diesem Herbst überraschen wird, die Erzählung seines Karawanenzuges durch Persiens Sumpf­wüsten, durch das steinige, schwer zugängliche Seistan und das heiße Belutschistan bis an die Grenze des Indischen Reiches, wo sein wundervolles BuchTranshimalaja" beginnt. Erst mußten seine Entdeckungen in Tibet durch Veröffentlichung sichergestellt wer­den, ehe er seine Heimreise erzählen konnte. Auch diese war reich an Gefahren, so int fanatischen Persien, dem klassischen Land der Räuber und des Rassenhasses, und im pestverseuchten Seistan. Aber auch reich an Erfolgen in den mir wissenschaftlich frucht­baren Salzwüsten und Sandwüsten. Hunderte von Skizzen und Photographien und zwei Karten tverden die beiden; Bände schmücken, die wieder bei Brockhaus erscheinen.

Nönigspromenade.

Man darf die einzelnen Wörter und Silben mir in der Weise miteinander verbinden, daß man wie der König auf dem Schach­brett stets von einem Feld ans auf ein benachbartes übergeht.

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Auflösung in nächster Nummer >

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Flöte, Flötze.

I. B.: E. Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen