Ausgabe 
20.4.1910
 
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iSdtöeWoffeU tetonenV zl«:JHr sollt «M nicht stirchten vor dtzit Zeichen des Himmels, wie Vie Heiden sich fürchten!" Zwar hören Wir weder im alten noch in« neuen TeMment etwas von einen« Kometen Miere Israeliten wurden oft durch einen gewissen Irrste.» beängstigt, obgleich eine sagenhafte lieber liefcruug wissen will, daß Vie! invsaischs Sintflut den durch sie vertilgten! Menschen schon lang« vorher durch einen warnenden Kometen mt» gekündigt lvordm sei.

Bereits im früheste» Heidentum WUPeN Kom'eteN ungern gtz- Sen« Gäste. Teil uralten Hindus galten sie als unheimliche! rboten allgemeiner Landplagen: Krieg, Pest, Tiirre und Teue­rung. Verwündte VvrMlungen waren auch im! ftühgeschichtlichen Niltale heimisch. In jenen vorzeitlichen Tagen erster Natur- religioui hielten nämlich orientalische Völker Sonne, Mond Nlld Sterns für beseelte Wesen, himmlische Mächte, eine religiöse Bor- Aellnng, die noch in unserem alten Testamente vielfach nachklingt. IM poetisch angehauchte!» Buch .Hiob sind die gvttlobenden Morgen­stern« gleichbedeutend titit guten Engeln, wie denn ja unsere Pla- taten heute noch heidnische Götienmmen tragen. Wendsterne Und solche Himmelskörper, die sich von« allmächtigen Sonnengotte trennten, waren erWrlichcrweise böser Natur, so auch der als reines Irrlicht den unendlichnhWeltenraum durchsckstpeisende Komet. Tie alten Parsen erachteten die Kometen alssieben böse Geister", die gegen die gleiche Zahl engelgleicher Wesen dauernd ankämpfeu. Einer dieser argen HiMmÄsdämonen, Gnrzschxr, zeigte das baldige Wellende durch sein periodisches! Erscheinen an, wahrend ein anderer Komet, Tvdidom oder Mnschäver, nach persisch-medischem Volks­glauben ständig unter polizeilicher Aufsicht des göttlichen Mondes stand, damit er sich nicht auf hie Erd« niederstürzen und sie Entzünden konnte. Obgleich nun die klassischen Griechen und Römer die nächsten Erben mvrg-önläudischen Kultur- und Geistes^ lebens waren, so scheint doch jener astrologische Volksglaube nur in ganz verblaßter Gestalt auf sie übergegangen zu sein. Aristo­teles betrachtete einen währgenomMenenHaarstent" (Kometen mit kurzen Strahlen ringsum glichen einem bewaldeten Meuschen- haupte) als bloßes Luftzeichen, während Virgil, Plinius, Justinius Und der jüdische Geschichtsschreiber Josephus ihn als förmliches Wunder" anstaunten.

Indes ist die orientalische Kom-etenfurcht ungeschwächt ft ul die abendWudischen Völker üibergegangen intb in Europa allmählich westwärts Wrgedrungxn. Man wollte in Hellas schon srüh be- pbachtet haben, daß der seltsame!Hamstern" Unglüick für Land und Leute anküudigte, doch könne er auch ein günstiges Geschick prophezeien. Sv hätte ein solch! ungewöhnliches Gestirn an« Himmel gestanden, als die griechische Motte bei Salamis (480 v. Ehr.) gesiegt habe. Hiernach dürfte der betreffende Kvmet den geschlagenen Perlern dagegen unheilbringend gewesen sein, wenn uralt einmal seine,« bösartigen Charakter für ausgemacht hielt. Erzählt doch auch Thnkichides, daß der peloponnesische Krieg kurz vorher durch Erdbeben und Kometen angezeigt wordetl sei. Aristoteles wollte deobachtet haben, daß der besenartig gestaltete! Stern nngewöhn- -stche Stürme mit sich gebracht habe. Auch der bekannte römische Geschichtsschreiber Plinius wär dieser abergläubischen Ansicht und behauptete:Meistenteild ist der Komet ein schteckenerregendes. Nicht leicht zu versöhnendes Gestirn." Ganz besionders eingehend hat sich aber Manilius mit den verderblichen Folgen des berüch­tigtenFackelsterns" befaßt, denn er schreibt in seinerAstronomie (I. 582 ff.):

Niemals strahlen bedeutungslos glanzvolle Kometen;

Krankheit erzeugt ihr Schein und leichenverzehrende Flamiuml Glühn raWos; ja es scheint, als Werde die ganze Natur rings Mit der KranHeit Leiden erfaßt und zu Grabe getragen. Much aus Krieg hin deutet ihr Licht, auf plötzliche Gärung, Auf feindseligen Trug und listig bereiteten Angriff.

Bei den alten Römern war überhaupt die leidige Kometen- fürcht sprichwörtlich, und fast jedes über Land und Volk herein- tzebrvchene Mißgeschick wurde dieser HimMelserscheimmg zugeschrie­ben, oft noch nach Verlauf von Jahrzehnten. Plinius weist daraus hin, daß der unter Oktavianus (76 v. Ehr.) ausgesochtene Bürger­krieg, sowie die heißen Kämpfe zwischen Pomjpejus Md Cäsar (49 v. Ehr.) unter der ungünstigenAuspizien" des verdächtigen Bartsternes" erfolgt seien, ja Virgil berichtet, daß zu keiner anderen Zeit so viele KoMeten erschienen wären als in Cäsars letzten Regierungsjahren, wodurch dessen jäher Sturz schon im voraus bestimUrt gewesen sei.

Zahlreich! lenckMeu, wie sonst nie, die KoMetM aM Himmel AlS, blutdürstiger Führer Befehl ausführend, zum Kamps Römisch« Heere .das weite Gefild von Philippi bedeckt.

(42». Ehr.)

Zur Zeit der denüMrdigen Hermannsschlacht iM Teutoburger Walde stand ebenfalls ein Ktmnet am! Himmel, der selbstredend nur von römischer ©eite als verderblich erachtet würde, wenigstens nach geschehener Niederlage ~

..... Ätz brechend das Bündnis

Grimmig gesinnt, Germania schlug den betriogeUeN Barns, Unb mit deüi. Blute! von drei Legionen der Boden gefärbt ward, Glühten am Himmelsgewölbe ringshcr die bedwhlichen Flammen, Und die gesamt« Natur Wen selbst uns Krieg zu verkünden, Feindlich entgegen zu tpirren und Tod und Vererben zu senden

wie der genannte Manilius vermeldet. Auch gewisse' Landplage» chrieben die alten Muter dem leidigen Haarstern zu, besonders euchenartig« Krankheiten unter Menschen (398 v. Ehr.) und Vieh (176 v. Ehr.), ungewöhnlich kräftige Ausbrüche des Aetna (79 und 250 n. Ehr.), groß« l> rdbeben (131 n. Ehr.), ausgedehnte! UeberschwvmMUngen Nnteritaliens (217 n. Ehr.), ja Plinius meint, daß in seinen Tagen ein schrecklich leuchtender Komet erschienen ei, als Claudius vergiftet Wurde.

Kurz vor dem nordbrennerischen Hunnenzuge durch Westeuropa (451) sah män einenblutigen Stern" aMI HiMNtel, während ein ähnliches Phänomen im! Jahr« 531 für ganz Gallien eine blättern- ähnliche Krankheit verkündete. Selbst die kriegerische Verbreitung des Islam' und der arabisch«» Herrschaft (633) glaubte man auf einen länggeschjwiiuzten Himmelskörper zurückführen zu müssen. Würde doch der ftomüi« Frankenkönig Ludwig, Krrls d. Gr. Sohu, durch das plötzliche Sichtbarwäroen eines gleichgesAltetsn! Gestirns veranlaßt, zahlreiche Kirche»« und Klöster zu bauen, um den göttlichen Zorn zu besänftigen. Das ganze Mittelalter hin­durch hielt man nämlich benbrennenden Besen" des Firmaments für eine himmlisch« Zuchtrute, die der allmächtige Weltregent der sündigen MrnsMeit drohend zeige, nM sie. zur erforderlickM Bekehrung geneigt zu machen, eine volkstümliche Meinung, die heute noch in den verschiedenen katholischen Gebiete» Oesterreichs wahrzunehmeit ist. Ruft doch schon ein heidnischer Dichter des klassischen Altertums beim Anblicke eines Kometen morali- fierend aus :

Wundere dich nicht, lvenn Unheil trifft die Natur und die Menschheit: Oft ist unter die Schuld, weil taub wir sind für die Warnung!

Eine 1436 geprägte Medaille trug im Hinblick auf jenener­schrecklichem" Schwvifstern, den Papst Calixtus III. unter An­rufung aller Heiligen zu beschlpören sich ereiferte, die seltsame Sn'fcU'ift

Gott gibt uns, daß dieser Koicketen Stern Bessertmg unseres Lebens lern !

Bekannt ist auch, daß der geistliche Dichter Paul Gerhardt im Jahre 1669, als ein strohbündelförmiger Planet ganz Deutsch­land in nicht geringe Aufregungen versetzte, beängstigt zu reimen begann: _

Herr, Was hast du int -smn?

Wo denkt dein Eifer hin? Mn Was für neuen Plagen Soll uns der HimMel sagen? Was soll uns armen Sen teil Ter neue Stern bedeuten?

Tie Zeichen in der Höh' Erlpecken Ach und Weh; Es hat's in nächsten Jahren Tie ganze WM erfahren: Tie brennenden Kometen Sind traurige Propheten.

Nutzte» doch auch Luther und andere mittelalterliche Sitten­prediger solch eine günstige Gelegenheit weidlich aus, um bei verstockten Zeitgenossenheilsame Schrecken und Furcht vor den Gerichten Gottes hervorzubringen."

Ter eigentlich aus dem grauesten Altertum' stammendm Kvmetensurcht entsprechen auch die abenteuerlichsten Beschreibungei« und seltsamsten Abbildungen des berüchtigten Jrrsterns. In Hevels Cometographia" ist ein uMK Jahr 1000 durch den weiten Himmels- rauur schweifender Komet als drachenartige Figur mit Dchlangen- 8opf und blauen Füßen dargestellt, und dazu wird vermeldet, daß. kurz vor feinen« Erscheinen tut derselben Stelle aus einen Oeffmmg des Himmels eine brennende Fackel mit langem blitzenden Schwänze herabgefallen sei. Andere Wbildungen zeigen schwert- vder spießförmige, überhaupt waffenartig zngestntzte Figuren. Wie ein türkischM Säbel nahm sich angeblich miancher Fackelstern des späteren Mittelalters aus. Eine Reihe alter Chroniken des 16. bis 18. Jahrhunderts, die mir vo-rkiegen, fabulieren von bunt- gestMigen Mißständen, Landplagen, Umwälzungen u. a. Uebeln, die der geschweift« FeuerklNMpen bei den verschiedenstenGast­rollen" mit heranfgebrocht haben soll. Neben dem unvermeidlichen Kriege spielen die naturgemäß mit diesem verknüpften Folgen als: großes Sterben, Mißwuchs, Schadenfeuer, erschreMche Teuerung! und seuchknartige Krankheiten eine bedeutende Rolle. Ja,es kam nie ein Komet,< der nichts Wieses tät," wie ein kurzer; Reim besagt, und das Unertottrtete und Außergrivohnliche dieser glänzenden HitnmLlserscheinnng, das seltsame Lickst, die ichrecken- erreßenbe Gestalt, der halbe Körn und jener Werltejerte Aber­glaube alles das konnte harmlose Gemüter le«ht mit ernenn gewissen Bangen und Grausen erfüllen miü somit, das heute noch gangbare Sprichwort erzeugen:Kometen sita» böteioropbeten I

Indes, wir behaupten beim Anblick des Halleyschen Gestirns mit seinem gefürchteten Mausäureschlvpnze getrost und mit guter Zuversicht:Bangemachen gilt nicht!"

Ter Manu, der Gottes Vorsicht traut, Ten schrickt kein HimmMzeichen.

Nur Wonne ist, wohin er schaut, lind Schrcckenbilder weichen tröstet uns ein altes Berschen.