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Itnb Feld, dis tiefe Erkenntnis von der Gefahr der Losgerissenheit, der Heimatlosigkeit des Großstadtkindes, hat die Dichterin geführt.

Äluch Joseph L a u f s s neuer Roman Kevelaer (G. Grote, Beilin) erweist sich als das Werk eines echten Dichters. Joseph Lauff tritt, tote neuerdings auch andere katholische Dichter, in feinem neuen Roman für die Unabhängigkeit der deutschen Kacho- liken von Rom, sowie für die Bewegung ein, die wir unter dem Namen Reformkatbolizismus kennen. Der Dichter knüpft an die Bewegung an, die vor einigen Jahren nach dem Hererokriegs Und der Verweigerung derMehrforderungen der Regierung durch den Reichstag das Land erregte. Nach seiner Art hat er dieErzähluug in den Rahmet! einer kleinen niederr.heiuischen Stadt, die durch Marienkultus und Wallfahrten weithin bekannt ist, eingesponncn und mit einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte verwirkt. Wie immer bei Laufs ist das Gewebe bunt und farbig geworden, scharf gezeichnete, originelle Personen aus jenem merkwürdigen Winkel des Reiches treten auf, und wenn auch nicht jedermann an dem Buche Gefallen finden kann, es ist ein bedeutsames und viel- bedeutendes Buch, das zweifellos einen großen Leserkreis ge­winnen wird.

Ein von zartem Humor durchsonntes Buch ist Georg Her­manns Berliner Roman K u b i n k e. (Egon Fleischel u. Co.) Der arme Barbiergeselle, der an der kargen Freude seines Lebens Ün blühender, farbenfroher Romantik zugrunde geht, schildert der Dichter vonJettchen Gebert" mit seiner ganzen Liebe. Das freite Berlin des letzten Jahrzehnts, das der materielle Auf- schwimg mit dem Firnis satter Wohlhabenheit und Selbstzufrieden­heit überzogen hat, gibt den dankbaren Hintergrund; Emil Kubinka Mit dem Schwung der Seele und dem Hang fürs Höhere, dem sein« >,bret Brauten" das Leben so schwer machen, iwß er es freiwillig von sich wirst, ist so lebenswahr und echt gezeichnet, daß der Leser seinen Schicksalen mit unverminderten Interesse folgen wird.

Karl Hans Srobls:Der brennende Berg". Vita, Deutsches Verlagshaus, Berlin-Ch. Strobls neues Buch ist nicht mir ein Roman unter Menschen, sondern ist noch mehr die Geschichte einer Stadt. An der schlesischen Grenze, halb auf österreichischem Gebiet, liegt diese kleine Stadt, am Fuße eines Berges, um den der Kampf zweier Parteien geht, einer selbst­losen, die ein altes Bergwerk neu beleben will, und einer eigen­nützigen, die eine wertlose heiße Quelle als heilkräftiges Bade­wasser für sich verwerten will. In diesen Kampf der Parteien verstrickt sind alle Bewohner der Stadt, und selbst die Frauen greifen ein, teils selbst begeistert, teils von den Männern als Reiz und Lockung vorgeschoben.

Die Leute von Moorluke. (Concordia Deutsche Ver­lags-Anstalt G. m. b. H. in Berlin.) Ein fröhliches, trotziges Weltgefühl dringt aus Georg Engels neuem Novellenbuche und tötet die Bazillen der Verdrossenheit, der Müdigkeit und der Langenweile. In bunten Reihen ziehen sie in den Leuten von Moorluke an uns vorüber, und wir erquicken uns an der robusten Gesundheit aller dieser Menschen, an der unzerstörbaren Frische ihrer Empfindungen, an dem starken, ungehemmten Strom ihrer Triebe und Leidenschaften, und überall hat man den Genuß der vollendeten und gelungenen Arbeit eines Mannes, der seine Mittel beherrscht.

Nach Südwest führt uns Hans Walther in seinen No- hellen von der Pad, die unter dem Titel O r l o g bei der Concordia Deutschen Verlags-Anstalt erschienen ist. Es sind Kriegsnovellen. Bit einfachem Stil erzählt er uns drei Geschichten aus dem schauerlichen Feldzug in Südwest. Viel von dem Nimbus des Kriegshelden geht verloren, dafür sieht man die Menschen wie sie smd, stark und herb geworden durchs Leben, in Zucht gehalten durch die eiserne Notwendigkeit mit mannigfachen, oft garnicht sehr soldatischen, Triebfedern des persönlichen Mutes, und das Vaterland so brennend liebend, wie man nur etwas lieben kann, das man verloren hat oder das sehr fern ist!

Unmittelbar in die Weihnachtsstimmung versetzt uns der ver­storbene Lndw. Speidel in seinen von Freundes Hand heraus- gegebenen Weihnachtsblättern Heilige Zeiten (Meyer u. Jessen, Berlin). Vereinzelt, unabhängig von einander und ohne gegenseitige Beziehung sind diese Blätter, die jahrelang in der Wiener Neuen freien Presse erschienen waren und die ob ihres dauernden Wertes sehr viel beachtet wurden. Von Junggesellen spricht er in dem schönen stimmungsvollen ProsagedichtEin­same Spatzen" ein andermal vonAlten Mädchen", von mutter» losen Kindern und in dem für Oesterreich so schweren Jahr 1873 mag sein FeuilletonDie Kunst, arm zu werden" in manches Hans lindernden Trost getragen haben.

Bonder Helga, seinem Töchterchen, erzählt der bekannte Pädagoge Berthold Otto fiir junge Eheleute und für Kinder­freunde (Groß-Lichterfelde, Verlag des Hauslehrers^ in seiner klugen, gemütvollen Weise. Eine Schilderung der ersten Lebens­jahre, dte nach übereinstimmender Ansicht aller Pädagogen und Psychologen die wichtigsten sind, gibt uns B. Otto in diesem! zarten Büchlein, in dem alles eigenes Erlebnis ist, oft des Vaters, oft des Kindes, oft der Umgebung, am häufigsten aller zusammen.

Goethes Weilarer Zeit, ein soeben im Verlag von E. S. Mittler n. Sohn in Berlin erschienenes WerkGoethes

Wetzlarer Zeit" von Prof. Dr. Heinrich Glodl ist bestimmk« uns darüber aufzütlären, welcher Wert der Wetzlarer Zeit Goethes für ihn und die deutsche Literatur beizulegen ist. Sein Inhalt bildet sonach die Ergänzung zu dem, was Goethe selbst in Dich- tung und Wahrheit über den von ihm in der Reichskammerq gerichts- und Wertherstadt Wetzlar verlebten Sommer de- Jahres 1772 gesagt hat. Ein neues, eigenartiges Kulturbild aus der Rokokozeit zeichnet der Verfasser nach zeitgenössischen Briefen und Aufzeichnungen. Ganz neu ist besonders die eingehend« Schilderung des fröhlichen gesellschaftlichen Lebens, in das Goethe in Wetzlar eintrat und wo er die von ihm so sehr geliebte Lotte kennen lernte. Von besonderem Reiz ist es, den Spuren Goethes selbst zu folgen, der uns hier noch nicht als der berühmt« Dichter oder als großer Mann, sondern als ein sich rein menschlich gebender Jüngling und als ein erst werdender Künstler end« gegenrtitt. Da es dem Verfasser möglich gewesen ist, für seine Schilderungen ein reiches, bisher unveröffentlichtes Quellen­material zu verwerten, so werden selbst Eingeweihte in dem von Weriherstimmung durchklungenen Buche vieles finden, toaä nach Inhalt und Auffassung neu ist. Die meisten Bildnisse wer­den hier nach den in Privatbesitz befindlichen, wertvollen Ori­ginalen zum ersten Male veröffentlicht.

Detlev von Liliencron's Briefe aus den Jahren 18851889 an Hermann Friedrichs. Vollständige Ausgabe, (Concordia Deutsche Verlags-Anstalt G. m. b. H. in Berlin 88.30.) Liliencron's geniale, wundervolle subjektive Persönlichkeit offen­bart sich in feinen Briefen, in all ihrem Schneid und ihrer kind­lichen Naivität. Wir erleben Höhentage mit ihm, wir lernen di« Entstehungsgeschichteit seiner blitzenden Kleinode kennen, und toi« kämpfen seinen heldischen Kampf gegen die Pfennigsorgen, gegen die Widerwärtigkeiten des grauesten Alltagslebens mit.

Richard Wagnerü Auswahl seiner Schriften. Heraus- gegeben von Houston St. Chamberlain. (Im Insel-Verlag und bei C. F. W. Siegel in Leipzig.) Der Originaltierleger hat lich mit dem Insel-Verlag verbunden, um durch die Aufnahme in dessen bekannte Zwei Mark-Serie Wagners literarischer Werke wenigstens in einer Auswahl allgemein zugänglich zu machen.- Es war ein glücklicher Gedanke, die großen Werke znrückzuk stellen und dafür eine größere Reihe weniger uinsangreicher Ar­beiten ungekürzt zum- Abdruck zu bringen. Eine autobio* graphische Gruppe steht mit Recht voran; die Lebensskizze von 1842, dieMitteilungen meiner Freunde" und dasBühncn- weihfestspiel in Bayreuth". Es folgen dann zwei von den Pariser NovellenWieland der Schmied", der Aufsatz über Beethovens neunte Symphonie, der Brief über die Goethestiftung und di« Abhandlung über die Vivisektion. Es ist also kein Buch eines Musikers über Musik.

Der Nutzen des Lebens von Sir John L u b b o ck, Ritter des deutschen Ordens Pour le Mörite (Verlag von Her­mann Zieger, Leipzig) ist ein Buch für alle Menschen.Reich­tum und Glück", die alltägliche Frage! Beides sich zu schafsew das ist die letzte Weisheit des Buches, dessen reicher'.Inhalt alle diejenigen Lebensfragen beantwortet, die das Wohlbefinden eines jeden Menschen bedingen. Sir John Lubbock, zeigt sich auch in diesem neuen Werk als ein Lebenskünstler im edelsten Sinne des Wortes.

_____ N,

Humoristisches.

* Au! A.:Wie kommt es denn, der Herr Kapitän ist lange nicht mehr so fett wie früher?" B.:Ja, feine hat ihn eben auf Halbmast" gesetzt."

* Mißverständnis. Frau:Minna, der stramme Gre­nadier steht Ihnen wohl recht nah'?" Mädchen:Ach nech Madam', sogar recht weit in Bromberg."

Charade.

Das Erste ist ein munt'res Tier, ES nicht zu reizen, rat' ich dir. Das Zweite nimmst du mit Behagen, Wenn dich des Durstes Qualen plagen. Das Ganze ist verwandt dem Zweiten, Manch' srohe Stunde kann dir's bereiten.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr Treff, p Pique, c Coeur, car Garreau, trB Treff-Bube, pA Pique-, cD Coeur-Dame tt. s. f. Im Skat liegen pK und p9. Vorhand hat: carB, pD, p8, p7,

cZ, cK, c9, c8, carK, carD, Hinterhand den Rest. Da? Spiel

verläuft: .1. SB. cK M. cA H. oB = 17.

2. H. trZ V. carB M. trA = - 23.

3. V. carK M, carA H. ear7.

Jetzt bleibt der Spieler an der Reihe, bis er schließlich doch mit Coeur kommen muß:

9. M. c7 H. trK V. e9 = 4,

10. V. cZ M. cD H. trD = 16.

Dis Gegner haben somit 60 Augen erhalten.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttats-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße«.