724
-,Der Mann ist Japaner, Herr General! Heute, vor etwa einer halben Stunde, ist er auf dem Fußwege durch den Birkbusch nach Fort I gegangen — mit einem photographischen Apparat."
„Alle Wetter! Und was meinen Sie wohl, was er da photographieren wird? Ree, Riegerchen," fügte er gemütlich hinzu, indem er seinen Uniformrock wieder undienstlich machte, „hier bist du auf dem Holzweg. Daß du die fixe kleine Quitte nicht leiden kannst, weiß. ich. Weshalb, weiß ich nicht. Jedenfalls darf solche Abneigung nicht in Unvernunft ausarten. Wir sind doch hier sozusagen schon aus Abbruch verkauft, nicht wahr? In ein paar Jahren steht vielleicht bloß noch der Pulverturm und zeugt von entschwundener Pracht. Wer also hätte da noch ein Interesse, unsere Burg zu durchschnökern. Und ausgerechnet die Japse! Meinst du wirklich, daß die hier plötzlich antanzen und mir die Hausschlüssel abverlangen werden?"
„Davon ist keine Rede!" begehrte der Oberst ungeduldig auf. „Ich bestehe entschieden darauf, daß du der Sache nachgehst!"
„Geh du nach, Rieger. Blamiere dich so schön du kannst — und nachher erzähle mir, wie es gewesen ist."
„Du willst also nicht?"
„Nein — zum Donnerwetter nochmal! Ich bin doch nicht vom Torfkahn überfahren!" schnauzte der General, nun auch gereizt.
„Deckart mahnte der Oberst eindringlich, „vergiß nicht, daß. der Japs einen photographischen Apparat bei sich führt. Das Photographieren im Bereiche der Festungswerke ist verboten. Unter allen Umständen!"
„Ra schön! Damit du Ruhe kriegst und ich auch: ich werde nach Fort I telephonieren und achtgeben lassen. Ist der Prinz in Uniform?"
„Rein, in Zivil."
„Gut; dann mag der Wachthabende sich dämlich stellen u, ihm den Knipskasten abnehmen. Bist du nun zufrieden?"
„Vorläufig ja."
„Nun, dann geh zu meiner Frau und sage ihr guten Tag. Aber erzähle nichts von den 8 Mark 70, die ihr Buschräuber mir gestern abgenommen habt. Und auf Se. Durchlaucht darfst du auch nicht schimpfen. Sie liebt ihn."
Gegen Mittag betrat Generalmajor von Deckart das Arbeitszimmer seines Freundes Rieger und warf sich erschöpft in einen Sessel.
„Hast Recht gehabt, mein Junge," druckste er außer Luft und Atem hervor, „die Sache ist brenzlich!"
„Siehste, siehste!"
„Ja. Der Apparat ist beschlagnahmt und sein Träger verhaftet worden — mit einer Dame, die sich in seiner Gesellschaft befand."
„Wir — einer — Tarne," hauchte der -Oberst gespannt, 7,bte natürlich auch irr die Spionage verwickelt ist — —"
„Das weiß ich nicht. Aber du kannst dir ja die Aufnahmen mal ansehen. Ich habe selbst entwickelt und gleich Abzüge gemacht. Bitte!"
Oberst Rieger besah dre Bilder. Dann rieb er sich ein weniges die Augen, trat ans Fenster und besah noch einmal. Schließlich zerrte er unter dem Unisormrock einen verbogerren Klemmer hervor. Nachdem er ihn auf die Nasenspitze gedrückt und die Bilder nochmals betrachtet hatte, setzte er zu, einer ausgiebigen Mundsperre ein. Und diese hielt noch an, als er sich entgeistert dem Freunde zuwandte. Dieser schmunzelte aus allen Gesichtsfalten..
„Na, was fagst du zu diesen photographischen Leistungen?"
„Deckart — ich laß mich sressen, wenn das nicht die Zlnnalies ist l"
„Ganz meine Meinung. Und gut getroffen ist sie. Sohr gut."
„Und das sind die Aufnahmen, die dem Japs abgenvm- Men tourben?"
„Die nämlichen. Daß beim Fort getypt worden ist, ist doch deutlich am Hintergrund zu erkennen."
„Aber ich bitt' dich um tausend Pfund Mondschein," stöhnte der Oberst fassungslos, „wie kommt mein Mädel in den Apparat!"
„Auch dafür habe ich eine Erklärung. Sogar eine schriftliche. Aber setz' dich erst nieder. Du bist schon ein bißchen klapperig und könntest dir wehtun, wenn du umfällst. So. — Nun klemm' dir wieder dein Lorgnon auf und lies diesen Zettel."
Der Oberst tat mechanisch wie ihm geheißen. Jedes Wort murmelte er halblaut vor sich hin.
„Lieber, guter, einziger Onkel Deckart, komm — ich flehe dich an! — komm gleich nach Fort I. Die Soldaten haben uns eingesperrt. Mich und den Prinzen Aumashi, mit dem ich seit einem halben Jahre heimlich verlobt bin. Bei Exzellenz Gelting haben wir uns kennen und lieben gelernt. Oh, so sehr! Er hat es durchgesetzt, in Papas Regiment zu kommen — bloß um mir nahe zu sein. Papa ist aber so hart Und leidet's nicht, daß er uns öfter besucht, und da haben wir uns eben ein paar Mal heimlich getroffen. Auch heute, wo Puma mich für seine Angehörigen typen wollte. Und nun haben uns diese entsetzlichen Menschen eingesperrt! Komm bloß, liebster Onkel Deckart, und befreie ihn und deine in Angst sterbende Annelies Rieger."
Als der Oberst das Blatt sinken ließ, bemerkte General von Deckart trocken:
„Zu deiner Beruhigung kann ichpdir sagen, daß sie noch nicht tot ist. Seit sie sich mit ihrem Duma unter der Chaperonnage meiner Frau befindet, sie ist soweit ganz munter."
„Deiner Frau —?"
„Nun ja, sie ist entzückt von dein Paar. Nachdem ich die Arrestanten befreit hatte, nahm ich sie zu mir — um dir zunächst die Giftzähne auszuziehen."
„Und — — was soll ich denn nun eigentlich tun, Menschenskind!"
„Das ist doch sehr einfach AStiebel anziehen und segnen kommen. Deine Frau ist schon voraus — und wenn dn dich nicht beeilst, segnet sie womöglich ohne dich."
Oberst Rieger zog sich wortlos an. Erst ans der Straße sagte er :
„Aber eins mußt du mir doch zugeben, Deckart: daß diese Japse eine ganz verschlagene Bande sind!"
„Wie man's nehmen will. Jedenfalls haben Sie uns die Strategie der Liebe auch schon ganz hübsch abgeguckt."
Dermifdtfcs.
* Eine ,,D ichtun g" Napoleons. Als der Kanal von St. Quentin eröffnet wurde, wohnte Napoleon mit der Kaiserin Marie Luise der Feierlichkeit bei. Er besuchte dabei auch ein kleines Dorf, dessen Bürgermeister bisweilen einen kleinen SonntagsrÄt auf dem Pegasus wagte und an dem großen Tage sein Licht nicht unter den Scheffel stellen wollte. Auf dem Triumphbogen am Marktplatz, so erzählt der „Alfiere", prangte ein vom Herrn Bürgermeister verfaßtes Distichon, das da lautete: „Jl n'a Pas fait une sottise J En spousant Marie-Louise". Der Schlachtenlenker amüsierte sich köstlich über den sinnreichen Spruch und ließ sich den Dichter kommen. „Ich sehe," meinte er freundlich, .„man ehrt auch in Ihrer Stadt die Musen." „Na ja," antwortete der Bürgermeister bescheiden. „Hin und wieder dichte ich." Napoleon reichte dem .Poeten seine Schnupftabaksdose. „Nehmen Sie eine Prise." „Sire, Sie sehen mich verwirrt." Da reichte ihm der Kaiser die ganze Dose: „Nehmen Sie diese Dose zum Andenken, Herr Bürgermeister, und: Quand vous y prendrez une Prise, / Souvenez-vous de Marie-Louise. .
Logogriph.
„Ei, wie prächtig das schmeckt!" io sprichst du, mehr noch verlangend Aeudert sich W dann in D, mußt bu dich stärken alsbald.
Auflösung in nächster Nummer.-
c9, c8.
gang:
1. B. pS
2. M. trB
3. 9)1. pB
4. M. cB
5. M. carB
Der Rest fällt dem gewonnen.
M. p9
H. cZ
H. trZ
H. trK
H. eK
Spieler
Hinterhand die übrigen. Sviel- H. trA = — 11.
Auflösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr = Treff, p = Lique, c — Coeur, car — Carreon, trB — Treff-Bube, pA — Pique-Aß, cD Coeur-Dame u. s. s. Im Skat liegen tr8 und cD. Mittelhand hatte trB, pB, cB, carB, p9, trD, tr9, tr7, c9, c8. Hinterhand die übrigen. Sviel-
B. p7 = — 12.
93. pD ----- — 15.
B. pL — — 10.
V. pZ = — 16.
zu, aber die Gegner haben bereit
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Beilag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Gtcmbrurferei. R. Lange, Gießen.


