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Frage der Buße und der Ersatzpflicht der Jnseratenspesen übrig — und schließlich eine Verhandlung darüber, ob der "Ausdruck „unrechtmäßige Unterschiebung" straffällig sei, was meiner Ansicht nach gar nicht zu bezweifeln ist."
„Wenn es sich nämlich gleichfalls als falsch erweist," iief Rittland, der allmählich in Erregung kam. „Um die Tatsache einer „unrechtmäßigen Unterschiebung" dreht sich ja doch der ganze Streit! Es steht fest, daß Herr Fritz Friedel mit dem Herzog von Abeelen ein mündliches, schriftlich wiederholt bestätigtes Abkommen getroffen hat —"
„Es wird aber bestritten," wandte der Vorsitzende ein, „daß der Herr Herzog befugt gewesen sei, derartige Verträge abzuschließen."
„Das würde noch bewiesen werden müssen. Jedenfalls hat der Herzog die Friedelschen Vorschläge akzeptiert, mein Klient hätte also unter allen Umständen in gutem Glauben gehandelt. Ich nmß auch der Ansicht des Justizrats Dietrich widersprechen, daß die Vermutung, Direktor Lesson habe für den Vertragsabschluß eine Gratifikation erhalten, ganz ausscheiden soll. Ich möchte tut Gegenteil beantragen, eine kaufmännische Kapazität darüber zu vernehmen, ob glicht in diesem Falle ein Bestechungsakt vorliegt."
„Davon kann gar keine Rede sein!" rief Graf Eldringen.
„Das sagen Sie mit aller Bestimmtheit, Herr Graf, aber Sie geben uns keinen Beweis dafür. Sie benützen das Geschäftsgeheimnis als Deckung. Ist denn hier überhaupt ein Geheimnis zu wahren?" — Er schlug seine Akten zu. „Ich bitte den Gerichtshof, darüber zu entscheiden, ob der Herr Graf von Eldringen befugt ist, in diesem Falle sein Zeugnis zu verweigern. . . ."
Es gab eine kürze erregte Szene, bis der Vorsitzende erklärte, ohne Hinzuziehung kaufmännischer Sachverständiger, die über das Wesen des „Geschäftsgeheimnisses" Aufschluß geben könnten, sei über die Frage überhaupt kein Beschluß zu fassen. Fritz erbot sich zu einer sachlichen Auskunft, aber Justizrat Dietrich wies sie zurück: der Gegner könne in diesem Falle unmöglich gehört werden.
Nun gab es noch ein scharfes Duo zwischen den beiden Anwälten. Rittland hielt es zur Klärung der Sachlage von höchster Wichtigkeit, ob die Firma Miquelon sich zur Erreichung ihrer Zwecke gewisser Mittel und Wege bedient habe, die man vom Standpunkte kaufmännischer Ehrbarkeit aus als unlautere bezeichnen müsse. Justizrat Dietrich dagegen wollte derartige Fragen gar nicht zur Verhandlung kommen lassen, sondern hielt sich au den Wortlaut der Klage und an die Tatsache, daß eine „unrechtmäßige Unterschiebung" doch nur dann möglich gewesen sein könnte, wenn kein regulärer Vertrag der Miquelons mit der Deutsch- niederländischen Luftschifser-Gesellfchaft Vorgelegen hätte. Es sei aber das Gegenteil der Fall gewesen.
Nach stundenlangen Debatten entschied der Gerichtshof endlich, es solle Beweis erhoben werden darüber: ob die Beklagte mit dem Präsidenten der Dentsch-niederländi- schen Luftschiffer-Gesellschaft Herzog von Abeelen ein Abkommen getroffen habe, daß zur Taufe des Luftschiffes Excelsior Schaumwein der Firma Friedel zu verwenden sei; ob die geschäftlichen Kompetenzen des Herzogs von Abeelen ein solches Abkommen ermöglichten oder aber, ob es Sache des Direktors Lesson gewesen sei, darüber zu entscheiden; Und endlich zu Eins: ob der Herzog von Abeelen dem Direktor Lesson die bestimmte Weisung erteilt habe, daß die Taufe nur mit dem dazu gelieferten Schaumwein der Firma Friedel vollzogen werden solle.
Eine Untersuchung darüber, wie das Haus Miquelon zu der Bezeichnung seiner Marke Excelsior gekommen sei, und ob dem Direktor Lesson gewisse Vergünstigungen für seinen Vertrag mit dem Grafen Eldringen zugesagt worden seien, lehnte der Gerichtshof als nicht zur Sache gehörig qb.
(Fortsetzung folgt.)
Der Spion.
Humoreske von E. von H a i n st e t t e n.
Der dem Regiment attachierte Japaner war angekom- meu und bedeutete auf der ganzen Linie eine Enttäuschung. Er sah weder wie ein Affe aus noch gab er sich wie ein solcher. Ein vorlauter Fähnrich konstatierte sogar, daß
Oberleutnant Brettschneider vom ersten Bataillon viel japanischer anssehe, wie dieser Prinz aus dem Lande der ausgehenden Sonne. Er nahm sich gar nicht leberkrank aus. Das kleine dunkle Schnurrbärtchen stand dem schmalen, aber ausdrucksvollen Gesichr recht gut, und die Augen waren nur unmerklich schräg. Mit erstaunlicher Geschicklichkeit bediente er sich eines großen randlosen Einglases, und zwar ohne Notleine — was nicht einmal der Regiments-Adju- tant sich traute.
, Auch sonst versagte der „Ferscht" in all den jokosen Hoffnungen, die jugendlicher Uebermut auf ihn gesetzt hatte. Deutsch sprach er zwar mit fremdländischem Akzent, aber durchaus korrekt und flüssig. Und er stand seinen Mann in der Front ebenso tote im Kasino „nach zwölfe".
Acht Tage später war es eigentlich nur uoch der Regi- ments-Kommandeur, der dem Fremdling mit Abneigung und Mißtrauen begegnete. Er war grundsätzlich gegen Exoten in der Armee — und daß man ihm so ein Kuckucksei ins Nest gelegt hatte, darüber kam er gar nicht hinweg.
„Ist ja ein ganz fixer Kerl," äußerte der alte Herr zu seinem Adjutanten, „und er kann ivas. Trotzdem —i oder vielleicht gerade deshalb! Was will der Mensch bei uns? Wenn er unfern Drill schon weg hat, weshalb bimst er nicht in Iokohama oder Tokio seine schlitzäugigen Landsleute? . Sehnse ■— das ist mir das Verdächtige. Diese Japse sind eine ganz hinterlistige Bande, und pajsense auf, es gibt noch einen Knaatsch!"
„Verzeihen, Herr Oberst — aber bei den hohen Protektionen und Empfehlungen, die der Prinz hat, braucht man doch kaum Befürchtungen zu hegen."
„Das sagense so! Unsere höheren Götter sind auch bloß Menschen. Sie dürfen nicht vergessen, daß das hier eine Festung ist. Ich für meinen Teil habe schon genug, wenn ich den Kerl bloß grieflachen sehe. Habeuse 'n mal grieflachen sehen, Hassenfeld? Was da so alles drinliegt! „Ihr könnt mir mal für'n Sechser den Buckel raufsteigen" und noch was anderes. Das ist in dem Grieslachen deutlich ausgesprochen. Ganz unverständlich ist mir der Kultus)' den die Frauensleute mit dem Kerl treiben! Die ganze " Walkürenschaft ist rein aus der Tüte. Sozusagen' vom gelben Fieber befallen. Auch meine Weiber sind davon schon stark angegangen — insonderheit meine Frau und die Annelies, die kürzlich aus der Charlottenburger Pension gekommen ist. Vorgestern war er eingeladen und gestern wieder. Ich habe nun aber einen Riegel vorgeschoben. Der Mann kommt zum Pekko wie jeder andere — und damit Schluß. Außerdem werde ich ein scharfes Ange auf ihn' haben — ein sehr scharfes Auge!" '
An einem Sonntagmorgen — so um die Kirchzeit herum" — ließ sich Oberst Rieger mit allen Anzeichen von Eile und starker Erregung bei seinem alte» Freunde und Kriegs- schulkameraden, dem Festungs-Kommandeur Generalmajor von Deckart melden.
„Na, Rieger, ivas gibts? Du siehst ja aus, als wenn du gelaufen wärst."
„Herr General, ich habe eine dienstliche Meldung," schnaufte der Regimentschef.
„Eine dienstliche? So. Na, dann erlaube mal, daß ich mir erst den Rock zuknöpfe. Ist gemacht. Was wünschen Sie, Herr Oberst?" ,
„Melde gehorsamst/ daß der Leutnant Prinz Aumashi seit einiger Zeit sich in sehr verdächtiger Weise für die Fortifikationen dieses Platzes interessiert."
„Was du sagst —!"
„Jawohl. Es ist beobachtet worden, daß er zu ver- schiedeuen Tages- und Abendstunden in Uniform sowohl, wie in Zivil in beit äußeren Glacis sich bewegt —"
„Hm'— — sag mal, Rieger: bist du gestern nach unserml Skat noch weiter gegangen?" >
>,Herr General. —"
„Ach so. Wir sind ja dienstlich". Na, denn entschuld bi gelt Sie, Herr Oberst. Im übrigen bemerke ich, daß Sie da eben einen großen Hammeltalg zusammengeredetj haben, Herr Oberst. Der Prinz ist zurzeit Leutnant im Fuß-Artillerie-Regiment König Viktor und hat als solcher in seiner dienstfreien Zeit die Berechtigung, spazieren zu gehen wo er ivill."


