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Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,
Sie spielt Grand und verliert es, obwohl die übrigen Wenzel nicht in einer Hand stehen. Vorhand hatte 14 Augen weniger in ihren Karten als Hinterhand. Wie waren die Karten verteilt und wie wurde gespielt?
Auflösung in nächster Nummer,
Auflösung der Königspromenade in voriger Nuininer: Manch Kleinod, das von ihrer reichen Habe Die Jugend hinwar? aus der raschen Jagd, Hebt die Erinnerung, die treue Atagd, Dem Alter aus als goid'ne Freudengabe.
vermischtes.
O , 'ko, 8ous b ub, du bist es d o ch! Ein sreundlicher Leser teilt dem „Köln. L.°A." eine Erinnerung an den Aufenthalt des Staatssekretärs «.Stephan in Köln mit, die nur wenig bekannt sein dürste, imb die es verdient, der Oeffentlichkeit übergeben zu werden. Stephan war als ganz junger Postbeamter früher in Köln tätig imb verkehrte damals viel 'm der „Ewig n
ein Jnstrumentalstück für Klavier und' Violine kommen, „Der Kalis von Bagdad", von Pelwe Md mir. Auch später hatten! wir beide noch einen Justrunientalvortrag, „Die Fledermaus- Quadrille" von Strauß, auszuführen.
So kam denn der 22. März heran. Bei der Probe ging alles glatt und ohne Anstoß. Abends nur 7 Uhr begannen wir- uns zur Darstellung der lebenden Bilder umzukleiden. Unsere Uniformen, Säbel und Mützen wurden in einem Zimmer ebener Erde neben dem großen Saale abgelegt, und zwei Theaterbeamte waren uns behilflich, die aus der Vorratskammer des Großherzoglichen, Hoftheaters entliehenen Kleidungsstücke anzulegm. Die beiden Darstellungen gelangen vorzüglich, besonders die erste, „Wallensteins Lager", in der der Einjährige Gradiz die Kapuzinerpredigt hielt, während Roller die muntere Marketenderin spielte.
Nach der Aufführung der lebenden Bilder spielte die Stadtkapelle, während sich die Mitwirkenden im „Nachtwächter" umkleideten. Da kam ein Zwischenfall, an den ich noch lange mit einem gewissen Beben zurückgedacht habe.
Wir standen bereit und Leutnant Götz hatte gerade das Zeichen zum Anfang gegeben. Die Musik verstummte, aber als der Vorhang aufgezogen werden sollte, bekam der Nachtwächter Nasenbluten.
Der Leutnant war in Verzweiflung, endlich kam er auf den unglücklichen Einfall, ich solle heraustreten und mit Pelwe, der irgendwo int Publikum saß, den Jnstrumentalvortrag ausführen.. Lautlose Stille herrschte im überfüllten Saale und die Zuschauer erwarteten schon mit Ungeduld das Aufziehen des Vorhanges., Ich bewaffnete mich .also mit aller mir zu Gebote stehenden Unverschämtheit, hob den Vorhang in die Höhe und sprang herab von der Bühne. Nur einen Blick warf ich auf die Kopf an Kopf in quetschender Enge sitzende Menge. Tausend Augen waren vuf mich gerichtet und ich sah, wie die Damen in den vorderen Reihen, als ich hocherhobenen Hauptes an ihnen vorüberschritt, ihre Fächer vor das Gesicht hielten und hörte sie vernehmlich kichern. Glücklich am Klavier arrgelangt, kramte ich in den Noten Und senkte den Kopf, um nicht in die lächelnden Gesichter sehest zu müssen.
Jetzt kam auch Pelwe, der sich von seinem weit hinten inrt Saale befindlichen Platze nach mir durchgearbeitet hatte, aber uls wir anfangen wollten, ging der Vorhang in die Höhe und „Der Nachtwächter" nahm seinen Anfang.
Das Nasenbluten des „Nachtwächters" hatte aufgehört und Leutnant Götz, der in seiner Aufregung ganz vergessen hatte, welchen Auftrag er mir erteilt hatte, den Befehl zum Anfang, des Theaterstückes gegeben. Schnell entschlossen sprang ich auf und verschwand wieder hinter den Kulissen. Das heitere Stück Wurde jetzt flott uiid ohne weiteren Zwischenfall gespielt.
Als wir uns aber in das Garderobezimmer begaben, um die Uniformen wieder .anzuziehen, wartete unser eine unangenehme Ueberraschung. Während des Spiels war eine Diebsbande, die eine Scheibe des Ankleidezimmers eingedrückt hatte, eingedrungen Und hatte uns bestohlen. Sämtliche Mützen, Taschentücher und fast alle Säbel waren ihnen zur Beute gefallen, auch Pelwes > Violinkasten war gestohlen worden. Ich war noch am glimpflichsten weggekommen. Mir hatten die Diebe merkwürdigerweise den blanken Säbel gelassen, dagegen Koppel und Scheide mitgenommen. Als Entschädigung hatten mir die Spitzbuben in ' eine Rocktasche meines Waffenrockes eine blauseidene Krawatte mit goldener Nadel gesteckt. Unser Feldwebel, dem wir den Diebstahl meldeten, riet uns von einer Anzeige ab.
Um Mitternacht wurde der Ball eröffnet und in der schönsten Harmonie und Heiterkeit endete gegen Morgen die kaiserliche ; Geburtstagsfeier.
. Wer aber in der Morgendämmerung des 23. März die Heidelberger Straße hinauf gegangen wäre, dem würde eine höchst sonderbare kleine Gesellschaft von Einjährigen aufgefallen sein. Vier an ber Zahl waren es, sämtlich barhäuptig und ohne Säbel. Kuno gmg m der Mitte, beide Hände in den Hosentaschen, kaltblütig eine Opernmelodie pfeifeitd; Pelwe mit der alten Geig« Unter dem Arin^an seiner linken Seite, nur manchmal, wenn die Rede auf die Spitzbuben kam, die ihm seinen Geigenkasten ge- stohlen hatten, wütend mit dem Fiedelbogen in der Luft herum- fuchtelnd. Er sah aus tote ein fahrender Musikant, der sich sein tägliches Brot vor den Häuiern verdienen muß. Ich ging an Kunos rechter Sette, mit dem geretteten blanken Säbel in der Faust. Der vierte im Bunde toar Amsis, der in der 6eitertet .Stimmung tote ein lunger Ziegenbock bald vorwärts, bald rückwärts. hüpfte oder uns in zierlichen Sprüngen umtanzte,
(Schlnß folgt.)
Lampe", wo er Mitglied einer fröhlichen Stantmtischrunde war« Diesem Zecherkreise gehörte auch der damalige Rendant des Gym- nasialstiitungssonds, Th. W., an, ein Mainzer Kind. Ein Lieb- lingsansdruck des biederen Mainzers war Lausbub; seiner burschikosen Art blieb es vorbehalten, mit dieser Bezeichnung gar manchen, vielleicht jeden zu titulieren, mit dem er verkehrte. Aber man nahm ihm das nicht übel, man kannte ihn ja. Stephan wurde dem Stammtisch in der „Ewigen Lampe" untreu, denn er kam nach Berlin und machte die allen bekannte rühmliche Lausbahn. Im Jahre 1893, als der Prachtbau der Oberpostbirektion seiner Bestimmung übergeben würbe, kehrte Stephan nach Köln zurück; er war Staatssekretär imb der geleierte Grünber des Weltpostvereins, vom König in beit Abelstand erhoben usw. Der Staatssekretär erinnerte sich gar lebhait ber schönen Zeit, die er einst in Köln verbracht, imb er hatte bas Bedürfnis, die Zechgenossen von ehemals wieberzusehen. Die Herren würben, soweit sie noch in Köln waren, gebeten, mit ber berühmten Exzellenz zusammenzukommen, und Stephan begrüßte sie recht herzlich. Als bie Reihe an unseren Mainzer kam, ba klopfte er ber Exzellenz vertraulich auf bie Schulter unb meinte: „Also, Lausbub, bu bist es boch l" v. Stephan lächelte verstänbnisvoll; es war ganz wie bamals.
* Ein englisches Loblied auf die deutsches Frauen. Den englischen Frauen, die so gern mit einem1 Lächeln gütiger Nachsicht auf ihre deutschen Gefährtinnen herabblickeN/ hält Franees H. Low in einem englischen Blatte eine strenge Predigt, die in einen Lobeshymmis auf die deutsche Frau ans-. klingt. „Zn Deutschlands herrlichstem Besitz gehören die schönen Und edlen Frauen." Sie sind aus dem Staatsleben nicht fort? zudenken, als tatkräftige, kluge Mitarbeiterinnen sind sie bei allen Dingen unentbehrlich, echte Vorkämpferinnen' des Fortschrittes! ihres Landes. Sie sind es, die das künftige Deutschland schaffen, indem sie ihre Kinder von Jugend auf zum vaterländischen Pflichtbewußtsein erziehen. Und sie herrschen im Hanse, herrschen selbst. Wenn die Einkünfte des englischen Gatten sich steigern, ist das das erste Ziel der englischen Frau, ihre eigene Verantwortung zN erleichtern, sie nimmt mehr Dienstboten. Die deutsche Fran aber regiert selbst ihren Haushalt, auch dann noch, toenn dar! Reichtum ihr keine Schranken auferlegt. Sie wollen ihr Hans nicht von anderen „geführt" wissen, wo Führerin zu sein fiel sich berufen wissen. Die Einfachheit und Würde und Einheit des Willens, das charakterisiert das deutsche Hans; in keiner Nation! der Erde lebt ein so reiner idealer Familieninstinkt, der sich $u| frohem Patriotismus und nationalem Pflichtgefühl erhebt. Di« moderne deutsche Frau hat nicht die blendende Lebhaftigkeit dev Amerikanerin, den raffinierten Geschmack der Französin, das Faszinierende der Südländerin und die frische gepflegte körperliche Schönheit der Engländerin. Aber unter allen Nationen ist fiel der größte „Besitz", die Hüterin der FlamMe, die .Deutschlands! Söhne das Vaterland über alles lieben läßt."
* Benedikte te m bum. Diese „lateinischen" Worte standen, wie 'der ,)Korr. für Deutschlands Buchdrucker" schreibt, aus dem Entschuldigungszettel, den eine böhmische Mutter ihrem Buben, der einen Tag in der Schule gefehlt hatte, mit Ms den Weg gab, um dem Lehrer in lakonisches Kürze den Grund für die Versäumnis mitzuteilen. Der Lehrer zerbrach sich Mer dieses rätselhafte Worttrio lange den Kopf, kam dabei jedoch immer näher ans Ende seines! Lateins, so daß er sich aufmachte, um die Verfasserin selbst darüber zu befragen, wobei ihm folgendermaßen ein Licht aufgesteckt würde: „Maria Joseph ! Da wiollt Ihr ein Herr, Lehrer sein und könnt net lesen? Ich hab's doch gaM deutlich g'schrieben: Benötigte den Buben!"
Skat-Ausgabe.
Mittelhand erhält folgende Karten:


