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Friedel halb-süß.
Roman von Fedor von Zobeltiß.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
[D»^^.-'E?^Erzienrat spielte wieder den Erklärer. Ein Knall, wie von einem Pistolenschuß, hatte den Herzog leicht znsammenKucken lassen. „Sapperment," rief er, „werden uns Ml Ehren Böller gelöst?"
„Fassen Sie es als Ehrung auf, IDIurchlaucht," er- wrderte der Kommerzienrat, „tatsächlich ist es eigent- lrch nur eine Unart. Es ist eine Flasche geplatzt. Früher, als wir noch nicht so weit in der Technik vorgeschritten waren, ist das vielfach passiert, und man erzählt von Pom- merh und Greno, daß die Herren einmal von zehntausend Flaschen nur Kweihundertunddrei übrigbehalten hätten. Heute ist der Bauch ein verhältnismäßig geringer. Seit man mittels des Gleuko-Oenometers den Zuckergehalt in der Euvöe genau feststellen kann, läßt sich auch die Entwicklung der Kohlensäure so ziemlich regulieren. Vor allen Dingen aber hat die Flaschenfab'rikation sich wesentlich verbessert."
„Ah ja," meinte der Herzoge „das Was! Stammt es aus deutschen Hütten?"
„Ganz allein, Durchlaucht. Und lange Jahrzehnte hindurch haben unsre deutschen Glashütten ihre Flaschen auch nach ^Frankreich geliefert. Das Glas einer Champagner- iflasche, die einen kolossalen Druck auszuhalten hat/darf selbstverständlich keine Blase haben und muß an allen Stellen gleichmäßig dick sein, damit beim Wechsel der Temperatur keine ungleiche Ausdehnung eintritt. . . ." Er nahm eine der Flaschen in die Hand. . . „Sie sehen, hier befindet sich der Wein noch im Anfangsstadium seiner Entwicklung. -Aber ich will Ihnen auch lebhaftere Geister zeigen. Westermann, die Lichter!"
Der IKellermeister stürzte schon mit Laternen herbei. Und nun stieg man eine Treppe zu noch tiefergelegenen Lagern hinab, deren einzelne Quartiere durch Plakat- tafeln bezeichnet warm, die Gattung und Alter der ©orten Notierten. r
Auch hier zeigte der Kommerzienrat dem Herzog verschiedene jProben. „Sehen Sie diese Flasche, Durchlaucht !—i da ist der Wein vollständig getrübt, er ist absolut undurchsichtig. In dieser bereitet sich die Abklärung schon Vor h— Sie finden da Flocken und wolkige Streifen — und hier hat sich die Hefe bereits gesetzt, quillt aber bei leichtem Rütteln noch immer umher. Nämlich die Rüttelung, die Remuage. . . ja, da muß ich Sie schon bitten, uns noch lein paar Schritte weiter zu begleiten. . . Hören Sie —" -dr blieb einen Augenblick stehen — „klingt das nicht wie jein Trommelsignal?"
In der Tat vernahm mäN aus dem Nachbärgewölble jein .lebhaftes xhWmisches Klopfen, einem DrommelwiMl
sucht unähnlich. Hier standen die Gestelle für die Rsmuüge, jene Erfindung, die eine vorlaute Legende der alten Beuve Miquelon zuschrieb, die aber tatsächlich auf den glücklichen Einfall eines deutschen Küfers zurückzuführen war: dreieckige Böcke mit schräggebohrten Löchern, in welche die Flaschen, den Kopf nach unten, hineingesteckt wurden. Arbeiter schritten von Gestell zu Gestell, nahmen jede Flasche 1 heraus, rüttelten sie mit einer kurzen Rundbewegung der
Hand und steckten sie dann wieder in die Oeffnungen.
„Voilä,“ sagte der Kommerzienrat, Abeelen eine der Flaschen zeigend, „da sehen Sie, daß sich die Hefe tolä fingerdicker Satz am Stopfen festgelagert hat, während oer Wern in hellstem Glanze schimmert. Die Flasche ist reif. Die Remuage ist eine der wichtigsten -Erfindungen in der Technik unsrer Fabrikation. Ein einzelner Arbeiter kann täglich etwa zwanzigtausend Flaschen durchrüttelu. Aber wenn Sie bedenken, daß die Rsmuage jeder Flasche gjtonate in Anspruch nimmt, so werden Sie auch begreifen, daß in unfern Kellern immer ganze Arbeiterkolonien tätig sein müssen. Und nun beginnt die eigentliche Fabrikation des Schaumweins. Erstes Stadium: die Dosage. Aberzwischen dem ersten und dritten Stadium liegt eine Reihe von vier bis acht Jahren. . . ."
r Wer Aufzug brachte die Herren in eine große Und lichte Halle, in der eine Kompagnie von Arbeitern an den der?- fchiedensten Geräten und Maschinen tätig war.
„Der Degorgeur," sagte der Kommerzienrat lächelniß „oder reden wir deutsch: der Entkorker, was dasselbe be- S, obwohl man in unserm Berufe die französischen Aus- ke noch immer vorzieht. ..." Er war bei einem Mann im Schurzfell stehen geblieben, der vor einem Fasse mit weitgeschnittener «Oeffimng stand. Seine linke, durch lederne Armstulpen geschützte Hand hielt eine Champagnerflasche mit ansgereiftem Wein, und zwar so, daß ihr Kopf gegen die Faßöffnung geneigt war. Seine Rechte handhabte einen kleinen Haken, den „Chrochet", mit dem er die Eisenklammer, die den Pfropfen festhielt, löste; dann lockerte er den Korken mit einer Scherenzange sehr vorsichtig H und nun gab es einen gewaltigen Knall, und der Korken flog inmitten sprudelnden Schaums in das Faß hinein.
„-Eine leichte Arbeit, nicht wahr?" meinte Fritz, zu Abeelen gewendet.
„Wenigstens sehe ich keine besondere Schwierigkeit iN ihr," erwiderte dieser.
„Und doch ist der Entkorker einer der am höchsten bezahlten Arbeiter, Durchlaucht. Mau muß festen Verlaß auf sein Auge Und seine Hand haben. Da haben es diel Fabrikanten, die das Jmprägnierverfahren benützen, ungleich leichter."
„Was ist das: Jmprägnierverfahren?"
„Die Herstellung von Schaumwein durch künstlich eingepumpte Kohlensäure."
„Pfui Deubel," sagte der Herzog.


