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rechts das viel tiefer im Grund' gelegene Schalkemnehrer. Dicht und vollkommen undurchlässig muß hier die Erde sein, denn sonst wäre doch Wohl der höher gelegene See längst in den anderen abgeflossen. Mer gar kein Zusammenhang besteht zwischen den beiden.
Auf schönen, schattigen Waldwegen zogen wir dahin über Eckfeld nach Manderscheid Kn, der Perle der Eifel. Gegen 6 Uhr gelangten wir nach Belvadere, nachdem wir kurz zuvor im frisch gemähten Ken gerastet und uns mit den vespernden Landleuten unterhalten hatten. Das Belvedere ist eine Felsenbastion mit einer herrlichen Aussicht aus das liefeingeschnittene Liesertal (130 Meter über dem Flüßchen), aus dem die beiden Burgen der ehemaligen Grafen von Manderscheid auf schmalem Felsengrat emporragen, Und auf das gegenüber auf der Höhe gelegene Manderscheid. Schon umgoß das Abendrot, das nach einem leichten Regen über die Berge ging, das graue Gemäuer der Burgen mit bronzener Glast und fast andächtig saßen wir auf der Holz- bank, auf der einst Kaiser Friedrich gesessen hatte, zu dessen Gedenken ein einfacher Stein errichtet ist.
Fast immer mit prächtiger Aussicht auf das Liesertal Mit seinen Burgen stiegen wir von den Höhen hinab und dann über eine eigenartige, hochwasserfreie Brücke auf schmalem Felsenpfad hinaus nach Manderscheid. Der aufs neue drohende Regen hielt uns von einem Besuch der imposanten Klosterruine Himmenrod ab und nach kurzer Rast mußten wir eilen, um über Niedermanderscheid noch, den letzten Zug nach Wittlich zu erreichen. In % Stunden legten wir dis 7 Klm. lange Strecke zurück und als wir endlich an den Bahnhof kamen, hatte der Zug! natürlich Verspätung, so daß wir uns noch fast 20 Minuten gemütlich ausruhen konnten. Die neu angelegte Bahnstrecke bis Wittlich, die erst anfangs Juli eröffnet wurde, ist nicht nur landschaftlich, sondern auch technisch hoch interessant. lieber tiefeingeschntt- tene Täler führen gewaltige Brücken, oft 30—40 Meter über der Talsohle hin, an abstürzenden Felshängen vorüber, über Bergkämme mit unfassender Aussicht. Und über all dem lag ein tiefes, glühendes Abendrot, wie ich es sonst noch selten gesehen habe. Ziemlich ermüdet fuhr ich nach kurzem Mschied von meinen getreuen Wanderkameraden, deren Namen ich nicht einmal weiß, nach der Mosel zu, und als mit Einbruch der Dunkelheit ein tüchtiger Regen einsetzte, änderte ich meinen Reiseplan. Anstatt nach Wittlich, das Mir schon bekannt war, und wo wir als Gießener Studenten 6ör Jahren bei einer Exkursion mit Prof. Sauer tüchtig durchweicht worden waren, fuhr ich nach Bern kastel. Um noch ein paar Tage an der Mosel herumznschlendern und dann quer über den Hunsrück wieder an den Rhein zu ziehen.
vermischtes.
* Der Gerichtsvollzieher int Balzac-Mu-, s e n tu. Auch nach seinem Tode hat Balzac, der während seines Lebens von Gläubigern und Geldeintreibern so arg geplagt war, vor dem Gerichtsvollzieher keine Ruhe. Er selbst hat sich bekanntlich Monate und sogar Jahre nicht beim Tageslicht herausgewagt, weil Leute mit ttnbequemen Geldforderungen seine Haustür bewachten; bisweilen wußten nur ganz wenige Freunde vott seinem Aufenthalt, Und ein richtiges System der Verheimlichung war von ihm erdacht, um nicht etwa den Schwarm der Gläubiger aus seine Spuren zu letrken. Run droht dem Balzac-Museum die gleiche Not, die dem Dichter das Leben'verbitterte. Das Unheimliche Gespenst der Pfändung wirft seinen Schatten über die Büsten und Reliquien des großen Dichters, hie von pietätvoller Hand zum ruhmreichen Andenken an sein Werk hier vereinigt sind. Gegen das Museum ist wegen nicht bezahlter Steuern von dem Fiskus ein Zcchlungs-t befehl erlassen tvorden. Das Museum hat für das Jahr! 1909 366 Mk. Steuern nicht bezahlt und für das Jahr 1910 gar die ganz unmotiviert erhöhte Summe vott 380 Mk. Der Gerichtsvollzieher, der ja nicht mit sich spaßen läßt, droht nun, wenn der Gesamtbetrag von 746 Mk. nicht be-i zahlt wird, die in dem Museum aufbewahrten wertvollen Erinnerungsstücke versteigern zu lassen, um seine Forderung zu besriedigen. Schlimmer konnte dem Dichter der „Mensch-« lichen Komödie" das Schicksal nicht mitspielen, als daß seine Düste öffentlich versteigert werden soll, um die
Steuern für das ihm errichtete Museum zu bezahlen. D'aj das Einkommen des Instituts gerade dazu hinreicht, um die Kosten für seine Erhaltung anfzubringen, so ist für die Steuern nichts übrig. Die Verehrer des Dichters, die durch Schenkungen und Stiftungen die Errichtung des Museums möglich gemacht haben, würden übrigens ihre Gaben und die leihweise ausgestellten Gegenstände sofort zurücksor-> dern, wenn eine Versteigerung wirklich drohte. In einem entrüsteten Schreiben wendet sich- der Präsident der „Gei sellschaft der Freunde Balzacs" an die maßgebenden Per-, sönlichkeiten, um eine Rücknahme des Zahlungsbefehls zu verlangen, weil das Balzac-Museum als ein Institut zum! Nationalwohle gesetzmäßig frei von Steuern ist und hie Forderung des Fiskus nur Verstimmung Hervorrufen könne, wenn man sie nicht als einen lächerlichen Bureaukra.tisMus betrachte.
* Lebende Reklame. Auf eine Neue Reklameidee ist, wie dem Journal des Dabats aus London mitgeteilt wird, ein großes englisches Modemagazin gekommen. Anstatt die steifen Wachsftgureir und die traurigen Kleiderstöcke in ihren Schaufenstern der Gleichgültigkeit der Menge preiszugehen, hat man hier eilt neuartiges Mittel gefunden, das Interesse des Publikums zu erregen. Die ganze Fassade des Geschäfts ist in drei riesige Schaufenster abgeteilc, hinter denen sich ein buntes Leben abspielt. Der eine der Räume, der sich nach der Straße öffnet, ist eist Schlafzimmer, der andere ein Salon, der dritte ein Rauchzimmer. Diese Gemächer sind höchst elegant möbliert; an jedem Möbelstück kann man den Preis lesen. Als Bewohner des schönen Schlas- gemachs zeigt sich -ein eleganter junger Mann, in einem Schlafanzug gekleidet, und er spielt nun der draußen dicht gescharten Menge die Toilette eines Dandys vor. Sein -Kammerdiener bringt ihm warmes Wasser, Rasierzeug, Seife — an jedem Gegenstand ist die Firma, die ihn geliefert, und der Preis angegeben; intmj wird er nach allen Regeln der Kunst rasiert. Diese so alltägliche Arbeit wirkt außerordentlich spannend und entfesselt Stürme der Heiterkeit. Der „Brummet" im Schaufenster legt nun seinen Schlafanzug ah und erscheint in Beinkleidern. Man bewundert seine vornehme Fußbekleidung, die Schönheit seines Hemdes. Der Kammerdiener reicht ihm einen Straßenanzug modernsten Stils dar. Langsam legt -er ihn an, so daß jedes der Stücke im besten! Lichte betrachtet werden kann; man sieht genau die Preise und beobachtet, wie die Sachen geschmackvoll angezogen werden. Nun ist er fertig, er mustert sich im Spiegel. Da kommt ihn ein anderer Gedanke: er will in Gesellschaft gehen, und nun folgt ein entzückender Frack. In immer neuen Kleidern, in immer gleich bleibender Eleganz zeigt sich der junge Mann im Schaufenster, Er knüpft sich eine Reihe der herrlichsten Krawatten um, die unter feinen kunstfertigen Fingern die wundervollsten Formen, Knoten und Bausche amlehmeu; er probt eine Anzahl von Patent- Hosenträgern, kein Geheimnis und keine einzige Kleinigkeit der Herrentoilette bleibt den Zuschauern verborgen. Nicht minder! reges Leben herrscht in den anderen Schaufenstern; da wird Tee getrunken, Man raucht, man plaudert, man flirtet , . und fällst Welt bleibt davor begeistert stehen.
Humoristischer.
* Selbstbewußt. Zwei Bauern haben sich geprügelt und kommen vor (das Schöffengericht, das jeden zu einer kleinen Geldstrafe verurteilt. Nach der Verhandlung treffen sich beide int Wirtshaufe wieder und der Nazi sagt: „Schau, Wastel, das haben wir von unserer dummen Holzerei, jetzt sind wir alle beide verurteilt!" — -„Das schon," erwidert der Wastel stolz, „aber ich nach .einem höheren Paragraphen als Du!"
* Die liebe Gattin. Gatte (als es beim Spaziergang mit Frau und Schwiegermutter anfängt zu regnen): „Seht ihr's nun; ich habe.geraten, die Schirme mitzunehmen; jetzt muß ich euch den meinigen geben und selbst nebenher laufen!" ■— Frau: „Ach, Fritz, wenn du auch ein bißchen naß wirst; deinetwegen können wir uns. doch nicht immer mit dem Schirm abschleppen!"
Ergänzungsrätsel.
D.. M.n... .a.n u.ch.s .öh.e. e.st.e..n
I. . a.pf. m.. .or. e tu. . ot., A.s .i. g.te. G..iss.. m. .eb..
n. e.. en . ut.. . am.. i. . o.!
Auflösung in nächster Nummer:
Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer: Fiel ein Herz im Drange Zwischen Reiz und Pflicht, Mensch, o richte nicht!
Weißt du, welchem Zwange, Welchem llnglückstag Solch ein Herz erlag?
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-


