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zum Sterben öde!
Das ist das Weinfelder Maar, das Totenmaar, wies die Leute heißen. Es hat keinen Abfluß, keinen Zufluß! anders, als die Tränen, die der Himmel drein weint. Es
wohl!"
Und sie sah der dabonrollenden Britschka Und dein polternden Karren nach, bis beide verschwunden wären hinter einer Wehe von Staub, hinter einer Woge von goldenen Aehreu.
Ihr Gesicht wär ernst, aber nicht traurig: auch die zogen fort, alle zogen fort — nur sie blieb hier, mußte hier bleiben! „Sie bleiben hier" —: wie mitleidig das die Frau gesagt hatte!
Warum?! Blieb sie denn nicht gern hier?!
O ja! Und doch — ein Schatten zog über ihr Gesicht s-, so allein zu bleiben, wär schwer!
Ihre Brauen schoben sich zusammen, wie suchend sah sie sich um: allein, ringsum nichts als die große Weite, schlafend im Mittagszauber. Aber war sie denn wirtlich allein geblieben?! Sie fühlte ihr Herz klopfen.
Horch, da plötzlich ein jauchzender Ruf, helles Lachen, die Stille durchschnietternd wie Trompetenfanfare!
Gott sei Dank, das waren die Knaben, ihre Knaben!
„Kinder, wo seid ihr?"
In den Aehren rauschte es, rasch kamen die fünf gesprungen, blühend und frisch, und umringten ihre Mutter:
„Mutter, hier sind wir!"
' Da lächelte die Witwe Hanns-Märtin von Doleschals, und inmitten ihrer jungen Schar ging sie durch reisende Mehren der Ernte entgegen.
zwei Berliner Studenten, die langewegs im Moos lagen und ihre Blicke über die geneigte Ebene der südlichen Eifel schweifen ließen, wo seltsame Bulkänkuppen und äbwechs-! lungsreiche Täler ineinander übergehen. Wir wurden wie das aus Wanderungen geht — rasch miteinander bekannt und stiegen nach einem kurzen Imbiß den steilen, zerstreut mit zerzausten Wachholderbüschen bewachsenen Sudwestab- hang hinunter nach dem Weinfelder Maar.
In der Ferne lag das einsanre Kirchlein mitten in seinem Gräberfrieden und über die grauen Manern des Kirchhofes ragte hier und da ein schlichtes Kreuz. Davor das werte, stille Maar, von haushohen, steilen, beinovsten Uferwänden eingeschlossen, nur int Süden zugänglich. Aber Hst er ist Leben. Auf dem schmalen Streifen fruchtbaren Landes zwischen Bullängestein iitib See wogen silberblinkende Hafer-, selber, in denen ein paar tiefrote Mohnblüten glühen. Sie bringen den einzig grellen Ton in dieses gedämpfte, farbenarme Bild, über dem' eine warnte, gleisende Julisvnne zittert. Wir stehen lang in Schauen versunken, dann wandern Mr! nach Osten um "den See, hinanf auf die Straße. Und wieder bleiben wir ergriffen stehen. Mitten in einein Kranz frucht-, barer Felder und saftiger Gemüsepflanzuugen glänzt das- weite Schalken mehr er Maar im Gegenlicht der, . Sonne. Winzig und unbedeutend sehen die Häuser vo>t Schalkenmehren aus, die sich in halbmondförmigem Bogen um deu fischreichen See ziehen. Ganz in der östlichen Ferne sieht man drei brcitkronige Bäume - am Horizont; dort liegt das Pulvermaar, das zwischen 70 Meter hohen ! Wändeti liegt und 74 Meter tief ist. Scherzend und lachend kam eine größere Damengescllschaft heran, Mitten in der Eifel in lichten Sommerkleidern, und nur ergriffen uhleu- niqst die Flucht. Der eilte meiner Reisekameraden zwar kam nicht so rasch nach, sein Rucksack war dick gefüllt Mit allerlei geologischen Seltenheiten, und gegen abend hatte er die Schlepperei herzlich satt. Eine Weile waren wir noch auf der Landstraße stehen geblieben, von der man die beiden | Maare mit einem Blick umfaßt. Links das Wernselder,
Peter Bräuer saß stumm in der Britschka, hielt hie Hand seines Weibes in der seinen und ließ den Kopf ans die Brust hängen. Er sah nicht ein einziges Mal zurück nach dem Haus, das er gebaut, das er drei Jahre bewohnt hatte — drei Jahre zwar nur, aber Jahre, die doppelt und dreifach zählten an Erfahrung und Leid. Er hatte keinen uuut:Ly uty uic ÄiMl|lt|) uvv
Blick mehr für die im Sonnenglanz so golden schimmernden lw'gt "und "träumt und'ist todestraurig, wie alles rings
Felder. Er hatte zuviel hier verloren — wurde sein Blick I U)Aer"
je wieder heiter werden?! . ' „ So schildert Clara Viebig in ihrem Novetlenband
Frau Kettchen sann still vor sich hm; langiame Tranen Kinder der Eifel" den eigenartigsten, eindrucksvolltropften ihr übers Gesicht, aber ihr Mund lächelte doch ent KCJ. Eifelfeen, das Weinfelder Maar.
wenig. Plötzlich stieß sie ihren Mann an: „Peter ! Peter- Wemfelder Maar ist von den drei ziemlich näh
ren!" und streckte ihren Finger aus wie: sieh da! Die einander liegenden Kraterseen Nähe von Daun Mädchen der Bräuers reckten neugierig die Kopfe das einsamste und stillste. Lieblicher, freundlicher, lebens-
Aus dem wogenden Kornfeld — dort an der Ecke, I ist das G e m ü n d euer Maar, das man nach am Kreuzarm des Weisers, wo sich die vielen Wege ver- I ^nem kurzen Marsch auf der gut gebauten Straße nach zweigen — dort war eine Frau aus deu Aehren getreten. Manderscheid- in einer vollen halben Stunde erreicht. Es Hell ihr Gesicht, hell ihr Haar, golden Ivie reifer Wetzen. I ff^gt klar und nur leise bewegt in einem bewaldeten Krater Sie sagte: inib seine Flut ist von einer tief blaugrauen Färbung. Es
„Guten Tag!" I ist 30 Meter tief und hat einen Umfang von rund 2 Km.
Und Fran Kettchen streckte die Arme aus und ver- I steigt man auf schmalem Pfad die südliche Kraterwand langte anzuhalten: der Frau da mußte sie die Hand reichen! I hinauf, so gelangt man zuerst an ein schlichtes Moltkedenk- Und wenn die auch eine vornehme Dame war, vornehmer )n(tl hann an mehrere Punkte, die einen überraschend schönen als alle hier ringsum, ein „Bdjnd" mußte sie der doch I Ausblick auf das tief unten liegende Maar gewähren. Nach noch sagen! einem nicht ganz 'mühelosen Aufstieg erreicht man den kahlen
Helene von Doleschal trat an die Brisichka. Gipfel des 561 Meter hohen Mäuseberges, auf dem sich
„Sie wollen auch fort?" fragte sie und musterte den I eiu M'lopisches, einfaches Denkmal aus Laväblöcken für den Karren mit allerlei Gepäcksel, der dem Korbwagen nachfuhr. I Gxiinder des Eifelvereins, Direktor Dromke, befindet. Der
„Ich hab' meine Sohn hier verloren," sagte Peter Denkstein dient zugleich als Schutzhütte. Hier oben traf ich Bräuer finster und runzelte die Stirn, „et is mich verletd't ' ■ - — • - • c!- aw-*a
hier. Gott sei Dank, dat ich los komm'!"
Und Frau Kettchen, mit einem mitleidigen Blick das schwarze Kleid der Dame streifend, sprach leise: „Wer hätt' hier nix verloren! Adjüs", Madam! Wir gehen fort, Sie bleiben hier — Gott tröst' Sie!"
Helene nahm die Hand- der Ansiedlersfrau und drückte sie: „Gott tröste auch Sie!" Da sah sie, die Frau war in Hoffnung. Und sie drückte noch einmal warm deren Hand und reichte dann auch dem Mann ihre Rechte: „Leben Sie
vorbeitrollte, hinter der die Schulkinder johlten — oder ob > In Tlükü VicbifiS Ijclttlfltlöllb.
Löb Scheffel handeln ging der geistliche Herr kannte I Bon Karl Neurath,
sie alle. Alle. I j
Und er sah den Auswanderern nach und den Einwan- .Eine Wandernn g durch die Eifel.)
derern entgegen. Dre holprigen Wege, über bte um Ostern I ' die Jugend bes Lanbes auszog, frembe Ernten zu beschicken, I . f
zogen fremde Schnitter ein, -die heimische Ernte zu schneiden. I „Hoch oben in den Welbergen siegt em See, dunkel,; Neue Ansiedler kamen. Und in Staub und Sonnengluk I tief, kreisrund-, unheimlich, wie ern Kraterschlund, und Dürre, so wie sie einstmals eingezogcn waren, zogen I Einst tobten unterirdische Gewalten da unten, ^euer die Bräuers wieder aus. unb Lavamasscn wurden emporgeschlenderff zetzt füllt eine
Ein Tag war's Ivie ehedem, und doch war's nicht so. glatte Flut das Becken, wre Tranen eine schale. Es geht Einer fehlte bei ihnen. Und- das war schlimmer, als daß bte I ^^"5ler in bobenlo,e Tiefe. vulkanische Höhen
em.™ u,,6arm»e.ilg »rannte m,d lein SchM-n mn ffÄÄ
^ege war. | gut zu armseliger Viehweibe. Mageres Strandgras!
weht, blasses Heibekvrn duckt sich unter Brombeergestrnpp- Kein Bogel singt, kein Schmetterling gaukelt. Einsain ist's,


