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Bei dem großen Rummel und Rausch schien es, alss sei das Haus nicht mehr ganz so vornehm wie Kölln. Aber als auch darüber gesprochen wurde, liefen die Getreuen!, Graf Regnier an der Spitze, umher und meinten, wenn es etwas bunt herginge, so trüge daran nur die unvec- gleichliche Liebenswürdigkeit der Gastgeber Schuld, die er in ihrer Artigkeit nicht fertig brächten, die AusdrtngltcheH äbzuweisen. 1 , w....
Ludwig überlegte, ob sie diesen oder jenen wirklich bitten sollten, der nicht ganz feinen Absichten entsprach. Es durfte nicht.zu viel Finanz da sein, der Zug des HauseS, die Richtung würde sonst verändert. Aber oa gab es Einflußreiche, die man nicht übersehen konnte, und dcnm kam immer der Gedanke, der soll nicht gekränkt werden und! jener nicht vor den Kopf gestoßen.
Der Klatsch hatte schon vorher in Berlin allerlei Phantastisches über das Fest verbreitet. In der Riesenstadt« in der es vielleicht noch reichere Leute gab als Ludwig Droesigl, war er nun einmal in den Geruch des prun- keudeu Milliardärs gekommen, obwohl man gestehen mußte, daß solche Gerüchte keinen Untergrund hatten. Waren diöi Jagden iit Kölln etwa protzig gewesen? War nicht jeder« der sie kennen gelernt, heimgekehrt mit dem Bewußtsein/ in einem vornehmen Privathanse, großen Stiles zwar, verkehrt zu haben, aber einem Hause, dem alles lieber- triebene fern lag?
Ludwig und Agathe wußten nichts von dem Gerede Mer sie trugen ein klein wenig selbst Schuld, als wäre seit dem Augenblick, wo er sich nicht mehr gefürchtet, seiner Frau sein letztes Ziel zu enthüllen, wo sie nicht mehr von der Sorge erfüllt wurde, er lebe ein Leben für sich, diesen beiden Menschen der Maßstab verloren gegangen. Und doch war es nur der Jubel über den neuen Besitz, das Glück über das Näherrücken des Zieles, das dieser Mann fein Leben lang verfolgte. Nicht aus Eitelkeit, sondern beinahe nach einem Naturgesetz, als müsse dieses Geschlecht der Droesigl, das vom dunklen Ehrenmanne über den König der Arbeit zum Mode- und Gesellschafts- menschen sich entwickelt, seinen Weg nrachen.
Nun, wo sie zusammen arbeiteten, fehlte gegenseitig der Hemmschuh, denn sie sah nur das eine vor sich: ihn vorwärts zu bringen, llnb immer zwingender trat der Gedanke an ihre Kinder hinzu. Sie erwähnte die Jungen in ihren Gesprächen. Sie dachte daran, mit wem sie Verkehren, mit wem spielen sollten, denn es war ivichtig, daß sie von Anfang an in das richtige Fahrwasser kamen. Und ihre blinde Mutterliebe entwars den Plan, Erich und Egon bei dem Fest erscheinen zu lassen, in dem dunklen Gefühl, ihre Jungen diesem und jenem vorzustellen, uw bereits Fäden anzuknüpfen für das kommende Leben.
Da war es aber Ludwig, der dagegen sprach: aus solche Veranstaltung gehörten die Jungen nicht.
Schon eine Woche vorher wurde geräumt, umgestellt/ dekoriert, daß Mich dieser tadellose Haushalt beinahe auf
Droesigl.
.(Roman von Georg Freiherrn von OmptedL (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
So mußte denn das Diner ohne das Herzogpaar stattfinden. Die Liste war noch vervollständigt worden. Minister Doktor von Kehl, mit dem Ludwig wegen der verschiedenen Stiftungen, die er'gemacht, in Verbindung stand, auch Staatssekretär von Gloeven wurden darauf gesetzt.
Graf Nogaier ließ in seinen Bekanntenkreisen fallen, es würde etwas Außergewöhnliches:
r— Es ist das Eröffuungsfest, von bem ich erzählte. Die bescheidenen Leute haben gewartet, damit es nicht nach frischenr Lack röche.
Eine Menge junger Offiziere, die in Kölln Jagd geritten, gaben ihre Karte ab. Täglich schwoll die Flut der Leute, die eingeladeü feilt wollten. Da gab es welche, die nur zu sehen wünschten, wie es bei Droesigls aussehe. Andere mochten nicht zurückstehen: „Die sind ja auch eingeladen!" Nun baten auch die befreundeten Damen, daß junge Mädchen teilnehmen sollten. Und immer mehr wandelte sich das Diner zum Völkerfeste. . Ludwig hatte feine Vorkehrungen getroffen. Er, der wirklichen Luxus erlebt, als er, vor Jahren in Amerika Zeuge gewesen, wie Milliardäre Feste machten, beschloß seinen Ehrgeiz darein zu setzen, daß es etwas Ganzes würde.
Die Sterne der europäischen Opern sollten an diesem Tage in dem Palais auf der Wilhelmstraße singen, aber jeder nur ein Lied.
Graf Roguier verbreitete schon Geheimnisse der Speisenfolge. Er erzählte, das' ganze Küchenpersonal würde eigens für den Abend aus Paris kommen. Leute machten Besuch, die Ludwig einmal in einer Gesellschaft, auf dem Rennen kennen gelernt und sich sonst weiter nicht um ihn gekümmert hatten. Menschen, mit denen man sich auf der Straße nur gegrüßt, blieben stehen, begannen cm Gespräch über das Wetter und fragten plötzlich:
— Ist es wahr, daß Jean de Rezko bei Ihnen stngen wird?
— Wahrscheinlich! , , .
i— Ach, ich wollte ihn so gerne Horen, aber als ich tn Paris war, befand er sich gerade auf einem Gastspiel tn Süd-Amerika.
Und sie legten es so nahe, eingeladen zu werden, daß anderes fast eine Unhöflichkeit bedeutet hätte. ■
Ein zweiter begehrte-die Düse einmal tn kleinem Kreise Au sehen. Ein dritter Caruso. Eine Dame iilleressiertq sich dafür, wie wohl bei ihren Jahren Sarah Bernhardt in der Nähe aus sehe; das war ihr wichtiger,, als tote jto spielte.
Allen Sehnsüchtigen konnte geholfen werden.


