Samstag den Zebruar

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IM-

Droesigl.

Roman von Georg Freiherrn von OmPtedä.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Die Herren sprachen nur von Herrn Droesigl. Als sie im Gänsemarsch durch das große Schweigen des Somnrer- Spatnachmittags schritten, klang es vorne, hinten, in der Mitte, gleichsam ein Zwiegespräch von Meinungen:

Tadelloser Kerl.

Wie kann man mrr Droesigl heißen.

Na, meine Herren, hieße er Herr von Droesigl, würden Sie nichts am Namen finden.

Er soll ja kolossale Lappen haben.

Die kleine Kölln ist gar nicht bunrnt gewesen.

O bitte, Lindenbachs sagen, es ivärc reine Neigung!

r Wo hat er denn wohl gedient?

Irgendwo am Rhein. Er ist ja Rheinländer.

- Kavallerie? . .

- Sicher, bei so viel Geld! tlnd er reitet großartig. Der alte Kölln hat gesagt:Der bringt jeden Verbrecher über den Kanal!"

Von ganz hinten ließ sich eine Stimme vernehmen:

Die Lappen können auch mal futsch sein. Er jent blödsinnig.^ {am (>r tol)^ Sltm alten Kölln?

Niemand vermochte es zii sagen. Vorn war ein Volk Rebhühner aufgegangen, das brachte sie auf Jagdanssichten, und hinten hatte einer etwas vonr Reichstag gesagt, da ging D-ie Politik los.

Ludwig saß noch immer auf der Terrasse. Der Graf hatte sich noch nie längere Zeit mit ihm allein unter­halten. Nun sand er seiner Mutter Behauptung bestätigt, wie allgemein unterrichtet Ludwig Droesigl sei. Aber Graf Liudeüöach, bei jahrelanger Kränklichkeit durch Leseir über­ein erhebliches Wissen verfügend, fand doch heraus, daß in Ludwig Droesigls Kenntnissen sich Lücken befanden. Und er unterhielt sich iin Stillen über die leise Eitelkeit, mit der der neue Schloßherr von Kölln, um sich keine Bloße zu geben, geschickt auf ein Thema überging, das ihnr besser lag.

Inzwischen kamen die Damen wieder zusammen. Agathe zeigte ihrem Mann die Uhr. Sie fand, es sei für einen ersten Besuch lange genug. Doch Ludwig meinte, ehe Die Herren vom Spaziergang zurück kämen, konnten )te un­möglich aufbrechen. , , ,,

Die Sonne stand schon tief, die alten Bannte verdeckten ihre Strahlen, so wurde die große Marquise aufgezogen, und würzig flutete die Luft ans dem Garten herauf.

Gräfin Lindenbach erzählte Agathe von Paijch, die bis zu ihrer Hochzeit mit der Prinzess in in der Welt umher- fuhr. Sie fand es nicht passend für' eine Braut, whne ihren

Bräutigam in Wiesbaden oder sonstwo zu tanzen. Und die Hochzeit würde doch nach der Eltern Regnier Wunsch gar erst im Novenrber 'stattfiirden r

Wir haben Pauline eingeladen, aber sie kommt nicht. Mit Baly herumflitzen, das paßt ihr. Wenn wenigstens Ernst dabet wäre. Aber der sitzt in Haddensen! Der lange Regnier ist ein braver Mensch, ich verstehe nur nicht, was er au Pauline findet. So ein Allerweltsding ! Wer allen Herren gefällt, den heiratet man nicht. Da ist ferne Schwester freilich anders. ,c v

Und sie suchte das Mädchen, wit dem Lstdwig sich ebe'u unterhielt, intt den Auaeir. ?Äs ihre Blicke zufällig sich trafen, spitzte die alte Dame den Mund, als schicke sie ihr int Scherz einen Kuß hinüber.

Die Somre schien bereits blutrot durch die Zweige, da hörte man Stimmen im Park. Ludwig verabschiedete sich bei den Damen. Jeder machte er irgend eine Redensart, die sie erfreute, ebenso hatte er für jeden Herren ein treffendes. Wort. . ,, , ..

Die alte Gräfin gab Droesigls das Geleit, ne sagw etwas vonzum Wend essen dableiben", aber Agathe prach von den drei Stunden Rückweg. Als nun des Grafen Tiefenau und der jungen Gräfin Rsguier große Gehalten in der Tür erschieiren, sagte Ludwig, und es klang nicht ganz so feinfühlend, wie bisher alles indenl er auf seine ungarischen Jucker wies: . .

Gnädigste Gräfin, mit denen fahren wir keme drei Stunden! ~

Der Wagen rollte davon. Sie kamen am Teich vorüber, dessen Ufer grün wären vor Schinutz lind mit unzähligen Entenspuren" wie mit Dreizacken bedeckt. ,

Die Leute vor den Häusern im Dorf grüßten. Es ging weiter und weiter. o

Agathe schwieg, noch unter dem Banne de» Abschiede» von der Tante. Der letzte rote Schein am Himmel war erloschen, es wurde grau über den Feldern, feine Nebel schwebten. Agathe fragte:

Ist das nicht schön? Der schwarze Wald gegen den Himmel? Und wie das Lupinenfeld immer noch leuchtet!

Ludwig schien zerstreut. Da schioieg sie, feinfühlig, und überließ ihn seinen Gedanken.

Er fragte plötzlich: rt£

Was ist Gräfin Tiefenau eigentlich für eine Ge­borene ?

Dann war er wieder still, bis er erzählte, er habe mit jenem dies, mit diesem jenes gesprochen. Alle seien sehr liebenswürdig qetvesen. Alle hatten ihm gefallen, als ob er in ihnen sich gefiele. Er sprach voir den einzelnen Gütern, er schien genau iinterrichtet, und wo er schwankte, mußte ihm Agathe helfen. Er rieb sich die Hände und meinte mit einem Mal laut vor sich hinr

Es wird schon werden!

Wie meinst du?