Ausgabe 
19.1.1910
 
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notdürftig verstopft; zum Wärmen mußte in dem unwohnlichen Raume das Feuer beständig unterhalten bleiben, so daß qual- mender Rauch verräterisch emporstieg. Lang« Stunden verbrachte der Oberkommandant der Tiroler im Gebet; von den Vorgängen in der Welt draußen erhielt er durch vertraute Freunde Kunde, die ihn besuchten. Noch immer trug er die kaiserliche Gnaden­kette um den Hals, deren Medaille er andächtig zu küssen pflegte. Noch immer glaubte er an eine Wendung zum Besseren und konnte sich nicht zur Flucht entschließen. Von unten Hermes kamen düstere Nachrichten in sein unwirtliches Versteck: inr armen Pas- seirertal hausten die Feinde, sein eigener Hof lag verödet und ver­wüstet, die Gläubiger drängten sich nm sein Hab und Gut. Um die Jahreswende kamen im tiefsten Schnee seine Frau mit dem Sohne Johann herauf, da sie sich unten vor den Nachforschungen der Franzosen nicht mehr sicher fühlten. Aber auch in Hofers hochgelegenem Versteck war die Sicherheit immer mehr gefährdet. Zwar hatte er überall aussprengen lassen, daß er nach Wien entkommen sei, aber die vielen Fußspuren, die zu seiner Hütte führten, und der aufsteigende Rauch konnten zufällig einen Ver­

räter anlocken. Und was man fürchtete, geschah. Eines Tages drang ein übel beleumundeter Mensch, Franz Rafft, bis zur Hütte vor; mit einem Geldgeschenk erkaufte Hofer von dem unheimlichen Gesellen das Gelöbnis des Stillschweigens, aber der hohe, auf den Sandwirt gesetzte Preis verlockte ihn doch zur Judas-Tat. Der Ortsaufseher Peter Jlmer, dem sich Raffl zuerst anvertraute, suchte ihn von seinem Vorhaben abzubringen oder tvenigstens dm Verrat aufzuschieben. Ein paar Wochen, vom 5. bis zum 26. Januar, zögerte Raffl noch, dann aber ver­langte er vom Richter in St. Leonhard die Verhaftung Hofers. Mit der Schnelligkeit des Windes verbreitete sich das Gerücht des Verrats im Tal. Noch am Abend des 27. Januars eilte ein Freund zu Hofers Hütte, um ihn zur Flucht zu treiben, die der Sandwirt auch für den nächsten Tag in Aussicht stellte. Aber es war zu spät. Noch in derselben Nacht wurde er ergriffen und mit Weib und Kind und seinem Toninger unter Mißhandlungen nach Meran geschleppt. Lustige Militärmusik begleitete den trau­rigen Einzug. Hochaufgerichtet schritt Hofer einher, in den Augen das alte Feuer, aber totenbleich, mit großen blutunterlaufenen Flecken im Gesicht und zerwühltem Bart. Oeffentlichc Plakate verkündeten den gelungenen Fang in allen Städteir. Schon am 29. Januar wurde er sch!ver gefesselt zur Aburteilung von Meran »rach Bozen gebracht.

Vernriscbtes.

K.-K. Maschinen und Lebeivesen. Es ist keine müßige Spielerei, die einen mit den anderen zu vergleichen, weil beide Energietransformatoren sind und den Zweck haben, die Energieuniwandlungen so zweckmäßig wie mög­lich durchzuführen. Meist tritt weder ein Organismus, noch eine Maschine vollkommen in die Erscheinung. Das Studium der Artentwicklung hat uns längst damit vertraut gemacht, daß die Vervollkommnung der Lebewesen sich in erster Liirie dadurch vollzieht, daß sie ihre Funktionen teilen und eine jede durch dazu besonders ausgebildete und besonders ge­eignete Werkzeuge oder Organe (Organ heißt Werkzeug.) ausüben lassen.Eigenschaften und Einrichtungen, die für die vorhandenen Bedingungen unzweckmäßig sind, treten allmählich zurück und verschwinden endlich, nachdem sie als rudimentäre Organe" ein zweckloses Dasein geführt hatten. Dies ist eine Art der Anpassung. Die andere Art der An­passung besteht darin, daß die verschiedenen Funktionen des Organismus.sich mehr und mechr auf verschiedene be­sondere Organe verteilen, von denen ein jedes die vor­liegende Arbeit besser, b." h. mit größerem Güteverhältnis, himschen der verbrauchten und erzeugten Energie, auszu­führen vermag, als der frühere, einfache Organismus. Wer jemals der glückliche Besitzer eines Universalapparates, z. B. eines Taschenmessers gewesen ist, mit dem man nicht nur schneiden, sondern auch sägen, bohren, hämmern, feilen usw. kann, weiß, daß alle diese Dinge mit einem Werkzeug nur sehr unvollkommen gehen, und daß man durchaus besser tut, sich die einzelnen Werkzeuge besonders zu kaufen." Man hat aber noch kaum daran gedacht, diese Betrachtrrngs- weise auch auf die Maschinen anzuwenden, obwohl doch ein Blick auf die Entwickelung irgend eines Apparates oder Verfahrens uns genau, die gleichen Eigentümlichkeiten er­kennen läßt.Und wir begreifen auch, baß die Aehnlichkeit vorhanden sein muß, denn wir wissen, daß es sich beide Male um die gleiche Aufgabe, nämlich die zweckmäßigste Energie­transformation handelt, die nicht auf einmal, sondern auf dem langsamen Wege allmählicher Annäherung gelöst wird. Ms z. B. der Gedanke entstanden war, einen Wagen oder ein Boot mittels einer Dampfmaschine zu treiben, setzte man einfach eine der bereits bekannten stehenden Dampf­

maschinen auf einen Wagen von üblicher Gestalt, bzw. in ein Boot upt) verband die gebräuchlichen Bewegungsorgane, Räder oder Ruder, so unverändert wie möglich mit der Maschine. So finden wir beispielsweise noch heute auf den amerikanischen Flüssen Dampfboote, deren Maschinen noch den alten Balanzier tragen, der zur Zeit der Erfindung ein allgemein vorhandenes Organ der Dampfmaschine war. Er ist sonst praktisch verschwunden, hat aber au dieser Stelle sich als rudimentäres Organ noch erhalten." Wie nun die Verbesserung der Maschinen sich wie der: Lebewesen schritt­weise zunächst durch Beseitigung des Entbehrlichen und dann durch Ausbildung von Sonderorganen für die einzelnen Funktionen sich vollzieht, das führt in ebenso lehrreicher wie geistvoller Weise näher ein Aufsatz von Prof. Dr. Wilh. Ostwald in Heft 1 derTechnischen Monatshefte" (heraus­gegeben von F. W. Kahl und Dr. A. Reitz, Stuttgart, Franckh'sche Verlagshandlimg) aus.

* Selbst hinvingelegt. Unteroffizier:Schackschwere- brett, iind Sie ein blöder Kerl! Haben Sie noch Geschwister?" Rekrut:Einen Bruder/" Unteroffizier:Ist der auch so blöd?"-"- Rekrut:Mch blöder." Unteroffizier:So? Was ist denn der?" Rekrut:Unteroffizier!"

Literatur.

Buch der Sprüche" von Oscar Blumenthal. (Cou- oordia Deutsche Verlags-Anstalt, G. m. b. H. in Berlin. W. 30.}' Oscar Blumenthal hat seine zahlreichen, scharf zngespitzteir, durch Witz und Jvrmlnmst ausgezeichneten Sprüche, die bisher mir verstreut und vereinzelt erschienen sind, in dem vorliegenden Band zu einer Gesamtausgabe vereinigt, jn der er seine literarische Lebens ernte auf dem Gebiet der Sprnchdichtung dem deutschen; Publikum übergibt. Das Geleitwort, das der Dichter seinem! Werk mitgibt, lautet: 1 >

Was mir gerannt hat die hastende Zeit,

Was ich auf flatternden Blättern verstreut, Was mir dem rauschenden Leben entquoll. Was mir geflüstert hat Freude und Groll, Was Spott und Kampflust aus mir gedichtet Hier ist es .gesammelt, ist gesichtet.

Und geht die Wahrheit nicht auf ohne Bruch Zn manchem gespitzten wortkargen Spruch, Was helfen da Klauseln und Verwahrungen? . . . Sprüche sind Endreime von Erfahrungen.

Daß der bekannte Witz des fruchtbaren Schriftstellers seinem lustigen Pegasus in Willen Künsten der hohen Schule vor führt, versteht sich von selbst und jeder Leser wird das Büchlein mit vergnügtem Behagen aus der Hand legen.

Von Leutchen, die ich lieb gewann. Ein! Skizzenbuch von Rudolf Presber. 25. Aufl. (Concordia! Deutsche Verlags-Anstalt, G. nt. b. H. Berlin W. 30.) Jn fest­lichem Gewände stellt sich eines der liebenswürdigsten und mun­tersten Werke ein, die in den letzten Jahren in Deutschland er- schienen sind. Rudolf Presbers famoses Buch:Von Leut­chen, die ich lieb gewann" hat die nicht vielen Büchern vey- gönnte Jubelfeier der 25. Auflage erreicht. Das Festgewand, das die Leutchen nun angelegt haben, wird sie noch besonders! willkommen im deutschen Hause machen. Den Band schmückt ein Bild des Verfassers und das Faksimile eines fröhlichen! Spruches, in dem sich so recht die Ueberzeuguug dieses lachenden! Philosophen spiegelt:

Freu Dich am' Licht, bis der Tag Dir erbleicht, Fröhlicher Weisheit Verkünder.

Heiliger ist das Weinen vielleicht Aber' das Lacken gesünder!

Gitter-Rütsel.

____In die Felder nebenstehend" r Figur sind die Buchstaben a a ----a a a a, b bbb, eeeeee, h h, i i i i, m m m m m, n n nnnnnnnn, r r, s s s s s

s derart einzutragen, daß die senkrechten und wagerechteu __I___Reihen gleichlautend folgendes ergeben:

1. Sagenhafte Königin.

' " I 2. Heidnische Priester.

----* 3. Ein Gemässer.

Auflösung tn nächster Nummerst

Auflösung des Rätsels in voriger Nuinmer: Ubier, Bier.

Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen NniversttätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.