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Volk und Parlament sind eins mit dem König in dem Bo- ßeben, Mer die peinlichen Vorkommnisse eines Lebens, das auch ne Verdienste hatte, die Trauerschleier zu breiten.

Die Dynastie hat die Popularität, die ihr verloren gegangen !var, tviedergefunden. Und es wird interessant sein, den Einfluß eines Hofes zu beobachten, an dem eheliche Liebe und patri­archalisches Leben heimisch sind; jedenfalls ist es eine neue Art

Regierung.

Keine Photographie gibt ein rechtes Bild von der Physiog- lwmie Albert I. Keinem Bildhauer oder Maler war es bisher gelungen, die Erscheinung des Prinzen Albert lebensecht fest­zuhalten. Dieser blonde, lebhafte Kopf mit den energischen Zügen, deni schüchternen Blick und dern fast kindlichen Lächeln ist von höfischer Versteinerung bewahrt geblieben. Albert I. macht den Eindruck eines ganz modernen jungen Ingenieurs, der nach absol- viertem theoretischen Examen int Begriff ist, in die Praxis des Berufes einzutreten. Die Lebhaftigkeit der Züge läßt die Einzel­heiten dieses ganz von Wie erhellten Gesichts nicht recht er­kennen. Ter König hat sich «ine ZeiÄang darin gefallen, tzaar- und Barttracht häufig zu ändern. Bald sah man ihn mit krausem, blonden Vollbart, bald nur mit einem feinen Schnurrbartä l'allemand", die Enden hochgebürstet. Das Laar trug er lang imb voll, dann wieder glatt in die Stirn gekämmt oder kurz geschoren.

Die neuen Münzen werden den König mit {(einem Schnurr­bärtchen, sonst glattrasiertem Gesicht zeigen, das Haar gescheitelt wenn es dem Monarchen innerhalb eines Monats nicht etwa belieben sollte, sein Aenßeres zu verändern.

Das Wesen des neuen Monarchen zeigt eine stille Energie, Siächlich in der Erwägung eines Planes, stetig in seiner Aus- rung. Die Herrschaften aus der Umgebung des alten Königs brauchten auf einen Beweis dieser Energie nicht lange zu warten; sie sind sofort sämtlich ihrer Äemter enthoben worden.

Das häusliche Leben des neuen Monarchen hat schon seine feststehenden Formen angenommen: Das Schloß in Lacken dient »er' königlichen Familie nur noch so lange zum Wohnsitz, bis das in völliger Restauration begriffene königliche Schloß in Brüssel fertig sein wird.Der Monarch muß seine Residenz in der Hauptstadt des Landes haben", so erklärte Albert I. Es fei das geboten ans Rücksicht für die Minister, die ihre Zeit nicht.mit den weitere Fahrten verlieren sollen; aus Rücksicht für das Parlament und das Volk, vor bent der König sich nicht verbergen soll.

Um 6 Uhr steht der König auf. Tie ersten Morgenstunden vergehen mit dem Lesen der Zeitungen, Empfang des dienst­tuenden Offiziers und des Privatsekretärs, mit dringenden Unter­schriften und der Feststellung des Tagesprogramms.

Um i,49 erscheint die Königin im Arbeitszimmer, und das erste Frühstück wird gemeinsam mit den jüngsten Kindern ein­genommen; denn der Kronprinz ist schon bei der Arbeit. Die Anordnung dieser Mahlzeit ist nach deutsckur Art: Kaffee, Milch, Schinken, Eier und kleine längliche Milchbrötchen, die die Brüsseler pistolets" nennen. t. . r

Diese Mahlzeit dauert eine halbe Stunde; sie ist die längste des Tages, weil sie die intimste! ist. Danach beginnen die Audienzent des Königs, indes die Königin den Vormittag ihren Kindern und den Wohltätigkeitsanstalten, di« unter ihreni wchutz stehen, oder Besuchen bei den Armen widmet. ,

Die Erscheinung der Königin erweckt den Einbruch von Klugheit, Anmut und Sftite. Der ganze Zauber dieses Gesichts liegt in seinem Lächeln. Wie selbstverständlich nnb mühelos hatte die Prinzessin Elisabeth die Belgier für sich gewonnen von dem Augenblick an, da sie nach geschlossenem Liebesbnnd im Jahre 1900 ihren Einzug in Brüssel hielt. Sie hat es verstanden, sich die Sympathien zu erhalten, nnb zahllos sind die Geschichtcheu, die man von Wer anmutvollen Güte erzählt.

Als Thronfolger machte der König Mit ferner Gemahlin hünfig nachmittags größere Ansflüge im Automobil, das der Prinz selbst lenkte uttb zwar mit höchster Fahrgeschwindigkeit. Jetzt haben diese Spazierfahrten aufgehört: der König widmet die Nachmittagssttmden seinen Staatsgeschäften. Die Hauptsorge des Familienoberhauptes ist es, vorerst die Erbschaftsangelegen­heiten Leopolds II. auf gütlichem Wege zu ordnen. Der .Herrscher hat aber auch wichtige Pläiie für die nächste Zukunft, bte ihn beschäftigen: Als Thronfolger versuchte er eine Umwandlung des Hafens von Ostende unb eine neue Hafenanlage in Pau zu schaffen; aber unübersteigliche Hindernisse stellten sich seinen Plänen entgegen. Der König hofft ihrer Herr zu werden. Sem Ziel ist, Belgien zu einer großen Seemacht, gestutzt auf eine be­deutende Handelsmarine, zu gestalten.

Tie industrielle Entwicklung des Landes hat keine Geheim­nisse für den König, der in seiner ersten Jugend die großen Fabrikanlagen und Werke Deutschlands besucht hat und die bel­gische Eisenindustrie aufs gründlichste kcmtt.

Der König ist ein absoliiter Anhänger des Friedens. Er ver­dammt alles, was trennend zwischen Klassen und Völker tritt, und sein Abscheu vor dem Blutvergießen ist so stark, daß selbst die Jagd ihm ein Greuel ist. Niemals hat er sich diesein Sport ge­widmet.

Als Prinz Albert hat er zwei große Studienreisen gemacht, die erste nach den Vereinigten Stauten, nm Einblicke in ameri­

kanische Industrie und Technik zu gewinnen/ eine zweite nach dem Kongo, von der er etwa 1000 Seiten genauer Aufzeichnungen heimgebracht hat Vorarbeiten für die Reformen, die nun in Angriff genommen werden sollen.

König Albert erklärt, daß er möglichst wenig reisen wird. Die Würde eines Souveräns erfordert, daß et versteht, bei sich zuhause zu bleiben", soll er geäußert haben. Er wird nur die erforderlichen Repräfentattonsreisen machen, wirb dem Hofe von England, auch Berlin und Frankreich einen Besuch abstatten.

Das sind, wie tvir aus gut unterrichteter Quelle erfahren, die Pläne des neuen Königs, der die Popularität der Monarchie in Belgien wieder erneuert und die Tradition da wieder aufnehmen! will, wo Leopold I. sie gelassen hat. Und das ist der neue! Hof, der die Schatten der Könige vom alten Regime nicht wenig in Erstaunen setzen würde.

Mein Hof", hat Albert I. geäußert,soll die Präsident­schaft einer wohlgeordneten Republik mit Tradition sein."

Die Gefangennahme Andreas hssers.

Im Laufe dieses Monats sind 100 Jahre verflossen, seit sich das tragische Geschick Tirols ganz erfüllte und mit der Ver­haftung des todesmutigen Führers der wackeren Bauern die letzte Hoffnung für die Freiheit des Landes dahinsank. Nachdem bereits die Blüte der Männer im vergeblichen Ringen gegen die Fran­zosen auf dem Schlachtfelde hingesunken waren, entfesselten di« Strafgerichte des siegreichen Feindes einen neuen Blutstrom, der manch tüchtigem, von Vaterlandsliebe erfüllten Leben ein Ende machte. Nordtirol, wo sich der Widerstand schon früher erschöpft hatte, blieb zwar von Hinrichtungen verschont, aber jenseits des Brenners ließen einige französische Generale das Kriegsrecht ist seiner ganzen Strenge Wttttm. So begannen int Dezember di« standrechtlichen Erschießungen als düstere Vorspiele der Haupt­tragödie, die im Januar Hofers Verhaftung und seine später« Hinrichtung heraufbeschworen. Ueberall erschienen die Häscher, warfen die Verdächtigen in die bald überfüllten Gefängnisse, und Mitte Dezember fielen die ersten Opfer auf der Bozener Tuch­bleiche. Vor seinem getreuen Hauptmann ward auch der Mahr­wirt Peter Mayr von dem am eifrigsten die Hetzjagd be­treibenden General Scveroli aufgespürt. Er hatte sich von der heimatlichen Scholle nicht trennen mögen, wurde, als er un­vorsichtig aus seinem Versteck herauskam, aufgegriffen tutb an den o b erst komm and i e r enbe n General Baraguay zur Wurteilung geschickt. Dieser wollte Milde walten lassen, wenn Mayr er­kläre, daß ihm bet entscheidende, zur Niederlegung der Waffen aufsordernde Befehl vvnt 12. November Nicht bekannt geworben fei. Doch der Wirt von der Mahr wollte nicht mit einer Notlüge weiterleben. Er wat, so sagt Josef Hirn in seinem Werk Über! die Erhebung Tirols,mit einem Schilde der Gewissenspflicht und Wahrheitstreue gepanzert, über dessen Reinheit er mit der stahl- harten Festigkeit eines aitfreien Ritteners, wie feine Ahnen, bte Mayrs am Kölhof, waten, gewacht hat. Mochte ihn sein wackerer Verteidiger vor Gericht, mochten ihn Freunde, selbst seine flehend« Gattin bestürmen, er blieb unbeugsam: die Kundmachnugen der Feinde habe er wohl gekannt, aber ihnen nicht geglaubt. Und so streckte! auch ihn eine Salve auf der Bozener Tuchbleiche dahin."

Am schlimmsten verfuhr General Broussier im Pustertal, der eine schauerliche Kette von Verfolgungen und Hinrichtungen; über die armen Bewohner verhängte. 25 Männer wurden gehängt und zur Abschreckung auf den int Dorfe errichteten Galgen tage­lang ausgestellt. Mit schweigendem Schauder trug das Volk das schwere Verhängnis. Während so überall im Land Tirol die Lagerfeuer der Franzosen leuchteten und in ihrem gespenstisch unruhigen Schein die düsteren Schatten der gerichteten Blut­zeugen sich erhoben, Wat von Hofer selbst jede Spur und Nach­richt verloren. Als die Franzosen bereits in seinem Heimatstale wimmelten und nur noch bet letzte Ausweg zur Flucht blieb, sandte berim Herz betrübteste Anbrs Hofer von Paffeier" noch einen verzweifelten Hilferuf an ben Erzherzog Johann. Seist Glauben an Kaiser unb Reich war noch nicht erschüttert. Rich- tiger beurteilten andere die hoffnungslose Sage, so HofersFinanz­minister", ber praktisch überlegte Holzknecht, der in einem Schrei­ben Hofer dringend riet, die Flucht zu ergreifen. Auch ander« besonnene Männer des Pasfeirertals wandten sich zusammen! mit einigen Geistlichen an ben Sandwirt, um ihn zur Ergebung zu bereben. Sie fanden ihn zusammen mit seinem getreu eit Töninger", bent jungen Studenten Kajetan Sweih, ber einst in ben Tagen des Erfolges sein Sekretär gewesen und nun auch in bet Not getreu bei ihm ausharrte. Hofer wies die Ab­gesandten der Heimat barsch ab. General Baraguay soll sogar damals noch Kaipuziner zu ihm gesandt haben, ton ihmParbon in Aussicht zu stellen, wenn er das Volk durch seinen gewaltiges Einfluß' beruhige. Als sich aber der Sandwirt zu nicksts ver­stand, verkündete Baraguay die Acht über ihn und setzte einen Preis von 1500 Gulden auf seine Ergreifung. Nun fand Hofer seinen bisherigen Aufenthalt nicht mehr geheuer; er schickte Frau unb Kinder in die hinterste Taleinsamkeit, er selbst flüchtete in die entlegene Höhenwildnis auf die Alphütte seines bisherigen Unterstandsgebers, des Pfandlerbatiern auf Brantach, die im Awalde lag. Nur Töninger begleitete ihn. Gegen die grimmige Kälte wurden die Luken zwischen ben roh gefügten Bäumen