Ausgabe 
19.1.1910
 
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M twoch den <9. Januar

1910 Nr. 10

1W fast

Droestgl.

Roman von Georg.Freiherrn von Ompteda.

(Nachdruck verboten.)

Patsch t das Wasser spritzte nach allen Seiten, als Has vorderste Pferd in den Kanal sprang.

Patsch, patsch, patsch nun folgten sie alle vom hohen Landnngsufer mit mächtigem Sprunge. Nur der alte Steep­lerEinigrant" blieb w-ie angenagelt stehen. Leutnant Graf von Regnier du Plessis drückte die Schenkel heran, aber der Hengst, Sieger in mancher Hindernisschlacht, setzte seine Mucken auf? die seinen Reitern gar viele Rennen aus der Hand gewunden, und war nicht vom Fleck zu bringen.

Die Stute der Gräfin Pauline Kölln war schon mit ein paar Sprüngen am jenseitigen Ufer hinauf. Nun blieb das junge Mädchen halten und erteilte förmlich Reitunterricht:

Luft in der Hand!

Im nächsten Augenblick machte der Hengst einen riesigen Satz mitten ins Wasser, ttitb rechts und links spritzte ein breiter Strahl zur Seite. Leutnant Graf Regnier folgte dem Jagdfelde, und der alte Emigrant holte in seinem raum­fördernden, gleichmäßigen Sprang die Herren und Damen eht, ehe sie auf den nächsten Sturzacker übergingen. Der Schwarzkittel wechselte eben aus einer Dickung heraus und wurde nun in Sicht gejagt von den vierzig Rotröcken hinter der Meute, die halsgebend mit frohem Geläut da­hinzog.

Graf Kölln, der Master, war groß, mich einem so trockenen Kopf itne ein Blutpferd. Der weiße Schnurrbart quoll aus den Nüstern, als ob zwei sibirische Eisfüchse in seiner Nase zu Bau gefahren seien und mir die Ruten rechts und links heraushingen. Sein fröhliches Gesicht war dunkelrot von frischer Luft, Rotspohu und Jagdfreude. Nur wenn leinet der Jäger, Eifer und Grobheit des alten Herrn nicht achtend, zu nah an die Hunde kam, schnauzte er ihn an:

Zurück, Herr Gottverdamnnch zurück!

Es ging in rasender Fahrt dem Schwarzkittel nach. Die weißen, gelb und braun gefleckten Hunde saßen ihm dicht auf beit Hacken, und wie das Feld so dahtnschoß, flogen, von den greifenden Hufen gefchleudert, die Erdbällen gleich Kartätschfeuer durch die Luft, daß ab und ziuprastelnd einer den Zylinderhut eines Reiters traf.

Ta hatte die Meute ihren Feind etngeholt Grunzend stellte er sich ihnen, duckte jich auf die Nachhand und teilte mit den weißglänzenden Gewehren rechts und links Hiebe aus. Ein junger Hund flog durch die Luft und blieb ein paar Meter entfernt winselnd liegen; aber fern Klagen ward übertönt von dem wütenden Gelallt der anoeren.

Immer feuerte der Huntsman seine Pflegebefoh­lenen an: £ .

Come ou! Mo! Faß, -Mhlord! Hierher, ^ane, hier her!

Dann sauste die Hetzpeitsche an dem kurzen Stiel Mit der langen Schnur durch die Luft und trieb den feigen Mylord heran. Ein alter Rüde saß dem Keiler im Nacken und biß sich fest in bett vor Wut gesträubten Borsten. ,

Graf Kölln war aus dem Sattel gesprungen. Seine Tochter ihm nach. Sie packte den Schwarzrock bei den .Hinter­läufen, um das grunzende Untier aushebend auf die Seite zu werfe». Bei der Anstrengung rutschte ihr Hut in idie Stirn, und ihr Kragen platzte auf.

Der alte Graf gab mit dem breiten Jagdmesser den Fang. Der Schwarzkittel sank langsam auf die Seite. Nun ließ der Master seine Kappe kreisen. Zwei Meter'hoch stand er da, int roten Rock mit fast noch röterem Gesicht, über dem das zur Bürste geschnittene Haar silbrig glänzte, und rief:

- Hallali! Hallali! Hallali! ,

Die Herren lüfteten bett Hut. Die Damen hoben die Gerten:

Hallali! Hallali! Hallali! .

lieber dem Kiefernwalds hatte sich der Himmel abend­lich gefärbt. Schmale, violette Wolkenstreifen lagen über der weiten Ebene, die sich endlos zu dehnen schien, Feld an Feld, Hutung an Hutung, hier und da nur von einer Re­mise unterbrochen. Graf Kölln sagte mit blitzenden Augen:

Meine Herren, dem Jüngsten fällt es nach altem Brauche zu, die Brüche zu holen

Es traf Graf Regnier. Er trabte zum Waldrande davon, um 16alb darauf mit einem ganzen Arm voll kleiner Eichen­zweige -zurückzukehren. Der Master nahm sie ihm ab, indem ein freundlicher Blick über die schlanke Gestalt des jungen Offiziers glitt. Während die Hunde mit der Peitsche in ge­hörigem Abstand vom erlegten Keiler gehalten wurden und der Huntsman dabei war, die rauchenden Eingeweide den vor Aufregung zitternden Hunden vorzuwerfen, brach G af Kölln einzelne Eichenzweige ab. Jeder, der beim Hallali gewesen, erhielt einen.

Die Gesellschaft ritt den Weg zurück bis an den Kanal, bann geteilt in zwei Kolonnen, rechts und links aus dem Sommerwege der Straße.

Ter Abend sank nieder. Es wurde merklich kühl. Unter rötlichem Schein zogen schmale, gelbe Streifen am Hori­zonte hin, bann versank alles in Violett, bald zu eintönigem1 Grau verblassend.

lieber dem Wasser stiegen Nebel auf, schwebten auf den Feldern, umspannten Gebüsch und Baum: bald lag die ganze Ebene in dichtem Dunst begraben. Die Reiter waren tote eine Geisterschar vom Nebel verschlungen. Man hörte nur noch bas Klappern der Hufe und ab und zu Pas Schnauben eines Pferdes. .

Die Meute folgte dicht hinter dem .Huntsman, der mit krummem Rücken ritt, den Kragen hochgeschlagen; muh- sie verschwanden im herbstlichen Tunstmeer.

Die Ebene lag trostlos einsam da, als fei nie ein Mensch ober ein Tier über diese Felder gebraust, und die Nacht