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Tiere als Wetterpropheten.

Die Prophezeiungsgabe der Tiere für gutes und schlechtes Wetter war bisher hauptsächlich aus der Beobachtung der Land­leute bekannt, die dafür in ihren Bauernregeln ein reiche» Ma­terial zusammen brachten. Die Wissenschaft, die durch flemme Versuche die Empfindlichkeit der Tiere sur barometrische Veran- sdernngen nachweist, wird manche dieser Angaben für hinfällig erklären, während sie anderen wieder ihre Berechtigung zugesteht. Doch hat bisher nur in seltenen Fällen eine Unter,uchung der Prophetengabe gewisser Tiere stattgefunden, und auch die oe- kanntesten Anzeichen für einen Witterungsnmschlag, die man in der Tierivelt zu finden meint, gehören noch tuet mehr dem oteich des Glaubens als dem des Wissens an. Daß die Schwalbe beim Hörannahen des Regens tiefer fliegt, weil sich dann, auch die Tiere, die ihre Nahrung bilden, nahe an der Erde Halten, klingt ja recht einleuchtend. Man lauscht auf das Krähen der Hahne, auf das besondere Piepen der Sperlinge, auf das Knirschen der Perlhühner, findet Anzeichen für schlechtes Wetter, wenn drei Katze sich hinter dem Ohr kraut, wenn die Amelsen die Aus­gänge ihrer Haufen verstopfen oder die Bienen tnt Stock bleiben. Aber vielleicht kommt eines Tages ein Gelehrter und weist nach, daß es mit der naturwissenschaftlichen Begründung solcher Vor­zeichen schlecht bestellt ist und daß sie ins Reich der Fabel

gehören.

So ist es wenigstens dem bisher angesehensten Wetterpropheten unter den Tieren, deut Laubfrosch, ergangen. Wre Henri Conpin in einem denT irren und der Wetterkunde gewidmeten Aussatz der Nature berichtet, hat der Professor an der Universität Czernowitz von L e n d e l f e l d das Ans- und Niedersteigen der Laubfrösche, aus dem man auf Veränderungen in der Witterung schließen wollte, genau beobachtet. Er setzte die kleinen grünen Tiere in einen großen Glaskasten, der eine Leiter mit 20 numerierten Stufen enthielt. Merkpunkte, d« an den Glaswänden angebracht waren, gestatteten, rasch die Stel­lung der Laubfrösche festzustellen, die sich nicht auf den Sprossen der Leiter besanden. Die zehn Laubfrösche wurden nun genau daraufhin beobachtet, auf welcher Leitersprosse sie sich befanden. Die Nummer der betreffenden Sprosse wurde mit der Zahl der auf ihr befindlichen Laubfrösche vervielfacht, dann die einzelnen Ergebnisse zusammengezählt, und so ergab sich schließlich die Kurve desLaubfroschbarometers". 48 Tage hindurch wurden diese Zahlen mit den Angaben des Barometers verglichen, und es ergab sich, daß sie 26 mal übereinstimmten, 22 mal durchaus voneinander verschieden waren. Nicht viel anders verhielten sich die Frösche dem Hygrometer gegenüber; die Kurven stimmten 22 mal überein und gingen 26 mal auseinander. Dadurch war also er­wiesen, daß der Laubfrosch weder für den Druck noch für die Wärme der Luft eine besondere Empfindlichkeit besitzt.

Der Ruf unseres grünen Wetterberaters ist also vernichtet; aber die Wissenschaft führt dafür einige andere Tiere ins Feld, die eine außerordentliche Empfindlichkeit für die atmosphärischen Veränderungen aufweisen. Mit zwei solchen Tieren, der Pro - zessionsraupe und dem Roßkäfer, hat der ausgezeich­nete französische Entomologe I. H. Fabre genaue Versuchs angestellt. Die Prozessionsraupe, die sich von den Nadeln der Fichten und Tannen nährt, verläßt ihre Schlupfwinkel nur des Nachts, um in der Umgegend ihre Wanderungen zu unternehmen. Fabre hat nun einwandsfrei festgestellt, daß sie schlechtes Wetter voraussieht. Er beobachtete deshalb Raupen, die er im Freien gelassen hatte, und zugleich andere, die in ein Gewächshaus ge­bracht worden waren. In einer Nacht blieben die Tiere ganz gegen ihre Gewohnheit ruhig und gingen nicht nach Nahrung aus. Die meteorologischen Karten gaben dafür die Erklärung, Es bestand ein gewaltiger Tiefdruck, der zehn Tage lang an- danerte; während dieser ganzen Zeit blieben die Fichten des Gartens von den Raupen verschont. Das Wetter war während dieser Zeit durchaus nicht immer schlecht; heftige Regenfälle und starke Windstöße wechselten mit sehr schönen Tagen und Nächten bei klarem Himmel. Aber die klugen Raupen ließen sich da­durch nicht irre machen, sie blieben auch zu Hause, als der Luft­druck geringer wurde. Anders verhielt es sich mit den Pro­zessionsraupen im Gewächshaus. Sie wanderten ruhig weiter umher, da sich dies tief in ihrer Umgebung nicht so bemerkbarf Mächte. Schließlich aber trat starker Frost ein und ein gewaltiger Sturm erhob sich. Nun krochen auch die Raupen des Gewächs­hauses nicht aus den Nestern, während die im Garten selbst­verständlich nicht sichtbar wurden. Die Tiere im Gewächshaus empfanden nichts von den Stürmen und der harten Kälte, die draußen herrschte. Trotzdem mußten sie den verstärkten Luft­druck empfinden. Alle Beobachtungen Fabres erwiesen, daß die Prozessionsraupen auf jede Veränderung des Luftdruckes mit großer Genauigkeit gegenwirkten, so daß er aus ihrem Verhalten Tiefdrücke Voraussagen konnte, die sonst noch gar nicht ange­kündigt waren.

Die gleiche Eigenschaft besitzen die R o ß k ä f e r , jene großen, schwerfälligen Mistkäfer, die im Kuh- und Pserdemist leben. Fabre setzte einige von ihnen in ein großes Vogelbauer, wo sie dieselben

Bedingungen wie im Freien hatten. Diese großen Insektes fliegen nach Sonnenuntergang aus, um sich Material zu suchen, das sie am Tage für ihre Zwecke verarbeiten. Aber sie wagest sich nur hervor, wenn die Atmosphäre ruhig und warm ist. Ist es kalt, weht ein Wind, so bleiben sie in ihrem Mist. An einieist schönen, warmen Abend bleiben aber die Roßkäfer plötzlich zst Hause. Woher kommt das? Sie wissen bereits den Regen vor­aus, der während der Nacht auch wirkliche einsetzt. Andererseits verlassen sie öfter© ihre Wohnstätten bei bedecktem Himmel, wenn Regen zu drohen scheint, und immer haben sie Recht: das Wetter wird dann schön. Das Unruhigwerden der Roßkäfer, ihr auf­geregtes Wesen läßt mit Sicherheit darauf schließen, daß ent schwerer Tiefdruck bevorsteht. Sie zeigen starke Regenfälle 'und, schwere Stürme lange vor den amtlichen Wetterberichten an. Auch für die elektrische Spannung der Atmosphäre muffen sie ein feines Gefühl haben, denn sie sagen Gewitter durch ihr ver­ändertes Wesen unfehlbar voraus. Die Gabe der Wettervorher­sage, die bei diesen beiden Tieren durch Fabre bewiesen ist, wird sich wohl auch noch bei anderen Insekten beobachten lassen.

In diesem Sinne schreibt uns auch ein Mitarbeiter ichev. die Kreuzspinne als Wetterprophet. Je kleiner die Maschen ihres Netzes sind, um so beständiger dürfte das schöne Wetter sein. Zieht sich die Kreuzspinne in den sackartigen Winket ihres Netzes den Zufluchtsort zurück, so kann man darauf rechnen, daß Regen und Wind bevorstehen. Kehrt sie von hier für kürzere Zeit zurück und beginnt eine oberflächliche Ausbesse rung der beschädigten Maschen, NM sich dann wieder mehr ins Innere zurückzuziehen, so bleibt das Wetter unbeständig. Bei bevorstehendem schönen Wetter und zu erwartender Beständig keit beginnt die Spinne mit unermüdlichem Fleiß, alle Schavem ihres Netzes gründliche auszubessern imb zerstört deshalb oft ganze Teile, in die doch keine rechte Ordnung kommen wurde.

Baifd.

Ein Flüßchen, das links in die Elbe rinnt, Verwandelt sich in etwas Böses geschwind, Sobald man die vordersten Zeichen vertauscht. Doch wird auch mein Flüßchen, das friedlich rauscht, Sobald nur das zweite Zeichen fällt aus, Zur prächtigsten Blume im herbstlichen Strauß. Wird aber das dritte Zeichen genommen, So seht ihr die andern mit Bangen kommen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Nach getaner Arbeit i st gut ruhen.

Vermischter.

* Eine Kirche für T a ub st u m m e. Die tausend Taub- stummen katholischen Glaubens, die in Newhork leben, werden bald im Besitz einer eigenen Kirche sein. Der Rev. Pater M. Me< Carthy, dör sein Leven der Sorge für das Seelenheil der Taub­stummen geweiht hat, fordert zum Bau einer solchen Kirche aust die noch innerhalb dieses Jahres vollendet sein wird. Dieses Gotteshaus wird das erste sein, in dem alle heiligen Handlungen/ mit Ausnahme der Messe, sowie die Predigt in Zeichensprache vor. sich gehen und denen, die in ewigem Schweigen leben musien/ alle Segnungen eines Gottesdienstes zuteil werden.

* Lüderlich oder liederlich. Noch immer gibt es Leute, die lüderlich schreiben anstatt des allein richtigen, auch von der neuen Rechtschreibung geforderten liederlich, das in seiner Herkunft freilich dunkel ist, mit tinbcr aber sicher nichts gemein hat. Auch seine älteste Bedeutung hat mit Luder keinen unteren Zusammenhang.

Alte Hunde lassen sich

Nicht beiidig machen liederlich ,

sagt Martin Heyneecius in seinem drolligen Lustspiel Hans Psriem (1582) und Fischart im Eulenspiegel:

Denn was so seltzam runet sich, Dasselb behelt man liederlich.

Was bedeutet das Wort hier anders als leicht, auf leichte Weise? Schon sehr bald aber - ein Jahrhundert nach Heyuecems und Fischart nahm es in seiner Weiterentwickelung die sittliche Färbung leichthin, leichtfertig an:Mit der Religion soll man nicht gar zit liederlich fein", meint Weise in seinem Erznarren, und in dem nämlichen Werke erblicken wir das Wort auch bereits im Uebergang zu seiner heutigen Bedeutmigübermäßig leichtsinnig, ja ausschweifend", Weiin daselbst (Kap. 6) ein lockerer Herrferne Kronen und Dukaten in vornehnten Kompagnien em damals im Sinne von Gefellfchaft fehr beliebtes Wort - liederlich verthau hat, fo hat er eben schon damals in unserem Sinne des Wortes gehandelt. Aehnlich hat auch der Ausdruck leicht von einer ursprünglichen Gewichtsbedeutung eine Färbung nach der sittlichen Seite hin erhalteii.

* Selbsttäuschung. Angejahrte Jungfrau (die beim Ball zum Tanz nicht aufgefordert wird): Seltsam, wie doch die jungen Herrn von Jahr zu Jahr schüchterner werdend

Redaktion: K. Neurath. Notationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steüidruckerei, R. Lange, Gießen,