Ausgabe 
18.8.1910
 
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!8ivcifel, wenn es sich auch nur Um eine Winkelapotheke handelte, da gewiß das Bedürfnis einer Apotheke schon vorlag. Ob dies nun die erst 1640 erwähnte Pelikan apotheke war, muß bezweifelt werden. Die Oßwald'sche Bemerkung in jenem Bericht rechnet vielleicht auch weder! mit deut 'Gründungsjahr 1607, noch Mit der Marburger Zeit, sondern erst mit 16 5 0, dem Jahre der Restauration der Universität.

Wir folgen den Nebel'sch en Mitteilungen.1643 stand Peter Stammler mit dem Apotheker Bernhard Sartorius odep Schuhmacher aus (unleserlich), wegen Verkaufs der Apotheke in Unterhandlung, welche sich zerschlug."1661 verkaufte Peter Stammler seine Medikamente und Gefäße an Joh. Gießwein." (Universitätsapotheke.) 1662 ist jedenfalls Köppel Besitzer der Pelikanapotheke; denn die Nebelschen Mitteilungen berichten:die beiden hiesigen Apotheker Meßwein und Köppel die Zusage er­hielten, daß in den nächsten acht, neun Jahren keine dritte ^Apo­theke hier errichtet werden sollte." 1668 ist der frühere Apotheken P. Stammler Gasthalterzur Krone".Da er aber/ pbwohl er Apotheke und Privilegium verkauft hatte, immep Noch dispensierte (wohl in der Gastwirtschaft), so wurden ihm von dem Dekan D. Gailand alle Arzneien und Gefäße weg- genommeii und aufs Rathaus gebracht und er wurde in eine Geldstrafe von 30 fl. verurteilt, die der medicinischen Fakultät zur Errichtung eines anatomischen Theaters geschenft wurden« Die vorgefundenen Medikamente wurden untersucht, die schäd­lichen in die Lahn geworfen, die guten zur Hälfte zum labo- xatorium chyrurch. genommen, zur Hälfte Stammlern zurück­gegeben,"

Um 1712 ist Franck Besitzer der Pelikanapotheke« Als der Universitätsapotheker Joach. Schnell wegen vorgerückten Alters die Universitätsapotheke nicht mehr allein versehen kann, bittet Franck in einer Vorstellung an den Landes­fürsten, ihm im Nebenamt dieAdjunctur" daselbst zu über­tragen. Er beschwert sich, daß Schnell, nachdem er seine Tochter an einenihm (Franck) vor einiger Zeit zu einem gesellen in seine Dienste angebothenen jungen Menschen" verheiratet,da­mit umgehet, durch Huld seiner anverwandten undt Patronen hey der Universität sich denselben adjungiren zu lassen".. Ihm gebühre nicht nur der Vorzug, weil er einLandeskind" sei, sondern, weil ihm auchverschiedene Jahr interceptionah Schreiben gnädigst ertheilet worden seien, daß er seine als die älteste priviligirte Apotheke ohne faute geführt habe". Er habe 7,allhier wegen seinen Kleinen Haußes viele Beschwerung er­tragen, der bemeldte Schnell sitze in einem freyen Hauß, der Scipio (Hirschapotheker) habe aber als Raths.Schöpf das seine auch frei bekommen, er allein stecke in der Last und habe nicht den geringsten Platz, etwas ohne gefahr und mit Vortheil labo­rieren zu können. Also ergehe seine Bitte ihm solche Adjunc­tur bey der hochl. Universität vor obben frembden gnä- digst angedehhen zu lassen." Die Universität, zum Bericht auf­gefordert, erklärt, wenn Schnell seine Apotheke eingehen ließe, sei sie nicht in der Lage, auf eigene Kosten eine Universitäts-, apotheke ein zu richt en und einen Verwalter dafür ju be­stellen. Es sei nicht angängig, daß Franck, da er eine eigene Apotheke habe, in der Schnell'schen einenA d j u n k t u m oder Provisors m abgebe". Daraushiu erfolgte am 26. Februar 1713 der Bescheid des Landesherren:» . .Nachdem uns geziemend peferiret worden, als bey Uns, der Apotheker Franck zu Gießen, umb ihnvoraNdern dem dasigett Universitäts-Apotheker Snel- len gnädigst zu adjungiren, unterthänigst nachgesucht , . , So haben wir das Ansuchen in Gnaden abgeschlagen,"

1746 erwarb Brau n die Pelikanapotheke von Franck. Brauns "einzige Tochter heiratete 1763 Dr. Nebel, der 1764 die Apo­theke übernahm. Von da an bis 1826 blieb die Apotheke im Besitze der Familie Nebel. 1792 werden, veranlaßt durch die Mißwirtschaft in der Rittershausenschen Universitätsapotheke, die Eigentümerin der Pelikanapotheke, F r a u P r o f. Dr. N e b e I Und der Besitzer der Hirschapotheke Dr. Wortmann vorstellig, die Universitätsapotheke einzuziehen und bftten um Zusicherung, daß auf diesen Fall keine 3. Apotheke mehr errichtet werde. Sie ersuchen, die Universitätsapotheke mit einer der ihrigen zu verschmelzen, zusurro g iren". Die medi­zinische Fakultät findet fein Bedenken, dem Gesuch derSupli- eanten" stattzugeben, weil 1.nach der Visitation der Universitätsapotheke die Güte und Menge dep Arzneyen abnimmt,.wenn kein Zulauf da ist, 2. finden sich in mehreren großen Städten möglich wenige Apotheken". Beim Einziehen der Rittershausenschen Apotheke sei vor allem auf die Witwe eines ehemaligen Professors Rücksicht zU nehmen. Darauf erging der Bescheid: Darmstadt, den 16. May 1792ex speciali ComMissione Serenissimi", -,daß "es eines Theils überhaupt nicht räthlich ist, in Ansehung 8 er Zahl der Apotheken zu Gießen etwas b e stimm- t es festzusetzen und Uns dadurch die Hände zu binden, Müderen Theils Unserer Universität nicht zu- z u m uthe n st ehet, wider ihren Willen die U n i v e r s i t ä t s'4 Apotheke einzuziehen oder ihr eine der beydeN Anderen bürgerlichen zu surrogiren. Wir rn solcher Hinsicht vorgedachtes Gesuch auf sich beruhen zu lassen. Uns be­wogen gefunden haben,"

Am 1. April 1827 kaufte Dr. Wilh. Mettenheimer die Pelikanapotheke. Am 1. Juli 1866 ging sie auf Dr. Adolf M e t t e n h e i m e r über, der sie am 1. April 1883 an The od or Lommel verkaufte. Von diesem übernahm sie am 1. ßtt. 1891 Walther Weiß aus Darmstadt. Vom 1. Januar 1895 bis 31. Dezember 1897 waren Besitzer Weiß und Dornberger Letzterer übernahm sie aM 1. Januar 1898 auf eigene Rechnung,

Die jüngste der beiden bürgerlichen Apotheken war die H i r s ch- apotheke am Markt, lieber diese Apotheke fehlen uns jegliche Urkunden; die wenigen privaten Aufzeichnungen ver­danken wir dem kürzlich verstorbenen Besitzer Dr. Caesar. Dis Hirschapotheke wurde 16 8 7 durch den Ratsschöffen Scipio errichtet, der ursprünglich Materialwarenhändler war. In einer Urkunde der Universitätsakten heißt es:Nach der Hand hat sich ein Scipio hier als Materialist etablirt, hat seinen Material Laden nach und nach in eine Apotheke verwandelt und so ist die 3. (jetzt Wortmann'sche Apotheke) hinzugekommen." Eines der schönsten Gießener Patrizierhäuser, das heute noch viel bewunderte! 5 stückige Haus am Markt, beherbergte über 200 Jahre die Hirsch­apotheke. In diesem Hause wurde vor 300 Jahren als Sohn des angesehenen Gießener Kaufmanns und Mitglieds des Kolle-' giums der zwölfRatsschöffen", der spätere hochangesehene Mar­burger Professor der Beredsamkeit, der Geschichte und der Theo­logie und nachmaliger Pastor bei St. Jacobi zn Hamburg: Joh. Balthasar Schupp geboren. Bezeichnend für den Geirn der in diesem Hause waltete, ist die noch gut erhaltene Jufchrist! am Eingang aus dem Jahre 1619:C h r i s t e d o m u m s e r v a natosq, ipsosq parentes. Ne noceant ignes nee mala linguä hominum. Da jpacem cunctis qui vivunt intus et extra. Nulla salus dello est,- pacis amata quies. (Christus, erhalte das Haus, di« Kinder und Eltern. Weder Feuer noch die bösen Zungen der Menschen mögen ihm schaden. Verleihe Frieden allen, die drmnenj und draußen leben. Kein Heil liegt im Krieg; nur die Ruhe des Friedens ist gern geschätzt.) Vielleicht ging durch Heirat das ehemalige Schuppsche Haus auf Scipio über, der, da er Rats- schöff war, auch angesehen gewesen sein muß. 89 Jahre war die Hirschapotheke im Besitz der Familie Scipio. 1776 ging sie auf Dr. Wortmann über, der sie 22 Jahre führte. 1798 erwarb sie Witte, in dessen Familie sie 69 Jahre blieb. 1867, ging die Apotheke auf H e m p e l über, der sie 16 Jahre inne hatte« 1883 übernahm sie Krause, von diesem 1895 Dr. Cae > ar«

1902 wurde die Hirschapotheke nach der Frankfurter StraßM

verlegt.

Als 4. Apotheke kam mit Errichtung der Kliniken im Jahre 1890 die Klinikapotheke noch hinzu, die hauptsächlich kli­nischen Zwecken dient.

Wie heute, so unterlagen auch ehedem die Apotheken dep Visitation" durch besondere Kommissäre. In vielen Städten wurden dieApothekenbeschanimgen" von R a t s h e r r e n unbi Aerz ten ausgeführt. Da die Aerzte damals meist wenig Arznei- mittelkenntnis besaßen, die weisen Väter der Stadt gar nichts von der Sache verstanden, so war das Urteil der Kommisiion Nicht immer objektiv. Anders in Gießen. Hier unternahm die Revision das collegium medicum", das aus Professoren bestand^ und die fürstliche Regierung. So spricht schon die Ver­ordnung Landgraf Ludwigs VI. vom 12. Oktober 1667 aus:Ein jeder Apotheker, er sei über unferer universitaet oder unserer Stad iurisdiction soll von seiner Obrigkeit in Eid und Pflichten ge­nommen werden, also und dergestalt, daß ihm fein schwehres Amt wohl eingebunden werde, wie auch, daß er unserem Decanoi Und professoribus der medizinischen FakultätA als hiermit von uns verordneten inspectorlbus! der Apotheken allen gebürlichen Gehorsam in sol­chen der Apotheken visitationes medi c arne nt o - rum, praeparationum und taxationum u. dergl. anlangend leiste." So gut auch die Verordnung gemeint war, so stand sie meist Nur auf dem Papier. Noch 1727 muß die M edizinalordnung" einschärfen, daß dieVisitation jährlich ein- oder zweimalunvorhergesehen" von der medizinischen Fakultät als auch von der fürstlichen Regierung! vorzunehmen sei. Trotzdem kam es vor, daß die Revisionlängere Zeit unterblieb, so daß 1767 der Dekan der medizinischen Fakultar rügen mußte, daßdie Visitation der sämtlichen hie­sigen Apotheken seit 30 Jahren nicht gesch ehen s e i wegen obwaltender Mißhelligkeiten". Die Mißhelligkeiteu! waren, daß die Universität bei der Revision der Universitats- apotheke die Anwesenheit des fürstlichen Beamten -sicht dulden wollte, weil sie ihre eigeneJurisdiction habe« Spätere Medizinalordnungen schafften tn dieser Beziehung Wandel«

Der heutige Apothekerstand steht auf einer anderen Stufe dep Bildung wie die Pharmazeuten des 17 .und 18. ^ahrhmwertsg Der Besuch einer Hochschule, der tut 19. Jahrhundert für dM Apotheker gesetzlich gefordert wurde, kam nur vereinzelt vor. ^ml allgemeinen war die Ausbildung des Apothekers bis zu Eiidej des 18. Jahrhunderts eine handwerksmäßige. Erst dieMedizinal­ordnungen" von 1820 an waren von modernem Geist durchs «und beseitigten vor allem auch die merkwürdige Einteilung erzte nach Klassen« e '