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Donnerstag den 18. August

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Das schlafende Heer.

Roman von Clara Vie big.

^Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Also nicht einmal mehr zu den Festtagen sollte der kleine Mann Fleisch essen?! In der Woche hatte man ja so wie so nie Fleisch im Topf. Da war der Lehrer in Pociecha-Dorf, der hatte, seitdem er krank gelegen und aus der Propstei gespeist worden waly keinen Braten Mehr gerochen. Und nötig hätte der's wahrlich, denn Doktor Wolinski hatte Schwindsucht festgestellt.

Und so waren viele wie Lehrer Ruda, die gerne Fleisch gegessen hätten und es nicht bezahlen konnten, denn zehn Pfennige mehr für das Pfund ist zuviel.

War es jemals früher hier so gewesen? Nein, niemals! Es gab noch Leute, die sich erinnern konnten, daß man das Rindfleisch um zweiGrosze" gekauft, ein ganzes Ferkel für einen halben polnischen Gulden, und eine gute Lege­henne noch zugekriegt hatte.

Ja dazumal, dazumal! Schäfer Dudek, der am liebsten vondazum'al" erzählte, deutete ernsthaft mit seinem Finger auf ihre Stirnen. Hatten sie denn ganz vergessen, daß dazumal" nichtheute" war?! Dazumal, ach, da war das Land noch gut polnisch gewesen, und wenn einer Hunger hatte, ging er zum' Nachbar und sprach:Du, gib mir zu essen!" Und wenn der Nachbar nichts hatte, so ging er mit denk zusammen Zum zweiten Nachbar, und wenn der auch nichts hatte, so ging Man zu dritt wieder zunr nächsten Nachbar, und so fort, bis Man endlich zu einem kam, der etwas hatte. Und der speiste sie dann alle, und sie blieben hei ihm, solange es reichte.

Ja, dazumal war noch Gastfreundschaft in Polen ge­wesen, und Liebe und Treue und Gutherzigkeit und Mild­tätigkeit! Wo waren die Zeiten hin?!

Traurig schüttelte der alte Schäfer den Kopf. Aber dann richtete er den verlorenen Blick seiner Augen auf den Urenkel, der am Boden spielte, und sein Blick wurde hoff­nungsvoll: Jasio, der Knabe, das kleine Hänschen da, der würde wieder leben in dem gelobten Lande, in dem Polen, wie es einst gewesen war, in dem großen Polen! Noch ag der Lhsa Gora, unterm Schnee, aber wenn der Schnee chmolz und das Wasser hinuntertroff in die Ebene, dann chmolz auch die Erde, die die Schläfer deckte, und herauf lieg das Heer aus dem Berg mit klirrenden Schwertern und blinkenden Sensen:Es lebe Polen!" Und die Niemcy flohen wie Hunde, wenn der Wolf heult.

Ich sage euch," sprach Schäfer Dudek,wenn die bösen Leute auch reden, daß Polen tot sei, es ist nicht wahr. Es liegt nicht im Grabe, es liegt nur und schläft, wie ein Kind in der Miege. Und es zählt im Traum die vielen langen Frühlinge, dje es schon geschlafen hat, es hört die Fichten rauschen an seinen Flüssen und dje Mehren in seinen Feldern,

es hört seine Kinder in den Spinnstüben klagen über die blassen Eindringlinge mit den blutigen Händen, und, es fühlt, daß sie sich sehnen. Und es erwacht und schüttelt sich: Die Stunde ist da!"

Werden wir dann das Fleisch billiger haben und immer Brot genug?" fragten die Weiber, die sich allabendlich, wenn das Licht angezündet war, beim alten Schäfer ein­fanden.

Ihr werdet alles genug haben, ihr werdet glück­lich sein," sprach der Alte.Betet, daß das Reich komme!" Und sie beteten alle eifrig und freuten sich schon., Es war vor Winteranfang gewesen, der Schäfer und die kleine Marynka hatten noch einmal ihre Herden geweidet, unfern des Berges, an dem entlang Telegraphendrähte sich spannen, als sie ein seltsames Surren gehört hatten. Ein Klingen war über ihnen gewesen, ein Wehen, wie von geisterhaften Tönen.

Was ist das?" hatte die kleine Marynka gefragt und die Kinderaugen aufgerissen in abergläubischer Neugier.,

Auch der Schäfer hatte nach oben gehorcht, aber sein halbtaubes Ohr hatte den Wind nicht erkannt, der in den Drähten sauste und harfte; sein sehnendes Auge sah nur die Kiefer oben auf dem Berge wie eine Flagge winkend wehen, und er kauerte sich nieder und legte das Ohr lauschend auf den Boden und winkte dem Kinde, das .Gleiche zu tun.

Also hatten sie lange geharrt.

Aber wenn fie auch damals nichts weiter vernommen hatten, das erste Zeichen war doch gegeben, des war Dudek ganz sicher. Und er nahm sich vor, in der Nacht des 24. Dezember, wenn der erste Schlag der Mitternacht anhebt und in der heiligen Stunde die Bäume grünen, wenn alle Tiere zu reden beginnen, alle Wesen, die sonst stumm sind, wieder zum Berge gehen. Dann würden die, die da unten schliefen, das zweite Zeichen geben.

Und als die geweihte Nacht kam, tat der taube Alte also und ging zum Berge und hörte, was er hören wollte, und alsbald lief ein Gerücht um in den Hütten und ging von Stube zu Stube, von Mund zu Mund:Der Dudek hat in der geweihten Nacht das schlafende Heer im Berge ge­hört, es hat ihm ein Zeichen gegeben das zweite Zeichen!"

Und man wurde immer gewisser: wenn Ostern heran­kam, dann gaben die Ritter im Berge das dritte Zeichen und standen auf wie ein Mann!

Noch jemand hatte gleich Schäfer Dudek in der heiligen Nacht die Zukunft ergründet. Das war seine Enkelin, die Michalina.

Michalina war noch immer bei den Bräuers.

Die Hausfrau war zwar gesünder und konnte wieder ihre Wirtschaft beschicken, aber sie hatten sich zu sehr an die Magd gewöhnt.

Und ivenn die eben zu Hause nichts mehr zu tun fand, lief sie hinüber zum neuen Krug und hals dem jungen Ehepaar. Dort war immer etwas zu schaffen.