Ausgabe 
18.7.1910
 
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BtlM Sein Erscheinen tief wieder schmerzliche Erinnerungen Ictn die verblichene Königin wach. Unter diesem Eindruck schreibt Marianne ihrer Mutter:Heute vor einem Jahr war ich auch so überaus unglücklich. Den gestrigen Tag haben wir in Mon­bijou gefeiert: es war das erste Mal, daß der arme König wieder in Gesellschaft ging. Bis jetzt wollte er niemand um sich sehen. Wie schmerzlich, ihn allein kommen zu sehen, ihn, der niemals Vhne sie kam. Ich habe Monbijou erst seit einigen Tagen wieder gesehen: dies hat auf mich auch einen sehr traurigen Eindruck gemacht. In dem Schlosse eine Leere, und ganz Berlin schien »nrr so öde, seit sie nicht mehr ist . . . ."

Den Besuch ihrer Brüder, die hohe militärische Stellungen tnt preußischen Heere bekleideten, meldet Marianne am 11. Dez. 1810 ihrer Mutter und beklagt dabei, daß die Königin nicht an der Freude des Wiedersehens teilnehmen kann . . . Mein Gott, wenn die Königin noch lebte, tote würde sie meine Freude teilen In jedem Augenblick des Tagesstehlt sie mir; ich werde sie immer vermissen in Freud' und Leidquand j'auras du Plaisir, ,et Maud j'aurai de la Peine!"6,,

Mara Viebig,

die unseren Lesern wohlbekannte Romandichterin, deren Werke zu dem Kernstamm unserer zeitgenössischen Literatur zählt, beging am 17. Juli ihren 50. Geburtstag. Verhältnis­mäßig spät kam Klara Viebig zur Literatur, denn ihre ersten Bücher erschienen erst im Jahre 1897. Aber was sie brachte, das war so neu und so seltsam, daß sie rasch Anerkennung und Förderung erfuhr und heute zu den beliebtesten und meistgelesensten Dichterinnen unserer Zeit zählt. Der klare und zielbewußte Naturalismus ihrer Darstellung, die scharf aus­geprägte Charakteristik ihrer Menschen, die bedeutsame bild­kräftige Schilderung der heimatlichen Erde und die geradezu männliche Kraft ihres Gestaltungsvermögens haben ihr eine außergewöhnliche Stellung in der Literatur verschafft. Die Eifel und die deutsche Ostmark sind der Schauplatz ihrer hervorragendsten Schöpfungen, und wenn sie auch auf dem Gebiete des städtischen Romans nicht vergeblich tätig gewesen ist, ihre bedeutsamsten Werke sind ihre Bauernromane. Wie die Nelda in den im vorigen Jahre in den Gießener F a m i l i e n b l ä t t e r n abgedrucktenRheinlandstöchtern" in die geliebte Eifel geht, um sich neue Kraft und neuen Lebensmut zu holen, so kehrt auch die Dichterin selbst immer wieder in ihre Heimat, die Eifel, zurück, mit der sie verbunden ist wie ein Kind mit der Mutter. So schuf sie den wert­vollen NovellenbandKinder der Eifel", der von vielen Literaten für ihr bedeutendstes Werk gehalten wird, so schuf sie das eigenartigeWeiberdorf", das bei seinem Er­scheinen außerordentliches Aufsehen erregte, und noch eine Reihe anderer Werke, von denen wir nur: Vom Müller- Hannes, Vor Tau und Tag, Naturgewalten, Das Kreuz im Venn, Die heilige Einfalt, nennen wollen, ohne damit ein Werturteil füllen zu wollen. Der großzügige, packende Roman aus der OstmarkDas schlafende Heer" erscheint gegenwärtig in den Gießener Familienblättern und er gibt wie kaum eine andere Dichtung der Verfasserin ein anschauliches Bild von Klara Vicbigs temperamentvoller, wuchtiger Darstellung. Von ihren übrigen Werken sind noch zu erwähnen: Die Rosenkranzjungfer, Einer MutterSohn, Die Wacht am Rhein^dsoIvo te, Dilettanten des Lebens, Das tägliche Brot und die Dramen: Barbara Holzer, Pharisäer, Der Kampf um den Mann und Das letzte Glück, das wir gelegentlich feiner Uraufführung in Frankfurt im vorigen Jahre eingehend besprochen haben.

sind es die Hunde, die Mr die anderen' Tiere! uBertreffert. Mckl Engländer Charles W. Peach hat eine merkwürdige Beobach­tung mttgetetltAls man mir eines Tages mein Bildnis brachte, saß mein alter Hund neben mir und sah mir zu, während ich das Bild aus dem großen Umschlag auspackte. Ich hatte nichts getan/ um dte Aufmerksamkeit des Hundes auf das Bild zu lenken: ganz von selbst begann er das Bild starr anzublicken, dann wurde er aufgeregt, begann zu heulen, versuchte das Bild zu lecken, kurz/ er zeigte eine Erregung, die uns alle in Erstaunen setzte. Wist wollten nicht glauben, daß er das Bild erkannt haben könnte,! aber bald erhielten wir einen eigenartigen Beweis. Das Bildnis war mr Salon aufgehängt. Die Tür war zufällig aufgeblieben/ der Hund benutzte die Gelegenheit, eilte in den Salon, suchch das Bild und versuchte nun zu ihm zu gelangen. Der Lärm fiel uns aus und wir eilten herbei: wir fanden das treue Tivrl stuf dem Stuhle sitzend, der unter dem Bilde stand. Von diesem! Stuhle aus versuchte er, cs mit den Pfoten und mit der Zunge zu erreichen." Eine ähnliche Beobachtung wird von einer Mit- arBetteritt BerNature" berichtet:Vor einigen Jahren ließ sich mein Mann malen. Da er dann nach Indien berufen wurde/ Ceß er sein Bild in London zurück, um es einrahmen zu lassen/ Die. Arbeiten zogen sich hinaus, ich bekam das Gemälde erst nach zwei Jahren. Während ich noch überlegte, wo das Bild wohl am besten aufgehängt würde, lehnte man es gegen das Sofa des Salons. Wir hatten damals einen prachtvollen Windhund, einen schwarzbraunen Gordoir Setter: sobald der Hund in den Salon gekommen war, sah er das Bild und erkannte sofort seinen Herrn. Er geriet in die größte Aufregung, wedelte mit dem Schwänze und stürzte auf die Gestalt zu, die er zärtlich zu lecken begann." Aber die Fähigkeit mancher Hunde, Bildnisse und malerische Dar­stellungen wiederzuerkennen, erstreckt sich nicht nur auf die Bilder semes Herrn: der Hund erkennt auch andere künstlerisch dargestellte! Gegenstände. Ein englischer Naturforscher hat intSpectator" klnen derartigen Fall von einem inteHigeitten Terrier berichtet/ der Eigentum eines Malers war. Der temperamentvolle kleine:

Hund war ein Feind aller Schafe iind hatle die Angewohnheit/ sofort auf rede Herde loszugehen, wobei dem Maler während seiner Studien im Freien mehr als einmal Unann.ehmlichkeitcir erwachen. Mit großer Mühe hatte man dem Terrier die Unfitte abgewöhnt: wenn der Maler aufs Land ging, pflegte er auch den Hund zu Hause zu lassen. Eines Tages malte der Künstler an einer Hammelherde, die.von zwei Hunden bewacht wurde. Die Vorst,ldic-il im Freien waren erledigt, das Bild war nahezu vollendet, die letzten Pinselstrichc wurden im Atelier vorgenommen. Irgend icmand rief den Maler ab: er lehnte das Gemälde an die Staffelei und ging hinaus. Als er zurückkehrte, fand er seinen Terrier mit steif aufgerichteten Ohren und blitzenden Augen iit höchster Erregung vor dem Gemälde. Der Maler war umsomehr überrascht, als die Schafe und Hammel auf dem Bilde nur 810 Zoll groß waren. Der Hund hatte die Tiere trotz der starken, Verkleinerung erkannt. Die Hunde auf Bent Bilde beachtete et! gar nicht, aber mit wachsender Aufregung starrte er auf die Herde. Jedesmal, wenn man ihm dies VW zeigte, geriet er in dre gleiche Erregung, ja, er sprang sogar auf den Tisch, um näher an die Leinwand heranzukommen, während er andere Gemälde uberyaupt nicht beachtete. Aehnliches beobachtete eine englische Dame, die zwei Hunde besaß und den einen der beiden von Chalou malen ließ. Als das Bild fertig war, besuchte sie den Künstler tn fernem Atelier, von ihrem anderen Hunde begleitet. Der Maler hatte das Bild zum Trocknen in den Garten gestellt/ man ging hinunter: der Hund schien sofort seinen Kameraden zu erkennen, er begann fröhlich zu bellen, eilte auf ihn zu und umsprang das Bild, .als wolle er seinen Spielgenossen begrüßen.

* Mit führend.Männchen, wirst du auch die Blumen immer regelmäßig begießen?."Sei außer Sorge ich weiß/ was Durst heißt!"

,T ®ns Haus gesessest.Ihr Freund Eduard sieht jck so blaß und mager aus."Ach, wissen Sie, dem armen Kerl ist es ganz miserabel ergangen; der ist heute seit zwölf Monatenj zum ersteiimal .wieder ausgegangen."Der arme Kerl! Was hatte er denn?"Ein Jahr Gefängnis!"

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* Frech. Schusterjunge:Haben Sie Neunaugen?" Ver- kaufer:Jawohl!" Schusterjunge:Na, denn muffen Sitz' lut.kieken können!". ,

Ver'misehtes.

* Hunde aX§ Kunstkenner. Eine Reihe außerordent­lich interessanter Beobachtungen über die Neugier und Intelligenz der Tiere hat Henri Coutzin in einem fesselnden Aufsatze zu- sammengestellt, der in der neuesten Nummer derRevue" ver- offentli.cht wird und einen Neuen Beitrag über die Beobachtungs- Nave der Hunde darstellt. Im allgemeinen bleiben die Tierej Bildern negenü6er gleichgültig, sie erkennen anscheinend weder die dargestellten Gegenstände noch die Personen, auch nicht in Fällen, >vo auffallende Aehnlichkeiteii mit ihnen teuren Wesen pprliegeii. Aber auch diese Regel hat ihre Ausnahme und zwar

Rätsei.

Ein tönendes Rohr mit berückendem Klang Erfreut uns schon manches Jahrtausend lang. Doch fügst du einz" meinem Worte noch ein, So sucht es der Bergmann beim Lantpenschein And fördert die Schätze aus finsterem Schacht; Licht, Kraft und Erwärmiing wird d'raus entfacht.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummert R e i ch ist, wer Freunde hat.

^daktiou: I V.: E. Heß. - Rotationsdruck und Verlag der VrÜhlffchen Üniversitäts-Vuch. und Steindn-Äerei, R. Lange, Gießen