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funb über den Eindruck, den derselbe hinterlassen hat, ist ein ivert- Poller Beitrag aus der schweren Zeit, hie das Königliche Hans getroffen hatte. Die Briefe der Prinzessin Marianne sind meist pt französischer Sprache abgefaßt und Werden am Nachstehenden in der Uebersetzüng wiedergegeben. Die Königin Luise schreibt nur an ihre Tante, die Landgräfin Non Hessen-Homburg, französisch, während sie sich sonst in ,ihren Briefen der deutschen Sprache bedient, obschon sie, wie bekannt, in ihrer Kindheit einen mangelhaften deutschen Unterricht genossen hatte.
Prinz Wilhelm von Preußen und seine Gemahlin Marianne waren durch innige Gattenlicbe und ausrichtige.gegenseitige Hoch-, achtung verbunden. So schreibt Marianne nach mehrjähriger Ehe 1810 an ihre Mutter nach.Homburg: „Wilhelm ist immer derselbe gegen mich, immer nachsichtig, immer.liebenswürdig und Niemals ein launischer .Mann. Ach, welches «Glück!"
Dem zärtlichen Ehepaare war das Glück hersagt worden, ein Kind herzen zu können. Prinzessin Marianne empfindet dies schwer; aber sie trägt ihr Geschick mit Ergebung, wenn sie nach Hause schreibt: „Ich bin überzeugt, baß, Wenn das Geschick uns einen Teil unseres Glückes nimmt, uns.Gott dadurch entschädigt aus eine andere Weist, durch ;ujnsere gegenseitige Herzlichkeit und Zuneigung. Aber ich fühle auch, daß dies alles sehr notwendig ist, um unser Herz und unseren Charakter zu bilden, wenn man Uns einen Teil von dem nimmt, was wir.für unser Glück nötig halten . - . . , man mich erst geläutert werden, ehe man genießen darf." . i
Fünfmal würde Mariannen das Glück, ein Kind lebend zur Welt zu bringen, versagt. An dem herben Geschick, das dadurch das prinzliche Paar traf, nahm die Königin Luise aufrichtigen Anteil. So schreibt sie Ms diesem Anlasse am 30. August 1809 an ihren Schwager Wilhelm nachstehenden herzlichen, teilnehmenden Brief:
„Lieber Wilhelm ! « 1
Es würde wohl schwer seyn, dir deutlich auszudrücken, welchen Eindruck dem König und mir die traurige Nachricht von der Entbindung deiner Frau gemacht hat. Dieß ist nun die 5te vereitelte Hoffnung, welches das zärtliche Mutterhertz beugt. Gott wolle sie stärken, um seine dunklen strengen Rathschlüsse zu tragen. Wir theilen recht innig deinen Kummer und deine Besorgnisse^ der König trägt mir es expreß auf, es dir zu sagen, und wenn du Gelegenheit findest, so sage es doch Marianne, wie aufrichtig wir alles Theilen, waß sie jetzt empfinden muß. Einige Zeilen Huff- länds (berühmter Arzt) sagen .... daß Marianne sehr an Leib und Seel geprüft seh. Dießes bestimmt mich nicht eher zu ihr zu kommen, als bis er mir es erlaubt und was ohne Nachteil! für die gute Marianne geschehen kann. Ich bin so innig traurig, daß ich es gar nicht sagen kann. Flehentlich bsittd ich dich zu! verhindern, daß Marianne in den ersten 3 Tagen mehr spreche, als unumgänglich notwendig ist. Auch wünsch' ich sehr, daß Huffland mir schrieb, wie eä Mariannen gehet, denn er wird sie heut uicht aus länger verlassen. Bin, lieber Wilhelm, deine treue Freundin und Schwägerin 2 u i f e."1
Die Königin Luise war gegen das «prinzliche Paar stets auf- merksam und zur Hilfe bereit, wenn es galt, Mariannen pder dem Prinzen Wilhelm einen Wunsch zu erfüllen. Als die königliche Familie zum Besuch nach Petersburg reiste, sprach Wilhelm den Wunsch aus, daran teilzunehmen, obwohl ihm die Mittel zur Reise fehlten. Die Königin, hilfsbereit wie immer, half ihrem Schwager über die Verlegenheit hinweg, indem sie ihm schreibt.'
„Lieber Wilhelm!
Ich weiß, daß der König in dem Augenblick schreibt wögen der Petersburger Reise, die er dir -erlaubt, wenn du die Kosten selbst tragen willst und kannst. Da ich Nun glaube, du könntest in Verlegenheit sehn, so osferire sich dir 3000 Taler dazu, die ich bar liegen habe. In «besseren Zeiten gibst du sie mir toicber. Ich würde sie dir geru .schenken, wäre ich Reich. So seh ich sie aber nicht als mein Eigenthum an, sondern als den! Hülfsbcdürftigen angehörig. Vielleicht erleichtert dir diese-Summe die Möglichkeit der Reise, da sie manches angenehme für dich haben wird nach der herben Pariser. «Zähle immer auf deine treue Schwägerin und Freundin, die dich innig liebt.
i 1 Luis e."
Das landgräfliche Haus zu Homburg und die Königin Lnise wären durch Freundschaft und gegenseitige Wertschätzung aufs engste verbunden. Luise nimmt an den «Homburger Vorgängen regen Anteil. Recht herzlich schreibt sie -an die Landgräfin, ihre Tante, von Charlottenburg aus am. 17. «Juli 1804:
„Meine liebe Tante! «
Ich habe Ihren allerliebsten Brief, der voll von Güte und Aufmerksamkeit ist, empfangen. Gestatten Sie, daß ich Ihnen schriftlich wiederhole, was ich Ihnen schon mündlich gesagt habe, wie überaus glücklich, ich stets sein werde, Ihnen durch Aufrnerk- samkeiten meine Freude zu zeigen, die «ich empfunden habe, daß Sie uns besuchten. Sie können uns-keinen besseren Beweis geben, daß Sie mit uns zufrieden waren, wenn Sie uns bald in Berlin wieder besuchen. Marianne befindet sich wohl; aber sie hat uns in eine große Aufregung -versetzt, da sie am 15. d. M. von einer Fehlgeburt genas. Doch ist -es ein wahres Glück, daß sie von dieser falschen Frucht (Mißgeburt) befreit ist. . . Ich bitte Sie, liebe Tante, durchaus nicht beunruhigt zu sein; denn
ihr Aussehen ist — ich sehe sie alle Tage —, wie ich Ihnen versichern kann, so, wie man es unter den Umständen nicht besser wünschen kann. Recht betrüblich war es -für mich, zu vernehmen- daß der Landgraf unwohl gewesen ist, und daß er an derselbe^ Krankheit gelitten, wie die Gräfin Voß im vergangenen Winter.« Wollen Sie mich ihm bestens empfehlen (ebenso auch meines Cousine Auguste) und ihm sagen, daß ich innigen Anteil genommen^ daß er krank gewesen sowie an allen Ihren Besorgnissen. Leben Sie wohl, meine liebe Tante, und fahren Sie fort, mir Ihre; Güte zu erweisen; empfangen Sie von mir die Versicherung! meiner unwandelbaren .Anhänglichkeit, Ihre sehr verbundene; Nichte und Freundin Luise." I
Regen Anteil nahm Marianne an dem schweren Schlag- der den König Friedrich Wilhelm traf, als seine Gattin während! des Besuches bei ihrem Vater in Mecklenburg an einer schweren Lungenentzündung erkrankte, der sie auch erlag. Bei der ersten! Nachricht, die Marianne in Ems, wo sie zur Kür weilte, erhielt- schreibt sie am 11. Juli 1810 nach Homburg: Denken Sich liebe Mntter, daß die arme Königin zu Strelitz erkrankt, ist an! einer Art Lungenentzündung, aber nicht gefährlich, wie miü meine Schwägerin von Hessen meldet. Sie ist wahrhaftig zst allen möglichen Krankheiten verurteilt , ."
Als dann der Tod cintrat, schreibt der König von - Char!" lottenburg am 21. Juli 1810 an seinen Bruder: An S e. K önig l. Hoheit den Prinzen Wilhelm von Preußen ü h e p Frankfurt nach Homburg: _
„Lieber Bruder, ich habe das grenzenlose unaussprechliche! Unglück gehabt, mein ganze sGlück zu «verlier en. Meine! Frau ist mir durch den Tod entrissen. Sie starb zu Hohenzieritz! den 19. nach einem 3 wöchentlichen Krankenlager, -das mir in! den letzten 3 Tagen Besorgnis erregte am «Brustkrampf nach gehabter Lungenentzündung. Ich bin ganz Trostlos. Mehr; zu schreiben, vermag ich nicht. Bedauere «mich, lieber Bruder,« sowie mir deine Frau auch thun wird, wenn ich mich empfehle.« Lebe wohl! « Friedrich Wilhelm.
Nachschrift. Diese Nacht bin ich von Hohenzieritz gch. kommen." « . \
Sehr interessant, weil bisher noch nicht im einzelnen be-. kannt, ist die Angabe der Ursache -des Todes der Königin Luist.- Auf einem den Homburger Briefen beigefügten Zettel fi.ndeh sich in deutscher Sprache nachstehender Bericht: «
„. . . . Da noch eines, Sie befehlen zu wissen, was man! für Ursache angibt zum Tode der Königin. Die Krankheit soll zwar leicht gewesen seyn; doch glaubt man, daß die Lunge zu! schwach war, daß sie wahrscheinlich in der Folge die Lungen-i sucht bekommen hätte. Die Ursache des Todes ist ein kleine« Polyp am Herzen gewesen, in der Krankheit erzeugt durch Stockungen des Blutes, veranlaßt von den häufigen Ohnmächten! — dieser hinderte die gehörige Funktion des Herzens und er-« stickte ie endlich —, dieser Polyp hätte nicht entstehen könnest-; wenn ie sich nicht früher das Blut zu sehr verdickt hätte durch die wenige Bewegung, die sie sich gab. . . Ihr Herz war übers Haupt unproportioniert klein, so daß sie wirklich bei vollem! Sinne des Wortes durchs Herz gestorben «ist, sie, die nur bariitt! lebte." . > .
lieber die schwere Lücke, die der, Tod der Königin ist der Königlichen Familie hinterlassen, berichtet Marianne am! 23. August 1810 von Berlin aus: „Vom 17. auf den 18., inst Abend, ging ich nach Sanssouci, um den König zu besuchen, der! dort war, wie gerade einen Monat früher, als er nach Höhest--, zieritz abrciste. Es war ein schrecklicher Augenblick; ich sah ihst allein in dem Zimmer, wo Friedrich II. starb. Sie können es gar nicht fassen, liebe Mutter, in welcher Stimmung ich mich befand; er war auch sehr bewegt, als er mich wiedersah. Wir sprachen lange zusammen, und er weinte-sehr viel, indem er vost ihr sprach und von seinen eigenen Empfindungen. Er sagte mir unter anderem: „Wenn so viele schwere Eindrücke auf einefnl einstürmen, und zuletzt noch dieser Schlag .einem trifft, so muß ja die Natur endlich unterliegen, und «ich denke, es wird ja bald mit mir aus sein." Dann sagte er mir so vieles, was seine! christliche Ergebung zeigte, die man an ihm bewundern muß. Ep zeigt sich wirklich in einer nicht «genug zu schätzenden Art und Weise in seinem tieferen Schmerz. — Zwei Tage später, gestern nnd vorgestern, war ich in Charlottenburg. «Der Prinz (le Prince- Wilhelm, Mariannens Gemahl) und seine Schwestern bringest dort jeden Abend zu. (Er (der Königs war auch zu mir gekommen.) Wir machten dort traurige Spaziergänge und «hatten als Ziel immer das Mausoleum, an dem man «arbeitet. Beim Thee war der ganze Hof und seine Kinder wie ehedem; sie allein fehlte —• und welche Leere sic! uns küßt —, a,ch^ dieses alles zst selM.s Ach! dieser arme König unter uns; er ist so gut, |o lauft; meß muß einem noch mehr rühren. Unaufhörlich ist er mit ihrem Andenken beschäftigt, und fast immer spricht er davon. . . .- Welchen Abend brachten wir zu in dem Zimmer, wo ich immer! so viel mit ihr war, und zuin erstenmal war man wieder barini versammelt. Kronprinz und Charlotte (die eben ankam), kamen mir trostlos entgegen, und so hörte man den ganzen Abend ist der tödlichsten Stille nichts wie Schluchzen und Weinen; ich bin ganz außer mir." > t r
Am 29. August 1810 erschien der König zuni ersten Male in der öffentlichen Gesellschaft bei.einer Feier int Schlösse Most-


