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Vermischtes.

* Das erste Modeblat t. Das Mpdeblatt, ohne das die' Damen von heute sich dieses Leden nicht zu denken vermögen, reicht nicht viel weiter als ein Jahrhundert hinauf. Das erste wurde im Jahre 1797 von Sellsgue int Verein mit Mine. Clement gegründet. Es hießJournal des' dames et des nwdes" und erschien alle fünf Tage. Weich von Anfang an ging das Matt so gut, das; Pierre Lamesangöre, Pwfessvr der Literatur Und Philosophie am, College de la Fleche, daran Interesse gewann, sich als Dritter beteiligte und die nötigen Kupferstiche stellte.. Das Titelblatt des Modeblattes stellte ein buntes Kleid dar, das ab und zu wechselte. Einmal im Monat erschienen zwei graste Beilagen mit Schnittmustern. Lamssangöre, der übrigens Äbaö und offenbar ein Mbs alten Stils war, war bei allen' Festen, Bällen oder hervorragenden Aufführungen zu sehen au allen Orten, top er die Ml-ode und ihren Wechsel beobachten, Lonilte. Er übernahm auch, als Sellöque, der Gründer, schon 1799 starb, die Redaktion und zwar mit dem Erfolg, daß er bald feilt Vermögen erworben hatte. Er soll es hauptsächlich in Doiletteitgegenstünden angelegt haben, und es wird erzählt, daß titait nach seinem Tode 100 Hüte, 1000 Paar Strümpfe, 2000 Paar feine Schuhe, 74 blaue Anzüge, 40 Schirme und 90 Tabaks­dosen von bester Arbeit gefunden habe. DasJournal des dames tet deS mvdes" blieb 28 Jahre ohne Konkurrenz. Seine Nach­folger wurdenle Petit courrier des dames",le sollet",la! Psyche",la mode".La mode" wurde von der Herzogin de Berry eigens für die höchsten Kreise gegründet und war äußerst kostspielig.

* Ein Angebinde für die Redaktion. In der Straßburger Post lesen wir folgende vergnügliche Schilderung eines vergnüglichen Begebnisses: Die weit über Straßburg hinaus bekannte Korchitorei Olivier hat dieser Tage ihren hundertsten Geburtstag zugleich mit dem Silberjubiläum ihres gegenwärtigen Leiters Eugen Höraucourt unter Teilnahme ihrer umfangreichen Kundschaft begangen. Unter den Glückwünschenden, die des Tages als eines eigenartigen Ereignisses in der Straßburger Orts­geschichte gedachten, befand sich auch die Straßburger Post, zwar nicht mit einem duftigen Rosensträuße oder sonstigem Angebinde, Wohl aber mit einer kleinen Lokalnotiz' in ihren Spalten, worin das Doppeljubiläum der angesehenen Firma den Lesern kurz mit- geteilt war. Dieses Gedenken war sicherlich nichts Ungewöhnliches. Jede Zeitung, die mit ihrer Heimat eng verwachsen ist, empfindet Freud und Leid der Bürgerschaft gleichsam als eigene Angelegen­heit und läßt den ewig wechselnden Ereignissen ihre Segenswünsche! und Trostworte, ihre Ratschläge und Ermahnungen folgen. Manch­mal freilich kommt es vor, daß sie mißverstanden wird ober irgend eines temperamentvollen Lesers Unmut erregt. Dann flattern jette kleinen, hinlänglich bekannten anonymen Aeußerungen christlicher Nächstenliebe in die Redaktion, die nach dem Bildnngsstande ihrer Verfasser entweder leinwandgrob oder zart ironisch ausfallen, -alle aber samt und sonders in dem unerschöpflichen Papierkoüb verschwinden. Umso größer und freudiger Ivar daher das Er­staunen der Redaktion, als letzten Samstag gegen Abend jalles befand sich schon in jener 'wundersam gehobenen Wocken- schlußstimmung und Vorsonntagfreude ein geheimnisvoller Bote bei ihr erschien und ein noch geheimnisvolleres, kreisrundes, lieblich duftendes Paket abgab. Herr Höraucourt, so hieß es, der Leiter der Firma Olivier, lasse den Herren Redakteuren für das Sreundliche Gedenken herzlichst danken und sende ihnen zum Zeichen einer Dankbarkeit einen süßen Gruß. Das war etwas Unge­wöhnliches, fast Verblüffendes! Der sorgsamen Redaktionssekre- tärin, die die Eingangspforten zum Allerheiligsten ängstlich be­hütet und alles Zweifelhafte möglichst schon draußen abschiebt, schlug doch etwas das Herz bei dieser seltsamen Sendung. Sollte das vielleicht ein Bestechungsversuch oder eine Höllenmaschine sein, vder wollte man gar eine Gabe einschmuggeln, um sie hinterher! Politisch auszuschlachten? Im Elsaß, wo das politische Lied eine ganz besondere Melodei hat, war so etwas schon möglich. Ihren bangen Zweifeln kamen die Herren Kollegen indessen eiligst zu Hilfe. Dieser Gabe, so kombinierte man, lag sicherlich nichts Arges zugrunde. Hier war einmal der seltene Fall, daß ein dankbarer Leser seine Dankbarkeit in eine besortdere Form kleidete «und den oft verkannten und viel gescholtenen Zeitungsmännern etwas ganz Apartes aus den Tisch legte. Die Chefredaktion und die Politische lächelten bei diesem Gedanken jenes allwissend« Auguren-Lächeln, das solchen Denkern von überlegener Urteils- kvaft so wohl ansteht, die Leiter des Lokalressorts als die geistigen -Urheber jener wohlwollenden Glückwunschnotiz nahmen wenn mich unausgesprochen und taktvoll wie immer das Verdienst tot dieser Sendung sogleich für sich in Anspruch, und das Feuilleton mtt seiner Schwäche für alles Aesthetische träumte von weißen Fvauenhänden und perlmutterschimmernden Mäusezähnchen zur Fwc-o-clock-Zeit bei Olivier. Was aber enthielt das Paket? Elltg wurde vieSchnur gelöst, eiligst die Hülle abgestreift und «ttn stand Has Wunderding zwischen Tintenfässern und Manuskrip­ten, zart tote Aphrodite und duftend wie Rosenwasser aus Schiras: eme wirkliche, köstlich gebackene, mit Anmut und Phtotkasie her- gertchtete Torte die erste Redaktions-Torte der Straßburger

Post. Hsraucvnrt hatte alle Künste spielen lassen. Daß es eine bodenständige, elsässische Torte war, zeigte von weitem schon der weiß-rote Guß über dem traumhaft lockern, von dunkelm Frucht­saft angenehm durchzogenen Gebäck. Leicht und zierlich in weißen Zuckerlinien lagen die bedeututtgsvollen Zahlen 1810, 1885 »ich 1910 darauf, der Glanzpunkt des Ganzett aber war eine zärtliche Blumengirlande aus bunten Früchten und grünen Blättern, aus denen silberne Aehren die zitternden Rispen erhoben. Ein Gedichtj toars, rhythmisch und inhaltschwer wie von Stefan George! Was weiter geschah, braucht nicht erzählt zu werden. Selten wohl waren die Glieder einer Red-itktion so einig in allen Punkten/ wie in dieser wahrhaft säßen Abendstunde. Selbst dem immer etwas grollendeit Metteur, der zum Schmause geladen war, glänzte! ein mildes Feuer männlicher Rührung int Äuge. Zum Schluß des unerwarteten Festes aber wurde der Redaktions-Pegasus von der Krippe geholt. Die Schreibmaschine klapperte, und zum Spender flog ein poetischer Gruß, wie der Augenblick ihn einge­geben hatte. (Sehr nett, aber vor Nachahmung tvird gewarnt! Die Schriftl.)

* Der Gipfel der Zerstreutheit. Der große Natur­forscher Ampere, dem jetzt ein großartiges Denkmal zu Püeymieux bei Lyon errichtet wird, steht selbst unter der Klasse derzer­streuten Professoren" unerreicht da. Die Geschichten, die von seiner Geistesabwesenheit erzählt werden, könnten einen starken Baud füllen. An einige erinnert wieder ein französisches Blatt. Saß Ampäre in einer Droschke, so hielt er die Hinterwand des Kutsch- bocks für die Tafel in seinem Hörsaal und begann schivierige Rech­nungen auf ihr auszuführen; schrieb er eine Rechnung au die Tafel, dann löschte er die Zahlen nut seinem seidenen Taschentuch aus und steckte den zur Benutzung daliegenden Wischlappen in seine Tasche. Den Gipfel der Zerstreutheit aber bedeutet wohl folgende Anekdote: Eines Abends wurde Ampere, als er aus einer wissenschaftlichen Sitzung kam, von einem furchtbaren Wolkenbruch überrascht. Glücklicherweise schützte ihn sein Regenschirm, eine un­geheure Gewittertulpe, die er stets bei sich führte, gegen das Nn- wetter. Als er zu Hause anlaugt, findet er in seinem Schlaf­zimmer ein behagliches Feuer und legt den triefenden Regenschirm sorgfältig ins Bett, sich selbst aber plaziert er aus der Schutzmatte vor dem Kamin, wo ihn seine alte Haushälterin nach einer Stunde in festem Schlummer vorfindet. Trotz dieser beständigen Geistes­abwesenheit besaß Ampere ein wunderbares Gedächtnis. Er konnte z. B. ohne den geringsten Fehler das berühmte Andachtsbuch des Thomas a Kempis,Die Nachfolge Christi", auswendig hersagen.

" Wenn m a n Taschendiebe verteidigt. Eine amüsante Szene ereignete sich jüngst im Gerichtsgebäude von Covington in Kentucky, die ganz Amerika viel Stoff zum Lachen gibt. Sechs Taschendiebe, die bei einem Wettrennen in Ausübung ihres Bernis verhaltet worden ivaren, engagierten sich einen Ver­teidiger nainens Stricklett, der sie jo ausgezeichnet verteidigte, daß sie mit ciitev ganz geringen Strafe davon kamen. Sie wurden verurteilt, jeder 20 Dollar zu zahlen, rmd mußten versprechen, die Stadt zu verlassett. Hoch erfreut umringten sie ihren tüchtigen Anwalt, der aus seinen Erfolg nicht wenig stolz war und sich die Glückwünsche seiner Klienten gern gefallen ließ.Wieviel sind wir Ihnen schuldig?" fragten sie alle und konnten sich dabei garnicht genug tun, ihm immer wieder mit überfließender Dankbarkeit die Hand zu schütteln. Stricklett forderte 50 Dollar, eine Summe, die die Klienten gar nicht hoch fanden, so daß sie äitßerten, das Doppelte wäre auch noch zu wenig. Als sie bezahlt und sich ver­abschiedet hatten, erschien dem Advokaten ihr Benehmen doch etivas auffällig. Es fiel ihm ein, daß die Taschendiebe häufig so an Menschen herandringen; ein furchtbarer Verdacht stieg ihm auf: er greift in seine Taschen ... sie sind leer. Die Taschendiebe hatten sich das Honorar, das sie mit so viel Bereitwilligkeit und Begeisterung bezahlt hatten, aus seinem eigenen Portemonnaie geholt. --------------

Zitatsmatse!.

Aus jedem der solgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt:

1. Wen Gott niederschlägt, der richtet sich selbst nicht aus.

2. Ich will Frieden haben mit meinem Volk.

3. Was du ererbt von deinen Vätern hast, Erwirb es, nm es zu besitzen.

4. Ein Kerl, den alle Menschen hassen, der muß ivas sein!

5. Krieg führt der Witz auf einig mit dem Schönen.

6. Nicht geboren werden ist das Schönste, Jung zu sterben das nächst Schöne.

7. O lieb', so lang du lieben kannst.

8. Ich bin der Geist, der stets »ernenn.

9. Wenn du eine Rose schaust, Sag', ich laß sie grüßen.

10. Als Adam grub und Eva spann, Wer war da wohl ein Edelmann? Auflösung in nächster Nummern

Auflösung des Ariihmogriphs in voriger Nummer: Mark Antut Uri -- Bunt Ukami Santa? Joris Orsk Kafo Amos Ifar;

M a u r u s I o k a i.

Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lange, Gießem