Samstag den <8. Juni
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Roman von Clara,B i e b i g.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
„Ah, Sie sind der von Doleschal?! So, tto dann" — Peter Bräuer streckte treuherzig die Hand hin — „dann is bat wat andres. Ich hab' als von Ihnen gehört. Un bat is Ihr' Frau?" Er grüßte mit einer ungelenken Verbeugung nach dem Wagen hin. „Ja, wi'sen Se, Herr von Doleschal, Se müssen mir bat nit übel nehmen, aber mer wirb ganz mißtrauisch. Sie haben einem bat doch all ganz anders vorgestellt — oder ob ich mir nur bat eso anders gedacht hab'!? Ich weiß et nit. Jedenfalls Hütt' ich, wenn ich früher gewicht Hütt', bat mer hier eso schlecht Arbeitskraft' kriegt — ich weiß nit, sind ihrer wirklich kein' ba ober wollen se nur nit — mir bat Haus vorn Bauamt baue lassen. Sie hatten mir bat angeboten, aber ich dacht', et kam' so billiger. Ja, un wenn ich bat all ganz genau gewußt hält', wär' ich gar nit hierhin gekommen, ba Hütt' ich doch ebenso gut nach Amerika auswandern können!"
„Das dürfen Sie nicht sagen!" Dowschal warf einen wohlgefälligen Blick auf den jungen Mann, der gut den Worten des Vaters beistimmend nickte. „Sie müssen doch Ihre Kinder, Ihren Sohn da, dem Vaterland erhalten!"
„Och, wat bat anbelangt, be kann in Amerika ebenso gut bentsch bleiben wie hier! Un hier muß mer sich ja plagen, genau so wie wo anders — ne, noch viel mehr!"
Es tat betn Mann augenscheinlich gut, sein Herz"zu entlasten. Da hätte ihm wohl bie Kommission fast alles, was zum Hausbauen gehörig, prompt unb nicht teuer zur Stelle geliefert: Malier-, Ziegel-, Firststeine, Feldsteine zum Fundament, und auch Bauholz. Auch hatte er für sich und seine Familie derweilen drüben in der Holzbaracke die erste Unterkunft gefunden. Wer nun würde 'der Bau doch doppelt so lange dauern als vorausgesehen, denn aus Miasteczko der Zimmermann mit seinen Gesellen war nur zwei Tage erschienen, dann nicht mehr; und der Maurer drüben aus dem Dorf, der sich, gegen hohen Taglohn, für bie ganze Zeit verpflichtet hatte, war nach einer halben Woche auch nicht mehr gekonnnen. Als ber Valentin hingegangen, ihn zur Rede zu stellen, hätten sie sich durchaus nicht verständigen können; ein wüstes Gezanke war's geworden. Aber wer konnte es^dem Jungen verdenken, daß er mit der Faust auf den Tisch geschlagen? War er denn nicht in seinem' guten Recht?! Doch das Gesindel war in lautes Hallo ausgebrochen, und die Frau hatte drohend nach dem Wasserkessel gegriffen, der auf dem Herd sprudelnd kochte. Und niemand, niemand anders war zur Hilfe aufzutreiben gewesen! Ganz allein waren sie sitzen geblieben mit aller Arbeit! Ein Glück noch, daß sie etwas davon verstanden aber freilich!, 's war nur eist Stall gewesen, den sie
dazumal allein gebaut hätten, und noch dazu tvar's zst Hanse gewesen, am Rhein!
Der Gutsverwalter auf dem Restgut, an den man sich doch mit allen Anliegen wenden sollte, hätte die Achseln gezuckt bei seinen Klagen: ja, warum mußte beim durchaus selber gebaut sein?! Mit den Leuten hierzulande müßte man eben in Frieden auskommen, er könnte da auch gar nichts bei machen!
Unwirsch fuhr sich ber Ansiedler durch die Haare:
„Et geht so langsam, viel zu langsam! Un bat Kettchen jammert in ber Barack — kein Ordnung, kein Reinlichkeit is mögelich! — un da sind gestern ihrer noch welche zu- gekommen — se sagen, se wären deutsch, be Mann spricht auch deutsch, aber die Weibsleut schnattern polackfch — un mii den Weibsmenschern soll nun mein Frau in einem Raum schlafen? ! Denken Se ens an!
„Un wie lang dauert et noch, un et is hier schon Herbst! Die Tag sind eso häiß, aber die Nächt sind als kühl. Bei uns zu Haus is bat ganz anders, da blühen Allerheiligen bie Rosen noch. Och, halt' ich bat gewußt! Ne, ich sag' schon — wie krieg' ich bat Haus trocken? !"
Eine tief-innere Angst lag unter diesen Worten, Doleschal fühlte sie heraus.
„Ich werde Ihnen meinen Stellmacher zu Hilfe schicken," sagte er. „Der Mann hat zwar noch kein Hans gebaut, aber er wird Ihnen doch jedenfalls von Nutzen sein. Und er ist deutsch!"
„Dat — bat wollten Sie tun?!" Ein Ausdruck freudigster Erleichterung erhellte des Ansiedlers bekümmertes Gesicht. „Den Stellmacher — Donnerschlag! Valentin, Jung, Hörste, wir kriegen Hilf'!"
Der Sohn hatte bie Mütze vom Kopf gerissen, sein ganzes hübsches Gesicht lachte. Unverfrorene Herzlichkeit lag in der Bewegung, mit der er nun rasch auf den Herrn zutrat; man sah's, er hätte dem gern die Hand geschüttelt, aber ber beim Militär unerzogene Drill hielt ihn zurück.
Er nahm die Hacken zusammen: „Besten Dank, Herb Baron!"
Wohlgefällig musterte Döleschall den stattlichen Menschen. „Garde, was?"
„Nein, Herr Baron, Dentzer Kürassier!"
„So, so. Ich bin Rittmeister bei den Garde-Kürassieren !"
Valentin schlug wieder die Hacken zusammen. Er murmelte etwas von „großer Ehre", unb eine helle Röte stieg ihm dabei ins Gesicht; man hörte seiner Stimme die Freude an. Eine Verbindung war plötzlich vorhanden, zwischen ihm unb jenem vornehmen Herrn ba.
Auch Doleschal sagte: „Wir müssen zusammenhalten hier!" Die Leute gefielen ihm, der Alte war recht ein knorriger Stamm, der dem Wetter trotzte, und der Junge, nun — unwillkürlich verglich er zwischen sich und dem krausköpfigen Burschen —. hgr war ja fast noch schlanker


