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vermischtes.
* Die Fahrt auf der deutschen Postschnecke ist für diele von uns, trotzdem sie Ludwig Börne in eurer witzigen Monographie verspottet hat, noch immer von eurem romantrMen Schimmer vergoldet. Man denkt an fröhliche Nersebilder Von Moritz von Schwind oder an den genrntvÄlerr Postillon von Nikolaus Leiran rrnd an den sangesfrohen schivager von Lon- junrean urrd beneidet die glücklichen Reisenden von .lnrro dazumal, wenn man, zur Fahrt gerüstet, einen rußigen Bahnhof imt all feinem Lärm und Trubel betritt. Und doch ist auch hrer die alte gute Zeit ein Märchen, und wenn sich ein Rersender von heute die Galoschen des Glücks, die reden Wunsch erfüllen, über die Füße streifte und sich plötzlich statt im Blitzzug im Ordurarrpost- wagen fände: er würde schelten und fluchen, wie es ferne Ahnherren getan haben. Bis weit ins achtzehnte Jahrhundert hinein hatteir, wie Dr. Alois Dreher in einem reich illustrierten Aufsatz des Juniheftes von „Westermanns Monatsheften erzählt, viele deutsche Postwagen kein Dach, und die Beiwagen entbehrten noch En» in die vierziger Jahre des verflossenen Säkulums reder schützenden Bedeckung. Ja, in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts besaßen die Postivagen nicht einmal Türen und dem bedauernswerten Fahrgast blieb nichts anderes übrrg, als auf einer Leiter den Kutschbock zu erklettern. Wre er von da in das Innere des Wagens voltigierte, kugelte »der purzelte, namentlich wenn er etwas wohlbeleibt war, inag sich die Phantasie des geneigten Lesers selbst ausmalen. Die Torturen der Fahrt wurden durch mancherlei 'Unfälle noch erheblich gesteigert. flnd ohne diese ging es nun einmal nicht ab. Der harmloieste Zwischenfall war eine „Entgleisung", wobei die Insassen des Wagens etwas unsanft auf die Erde befördert lvurden. Etwas bedenklicher wurdei die Sache, wenn mitten auf der Straße, fern von jeder menschlichen Siedlung, plötzlich ein Rad des Wagens brach. Dre Kenntnis der „Postordnung" des zu bereisenden Landes war für den Reisenden unerläßlich. Kaiser Josef I. hatte schon 1706 nelien einer „Postordnung" auch eine „Instruktion für die kaiserlichen Posten im Reich" erlassen, wonach den Posthaltern emgescharst wurde, -.wegkimdige Personen" und keineswegs „Buben oder liederliche Leute" als Postknechte einzustellen, ferner die bestimmte Zeit „wohl zu observieren" und die Reisenden nicht zu übervorteilen. Allein diese Vorschriften wurden entweder gar nicht oder nur lässig befolgt. Als sich Kotzebue 1805 auf seiner Reise von Livland nach Italien in Driesen (Bezirk Frankfurt a. O.) auf die Verordnung berief, wonach der Passagier der Extrapost an. den Orten, wo Pferdewechsel stattfand, höchstens eine Stunde Aufenthalt haben sollte, da entgegnete ihm der Postsekretär trocken, das Gesetz gelte nut dann, weml Pferde da seien. Wer sich über solchen Schlendrian beschwerte, der wurde grob angeschnauzt; so dünkte es dem Postpascha billig, und wie der Herr, so der Knecht. Wo der Posthalter ruppig war, da ,'igte sich der Postillon Noch um einige Grade ungeschliffener uns derber. Ist es zu verwundern, daß so ungehobelten Gesellen gegenüber der sonst so starke Geduldfaden mancher Passagiere riß, und daß sie den Postillon höchst eigenhändig durchprügelten? Wer konnte sich ttt seinem gerechten Zorn an die Postordnung des Kaisers halten, die „allen und jeden, so sich des Postreitens oder Fahrens be-, dienen", bei Strafe befiehlt, „sich aller andrer Drohung und Thätlichkeiteii, als Schlagen und Verwunden gegen den Post- beförderern und den Ihrigen gäntzlich zu enthalten". Ja, der „Schwager" war nur selten so treuherzig und bieder, wie ihn Lenau schildert, und die mondscheinumflossene Romantik verblaßt gar bald im grellen Lichte der Wirklichkeit.
* Wunder japanischer Gartenkunst. Die fast Märchenhaften Erfolge der japanischen Gartenbaukünstler haben von jeher die Bewunderung der Europäer erregt, aber nie ist es gelungen, die Mittel und Wege zu erfahren, durch die die Mustergärtner des Ostens ihre Wunder erreichten. Von Generation zu Generation haben sich die Kunstgriffe und Erfahrungeui der japanischen Gärtner vererbt, aber 'stets ist das Geheimnis gewahrt geblieben und der fremde Blumen- oder Pflanzenfreund! mußte sich darauf beschränken, zu bewundern, ohne zu begreifen. Was die Kunst der Gärtner Japans erreicht, davon erzählt eine englische Wochenschrift allerlei Bemerkenswertes. Die Japaner sind wahre Meister in dem Umsetzenvon großen Bäumen. Das Alter der Bäume und ihr Umfang scheint bei ihnen gar keine Rolle zu spielen; mit der gleichen Sicherheit, mit der junge Pflanzen umgesetzt werden, versetzen sie alte Waldriesm von einem Ort an den anderen, und daß dabei ein Baum eingeht, gehört zu den auffälligen Seltenheiten. Nach zwei, höchstens drei Jahren sorgsamer Behandlung Hal der Baumriese alle Folgen des „Umzuges" überwunden; allem Anschein nach liegt das Geheimnis dieser Erfolge in einer besonderen Art der Wurzel-, behandlung, aber über die Einzelheiten des Verfahrens hat ein Fremder nie Näheres herausbringen können. Verblüffend für den Europäer sind die erstaunlichen Vergrößerungen von Blumen und Blüten, die der japanische Gärtner leicht zu erreichen weiß. Die Pflaumen- und Kirschbäume werden in Japan nicht beti Früchte wegen gezogen: ihr Zweck und ihr Ziel ist die berauschende Uchte Herrlichkeit der Blüten. Durch eine besondere Behandlung
werden diese Obstblüten bis zu $>em Umfang von Rosen bet'* größer! Man hat Pflaumenblüten gesehen, die sogar viermal o groß wie unsere gewöhnlichen Heckenrosen waren. Aber bte Kunst des Gärtners erstreckt sich nicht nur auf die Blüte, Mich der ganze Baum wird durch künstliche Entwicklung zu Großen gebracht, die den Fremden immer wieder von neuem staunen Machen. Man hat Kirschen- und Pflaumenbäume gezüchtet, bte eine fo mächtig ausladende Astentwicklung zeigten, daß ihr Umfang 80 Meter und mehr maß; solch ein Kirschbaum wird zu eine« weiten Laubhütte, unter der das Laubdach durch Bambusstabs gestützt werden muß, um nicht durch die eigene Schwere zur Erde zurückzusinken. Aber noch höhere Wunder werden auf dem Gebiete der Verkleinerung hervorgebracht. Die Züchtung von Miniaturbäumen, von wahren Liliputwäldern, ist das-großte Geheimnis der japanischen Gärtnerkunst. In ihr verkörpert sich das Ergebnis Jahrhunderte langer, mühsam gesammelter Er- fahrungeii. Heute ist der japanische Gärtner imstande, völlig ausgewachsene, regelrechte Bäume zu züchten, die kaum einen Fuß hoch sind und feie an ihrem natürlichen Znstaiid zu nun-, bestens 15 oder 20 Meter «empor wachsen würden. In London wurde vor zwei Jahren ein winziger Kasten von nur o Zoll Länge und ein Zoll Breite versteigert, der eine vollkommen ausgewachsene Föhre, einen alten Bambus zünd einen tn voller Blüte stehenden Pflanmenbamn enthielt.. Ein ^anderer Miniatur-, kästen enthielt Bäume aller Arten, die tn Japan wachsen. Wie diese Erfolge erreicht werden, davon werden nur wenige allgemeine Grundsätze verraten, die Hauptsachen blechen geheim^ Gewöhnlich wird der ansgewählte Samen in einen winzigen Miniaturblnmentopf gepflanzt, der kaum einen Quadratzoil Erde enthält. Die Saat wird auf den Boden des Topfes gelegt. Wenn nach einiger Zeit die Wurzeln «sich entwickeln, so streben sie auf der Suche nach Nahrung notgedrungen aufwärts. So bald sie aber an der Oberfläche erscheinen, werden sie abgeschnitten, ge- wöhnlich mit dem Messer, bisweilen mit den FingernagAn, Gleichermaßen erfolgt die häufige Beschneidung der Ache. Die Pflanze steht unausgesetzt unter Aufsicht, der Grundsatz der Be- handlnng ist, ihr genau nur ,so viel Nahrung zu bieten, als sie gerade braucht, um ihr Leben «zu fristen. Mit der Zeit wird der kleine Baum umgepslanzt, erhält etwas mehr Erde und das wird so oft wiederholt, bis die Pflanze voll ausgewachsen ist. Bei sorgsamer Behandlung können solche Liliputbäume «Hunderte von Jahren leben; in der japanischen Ausstellung^ in London sind einige dieser winzigen Bäume zu «sehen, die 200 und 300 ^ahre alt sind. '
* Der Ueberprotz. „Heute ist 'mal ein schöner, warmer Tag, nicht wahr, Herr Huber?" — „Ja, ich habe eben zu Hauses alle siebenundzwanzig Fenster aufgemacht!"
Play.
„Play“! quiekt sie, und der rosige Mund Lächelt dabei ganz ohne Grund. Und aut das jenseitige „Play“-®eguieE Tönt prompt ein kranipihaites „Ready“ zuruck. So geht es fort die ganze Zeit, Der Ball war „out“ und jener „right Mit thirty, forty und mit tifteeu Hört maii sie stolz zu Felde zieh'u. Advantage, loss und game und set Tönt's dies- und jenseits um die Wett'. Nach Spielschluß tret’ ich auf sie zu: „Good bye, dear Miss, how do you do ?“ Sie schweigt und sieht mich wütend an — Warum? Weil sie nicht Englisch kann. Als ich das nächstemal dort sitze Und aufmerksam dem Spiel kiebitze, Entfährt mir plötzlich eine Frage, Die ich schon lang im Herzen trage, Warum um alles in der Welt
Man denn nicht d e n t s ch statt englisch zählt? — Drauf springt man fast mir iii’S Gesicht: „So ungebildet sind ivir nich11"
Aus Hermann Düngers „Engländerei in der deutschen Sprache". (2. Ausl. 1909. Verlag des Allg. Deutschen Sprachvereins. Berlins
Bersteck-Rätsel.
Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer".
Antwerpen — Biberpelz — Fehdehandschuh — Kohlenbergwerk — Eigenwille — Mußbach — Geburtstagskind — Schornsteinfeger — Dornröschen — Adlerauge — Bienenkorb.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummert Erbe — Rabe — Naab — Senfe — Tauafee — Barren — Arbemien — Renan — Demar — Ente — Ybb§;
E r n st Bardey.
Rrdaktron: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


