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27. April, abends.
Warum quälen sie mich? Warum lassen sie mich nicht Mein? Ich habe ja nicht gedacht, daß es so schwer sem würde, sich zusaurmenzuuehmen, über' gleichgültige Dinge W refceit, an Aeußerlichkeiteu zir denken! Und keine Zeit M haben sür den eigenen Schmerz! . .
Der eine Augenblick nur war schön, als rch mnne Gaste von der Bahn holte. Mir schossen die Manen in die Augen, als der Junge seine Arme um meinen Hals warf und mich drückte, als ob er mich nie wieder loslassen wollte.
„Gelt, nun bleibst Lei mir? Nun gehst net wieder
weg? Gelt?" ,
Ich hatte Mühe, das aufgeregte Kind zu beruhigen. Der Professor schüttelte mir die Hände, ganz ohne Verlegenheit. ., , ’, _.
„Nun machen Sie's nur gleich ab und sagen Sie s, wie bös Sie sind. Aber Sie haben es selbst schuld, warum! «erziehen Sie mir den Buben so, daß er von nichts träumt Ns von Ihnen und seinen Vater kaum mehr anschauts Eigentlich sollt ich Ihnen bös sein."
Als wir aus dem Wagen stiegen, blieb er am Gartentor stehen und sah mif das Haus, auf dessen Front und Giebel der Mond breite bläuliche Lichttafeln legte.
„Also hier! Meinen alten Peter Florenz freut es, daß ich mich bei ihm zu Gast geladen habe, das weiß ich. Ein Jahr früher, dann hätte ich ihn noch gefunden."
Ich antworte nicht; auf dem Punkt ist er mir un- verWndlich> . ,
Wir wurden auch von dem Jungen in Anspruch genommen, der mit aufgeregten dunklen Augen nach der ofsöuen hellen Haustür hinstrebte. Er hielt uns in Atem, Vis er glücklich in meinem alten Gitter'bettchen lag und Mein Gesicht stürmisch zum Gutenachtgruß zu sich hcr- unterzog.
„Bei dir ist's gut, Aga! Me rm Himmel!" —
Und dann der Abend> der lange Abend, der nicht aushören wollte. Mir gegenüber am Teetisch der Professor mit seiner Lebhaftigkeit und den herzensguten Augen. Diese Herzensgüte, die einen ahnungslos bis aufs Blut quält!
Tausend Dinge fragte er, auf die ich keine Antwort wußte. Fragte nach meinem Ergehen, meiner Zukunft, Meinen Lebensplänen.
Lebenspläne! Meine Pläne gehen über das Leben hinaus!
Nur von meinem Vater hat er kein Wort wieder gesagt.
Ich bin wie gehetzt nachher auf meine Stube gelaufen und habe den Riegel vorgeschoben. Nur alleii^eirU
Der Professor ist doch noch geblieben, weil Sevpl fie- pierte und sehr jämmerlich war. Die Reise und die Erregung waren dem schwachen kleinen Körper doch wohl zu Ml geworden.
Ein ängstlicher Täg. Der Professor und ich immer sn der Krankenstube, wo das Kind sich rastlos und heiß im Bett herumwarf: oder nebenan in unruhig geschäftigem Nichtstun, jeden Augenblick aus die weinerlich verdrießliche Mnderstimme horchend.
Gegen Abend wurde es besser. Der Professor wär eine Stunde lang durch die regennassen Wiesen gelaufen. Ich saß an Seppls Bett, als er wiederkamj die braune Joppe !mti> den Fils durchgefeuchtet, das Gesicht rotgeweht, Wassertropfen im Bart und beide Hände voll gelber Schlüssel- blumen, die er dem Jungen aus die Bettdecke streute.
„Da, Bub. Wenn ich einen Frosch mitgegrisfen hab, daun schrei nicht. Naß genug war's dazu."
Seppl griff mit den heißen Händen in die kühlen Blumen hinein, in seinem Gesicht war eine müde Zufriedenheit
„Dös is schön. Dapon machst mir ein Kränzel, gelt, Aga?"
Professor Bernhardis Lachen fuhr lvie ein frischer Windstoß in die halblaute Gedrücktheit der Krankenstube herein, „Verlorene Liebesmüh ! Ich kann machen, was ich will, er hat doch bloß Sie im Kops. Ich werd Sie noch verklagen müssen aus Kindesraub, verfeinerten!"
Ich könnte kaum hinhören, ich mußte nur die gelben Blumen anseheu. Die sah ich zuletzt int Park von Schloß Berg blühen, am Starnberger See. Es ist später Frühß Ling hier.
Jetzt ist es still im Haus, die Zenz sitzt 6ei Seppl im Lehnstuhl. Die Nächt gehört mir, 0
Ich habe seine Briese vor mir. Es ist ja nur ein Zufall, daß ich sie noch nicht verbrannt habe. Nun häb! ich mir wieder die Augen und das Herz: heiß gelesen au! dieser geliebten Schrift und sie geküßt, als ob sie etwas. Lebendiges wäre!
Es ist alles wieder so wach und wirklich geworden, bie ganze glückselige Torheit dieser Monate, wo wir Freund- schäften sagten und nichts als Liebe dachten!
Ist es denn möglich? Alles vorbei?
Georgs Bild hab^ich vor mich hingestellt. Ich besitze ja nur das eine, mit Tilla zusammen. Ich habe es mitten durchgefchnitten und die eine Hälfte in den Kamin geworfen. ,r
Wie einen Triumph hab ich es genossen, tote das schone Gesicht da auf dem Papier im roten Feuer sich krümmte,, verkohlte, verschwand.
Ich verstehe Georg nicht, das; er es erträgt, mit iW zu leben, sie täglich zu sehen, sie seine Frau zu nennen!
Es ist ja doch Lüge! Vor seinem innersten Gewissen! Lüge!
JMmer das alte Ende. Das armselige bißchen Glück der Erinnerung ertrinkt in der Flut von Bitterkeit und! dunklen Gedanken!
29. April.
Ich habe mich geschämt Yente morgen. Der Professor nahm mich an den Schultern und kehrte mich zum Licht! Herum.
„Sie haben sich, weiß Gott, ganz blaß gesorgt um den Seppl. Das war brav, aber jetzt Kops hoch, es geht heute wieder bergauf!" ' _ , t
Es war nicht um unfern 'Leppl, daß ich blaß bin, In dem Augenblick war ich's gewiß nicht mehr!
Wer ich bin doch alücklich, daß wir ihn Wer den Berg haben. Er sitzt im Bett, spielt mit meinen geleimten Holz^ tieren Und hält mich eigensinnig mit sehnigen kleinen Bubenhänden fest, wenn ich vom Bettrand fort will.
Und ich sehe in wunderlichen Gedanken aus diese mageren Finger, die ich um mein Handgelenk fühle, und die mich viel fester halten, als der Seppl selbst ahnt!
(Fortsetzung solgt.)
Der halleysche Komet
Von Dr. F. Markert.
Der Halleysche Komet hat seinen Namen nicht nach seinem' Entdecker, sondern nach dem englischen Astronomen Halley, der zuerst nm das Jahr 1700 Kometenbahnen berechnete und dabei fand, daß der große Komet Jahres 1682 eine elliptische Bahn! habe. Er sagte das Wiedererscheinen dieses Kometen für das Jahr 1758 oder 1759 voraus, und als das zutraf und die Richtigkest seiner Rechnung aus das glänzendste bestätigte nannte man diesen, Kometen ihm zu Ehren den Halleyschen.
Dieser Halleysche Komet ist, außer dem, daß er der zuerst bestimmt vorausgesagte periodische Konret ist, noch dadurch besonders ausgezeichnet, daß er unter ton zurzeit bekannten und mehrmals beobachteten periodischen Kometen der einzig großem d. h. mit bloßem Auge sichtbare ist, Er hat weiter die Eigene tümlichkeit, daß er Hs jetzt per einzige periodische Somit ist, der eine rückläusige Bewegung zeigt; d. h. er läuft in entgegen-, gesetzter Richtung wie die meisten übrigen Himmelskörper. Nut unter den nichtperiodischen Kometen gibt cs noch viele solches Der Januarkomet 1910 a z. B. war auch rückläufig.
Als man die Bahnform und die Umlausszeit des Halley'schen Kometen genau kennen gelernt hatte, war es auch möglich, seins früheren Erscheinungen sestzustellen. Es gelang, ihn mit ziemliche« Sicherheit bis zum Jahre 12 v. Ehr. zurück zu verfolgen, und sicher ist, daß er' i. I. 239 v. Ehr. schon von den Chinesen! beobachtet wurde. Er scheint fast stets eine auffallendeiNnd glänzende Erscheinung gewesen zu sein, wenn man das ans den Berichten in den Chroniken der betr. Fahre schließen darf. Es ist aber nicht zu vergessen, daß wir diese Aufzeichnungen wohl mehr noch dem! Glauben an seine unheilverkündende Kraft verdanken.
Es wäre von großem Interesse und vielfach auch recht unterhaltend, auf einige dieser Nachrichten näher einzugeheu und zN tozählen, wie der Halley'sche Komet i. I. 12 v. Chr. tont römischen Kaiser Augustus ton: Tod seines Feldherrn Agrippaj verkündete, wie er 66 n. Chr. zum Vorboten der Zerstörung Jerusalems wurde, wie ihm i. I. 451 der Tod des grausamen! HUnNeulönigs Attila zugeschrieben wurde, wie er i. «5. 837 unter König Ludwig dem Mutschen, der, sich außerordentlich vor ihm fürchtete, Anlaß gab' zur Gründung vieler Nüster und Kirchen, welche Rolle er im Türkenkriege 1456 spielte u. s. f-
Es wuchs mich Vas aber viel zu weit führen, deshalb wenden wir UNZ liefe* sMer neuesten, Mscheinung in diesem Jahre LM


