Ausgabe 
17.12.1910
 
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Hätte. . |

Bon schöngeistigen Werken sind dann noch die anmutigen Ge- j dichte von Gustav W a l d t zu nennen, die einen eigenen, ganz aus das bilMuntc gestellten Ton aufweisen (bei £> o hm a n n m Darm­stadt) und das im Stile Shaws ausgehende, häufig allzu geist­reichelnde Buch von Alwin Zorn Der s e n t i m e n t a l e A. o N I n a n, das sich vorzugsweise und nicht gerade sehr zart mit de» Liebe beschäftigt und auch auf Gießener Verhältnisse anfpiel^ In dieser Reihe sei auch meine in zweiter Auflage bei E. Roth in Gießen erschienene Gedichtsam m l n n g erwähnt, bte ander­wärts empfehlend besprochen wurde.

Eine Erzählung aus der Zeit des 30jährigen Krieges bietet uns Wilhelm Diehl, der bekannte Stadtpfarrer in Darmstadt (in seinem Roman D e r gefangene Pfarrer, der im Selbst­verlag des Verfassers erschienen ist. Dr. Diehl, als ausgezeichneter Kenner der hessischen Geschichte bekannt, bietet uns in diesem eigenartigen Buch eine lebendige Schilderung aus Deutschlands schwerster Zeit, die in einem der bedeutensten deutschen Romane 'unserer Zeit, von dem wir no chreden werden, in Willes:, Abendbnrg eine siegreiche Auferstehnng gefeiert hat. Diehls Buch würde einen weit tieferen Eindruck machen, wenn Willes be­deutende Schöpfung nicht zufällig in dieselbe Zeit fiele. Aber trotzdem ist auch Diehls Buch ein Werk, das man gern und Mit großem Genuß lesen wird, wenn man sich überall in das eigenartige Geschick des Magisters zu versenken vermag.

Auf streng wissenschaftlicher Grundlage und Unter Berück­sichtigung der neuesten Forschung beruhen die in f ü n f t e r A u f- l a g e bei Otto Spanier in Leipzig erschienenen Nordisch-Ger* m a n i s ch e Götter- und H e l d e n s a g e n für Schule und Volk vdn W. Wägner und I. Nover. Wenn Dr. Nover, der 'bekannte Verfasser verschiedener volkstümlicher Werke in deck Vorrede tzu der jüngsten Auslage auf das Wisverhä tnis zwischen! germanischer und antiker Mythologie hinweist, wie sie in unserem fettigen Schulbctriebe leider no chherrscht, so kann man dem von reinem Stoff mit Recht begeisterten Verfasser nur beipflichten und seinent Werke weiteste Verbreitung wünschen. Dabei soll ganz von dem gewaltigen moralischen Unterschied zwischen den bciben Götterwelten abgesehen werden, auf den ja schon oft hingewiesen wurde, sonder» lediglich, die unbedingte Pflicht zur Beschäftigung Mit unserer eigenen Vorzeit betont werden, die uns doch wahrhastig Näher steht als die Mythologie der alten Hellenen. Namentlich unsere Jugend sollte damit bekannt gemacht werden, und dazu eignet sich das vorliegende Werk ganz besonders.

Ein sehr schönes, nnser Hessen besonders nahe angehendes! Werk sind die flott und weitblickend geschriebenen Studien über Männer und Frauen aus den Wertherzeit, Die Empfind- kamen in Darmstadt von Valerian Tornlus, das tn schöner und vornehmer Ausstattung bei Klinkhardt und Biennann! in Leipzig erschienen ist. Der Verfasser führt uns in anmutigem Plauberton in das kleine, kaum 9000 Einwohner zahlende Darm­stadt, in dem Karolinc, - die große Landgräfin, wie Goethe jie genannt hat einen Kr».», ......- ,->---------,

verfammelt hatte, die die kleine hessisch- giesidcnz eine Zett lang Dmr geistigen Mittelpunkt Deutschlands gemacht hakten, bis Weimar

Gleich wie dies stellt auch Georg W e h r s Samnilung dcutschev Volkslieder die unter dem Titel: Aus Volkes Herz und Mund, bei R. Voigtländer in Leipzig bereits in zweiter Auf­lage erschienen ist, einen Uebcrgaug zwischen poetischer und! wissenschaftlicher Arbeit dar. Der Verfasser hat sich bemüht, die schönsten deutschen Volkslieder in einer Gestalt wiederzugeben, die auch dem unvorbereiteten Leser angenehm und erfreuliche sein soll, pnd soweit ich diese Bestrebungen nachgeprüft habe, scheinen sie Wir ausnahmslos gelungen, da der Verfasser ausdrücklich auf eine wissenschaftlich korrekte Schreibung verzichtet und die ihni am besten scheinende Lesart ausgewählt hat.

Neue Kinderbücher, die zum Teil aus einem intet* nationalen Preisausschreiben nm moderne Bilderbücher hervor* aeaanaen sind, bringt die El. A t t e n k o s e r s ch e Berlagsbuch* Handlung in Straubing noch rechkseiti.g vor Weihnachten herauch Goldene Fädchen, ein Buck) -für Mutter und Kind, nut Reimen von G. P S. Cabanis und Bildern von Klara Hensel. Die auch auf die Tauer fesselnden und klE Reime sind hier ztt einem kleinen vornehmen Kunstwerk verbunden. Fück größere Kinder, aber auch für Erwachsene bechmmt, stnd dte S ü d* deutschen Städtemarchen von H. Dreßler, nut Bilderst und.Buchschmuck von W. Ehringhausen Der Autor: fuhrt uns hmt^ die alten Wälle von Regensburg und durch die nächtlichen Straßes von Nürnberg. Das schöne Lnrdait und dte trutztge Feste kllmj nmspinnt er mit dein Schleier feiner reichen Marchmphantafle^ Er lockt uns in die einsame Höhe des Munstertttrmes zu Straß* bürg und läßt uns den Mondscheinzauber einer Sommernacht tw Freiburg rmd im Schivarzwalde erleben. Das vielbesuchte .Kassau, die alte Kausmannstabt Augsburg, Würzburg mseuien lreb^cheu Weingeländen und das romantische Altmuhltal beleben sich nuteck seiner Feder mit bunten Gestalten. Fesstlnd stud auch bte Neuen Märchen von A. E. Forschuerttfch, nttt Bildern öoix crseuh Streie. Zum Unterschied von der en*

beit alten Märchen ein neues Mäntelchen nmzuhäitgen, bietet dteseA <Buch tatsächlich neue Märchen, bte man ihrer besonderen Art

I wegen am besten die Märchen eines Glücklichen v«y"en koimte. Ein sehr lustiges Buch ist B ruber tot r an btng , i, 9 t einte! von Joseph Ftimian, mit Bilder von Lothar Meggendnset. Daß Buch, fltr jedes Alter passend, behandelt den Werdegang etnelj Jungen vom ersten Schuljahr an, den Sohn eines Handwerks-- Meisters, der wieder Meister werden soll. Er fuhrt den losest Bogel in wechselreichem, bald fröhlichem, bald weniger begehens* werten Handwerksburschenleben, das leichte Herz hott Unteinch^ I mungsgeist uub Abenteurerluit, hinaus inbie wette Wett, ^e größt I genug ist, seinen Jugendstreichen wetten Spielraum zu gewähren I Ein prächtiges Buch für Knaben ist Der dentsche C ol bat I mit Waffe und Werkzeug, em Armee-Btlderbuch, von I Karl Standinger, K. B. Generalmaior z. D, mit Bildern vost I Ummt Hoffmann. Was der Soldat zu tun hat, wie er -tl tut und zu welchem Zwecke, soll anschaulich hervvrgehobcn st ist I swl die Zweckbestimmung der Truppeniorper snr beit s-i-.titialb in allen Einzelheiten erörtern. Die alte.F«b«"^cht wird ub^V ne, - Dte große «anograitn, rote «w jj kurz °^er ^ang woA ^^I^gUvoi6l,tl diesem Buchet

Ädtrbnch ,Wer kommt?", Reime von I. Nennböffer, W.k

vetrühlichste. an dem Werke, er bleibt seit keinemPariser Exil" I tm kleinen Kreise des eigenen Schicksals stehen und fern Thema ist immer und immer wieder der Mann zwischen zwei Frauen. Das erfreulichste an dem Werke ist sein ungeschminkter, ungemm- winderter Haß gegen alles kleine, enge,, fadenscheinige, aber es gereicht ihm nicht zum Verdienst, daß die Namen der Personen vft allzu durchsichtig das lebende Vorbild erraten lassen. Inwieweit Holzamer daran beteiligt ist, ob er bei einer Ueberarbettung nicht rücksichtslos gestrichen hätte, das sind müssige Fragen, über die jedenfalls auch die von Holzamers Freundin vorbereitet« Biographie stillsckfweigcnd hinweggehen wird, wie über so manches andere, das ihr an meiner Lebensgefchillste des Dichters (Heft 52 der Beiträge Mr Literaturgeschichte) so ^unan­genehm ans die Nerven ging. ImEntgleisten be-

gegiien die Kenner seiner früheren Werke all den be­kannten Gestalten seiner Dorferzählnngen. wieder: Demalten Krafft", deralten Lisbetkch, und auch an das Grab des armen Lukas" werden wir gcsührt. Ein gewaltiges Gemälde von mannigfaltigen Gestalten entwirft der Dichter, von der hessl- schen Ziegelarbeiterin, derKaiser-Klar" einer Gestalt von köstlicher Derbheit und Frische zum Pariser Camelot Pierre, von der vornehmen Melanie zur leidenschaftlichen algertschM Tänzerin Beya, und durchmißt den langen Weg vom Heimats- .dorfe bis Paris von der Enge zur Weite der großen Stadt junb der großen Welt, aber ohne daß er sich selbst wtedergefundew

ati seine Stelle trat. Goethe, Herder, Gl.eiM, WielanL fanden sich hier ein, und vornehmlich waren es die gastlichen Häufe» des Staatsministers Peter Andreas Hesse und des KrteasrutrZ Johann Heinrich Merck, wo außer dem Salon der Landgrafist eine anregende und vielseitige Interessengemeinschaft gepflegt wurde. Tomins hat die empfindsame Zeit nicht nur m das schon» Gewand einer fließenden Sprache gekleidet, sondern hat auch einest zusammenfassenden Einblick in das seltsame, wunderbare Stück deck Vergangenheit gegeben, in dem dieschöne Seel-V ihren vc* zwingenden Einfluß ausübte.

Den Schluß dieser Reihe, die ich mit dem bebeuteubften fünfte lerischeu Werk begonnen habe, bilde das bedeutendste Wissenschaft-' liche Werk eines Hessen, Josef Collins großzügige und twfh gründige Darstellung H enrik I b s en s, fernes Werkes, ferne» Weltanschaming und seines Lebens, dte bet Karl W t n «. er ist Heidelberg erschienen ist. Collins tiefe, aller Phrase abholdck Anschaumig des großen Dichters hat schon atif Mich als blutiungest Studenten in einem überfüllten Kollegium einen nachhaltigen Ein­druck gemacht; der Abriß den Collin in der beschranktenZA seiner Vorlesungen geben konnte tritt hier mit derselben Warmö und derselben Klarheit als umfassendes Weltbild hervor, das nickst nur von einer völligen, lückenlosen Verarbeitung von ^bsenA Werken, sondern auch von einer erschöptetiben Behandlimg deck gesamten wesensverwandten Bestrebungen ausgeht. Bestrebungen- denn Collin sieht in Ibsen den religiösen Dichter, oder sogar dest Messias seiner Zeit. Er zeichnet zum erstenmal Ibsen auf Grnich seiner ganzen Dichtung als religiösen Dichter, und weist nut außerordentlicher Belesenheit die große Bedeutung uach bw baA

i Religiöse, nicht das Konfessionelle, für Jbseits, Leben und fltr

I Lebenswerk gehabt hat. Collin hat dabei zum «rsteiimal. bett gesamten Nachlaß verwertet und forscht mit unbestechlicher Sicher* heit nach des Lebens verborgenen Pfaden die er nut oft ubet* raschendem Scharfblick mit dem höheren.Leben, das! in allem, be* deutenden ist, in innigste Beziehung zu fetzen versteht. Es wurde

I Mt weit flihren, wenn man in einer Tageszeitung, eine eingehende Analyse eines wisseiischaftlichen Werkes geben wollte, um ihrn ganÄ gerecht zu werden. Ein besonderes Wort sei nur noch über den ganz persönlichen, phrasenlosen.Stil gesagt, der in emei, 8««

I der allgemeinen Schablone bet einer streng wissenschaftlichen Ab* I Handlung besonders schwer ins Gelvicht fällt. , .

Damit wäre die hessische Literatur, soweit sie von einigen« I Belang ist, erschöpft, aber wenn sie auch! an Menge Nicht besonders erscheinen mag, so steht sie doch art Güte wett über dem, waS durchschnittlich Jahr um Jahr auf den Büchermarkt kommt.

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