Ausgabe 
17.11.1910
 
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Donnerstag den 17. November

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Friedel Halb-W.

Roman von Fedor von Jobeltitz.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Ein neuer Feind, sagte sich Fritz. Wer tvas machte es! Der Streit mit den Miquelons hatte sich so zugespitzt, daß in der Iss-rt die Ehre des Hauses Friedel «auf dem Spiel stand. Alles persönliche. Empfinden trat dagegen zurück.

Fritz überlegte noch einmal, ob er seine flüchtige Be- kamitschaft mit der jungen Komteß Hoche zur Beilegung des lästigen Kampfes ausnützen könn'tei 1 Wer er verwarf den Gedanken sofort wieder. Die kleine Gräfin kümmerte sich gewiß nicht nm die Geschäftsangelegenheiten der Firma Miquelon; und was sollte auch eineBeilegung", da er sich im Recht fühlte!

Das Schlößchen war mit dem kleinen Hanse des Pro­kuristen telephonisch verbunden. Fritz fragte bei Kessel­holz an, ob er daheim sei, und beschied ihn zum Opa. Der Kommerzienrat war in Wiesbaden; er kehrte immer erst in später Nachtstunde zurück.

Beim Opa wurde verabredet, welche Schritte zunächst ?iH tun seien. Fritz erzählte unumwunden von dem Be- uche. Helldorfs. Darnach mar kaum noch zu bezweifeln, daß Herr Lesson gegen die Weisung des Herzogs, vermutlich bestochen durch die Miquelons oder ihren Agenten, den Grafen Eldringen, Epernayer Champagner für den Tauf­akt verwendet hatte. /

Der alte Opa stand dieser Tatsache zunächst völlig fassungslos gegenüber. Dann schüttelte er den Kopf. Der ganze Betrug hätte vermieden werden können, wenn ein Vertreter der Firma Friedel der Freier beigewohnt hätte. Das gehörte sich so. War Fritz durch militärische Order daran verhindert, so hätte eben Karl August nach litten« hooven reisen müssen, zum mindesten aber Kesselholz als Prokurist. Feßler war kein geeigneter Vertreter; ein tüch­tiger Maler gut, aber kern Kaufmann. Die ganze Geschichte war von vornherein verfahren worden. Wenn man eine so riesige Reklame in Szene setzt, muß man auch für ihre exakte Durchführung in allen Einzelheiten sorgen.

Mer Vorwürfe waren jetzt nicht ton Platze. Was tun? Kesselholz riet, von Herrn Lesson Erklärung zu fordern. Nein mit dem Manne hatte man vorläufig nichts zu tun, wenigstens nicht persönlich zu verhandeln. Die Oeffent- lichkeit mußte Aufklärung haben und damit der letzte Hieb der Miquelons pariert werden.

Der Opa hatte recht. Der Streit war bisher in her Veffentlichkeit ausgekämpft worden; hier mußte er auch wertergeführt werdew Es blieb nur der Jnseratenweg übrig. Der rvar kostspielig, aber das ließ sich nicht ändern.

Die ganze Welt begann sich bereits für denEham­pa gnerkrieg" zu interessieren. Auch in allen B ättern des Auslands war davon die Rede. Es mußten bei der Gegen­erklärung des Hauses Friedel also neben den deutschen und französischen noch die großen englischen, amerikanischen und rtalienischen Zeitungen berücksichtigt werden. Dies geschah in der Form folgenden Inserats:

Zur Aufklärung über die Veröffentlichungen der Firma Miquelon et fils in Epernay (Frankreich)

Im Mai dieses Jahres trat die Firma K. A. Friedel in Schrattstein (Rhein) mit dem Herrn Herzog von Weelen in Verbindung, nm sich die Lieferung des Schaumweins für die geplante Taufe des Luftschiffes Excelsior zu sichern. Der Herr Herzog sagte zu, sich bei dieser Zeremonie ettuec Marke der Firma Friedel bedienen zu wollen. Die Marke lag bereits versandbereit vor; zu Ehren der feierlichen Handlung wurde ihr gleichfalls der NameExcelsior" ge­geben. ..

Am21. Juni sandten K. A. Friedel tot den Herrn Herzog dreißig Kisten mitExcelsior" ab, mit der Bitte, den Wein bei dem Festbankett am 13. Juli verwenden zu wollen, lieber diese Sendung quittierte der Herr Herzog in einem Briefe vom 3. Juli, in dem er zugleich bat, den Taussekt samt Hülse und Emballage an den Direktor der Deutsch- niederländischen Luftschi,fer-Gesellschaft zu Uttenhooven, Herrn Henri Lesson, schicken zu lassen, der entsprechends Instruktionen erhalten habe.

Der Taufsekt samt Hülse und Einballage ging am 10. Juli durch Eilboten an die gewünschte Adresse ab und ist dort am 11. Juli nachmittags eingetroffen. Der Be- händigmrgsschein trägt als Quittung den Stempel der Deutsch-niederländischen Luftschiffer-Gesellschaft. Die Di­rektion. H. Lesson."

Am 17. Juli brachte derRheinische Kurier" als erstes deutsches Blatt die Meldung, daß bei der Taufe des Ballons Excelsior der gleichnamige Schaumwein der Firma K. A. Friedel in Schrattstein (Rhein) Verwendung gesunden habe. Französische Zeitungen widersprachen der Nachricht mit dem Bemerken, es handle sich um ein Konkurrenzmanöver der Firma Friedel; tatsächlich fei die Marke Exceljior des Hauses Miquelon et fils in Epernay (Frankreich) als Taufcham-! pagner verwendet worden. , , , _

Nun war es K. A. Friedel allerdtngs bekannt, daß Miquelon et fils nach bereits erfolgter Eintragung der deutschen Schaumweinmarke Excelsior in die hiestgen Patentregister die gleiche Marke für ihre Firma bet dem Pariser Zivilgericht angemeldet hatten. Es soll ununter- fucht bleiben, ob es sich dabei nur um hen Zufall der gleichen Idee gehandelt hat; gegenüber der Behauptung K. A. Friedel hätten die Idee der Firma Mtquelon et ftls nachgeahmt oder annektiert, aber sei konstatiert, daß di« Eintragung der Friedelschen Marke Excelsior in btt Zeichenroll'e des Kaiserlichen. Patentamts zu Berlm am