Ausgabe 
17.10.1910
 
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Friedel halb-süß.

Roman von FedorvonZobeltitz.

Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

7.

Mn Paar Tage später holte Fritz den Herzog von Abeelen auf dem Schrattsteiner Bahnhofe ab.

Tag, Jungfriedel, mein Sohn," rief Abeelen ihml lustig zu, als er aus dem Coups sprang.Sie zürnen mir doch mcht, daß ich mich so mir nichts dir nichts bei Ihnen ungesagt habe? Ich traf nämlich den Feßler im Kur­haus, und der erzählte mir, daß Sie seit kurzem heimisch geworden wären."

Seit vier Tagen, Durchlaucht."

Na also. Und da mein Techniker mich in Utenhooven haben will und ich demgemäß fortwährend auf dem Sprunge stehe, nach Holland äbzurutschen, so eilte es mir, mein Versprechen zu erfüllen und mir mal Ihre Fabrik anzuseheu. pr b ?"* doch auch meinen berühmten Daufsekt

Nun natürlich. Es soll sogar eine besonders feier- iche Probe werden. Nur müssen Durchlaucht gütigst ent- chuldigen, daß wir Ihnen nicht im eigenen Hause das chuldige Frühstück vorsetzen können"

Bin gar nicht auf Frühstück eingestellt, Liebster!"

Bedauere sehr, das entgeht Ihnen nicht. Aber wir mußten es in unserm Probiersalon servieren lassen, die­weil die Mama gar nicht so recht auf dem Posten ist."

Herrsch!" rief der Herzog, Fritz unterfassend.Was tst passrert? Influenza?"

Nein, Launenfieber. . . . Teuerste Durchlaucht, wir haben schon öfters von der Mama gesprochen. Sie ist nicht leicht zu behandeln. Seit sie weiß, daß ich den Abschied nehmen will, um in das Geschäft einzutreten, fällt sie aus einer Krisis in die andere. Notabene, sie selbst nennt das ihre Krisen, gegen die sämtliche ärztliche Autoritäten der Welt machtlos sein würden."

Wie äußert sich denu das Leiden der gnädigen Frau?"

Gegenwärtig ist es bereits in das ruhigere Stadium Ängetreten. Sie liegt in ihrem Schlafzimmer bei ver­hängten Fenstern, weigert sich, irgend einen von uns zu sehen, und nimmt ihre Mahlzeiten zu den ausgefallensten Terminen, zuweilen mitten in der Nacht. Sie hat Mer Gottseidank guten Appetit. Das ist, wie gesagt, dasruhi- igere Stadium". Vorerst war es anders. Doch es ist keine Gefahr dabei; es muß ausgehalten werden. Auch von uns."

Abeelen lachte.Fetzt verstehe ich. Es schmerzt die mütterliche ^Eitelkeit, daß die Husarenjacke dem Bürgerrock weichen soll. Friedel, ich kann Sie nur aufrichtig! beglück­wünschen. Wenn man der einzige Sohn ist, hat man doppelte Dflichten. Fährt uns das Kriegsbeil mal unversehens

zwischen die Beine, so schliipfen Sie ja doch wieder in die Attrla hinein grade wie ich. Und Rekruten drillen und Appell abhalten das machen andere ebensogut."

Sagt ich mir auch. Im übrigen stand das Muß hinter mir. Mein Vater hat eine Stütze nötig. . . Wir haben nur ein paar Schritt bis zu den Kellereien, Durchlaucht. Jst's Ihnen recht, wenn wrr zu Fuß gehen?"

Sehr recht. Friedelchen, zwischen unserm letzten Bei­sammensein und heute liegt auch Ihr Duell. Was die Zei­tungen nicht berichteten, hat mir Feßler gemeldet. Ich! weiß also Bescheid. Nicht werfen lassen, lieber Jung«! Der Herausfordernde war diesmal das Schicksal. Zwin- gen Sie es!"

Die Beiden schritten hinter dem Bahnhose an dem Eisengitter entlang, hinter dem die Fabrikgebäude der Firma Friedel sich erhoben. Aber der Eingang lag auf der rück- wärtigen Seite: sie hatten noch ein paar Minuten Wegs vor sich.

Ich will Ihnen ein Gegenstück zu Ihrem Unglück er­zählen," fuhr der Herzog fort.Als ich ein Junge von sechzehn Jahren war, besuchte mich ein Schulfreund auf unserm Zagdschlößchen bei Verheyüen, wo mein Water am liebsten wohnte. Der Freund war ein Keiner Graf Welcker und nicht älter als tcK Eines Tages übten wir uns tot Scheibenschießen. Ein Diener stand hinter der Scheibe und zeigte jedesmal den Einschlags Bei einem Schuß glaubt« Will Welcker, der Diener habe sich geirrt und wollte sich selbst überzeugen. Er tat es, sprang dann gleichfalls hinter die Scheibe und ries mir zu:Schieß losi ich bleib« hier!" Ich zielte lange, weil die Büchse neu und ich mit ihr noch nicht eingeschossen war. Mein Zaudern mußte Will auffalleu, denn plötzlich steckte er den Kopf vor und rief:Das dauert ja ewig" oder so ähnlich. In diesem Augenblick fiel mein Schuß und da hatte der Satan die Kugel gelenkt. Ich fehlte sonst selten- aber diesmal traf ich das Zentrum nicht, sondern den armen Jungen. Ich traf ihn in die rechte Schläfe. Er fiel lautlos um und war tot."

Genau wie Spättnuth," sägte Fritz leise und mehr zu, sich selbst, als zu Abeelen gewenoet.

,',Mein lieber Friedel, ich wiederhole, ich war ein Bursche von sechzehn Jahren. Im Wahnsinn meiner Wer,- zweiflung verlor ich den Kopf, rannte dem Diener davon und stürzte mich in den Schloßteich. Man zog mich wieder heraus; ich raste im Fieber und kämpfte ein paar Wochen mit dem Tode. Aber ich genas, und da ging der Kämpf erst recht los. Diesmal nicht mit dem Tode, sondern gegen die inneren Gewalten, die mich bestürmten. Es hatte ein Gutes: es hat mich Mann werden lassen. Ich wurde Herr über mein Geschick. Will war mein liebster Freund.' und ich habe ihn ehrlich betrauert. Wer ich wollte bett Schmerz meiner Schuld tricht ewig durchs Leben schleppen. War's eine Schuld? Oder war er in seiner Unvorsichtigkeit nicht schuldiger gewesen als ich? r; Ich habe mir Forschen