Ausgabe 
17.9.1910
 
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vermischter.

* Ein Besuch d er Kaiserin Elisabeth bei 5) eines Schwester. Im Pariser Journal findet sich ero interessanter Bericht über einen Besuch, den die Kaiserin beth von Oesterreich der Frau Emden, der Schwester Heinrich Heines, gemacht hat. Es war in Hamburg rot Jahre 1820, als die damals 99 jährige Frau Emden eines Morgens, als ite noch im Bett lag, von ihrem Mädchen die Anmeldung eines Besuches der Gräfin V. erhielt.Zum Kuckuck mit den Grä­finnen!" sagte die alte Dame verärgert,man stört die Leuts Nm diese Stunde noch nicht." Aber nach ein paar Minuten kehrte das Mädchen ganz bestürzt zurück und stotterte:^Der Herr, der jene Dame begleitet, hat mir gesagt:Sagen Sie der Fran Emden, daß die Kaiserin von Oesterreich sie zu sprechen wünscht. Wir kommen ausdrücklich zu diesem Ztveck aus Hannover. >,Stellt Euch vor," erzählte die alte Dame später,ich war darüber so verblüfft, daß ich mir das Gesicht mit einem garrzeii Liter Eau de Cologne wusch. Die Kaiserin stand, als ich ut das Empfangszimmer trat, auf und könnt ^hr es Euch benfen? küßte mir die Hand. Sie blieb einen guten Dell des Tages bei mir, las mit großem Eifer dieBriefe: meines Bruders und schrie vor Freude auf, als ich ihr die Handschriften seiner Arbeiten zeigte'. Als sie mich verließ, dankte sie mir für die Stunden, die sie in meiner Gesellschaft verbracht hatte. Erst in dem Augenblick, als sie sich verabschiedete, merkte sie den Geruch des Eau de Cologne, und als ich ihr erzählte, trne ich mich in der ersten Bestürzung über den unerwarteten Besuch vergriffen hatte, lachte sie herzlich darüber und bat miet), em andermal keine Umstände zu machen und sie wie eine Frenndm zu empfangen ..." . r

* Eiii neues KonservierungSversahreu für Eier. Dem Wiesbadener Chemiker Dr. M orck ist es nach derDeutschen Landwirtschaftlichen Presse" gelungen, ein neues Mittel zur Konservierung von Eiern zu finden, das gegen- über den bisher bekannten bedeuteiide Vorteile haben soll. Es handelt sich um ein Konservierungsöl, zu dem keine mineralische Substanz verwendet wird. Die mit dem Oel bestrichenen Eier sollen nicht etwa fettig aussehen, sondern nur von einem leichten Oelhäutchen überzogen sein, und >iach längerem Siegelt sehen sie, abgesehen von einem an der Unterseite hängenden kleinen Oel° tröpichen, außen ganz trocken aus wie frische Eier; solche, die schon 8'/. Monate gelegen hatten, waren innen ganz frisch. Aus dem Eiweiß ließ sich noch fester Schnee schlagen. Unbehandelte Eier, die 11'/, Monate anibewahrt gewesen, waren in ihrem Gewicht von je 1000 Gramm zurückgegangen auf 510 Gramm, dagegen Eier, die mit Konservierungsöl behandelt worden waren, voii je 1090 Gramm auf nur rund 930 Gramm. Diese fast ein Jahr alten Eier ließen sich kochen, ohne daß die Schale platzte. Ihr Aussehen, Geruch und Geschmack war denen von frischen Eiern ähnlich. Die Eier wurden nicht etwa an besonders kühlem Orte ausbewahrt, sondern in einem Kästchen in einem Arbeits­zimmer, wo sie allen Temperaturschwankungen ausgesetzt waren.

* Eine durstige R e k l a m es ch r i f tst e l l e r in. Ein Leser derKölnischen Volkszeitung", ein Weingroßhändler, erhielt dieser Tage von einer süddeutschen Schriftstellerin, die offen- bar F r e u n d i n eines g u t e n T r o p f e n s ist, nachstehendes eigenartiges Schreiben:Sehr geehrter Herri Mit Gegenwärtigem ersuche ich Sie höflich, mir zur kostenfreien Ausarbeitung eines hübschen Artikels über IhreWeine" die nötigen Unterlagen zn- qehen zu lassen. Es wäre mir deshalb erwünscht, von Ihnen Pro­spekte und sonst Wissenswertes eventuell aus Probe zu erhalten. Der gedachte Artikel ist für ein Familienblatt bestimmt, welches sich allgemein großer Beliebtheit erfreut und darum in den

lachend auf die Schulter und meinte, unterKollegen" dürfe man das nicht so nehmen unbi es sei ihm eine Ehre gewesen, mir eine Gefälligkeit erweisen zu können.

Am anderen morgen hatte ich unter der mangelhaften Bahiiverbindung nach Daun zu leiden. Der erste Zug ging schon gegen 5 chhr, was mir nach der anstrengenden Wan­derung des vergangenen Tages aber zu früh war. Ich mußte deshalb bis nach 10 Uhr warten und benutzte die Zeit M einem kleinen Ausflug in die nächste Umgebung, der aber so groß war, daß ich den Zug nur mit knapper Not er­reichte. Daun, der Mittelpunkt der vulkanischen Eifel, wird von den Trümmern des Schlosses Dann über-' ragt. Das Schloß, das schon 1352 von den Erzbischöfen von Köln und Trier zerstört wurde, ist die Stammburg des österreichischen Feldmarschalls Daun, des Gegners Friedrichs des Großen. Eisliam nescit, gui Dunam ignorat. (Wer von Daun nichts weiß, kennt die Eifel nicht) ist ein alter Spruch, und wer das stille Städtchen in ferner schonen Lage im Liesertal und mitten in den Lavabergen gesehen hat, wird ihm nicht widersprechen.

Bon Daun wanderte ich nach dem! Maaren.

(Schluß folgt.)

breit

Auflösung in nächster Nummer i

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Reise, Reihe, Reize, reite.

ttönigspromenade.

Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Wefle miteinander verbinden, daß man wie der -Ko > i >6 u f d e i n S am ch-

weiteren Kreisen Aufnahme gefunden hat. Das Manuskript laße ich Ihnen vor Druck noch zur Prüfung zugehen. Ich wurde mich freuen, wenn Sie aus meinen Vorschlag eingehen, d. h. mir tu Bälde Ihre gefl. Antwort sowie erbetene Unterlagen ein­senden wollten." , , ,,, .

'Spiel und Sport. Aus Paris wird berichtet: Die Spiele im Hause sind in Gefahr, von dem Sport im Freien und insbesondere durch das Automobil verdrängt zu werden. Am nieisten erscheinen die Sp i e l ka r t e n und die Billards bedroht. Die Steuerstatistik liefert dafür den unwiderleglichenBeweis, auch wenn der Eindruck, den man in Pariser Caids erhält, dagegen zu sprechen scheint. Im Jahre 1872 wurden gegen 73 000 Billards ut Frankreich besteuert. Bis zum Jahre 1888 wuchs ihre Zahl stetig!damals erreichte sie den höchsten Stand von 97 000. seitdem ist die Zahl wieder zurückgegangen, und im letzten Jahr waren es mir noch 88 000 Billärds, d. h. int Lause der letzten beiden Jahrzehnte ha^en etwa 8500 Billards zu existieren aufgehört odervielleicht auch als Eßzim- inertische eine andere nützliche Verwendung gefunden. Dasselbe Refiiual zeigt sich beiden Spielkarten. Vor dreißig Jahren wurden 3 600 000 Spiele jährlich in Frankreich verkauft. Im letzten Jahre waren es nur noch 2 9u0 000. Mag auch zum Teil die erhöhte (steuer ve- wirken, daß weniger Spiele verbraucht werden, so ist der Rückgang doch unverkennbar, und die Ursache für die abnehmende Beliebt­heit vom Billard- und Kartenspiel findet man ausschließlich m oer zunehmenden Pflege des Sports und des Automobilfahrens das die Leute heute weniger Zeit im Hauke verbringen laßt als früher.

* Was ein moderner Apollo braucht. In die Geheimnisse der männlichen Toilette und tu die Mittel, nut denen der moderne Dandh sich zum Urbild stolzer Schönheit entwickelt, gewährt die Preisliste einer französischen Firma einen tiefen Einblick. Ein Paar gutgepolsterte Waden, die dem Bein die ver­führerische Rundung geben, sink'schon für 8Mk. zu erhaltm. Ein Paar ertra fein gepolsterter Waden mit Nickelbeschlagen kostet seinem Besitzer die breltbrustige Männlichkeit und stolze Kraft, die die Frauen so lieben. Als Vervollständigung^wwd er freilich noch ein Paar fischbeinernerHerkules-Schultern bedürfen, mit Springfedern und Sicherheitsverschluß. Allerdings koste«. dies« Schultern 64 Mk. Hat so der neue Apollo für die Vervollkomm­nung seines Körperwuchses das Möglichste getan, datro wird er zum verführerischen Adonis, wenn er sich troch einigerandere Mittel bedient. Ein PfundVerfiihrungspomade steht. chm schon für 36 Mk. zur Verfügung. DenZauberdnft verschafft er sich das Flächfchen zu 14 Mk. , Das geheimnisvolle Schönheits­mittel aber, das mit dem einzigen mystertosen WortEUxu angekündigt wird, ist nur für 80 Mk. erhältlich.

* Kinderm u n d. Lottchen:Mama, was macht denn der Vogel da?" Mama:Er füttert seine Jungen. Lottchen. Und die Mädchen bekommen nichts?" ~.

* In der Saison. Gast:Herr Wirf, wie können Sie mir für eine Nacht zwei Logis auf die Rechnung setzen c Wirt:Aber Sie sind doch der Herr, der vom Heuboden in i>m Kuhstall 'runterg'fallen ist und dort welterg schlafens

Präzisierung. Kurgast (eben in das elegante Hotel eines neuen Kurortes eintretend, vom Hotelier und einem Stab« von Kellnern geschäftig umringt):Zur gefall gen Rot z, -8er ehrtester, daß ich bezüglich Ihrer Preise nur als Kurgast, nicht als Kurfürst betrachtet werden mochte.

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Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm Universitäts-Buch, und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»