Samstag den \Z. September

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Das schlafende Heer.

Roman von Clara Vie big.

lFortsetzuiig.) (Nachdruck verboten.)

Kornelia, mit linkischer Höflichkeit, hatte den Besuch in den Salon gebeten. Also so sah die für schön geltende Frau von Dvleschal, Pauls Angebetete, von nahe besehen aus? Bon weitem, in der Kirche und im Hut, entschieden besser! Die Augen der Sechzehnjährigen funkelten neugierig: Donnerwetter, höllisch passee!"

Da Helene kein Wort sagte, sondern ungeduldig int Zimmer auf und ab schritt, hatte der Backfisch Muße, sie zu mustern. Und er tat es gründlich, vom Schleier des Hutes bis hinab zur Schuhspitze; nichts entging dem neu­gierigen, unbarmherzigen, spottlustigen jungen Blick: hu, sah die aus, nicht ein bißchen schick, da war hie Garczhnska doch eine ganz andre! Kornelia hatte eine geheinte Schwär­merei für die elegante Frau, die sie immer mit schneidigen Pferden fahren sah, und die schon viele Verehrer gehabt haben sollte. Die war interessant! Aber die hier sah riesig simpel aus! Und wie ihr das Haar um den Kopf hing, ganz verweht, und Falten hatte sie auf der Stirn, Falten na, wie Paul sagen konnte, die wäre. . J

Kornelia schreckte aus ihren Betrachtungen auf.

Kommt Ihre Mutter noch nicht bald?" hatte Helene gefragt und war dann dicht vor dem jungen Ding stehen geblieben, das auf dem Taburett vorm Klavier hockte. Mit krampfigem Griff itmfaßte sie den schlanken Mädchenarm in der weißbetupften Mullbluse:Bitte, sehen Sie doch zu, daß Ihre Mutter bald kommt, ich" eine plötzlich Von neuem auflodernde Angst erstickte fast die Stimme ich muß sie sprechen!"

Na, so eilig hatte die's? .Kornelia trödelte den Korri­dor hinunter, der vom Salon nach dem' Schlafzimmer am andern Ende des Hauses führte. Int Borbeigeheit naschte sie noch ein paar Erdbeeren in der Schrankstube, trotz des ängstlichen Protestes der MamsellAe was, als ob sie das merkte!" und pfiff sich dann eins.

Die ist aber höllisch abgetakelt!" Damit platzte sie in die Schlafstube, wo die Mutter nun doch, trotz des Einmachens, ein wenig Toilette gemacht hatte.Nu, geh doch schon 'rein, Mama, sie ist ganz aus dem Häuschen, wie 'n Hund, den die Flöhe beißen!"

Aber Kornelia, um Gottes willen, woher hast du solche Ausdrücke?!" Frau Kestner konnte nicht umin, sie mußte der Tochter noch eine Strafpredigt halten auf die paar Minuten kam's nun wirklich nicht mehr an, mochte die Doleschal nur noch warten!

Wenn sie doch bald käme, wenn sie hoch bald käme! Ungeduldig wie ein eingesperrtes Tier rannte Helene im Zimmer hin und her, her und hin. So leer, so kalt war's hier! Dort hing der Klingelzug bei der Tur i=s perlen­

gestickt, eine lange Blätterrauke, grün auf blauem Grund wenn sie da nun anfaßte, daran riß, daß es durchs Haus gellte: Hilfe, zu Hilfe----?! Wenn sie doch nuN

endlich käme! Um den Hals fallen wollte sie thr, die Arme nm sie schlingen, war sie doch auch etile Gattin, eine Mutter sie umklammern:Sa'geu Sie mir, ach, sagen Sie mir, was ist geschehen?! Helsen Sie, ver­schweigen Sie nichts Sie wisseu's, ich sehe es -ohnen au!" Ihr zu Mißen fallen:Ach, sagen Sie mir doG sagen Sie mir, was ich tun soll? Sie sehen mich in Angst i in Todesangst mein Mann, ach, mein Mann. ev ich"

Da öffnete sich die Tür. Fran Kestner trat stattlich ein, hinter ihr die aufgeschossene Kornelia.

Was verschafft mir die Ehre?"

Helene hatte die Arme ausgestreckt gehalten, sie sanken ihr jetzt herab. Blaß werdend bis in die Lippen, schloß sie eilten Moment die Augen, und dann öffnete sie sie weit und starr: nein, sie mußte sich zusammennehmen! Was verschafft mir die Ehre?" das war kalt tote Eis!

Und sie nahm neben Frau Kestner auf dem Sofa Platz. Drüben auf dem Taburett saß die Tochter und hielt die Füße nicht ruhig.

Kornelia!" Ein verweisender Blick der Mutter traf die Tochter. Dann war's für ein paar Augenblicke verlegen still. .

Gnädige Frau," sagte Helene, öie sah es ent, es war an ihr, sie mußte sprechen, die andere würde nicht aus ihrer reservierten Höflichkeit herausgehen. Aber war sie nicht Pauls Mutter, eine gute Gattin, eine gute Mutter? So sagte sie denn rasch, ohne sich Zeit zum Ueberlegen! zu lassen:Liebe gnädige Frau, gerade heraus, sagen Sie mir, was haben Sie gegen uns? Darum bin ich gekommen. Es drückt mich. Wollen Sie nicht die Güte haben, mir zu sagen, was Sie und Ihr Herr Gemahl gegen uns haben? Es tut mir so leid! Ich würde es gern wissen gern ändern!" Das klang tote eine auswendig gelernte Lektion, in einer aitgelernteu Sprache.

Ich gegen Sie haben?" Frau Kestner lächelte ver­bindlich.Sie irren, Frau Baronin, ich wüßte nicht, was wir gegen Sie haben sollten!"

,L) doch, o doch! Ich fühle es, Sie haben etwas gegen uns alle haben etwas gegen uns!" Es fiel nun doch schon etwas ab von dem angelernteit Don: und nun wurde es ein Schrei des Herzens, eilt Schrei aus tiefster Herzeiisnot:Was hat man gegen uns, gegen meinen Mann besonders?! Liebe Frau Kestner, sagen, sagen Sie es mir doch!" v

Helene hatte die Hand der neben ihr Sitzenden er­griffen. Frau Kestner machte ihre Hand nicht frei, sie ließ sie ruhig, wo sie war, aber sie fühlte gar nicht die zuckende Angst, das verzweifelte Pressen der Mnger, die die ihren umschlossen.Meine liebe Baronin," sache sie kühl,es wäre besser, wir Frauen mischten uns .Nicht m