172

araphenbvamter wird sich bei Ms weigerir, ein Telegramm mt Mister Smith nach London anfzunehmen, daß in Köln zwanzrg Transporte fetter Ochsen angeschafft wären. Uno doch kann das bedeuten, daß innerhalb der letzten 24 Stunden zwanzig Züge Mit je einem Jnfanteris-Bataillvn in Köln eingetvoffen smd.

Besondere Vorbereitungen müssen auch die Festungen tn dieser Hinsicht treffen. Sie sind für den Fall gebaut, daß der Feind in das Land dringt, daß sie belagert werden. Für sw fontmt es in erster Linie darauf an, auch während der Emt- schlietzung und Belagerung Nachrichten über den Gegner zu er­halten und dessen Maßnahmen und Pläne zu erfahren. Sehr wichtig ist es, rechtzeitig zn erfahren, gegen welchen Teil der Festung der Feind feinen eigentlichen belagerungsmaßrgen An- griff richten will. Je eher dies feststeht, desto eher können die ent­sprechenden Gegenmaßregeln getroffen werden. Dazu gehört die Feststellung der feindlichen Ausladeorte, die Erbauung von Feld­bahnen, Anlage von Handwerkszengdepots, Vereinigung von Ar­beitertrupps u. bergt Dazu müssen in der Umgebung der Festung auch schon im Frieden Leute bestimmt und ausgesucht sein, die genau wissen, ioorauf sie ihre Aufmerksamkeit und ihr Augenmerk zu richten haben und die Wege und Mittel kennen, wie sie solche Nachrichten schnell und unauffällig in die Festung gelangen lassen können. Am zweckmäßigsteir werden hierzu Leute verwendet, die durch ihren Bermf mit den örtlichen Verhältnissen vertraut sind lind deren Verbleib inmitten der feindlichen Truppen nicht weiter verwunderlich ist, Ivie Förster, Bahnmeister Chausseewärter, Grenz- beamte, Steueraufseher und bergt Da sie beinahe alle gedient haben, vielleicht alte Unteroffiziere sind, so werden sie auch mit den einschlägigen militärischen Verhältnissen genau bekannt fein. Erforderlichenfalls müssen sie besonders unterrichtet und ausge- biloct werden. Dies ist namentlich wichtig, um technische Einzel­heiten richtig zu schildern. Hierzu gehört die Bestimmung der ver­schiedenen Geschützarten und Kaliber. Natürlich ist es schwierig, diese Nachrichten in die emgeschlossene Festung gelangen zu lassen. Man muß sich dazu der Brieftauben, Flaschenposten, besonderer Lichtsignale bedienen. Häufig finden sich auch unterirdische Gänge, alte Wasserleitungen und dergleichen vor, die man zu diesem Zwecke benutzen kann.

Wichtige Hinweise auf die Maßnahmen des Gegners enthält Häufig die Presse uich zwar nicht sowohl die großen politischen urnale, sondern die kleinen Blätter in den Grenzstädten und in den Grenzprvvinzen. Ihre genaue Lektüre ist dringend erforder­lich. Es ist bekannt, wie die erste Nachricht von dem Vormarsch Mac Mahons von Reims auf Metz zum Entsatz von Bazaine durch jein belgisches Blatt gebracht toitrbe.

Aus diesen kurzen Andeutungen ergibt sich, ein tvelch weites Feld die Spionage umfaßt, und wie sie ein zwar unmoralisches Und verwerfliches, dennoch aber ein unentbehrliches Hilfsmittel der Kriegs- und Heerführung geworden ist, auf das kein Staat verzichten kann. Je besser dieser Dienst organisiert ist, je mehr Geldmittel auf ihn verwendet werden, desto besser werden auch die Erfolge fein, mit um so größerer Sicherheit kaun die Heeres- leitung dann die Maßnahmen treffen, die geeignet find, den glücklichen Ausgang des Krieges zn gewährleisten. Der Staat, der unter den jetzigen Verhältnissen einseitig dieses Hilfsmittel vernachlässigen würde, würde sich einer schweren Unterlassung schuldig machen. v. S.

Lin Gespräch mit Napoleon.

Einen fesselnden Beitrag zur Charakteristik Napoleons bringen die Lebenserinnerungen des Lord Broughton, die vor kurzem in London erschienen sind und in betten der britische Lord ein merkwürdiges Gespräch widergibt, das ein Freund von ihnr, der Napoleon auf E!ba besuchte, Mit dem Kaiser gehabt hat. Der Engländer stellte sich auf den Weg, den Napoleon gewöhnlich zu passieren pflegte; der verbannte Imperator sah den Fremden, sprach ihn !an und forderte ihn schließlich auf, ihn in das kleine Zrmmer zu begleiten, das er auf Elba bewohnte.Nun können Sie mir alle Fragen stellen, die Sie wollen, ich will Ihnen antworten." Das erste, was der britische Besucher fragt, zielt auf den Grund, der Napoleon veranlaßt hatte, so lange in Moskau zu bleiben.Ich habe die meteoro­logischen Karten der letzten 30 Jahre durchstudiert", er­klärte Napoleon.Der Winter des Jahres 1812 kam um fünf Wochen zu früh. Ich konnte das nicht Voraussehen. Ich beging einen Fehler, wie ich deren in meinem langen Leben als Soldat und Staatsmann vielleicht täglich zehn beging. . . . Ja, vielleicht zehn am Tage. . . . Ebenso wie ich den Fehler beging, England erobern zu wollen. Ich habe stets gesagt, es gäbe nur zwei Nationen: die eng­lische Nation und die französische Nation. Die französische Nation habe ich geschaffen." Napoleon befragt dann den Besucher nach der Stimmung des englischen Volkes:Sie glauben, daß England niemals meine Herrschaft ange­

nommen hätte?" Der Engländer erwidert, daß man zwar das Genie Napoleons bewundere, doch zwei oder drei Taten habe der Kaiser vollbracht, die ihm die Engländer nie ver­zeihen können Napoleon besteht darauf, diese Taten auf­gezählt zu hören. Endlich sagt der Besucher:Also gurr vor allem der Tod des Herzogs von Enghien."Bah", meinte Napoleon,das sind Dummheiteit." Und er fährt fort:Warum hat er mit Georges und Pichegru fünf Meilen von der französischen Grenze Komplotte ge­schmiedet? . . . Ein Kriegsgericht hat ihn verhört und ver­urteilt. Man hat ihn nicht des Nachts erschossen, sondern am Hellen Morgen. Man sagte mir, ich müsse ibn zum Tode verurteilen." Aber Napoleon will auch die an­deren Vorwürfe unverblümt hören.Man beschnllsigt Sie", so antwortet der Engländer,in Jaffa 2000 Türken hin­gemordet zu haben."Es waren 3000," berichtigt ihn Napoleon.Ich hatte ihnen einen Offizier mit der Par- lamentärslagge geschickt und ihnen raten lassen, die Stadt zu verlassen, da "ich mich nach der Einnahme genötigt sehen würde, mit ihnen auszuräumen. Sie haben meinen Ab- gesandten getötet, ihm den Kopf abgeschnitten und das Haupt auf eine Lanze gespießt. Als die Stadt zerniert war, wurden sie zum Tode verurteilt. Robert Wilson und Syd­ney Smith hätten nicht anders gehandelt. Zudem gab! es nicht genug Lebensmittel für Türken und Franzosen,- ich hatte zu wählen, wer sterben müsse, unb ich habe nicht gezögert." Ms der Engländer die Legeiche streift, wonach man Napoleon in Fontainebleau zwei Pistolen ließ, uni durch seinen Selbstmord seine Abdankung zu vermeiden, lacht der Kaiser laut auf.Welche Torheit! Blieb mir nichts anderes übrig? Wie, ich sollte mich ermorden wie ein unglücklicher Bankrottier, der pack Verlust seines Ver­mögens sich eine Kugel in den Schädel jagt? Nein, Na­poleon blerbt immer Napoleon: er wird auch das Un­glück tragen. ... Sie werden zugeben, daß ich mich auch in diesem Augenblick noch in einer besseren Lage befinde,- als damals, da ich Artillerieoffizier war." Als der Eng­länder von einem Dreigestirn großer: Männer spricht: Alexander, Cäsar und Napoleon, blickt ihn der Kaiser fest an. Dann meint er:Sie hätten Recht, wenn mich in Mos­kau eine Kugel niedergestreüt hätte, aber meine letzten Fehlschläge haben den Ruhm meiner früheren Zeit ausge­löscht." Und nach kurzem Schweigen fügt er hinzu:Ich bin zu gut gewesen. . . . Ja, zu gut: alle haben mich, verraten. Was die Marschälle Frankreichs betrifft: sie sind nicht so viel wert", und dabei schnippte er mit den Fingern. Auf die etwas unverfrorene Frage des Be­suchers, ob Marie Luise ihn geliebt habe, meint Napoleon: Ach, die arme Frau, wenn sie mich wenigstens geliebt hätte." Er weiß nicht zu beantworten, ob der König von Rom ein schönes Kind ist:Wirklich, das kann ich Ihnen nicht sagen: ich sah ihn so selten: ich war immer int Kriege." Als er hört, daß man in Paris von allen Bau­werken und Denkmälern sein Wappen und die Adler ent­fernt hat, bemerkt er trocken:Das sind Lastpalien. . > < Vielleicht hätte ich besser getan, mein N nicht auf die Bauwerke zu setzen."

Humoristisches.

* Glückliche Ehe.War Ihr Reisender nicht früher im Bureau bei Ihnen?"Jawohl. Um den Reiseposten hat er sich erst beworben, nachdem er sich verheiratet hatte!"

* I m Dorfwirtshaus.Kann ich etwasBauern-^ geselchtes" mitnehmen, Herr Wirt?"Ja, dös kennen's scho hab'n, aber es geht uv a gute halbe Stund' her, bis d'Stadt- bötin" kommt!"

Zitatcu-Rätsel.

Aus jedem der iolgeuden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zilat ergibt:

1. Ten schreckt der Berg nicht, wer daran! geboren.

2, Begnügt euch doch, ein Mensch zu fein.

3. Der brave Mann denkt an sich jelbst zuletzt.

4. Es war die Nachtigall und nicht die Lerche.

6, Wem Gott will rechte Gunst erweisen, Den schickt er in die weite Welt.

6. Mancher glaubt, er lenkt, und hält doch nur die Zügen Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nummert Mit Worten bezahlt man feine Schulden,

Redaktion: K. Ne u r a t b. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, Wiebe»